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Rezensionen verfasst von
Lieschen Müller

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Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport
Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport
von Jürgen Beckmann
  Broschiert

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anleitung zum sportpsychologischen Training, 22. Oktober 2008
Bisher kannte man praktische Bücher zur Sportpsychologie aus dem Amerikanischen. Mit "Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport" ist es zwei praktisch tätigen Sportpsychologen endlich gelungen, diese Lücke für den deutschsprachigen Raum zu füllen. Jürgen Beckmann und Anne-Marie Elbe sind beide seit Jahren nicht nur praktisch in der Sportpsychologie tätig und verfügen damit über die entsprechende Erfahrung, sondern lehren Sportpsychologie auch in München und Kopenhagen und besitzen damit das wissenschaftliche Hintergrundwissen im Umgang mit Athleten. In ihrem Buch geben sie dem Leser, der Psychologe, Trainer oder auch der Athlet selbst sein kann, hilfreiche Strategien im Umgang mit vielfältigen Problemen, die im Sportbereich auftreten können. Das Buch gliedert sich dabei in zwei Teile: Zunächst werden die Grundorientierungen dargelegt. Diese dienen als Basis für den zweiten Teil, in welchem konkrete Interventionsmaßnahmen erläutert werden. Bedeutsam ist hierbei, dass alle vorgestellten Maßnahmen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. So wird eine klare Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen. Nicht nur Themen wie Diagnostik und Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung, Talent und Talententwicklung werden besprochen, sondern auch das Grundlagentraining, Entspannungsverfahren und Fertigkeiten zur Stabilisierung sportlicher Leistung sind Kapitel des Buches. Zum Abschluss werden dem Praktiker Hilfen an die Hand gegeben, mit denen er schnell und sicher das Problem seines Athleten und dessen Ursachen erkennen und Lösungsmaßnahmen in die Wege leiten kann.
Alles in allem ein lang vermisstes Werk, welches zeigt, wie langjährige wissenschaftliche Forschung effektiv in die Praxis umsetzbar ist - und das auf eine sehr leicht lesbare, interessante und spannende Art und Weise.

Beim Leben meiner Schwester: Roman
Beim Leben meiner Schwester: Roman
von Jodi Picoult
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Klare Angst vor dem Feuer ..., 7. September 2007
Dieses Buch beweist wieder einmal folgendes: Wenn man Angst vor den Konsequenzen hat, sollte man von einer Sache die Finger lassen. Jodi Picoult greift in ihrem Roman "Beim Leben meiner Schwester" ein schwieriges und brisantes Thema auf, welches gemeinhin als "moralisches Dilemma" bezeichnet wird. Anna wurde geboren, um Kates Leben zu verlängern, von retten kann nicht wirklich die Rede sein. Anna, zigmal als Spender ungefragt genutzt, geht schließlich vor Gericht, um über sich selbst entscheiden zu dürfen. Das aber kann Kates Tod bedeuten.
Schön wäre es gewesen, hätte sich die Autorin in der Darstellung der Geschichte und aller ihrer Charaktere auf dieses Dilemma beschränkt. Stattdessen weicht sie immer wieder aus, indem sie die zusätzliche Liebesgeschichte zwischen Anwalt und Verfahrenspflegerin und die pyromanische Karriere des kleinkriminellen Bruders einbaut. Es stört nicht, dass die Geschichte aus der Sicht eines jeden Beteiligten erzählt wird; das erhöht die Dramatik, denn so kann man als Leser die Entscheidung der einzelnen Personen durchaus nachvollziehen und weiß, dass jede(r) gute Gründe hat, zu tun, was er/sie eben tut. Problematisch wird es nur, dass Anna, Hauptcharakter, Entscheidungsträger, Protagonist, wichtigste Figur, meiner Meinung nach völlig zu kurz kommt. Ihre Gefühle, ihre Gedanken, sie selbst werden nicht klar definiert, sie bleibt schwammig und nicht greifbar und man versteht nicht wirklich, was sie eigentlich will (nichtmal am Ende, nachdem ein entscheidender Aspekt hinzukommt). Es läuft darauf hinaus, sie sei entwicklungspsychologisch nicht in der Lage dazu - das scheint die Entschuldigung der Autorin für die Oberflächlichkeit Annas zu sein. Neben der, dass es eine recht überraschende Wendung im Verfahren selbst gibt, die aber auch nur als Entschuldigung dient, Anna weiterhin keine Entscheidung abverlangen zu müssen. Und neben dem grandios vermasselten Ende, das die Entscheidung in die Hand des Schicksals legt und damit alles zunichte macht, was eine Entscheidung von irgendwem hätte abverlangen können. Das ist feige, macht keinen Spaß, man ist am Ende des Buches, soweit wie am Anfang und darf nun hoffen, dass sich solche moralischen Probleme von selbst lösen. Nein, ein bißchen mehr Mut hätte dem Buch nicht geschadet. Weiterhin hätten die Charaktere allesamt etwas liebevoller und nicht so arg mechanisch kalt konstruiert dargestellt werden sollen - viele Klischées fallen ineinander (es hätte gereicht, den Sohn als Eigenbrödler zu zeigen, um klarzumachen, dass er sich überflüssig fühlt - dazu muss man keine Kriminalität und Drogen mithineinbauen ... allzuviel ist ungesund).
Das Buch hat, wie viele Bücher, Potential, und man weiß, dass es keine richtige und keine falsche Entscheidung geben wird. Aber irgendeine (nicht schicksalshafte) Entscheidung, die in jedem Falle (!) gut begründet gewesen wäre, wäre immer noch besser gewesen, damit der Leser, der sich gerade des moralischen Aspekts zum Lesen bewogen sah, nicht völlig enttäuscht ist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 18, 2013 1:14 PM MEST


Ohne ein Wort
Ohne ein Wort
von Linwood Barclay
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz nett, aber mehr auch nicht, 22. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Ohne ein Wort (Taschenbuch)
Wie kommt es, dass viele sogenannte "Psychothriller" in letzter Zeit richtig gut starten und dann ab der Hälfte kippen und irgendwie an Erzähltempo verlieren? "Ohne ein Wort" von Linwood Barclay gehört leider auch wieder in diese Kategorie von Büchern, die überall hoch gelobt werden, deren Einstieg spannend und schnell ist und dann in der zweiten Hälfte alles verlieren, um sich in einem eher langweiligen, durchschnittlichen, dem Anfang unwürdigen Ende einzupegeln. Sehr schade.
"Ich wollte, ihr wärt tot!" Und am nächsten Morgen ist Cynthia allein, von der Familie fehlt jede Spur. Damit startet der Roman und spielt zunächst mit den Urängsten des Menschen - was ist, wenn man plötzlich allein ist und sich an nichts erinnern kann? Das knistert und bringt Gänsehautgefühl, welches sich noch durch "namenlose" Kapitel, die man zunächst nicht zuordnen kann, steigert. Erzählt wird die Geschichte durch Cynthias Ehemann, der mit ihr 25 Jahre später die Vergangenheit nochmals aufrollt, um nach der verlorenen Familie zu forschen. Als Leser merkt man die klaustrophobische Enge, das Netz, welches sich um Cynthias kleine Familie zieht und man muss als Leser einfach wissen, wie es weiter geht, warum seltsame Dinge geschehen. Nicht zuletzt vermutet man Cynthia selbst hinter den Vorgängen, alles ist unscharf und unklar. Alles ist super, um ein richtig böser Psychothriller zu werden.
Und dann kippt die Handlung. Aus Spannung wird Routine, aus Überraschung wird beim Lesen Gleichgültigkeit. Letztlich scheint es, als würde der Autor in einen Erklärwahn verfallen sein, alles erzählen zu müssen, alles aufklären zu müssen, damit man als Leser auch wirklich alles versteht. Und die Erklärung ist eher langweilig und ein "Ach, naja ...". Dem prickelnden bösen Anfang einfach zu harmlos, zu platt gegenübergestellt. Charaktere sind plötzlich eindimensional und schwach. Das Pulver des Anfangs wurde ziellos verschossen. Das enttäuscht. Und am Ende legt man das Buch weg und denkt sich: Guter Anfang, hatte echt Potential, aber der Wirbel um das Buch ist (mal wieder) nicht gerechtfertigt.
Wer kurzzeitige Spannung und einen durchschnittliches Krimi / Thriller - Drama mag, dem wird das Buch gefallen. Der geübte Leser wird aber eher enttäuscht sein.

Tintenblut. Tintenwelt 02
Tintenblut. Tintenwelt 02
von Cornelia Funke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

27 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kinderbuch adé ..., 14. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Tintenblut. Tintenwelt 02 (Gebundene Ausgabe)
Seit wann vermisst man eigentlich eine Welt, in der Brutalität, Unrecht, Verfolgung regieren, in der Menschen aufgrund ihrer Lebenseinstellung ohne Strafe gequält und getötet werden dürfen und in der Kinder nicht willkommen sind?
Diese Frage stellte sich mir beim Lesen dieses zweiten Bandes der Reihe von Cornelia Funke. Wie auch der erste Band, wird dieser Teil weit überschätzt. Nicht nur die Qual der Langeweile von Seite zu Seite, sondern auch die holprige, übermäßig gekünstelte, keineswegs flüssige Schreib- und Erzählweise der Autorin führte dazu, dass ich das Buch immer wieder weglegte. Grammatikfehler seien dahingestellt, aber was ich besonders bemängele, ist ihr fehlendes Einfühlvermögen in die Charaktere, die mit jedem Kapitel platter, eindimensionaler und unrealistischer werden. Den einzigen dreidimensionalen Charakter tötet sie. Basta und sein Messer kennt der Leser, dass alles düster und angsteinflößend ist, ist spätestens ab Mo's Verwundung auch jedem klar, aber wo bleiben die Charakterentwicklung und die Gefühlswelt? Die Autorin schafft es leider nicht einmal, die aufkeimende Liebe zwischen Meggie und Farid lebendig zu machen. Ihr Wortschatz erschöpft sich auf wenigen Seiten und wieder fehlt das, was sie dem Leser klar machen möchte: Bücher sind etwas Wunderbares, eine Welt zum Verschwinden, die Macht der Worte, die verändern können. Stattdessen regieren Grausamkeit und Finsternis, die meiner Meinung nach in dieser Form (Blenden, Hände abhacken, Spaß am Krieg) in einem Kinderbuch nichts zu suchen haben. Kinder müssen nicht mit Gewalt und Blutvergießen verstehen lernen, dass eine Welt auch nicht gut sein kann - da wünscht man sich als Leser doch etwas mehr Geschick im Umgang mit Bildern und kindgerechten Szenarien (etwas, was z.B. Michael Ende mit einer ähnlichen Thematik geschafft hat - auch er zeigt negative Seiten Phantasiens, u.a. den Tod, aber er verwendet gänzlich andere, bessere, angebrachtere stilistische Mittel). Hier wirkt die Gewalt so plump, dass nicht einmal die Warnung, dass Gewalt keine Lösung ist, ersichtlich wird. Böse werden getötet, Gute werden von Bösen getötet, alle müssen gerächt werden - das bringt diese, von Staubfinger vermisste Tintenwelt als Botschaft hervor? Von Fenoglios Wandlung in einen verbitterten, selbstgerechten Autor ganz zu schweigen. Auch wenn er die Welt wieder zu kontrollieren versucht und selbst eingreift, so kommen viele seiner Motive nicht glaubhaft herüber - wie auch die anderen Charaktere werden sie nur angerissen. Verständnis und Sympathien kommen da jedenfalls nicht auf.
Ich bin sehr enttäuscht. Wie kann man eine so fantastische Idee so grob und phantasielos verschandeln? Wie kann man vorgeben, ein Kinderbuch zu schreiben, und stattdessen eine platte, handlungslose Geschichte, die für Erwachsene geeignet, aber zu langweilig ist, schreiben? Die Autorin sollte vielleicht weniger versuchen, mit Worten und Metaphern zu spielen, als vielmehr einen anständigen, kindgerechten Handlungsstrang auszuarbeiten. Denn diesen habe ich nach den ersten Kapiteln gründlich vermisst.
Der dritte Teil - meine Hoffnungen, dass er besser wird als sein Vorgänger, haben sich schon erschöpft - allein der Titel verheißt nur noch mehr Brutalität, die, in diesem Ausmaß und in dieser Form, in einem Kinderbuch nichts zu suchen hat.

In den Ruinen von Berlin. The Good German. Roman zum Film
In den Ruinen von Berlin. The Good German. Roman zum Film
von Joseph Kanon
  Broschiert

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut und Böse und alles dazwischen, 19. Juni 2007
Anlässlich der Potsdamer Konferenz, über welche er Bericht erstatten soll, kehrt der amerikanische Journalist Jake Geismar nach Berlin zurück. Dies ist aber nur der offizielle Grund für seine Rückkehr, denn er erhofft sich ein Wiedersehen mit seiner damaligen Geliebten, der Wissenschaftlerehefrau Lena Brandt, die er während des Krieges in der Hauptstadt zurücklassen musste. Was er vorfindet, ist ein Trümmerfeld, aufgeteilt unter den Besatzungsmächten. Während der Potsdamer Konferenz findet Jake die Leiche eines jungen amerikanischen Soldaten, die Taschen gefüllt mit Geld, angeschwemmt an den Uferrand des Neuen Gartens in Potsdam, mitten in der russischen Besatzungszone. Fragen tun sich auf: "Wie kam er dorthin?", "Was ist das für Geld?", "Wieso wurde er getötet?" - Jake wittert eine Story und beginnt zu ermitteln. Sein eigentliches Ziel, Lena Brandt wiederzufinden und die Liebe aufleben zu lassen, dabei jedoch nicht aus den Augen verlierend, gerät er immer tiefer in politische Verstrickungen, mit denen er nicht nur sich selbst, sondern auch Lena in Gefahr bringt ---

Soviel zum Inhalt - es soll an dieser Stelle nicht zuviel verraten werden. "The Good German", grob übersetzt "Der/Die gute Deutsche" entwickelt sich schnell zu einem rasanten, spannenden Politthriller, der, eingebettet in reale geschichtliche Ereignisse, durchaus mehr als Fiktion hätte sein können. Die Charaktere sind tiefgründig dargestellt und handeln logisch nachvollziehbar (etwas, was bei vielen heutigen Romanen leider fehlt). Als Leser kann man sich nie ganz sicher sein, auf welcher Seite man sich befindet und welche tiefen Abgründe sich noch auftun werden. Es geht um Schuld und Schuldzuweisung, Richten und Gerichtet werden. Die Untaten der Nationalsozialisten im Krieg werden sowohl aus amerikanischer und russischer Sicht, als auch, eher untypisch für Nachkriegsromane, aus deutscher Sicht dargestellt. Der Autor lässt nie nur eine Seite gelten, sondern bringt auch immer die andere Seite zur Sprache. Das ist sicherlich eine Gradwanderung, die ihm jedoch gut gelingt. Negativ an der Geschichte mag manchmal die Naivität des Hauptcharakters erscheinen, jedoch warum nicht? "Man weiß es und man weiß es eben nicht" scheint einer der Leitsätze des Romans zu sein. Weiterhin ist die Sprache auffällig, in der die Geschichte erzählt wird - kurze Sätze, manchmal nur dahin geworfene Gedanken untermalen die zerstörte Nachkriegsatmosphäre und machen sie für den Leser nochmals lebendig.

Alles in allem ein gelungener Thriller, der meiner Meinung nach sehr empfehlenswert ist, da sich immer die Frage stellt, wer eigentlich "gut" und wer "böse" ist und wer darüber entscheidet und entscheiden darf.

Tintenwelt 1: Tintenherz
Tintenwelt 1: Tintenherz
von Cornelia Funke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Lärm um Wenig, 22. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Tintenwelt 1: Tintenherz (Gebundene Ausgabe)
Nachdem sich sehr viel Lob über "Tintenherz" von Cornelia Funke ergossen hat, habe ich dieses Buch mit großen Erwartungen gelesen. Leider wurde ich weitestgehend enttäuscht, denn ein derartiges Medieninteresse und den Vergleich mit namenhaften Werken wie u.a. "Die unendliche Geschichte" hat es nicht verdient.

Positiv ist dem Buch zunächst anzumerken, dass es sich um eine weitestgehend innovative Geschichte handelt, die sich schnell und mit Spannung lesen lässt. Jedoch überwiegen negative Anteile. Von der rohen Gewalt gegenüber hilflosen Tieren mal abgesehen, die so fehl am Platze wirkt, da sie einfach nur platt und ausgelatscht ist (um das darzustellen, wovon im Buch als Capricorns Grausamkeit berichtet wird), sind viele Charaktere nur oberflächlich auf wenige, bisweilen stereotype Verhaltensweisen reduziert (Basta und sein Messer, Staubfinger und seine Unnahbarkeit, Farid und das Draufgängerische, Mo, Elinor und Meggie mit der Liebe zu ihren Büchern). Da langweilt man sich als Leser schnell und wünscht sich Vielschichtigkeit, die manche Figuren durchaus vertragen könnten, um die Geschichte lebendig zu machen. Denn genau das, was sie sein soll, ist sie nicht. Nicht ein einziges Mal konnte ich völlig darin versinken, wurden die Figuren lebendig. Meist hing es eben an jener Oberflächlichkeit der Charaktere, oft aber auch an dem übermäßig metaphorischem Stil, der bisweilen auch noch sehr holprig und gezwungen daher kommt.

Dass, was die Autorin zu vermitteln versucht, beispielsweise die Bosheit und Grausamkeit Capricorns, kommt (wie vieles andere) nicht an. Man gewinnt die Eindruck, als versuche sie es so sehr, dass es künstlich wirkt, als fielen ihr keine anderen Worte mehr ein, als fehle ihr das schriftstellerische Geschick, das wahrhaft Böse Capricorns auch so auszudrücken, dass man es als Leser fühlen kann, so wie man die Bedrohung durch das "Nichts" in "Die unendliche Geschichte" gespürt hat. Da hilft es nicht, wenn zum dritten Mal geschrieben steht "Meggie hatte Angst." oder "Basta strich über sein Messer.".

Es ist sehr schade um die Geschichte und ihre Charaktere, vielleicht wird es in Band zwei besser. Auf jeden Fall hat die Erzählung (wenn auch viel durch andere Werke inspiriert) jede Menge Potential - es wäre bedauernswert, wenn es so schlicht vergeudet würde.

Und dann gabs keines mehr
Und dann gabs keines mehr
von Agatha Christie
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend bis zur letzten Seite, 3. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Und dann gabs keines mehr (Taschenbuch)
Mein erstes Buch von Agatha Christie und sicherlich nicht mein letztes. Spannend bis zum Ende wird die Geschichte einer seltsam zusammengewürfelten Gemeinschaft auf einer Insel erzählt, deren Mitglieder eines nach dem anderen einem Mörder zum Opfer fallen, bis niemand mehr auf der Insel ist. Als Leser lernt man rasch die Figuren mit all ihren Schwächen und Stärken und ihren dunklen Geheimnissen kennen. Man rätselt, wer der Mörder sein wird und nur sein kann. Jedesmal, wenn die Lösung vor Augen erscheint, nimmt die Handlung doch wieder eine geschickte Wendung. Genau so muss ein Krimi sein!

Bis zur letzten Seite ein rasantes Lesevergnügen und damit absolut empfehlenswert!

Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter
Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter
von Christopher Paolini
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Jammer ..., 27. Februar 2007
Nachdem ich den Film im Kino genießen konnte, der durch Kurzlebigkeit und Spannung überzeugte, erhoffte ich einen eben solchen Genuß durch die Buchvorlage Christopher Paolinis. Leider wurde ich herb enttäuscht. Obwohl der Prolog aufgrund seiner Dramatik sehr vielversprechend ist, lässt die eigentliche Geschichte sehr zu wünschen übrig. Der geübte Fantasyleser wird mit Leichtigkeit bekannte Werke wiedererkennen, was an sich kein Kritikpunkt ist, da sich viele Autoren voneinander inspirieren lassen. Das Problem an "Eragon" ist jedoch, dass der Autor nicht nur Handlungsstränge und Charaktere übernimmt, sondern auch den Schreibstil der betreffenden Autoren, insbesondere J.R.R. Tolkien, was für einen guten Autor völlig intolerabel ist und Paolini alles andere als geschickt gelingt. Ausführliche, teils völlig fehlplatzierte Metaphern, Allegorien und weitere rhetorische Mittel säumen den Weg der Helden, die durch Abwesenheit charakterlicher Tiefe glänzen und eine Identifikation schwer machen. Von logischen Fehlern innerhalb der Handlungsstränge und platten, einfallslosen Dialogen, die aus einer beliebigen Seifenoper stammen könnten, mal abgesehen, erweckt "Eragon" den Eindruck, als würde sich sein Autor selbst gern "reden" hören und droht bisweilen in seinen methaphorischen Ausführungen gänzlich abzuschweifen. Dies erstickt jeden Keim eines ansetzenden Spannungsbogens und endet meist in Vorhersehbarkeit von teils völlig überflüssigen, nicht nachvollziehbaren Ereignissen, die auch nur einen Versuch darstellen, Spannung in die langatmige Geschichte zu infiltrieren. Obwohl - vielleicht passten sie auch einfach ins Schema, waren im kopierten Original oder dienten zur Sympathieerhaschung der klischeebehafteten Charaktere.
Es ist schade, dass Paolini nicht auf seinen eigenen Erzählstil vertraute und derart plagieren und kopieren musste, um seine Geschichte attraktiv zu gestalten. Ihm fehlt nicht das schriftstellerische Talent, er schafft es durchaus, Szenen bildhaft aufzubauen (Tolkiens Erzählweise lässt grüßen), jedoch fehlt ihm das handwerkliche Können und allzu oft merkt man, dass ihm die Wortwahl nicht passend gelingt, entweder zu holprig oder zu übermäßig geschwollen ist.
Beim angepriesenen Erfolg des Buches erwartete man als Leser "... nun ja ... eben mehr" und vor allem eines nicht: Dass man beim Lesen schlechte Laune darüber bekommt, dass für dieses Buch Bäume sterben mussten. Aus diesem Grund lediglich wohlwollende zwei Sterne.

Celebrities: Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein
Celebrities: Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein
von Borwin Bandelow
  Gebundene Ausgabe

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein Fachbuch - aber interessant!, 7. Februar 2007
Was macht die Stars so unvergesslich? Bandelow meint, es wäre eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, bekannt als "Borderline-Störung". Dementsprechend beginnt er sein Buch mit der Erklärung von Persönlichkeitsstörungen und führt dann anhand von Künstlerbiographien die nötigen Erklärungen zur Unterlegung seiner Annahme. Das liest sich sehr spannend, ähnlich wie man als Leser gern das Leben von berühmten Persönlichkeiten in der Boulevardpresse mitverfolgt, und man ist auch nicht überrascht darüber, dass die Stars alle die Kriterien für diese Persönlichkeitsstörung erfüllen. Wir wussten es ja schon immer, dass mit denen etwas nicht stimmt(e) ...

Problematisch an dem Buch ist die Tatsache, dass es kein Fachbuch ist und trotzdem als solches missverstanden werden kann, da der Autor anerkannter Professor für klinische Psychologie ist. Die Quellen zur Untermauerung der gestellten Annahme, die genannten Stars hätten eine schwere Persönlichkeitsstörung, sind recht dürftig und so darf beim Lesen nicht vergessen werden, dass das Buch eben kein Fachbuch ist und somit einen anderen Anspruch erhebt als den, wissenschaftlich korrekt zu sein. Bandelow findet natürlich die Übereinstimmung der Kriterien, welche für die Störung erfüllt sein müssen, jedoch treffen diese je nach Gewichtung auch auf andere Störungen zu. Die Borderlineerkrankung tritt bei weitem nicht so häufig auf, wie das Buch vermuten lässt und aus diesem Grund darf dieses Buch in seiner Korrektheit nicht überschätzt werden. Es ist eben kein wissenschaftlicher Artikel. Ein anderer problematischer Punkt ist der bisweilen verachtende Ton, in dem Bandelow schreibt. Er nimmt dem Buch etwas an Seriosität und tendiert zur reißerischen Klatschpresse, was der Autor an sich nicht nötig hat. Er müsste am allerbesten wissen, dass psychisch gestörte Menschen ebenso Respekt verdienen und den zollt er ihnen eigentlich erst im letzten Satz. Sein Zynismus, insbesondere auch im Epilog, erscheint etwas fehl am Platze.

Zusammengenommen ist es aber dennoch ein sehr interessantes Buch über Berühmtheiten und bietet einen spekulativen Überlegungsansatz, warum diese Stars so waren und sind, wie wir sie kennen. Und unter dem Gesichtspunkt liest sich das Buch wie ein spannender Krimi, der die Neugierde des Lesers in der Hinsicht befriedigt, als dass Biographie des Stars und sein Auftreten in der Welt von Musik, Film, Literatur und Kunst ein stimmiges Bild ergeben und einiges für den Normalbürger klären können.

Prestige: Die Meister der Magie - Roman
Prestige: Die Meister der Magie - Roman
von Christopher Priest
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Illusion, Magie oder alles nur Betrug?, 20. Januar 2007
Eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, ohne dabei zu viel zu verraten, ist nicht ganz einfach - schließlich würde man damit einen magischen Trick verraten. Denn so ist das Buch: Aufgebaut wie eine Bühnenillusion, bei der man eine Geschichte vorgesetzt bekommt, die plausibel erscheint und doch nicht ganz schlüssig ist, so fragt man sich am Ende: War's das jetzt?

Rupert Angier und Alfred Borden, zwei Bühnenmagier am Ende des 19. Jahrhunderts, erzählen in zwei unterschiedlichen Teilen des Buches als Ich-Erzähler dieselbe Geschichte ihrer nicht enden wollenden Rivalität, die sie schließlich ins Unglück stürzte. Jeder von ihnen versucht die eigene Überlegenheit darzustellen, sich selbst ins bessere Licht zu rücken und den anderen dabei noch schlechter und grausamer dastehen zu lassen. Und jeder beansprucht für sich den besseren Trick, den des "Transmittierten Mannes", welcher Dreh- und Angelpunkt des Buches bildet. Eine Feindschaft, die hundert Jahre später noch die Nachkommen beider Männer betrifft ...

Man weiß nicht, wer von beiden letztlich die Wahrheit ins Tagebuch geschrieben hat, sie können ja auch gefälscht sein, um den jeweils anderen Magier wieder auf eine falsche Fährte zu locken? Als Leser wird man im klaren Unklaren gelassen und hofft, während man nach Hinweisen zur Lösung sucht und glaubt, ständig etwas zu übersehen, das die Geschichte am Ende gut gelöst wird. Das wird sie auch und sie ist spannend, gruselig und unheimlich. Jedoch ist sie keinesfalls überraschend, sondern so langweilig wie ein Zaubertrick, den man erklärt bekommen hat und der damit jeden Zauber verloren hat.

Pluspunkte bekommt das Buch, weil es die Spannung aufrechterhält. Hier und da gibt es Wendungen, die einen aufhorchen lassen und ins Grübeln bringen. Man will das Ende wissen, obwohl man es eigentlich schon längst kennt, ahnt. Als Leser schockiert der Hochmut der Magier, der Hass, die Hinterhältigkeit, mit der sie sich das Leben schwer machen. Gut und Böse sind hier nicht klar definiert. Und man weiß am Ende immer noch nicht, wer von beiden nun auch nur angehend die Wahrheit geschrieben hat. Aber vielleicht will man es auch gar nicht wissen - vielleicht will man getäuscht werden?

Mich persönlich hat die Hoffnung am Lesen gehalten, dass noch irgend etwas Spannendes passieren würde, irgendeine unverhoffte Wendung. Auf die Erklärung eines Bühnentricks habe ich nicht gehofft und so hat mich das Ende eher enttäuscht.

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