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Tobias

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Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers
Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers
Preis: EUR 6,99

20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und ich dachte es wäre angefüllt mit Komik und Stilblüten des Alltags, 25. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gibt Bücher, die kaufe ich mir nur wegen dem Titel und dem Coverbild. Ich lese nicht mal den Rückentext. So war es auch bei "Isch geh Schulhof". Ich ging davon aus, dass es eines dieser unterhaltsamen Bücher ist mit allerlei Stilblüten jugendlicher Sprache. Doch schon nach den ersten paar gelesenen Seiten schwante mir, dass die Richtung eine andere ist. Dieser literarische Zug fuhr nicht gen Zenit der Komik und des Humors, sondern vielmehr in den tiefen, schmutzigen Abgrund der Gesellschaft.
Das unser Schulsystem marode, veraltet und absolut unterfinanziert ist weiß vermutlich jeder, der auch nur einmal im Monat einen Blick in die Zeitung wirft. Das es an deutschen Schulen keine Qualitätssicherung gibt, wie sie selbst im kleinsten Betrieb Standard und gefordert ist, gibt, wissen vermutlich auch die meisten.
Doch die Auswirkungen lassen sich meist nur aus erster Hand erfahren. Genau hier beschreibt das Buch recht authentisch die Ruinen einer einst prächtigen Bildungslandschaft. Made in Germany ist ein weltweites Qualitätsmerkmal und es gab auch mal Zeiten in denen Schüler und Studenten gerne auf deutsche Schulen geschickt wurden. Ich denke diese Zeiten sind vorbei. Wenn es heute schon nicht mehr gelingt selbst einfach Zusammenhänge zu vermitteln, Lehrkräfte an ihre Grenzen getrieben und wie eine Batterie verbraucht werden, muss man sich schon mal die Frage stellen: Wohin soll die Reise denn gehen?

Als Leser kann ich nicht sagen, wie viel übertrieben, wie viel untertrieben und was einfach nur ein wenig überspitzt dargestellt ist. Aber leider muss ich sagen, dass vieles, was beschrieben wurde wirklich so eins zu eins einem Klassenraum entsprungen sein könnte.
Natürlich sind die von mir erwarteten Stilblüten, Wortschöpfung und äußerst kreativen Satzkonstrukte einiger Kinder erwähnt, aber nur am Rande. Im Großen und Ganzen wird eine Welt aufgezeigt in der schon 6 bis 10 Jährige perspektivenlos ihre zeit in einer tristen Schulwelt fristen.

Hier liegt mal kein staubtrockener Bericht über irgendwelche Erhebungen mit nichtssagenden Zahlen vor und auch kein dröger Zeitungsartikel. Es ist einfach ein Erfahrungsbericht, welcher hart mit unseren Schulen, Lehrern und Politik ins Gericht geht, dabei aber vor allem auch die zwischenmenschliche Seite des Schulalltags aufzeigt.

Wäre dies ein Roman gewesen, hätte ich vermutlich gesagt, dass es mir Freude gemacht hat, es zu lesen. Aber wenn man bedenkt was hier gesagt wird, macht sich doch irgendwie ein flaues Gefühl in der Magengegend breit.

Sagen wir einfach, ich habe diesen Text verschlungen und danke dem Autor dafür. Freude hatte ich irgendwie nicht so wirklich dabei


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