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Rezensionen verfasst von
todaystomorrow (Frankfurt)

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Revenge for Jolly [Blu-ray]
Revenge for Jolly [Blu-ray]
DVD ~ Kristen Wiig
Preis: EUR 21,04

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen How low-life can you go?, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Revenge for Jolly [Blu-ray] (Blu-ray)
Zwei White-Trash-Alkoholiker starten einen Feldzug, um den Mörder des hässlichen Hündchens Jolly ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Dabei geht ein Haufen anderer Leute mehr oder minder gewollt drauf, es werden ein paar coole One-Liner versucht und schier unendliche Mengen Alkohol vernichtet. Das ist noch weniger witzig, als es sich anhört, und zumindest stellenweise eigentlich ganz schön bitter. Nur handelt es sich weiß Gott auch nicht um eine Tragödie: Tatsächlich kann der Film sich leider überhaupt nicht entscheiden, was er eigentlich herüberbringen, ja, was er eigentlich sein will – und lässt sich darum letztlich auch als kaum mehr als ein Abschreibungsprojekt einordnen.

Ein Abschreibungsprojekt, das, wie üblich, mit Starpower prahlt (z.B. Elijah Wood, Ryan Phillippe), den großen Namen aber, wie leider auch fast üblich, jeweils nur eine Szene Spielzeit einräumt. Diese Starpower hat der Film allerdings auch dringend als Zugpferd nötig, denn abgesehen von ihr hat Langfilm-Regiedebütant Chadd Harbold ziemlich wenig zu bieten, was das Publikum anziehen (oder gar begeistern) könnte.

Ganz ehrlich, zwei völlig fertigen Losern mit gestörtem Sozialverhalten über 85 Minuten dabei zusehen, wie sie ein Bier nach dem anderen vernichten und irgendwelche anderen Lowlife-Unsympathen aus nichtigsten Gründen über den Haufen ballern – das tut man sich nur dann gerne an, wenn diese Loser absolut skurril überzeichnet sind und sich in entsprechenden Situationen wiederfinden. Oder, wenn Set-up und Erzählweise vor Tarantino-Coolness triefen. Oder aber, wenn unter der schmierigen Oberfläche aus Sauferei und Ballerei tiefere Wahrheiten versteckt liegen. Nur leider ist hier nichts davon der Fall: Der Ex-Hundebesitzer und sein ihn begleitender Cousin sind höchst uninteressante Charaktere, die halt einfach nur permanent viel trinken und ihren Frust ablassen, indem sie alle Diskussionen mit Waffengewalt beenden. Dabei sind sie zumeist so betrunken, dass sie kaum noch geradeaus laufen können und zum Absondern lässiger Sprüche erst recht nicht mehr in der Lage sind. Kaum verwunderlich, dass auch die letzte Option vom Film nicht gezogen wird: Was eine ungewöhnliche, kaltschnäuzig-brutale Metapher auf die Beziehungs- und Bindungsschwierigkeiten in der Gesellschaft von heute hätte werden können, in der ein Hund für manche Leute der einzige Begleiter, ja Freund ist, der das Leben überhaupt noch aushaltbar macht, endet als... na ja... was eigentlich? Ich kann es nicht wirklich sagen. Als unausgegorene Mischung aus Tristesse, Sinnlosigkeit, Blutvergießen und Alkohol.

Immerhin langweilt REVENGE FOR JOLLY! selten; die darstellerischen Leistungen sind akzeptabel und der Soundtrack, der hauptsächlich aus WHITEY-Songs besteht, ist sogar richtig gut. Deshalb gibt’s von mir auch gute 4,5 von 10 Punkten. Noch mal ansehen will ich mir dieses letztlich vollkommen überflüssige, storylose Etwas allerdings sicher nicht.


You're Next [Blu-ray]
You're Next [Blu-ray]
DVD ~ Sharni Vinson
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Home sweet Home, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: You're Next [Blu-ray] (Blu-ray)
Ein nicht sonderlich origineller, aber rundum kompetent gemachter Film, der mit seiner tighten Inszenierung und den immer wieder eingestreuten angenehmen Härten genau das liefert, was das Genre-Herz begehrt: Ganz klar ein Film von (talentierten) Fans für Fans. Dabei gleichzeitig sicherlich das bislang zugänglichste Werk aus den Reihen der im "Collective" vereinten Filmemacher, von denen hier im Cast unter anderem auch Ti West und Simon Barrett auftauchen – kaum assoziierbar mit Exzessen wie V/H/S, THE ABCs OF DEATH oder Wingards HORRIBLE WAY TO DIE; wenn man es genau nimmt, eigentlich tatsächlich fast schon ein Mainstream-Film, wobei er dann dafür wohl doch etwas zu oft zu heftige Guts'n'Gore-Szenen einbaut. Dennoch auch ohne weitere „Vorbildung“ oder spezielle Neigungen jederzeit einfach konsumierbare, auf den Punkt gebrachte Schocker-Unterhaltung: sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Festival- und Massenpublikum.

Das klingt jetzt vielleicht kritischer, als es gemeint ist, denn YOU'RE NEXT macht im Wesentlichen alles richtig: Wir haben eine straff erzählte Handlung, ein permanentes Bedrohungsgefühl, ein paar heftige Kills und eine toughe weibliche Protagonistin, die locker seit HIGH TENSION gesetzte Großartigkeits-Grade erreicht. Hinzu kommen phantasievolle Fallen, nette Storywendungen sowie eine schlüssige Rahmenhandlung – der Film bietet schlicht und ergreifend kaum Gründe für Kritik.

Klar, wer alles richtig machen will, meidet zumeist automatisch das Risiko, und so kann man YOU'RE NEXT (höchstens) vorwerfen, dass er weder in seiner Ausgestaltung noch in seinem tieferliegenden Zynismus weit genug geht. Extreme werden hier gescheut, an die abgrundtiefe Boshaftigkeit eines FUNNY GAMES etwa reicht dieser Home-Invasion-Slasher nie heran – und er kann auch handlungsseitig nichts bieten, was wir nicht schon diverse Male gesehen hätten. Allerdings selten so rund wie hier: Die Dramaturgie sitzt, die Spannungsschraube wird beständig fester gezogen, es wird keine Zeit mit Nebensächlichkeiten verschwendet und das Figurenensemble bekommt genug Raum, um nicht als bloßes Kanonenfutter dazustehen.

Der komödiantische Anteil des Geschehens bleibt zum Glück gering, insgesamt wirkt YOU'RE NEXT erstaunlich konsequent knallhart. Auch die vereinzelten schwarzhumorigen Momente resultieren meist aus durchaus schmerzvollen Geschehnissen, die schwere Verletzungen oder Todesfälle nach sich ziehen und die Ernsthaftigkeit des Set-ups dabei niemals unterminieren: Ein stumpfer Partyfilm sieht anders aus. Ein nachhaltige Spuren hinterlassendes, aus der Reihe tanzendes Horror-Erlebnis allerdings auch.

YOU'RE NEXT liefert fast fehlerfrei das, was man sehen will – mehr aber auch nicht. 7,5 von 10 Punkten, insgesamt ein starker Genrefilm, der jedoch nie über seine recht eng gesteckten Grenzen hinausgeht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2014 2:03 PM CET


The Philosophers [Blu-ray]
The Philosophers [Blu-ray]
DVD ~ James D'Arcy
Preis: EUR 14,99

12 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht mal Hamburger Schule, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: The Philosophers [Blu-ray] (Blu-ray)
Zur Vorwarnung: Diese Kritik bezieht sich nicht auf das Medium, sondern ausschließlich auf den Film. Sie verzichtet auf eine Inhaltsangabe. Und ist fast blanke Polemik.
Wer dennoch weiterliest, dem wünsche ich viel Spaß mit meiner ganz persönlichen Meinung:

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Interessanterweise lässt sich fast jeder Aspekt der Handlung und Aussage(n) von THE PHILOSOPHERS mit ein paar Songtiteln von TOCOTRONIC in nahezu chronologischer Reihenfolge beschreibend zusammenfassen:
„Um die Ecke (gedacht)“. „Imitationen“. „Explosion“. „Aus meiner Festung“. „Aber hier leben, nein danke“. „Morgen wird wie heute sein“. „Harmonie ist eine Strategie“. „Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen“. „Im Zweifel für den Zweifel“. „Das Blut an meinen Händen“.
Und vor allem: „Pure Vernunft darf niemals siegen“, „Bitte, gebt mir meinen Verstand zurück“ sowie natürlich „Die Folter endet nie“.

Wären allesamt gute Zwischentitel gewesen. Allerdings haben TOCOTRONIC zwar durchaus manche guten Ein- und Ansichten, die Ebene tatsächlich wert- bzw. erkenntnisschaffender Philosophie erreichen sie aber natürlich nie. Ist halt Hamburger Schule, nicht etwa Frankfurter. Ganz ähnlich, aber noch ärger verhält es sich mit THE PHILOSOPHERS selbst: Der donnert uns zwar zahllose Zitate und Theoreme aller wichtigen Autoren aus dem „Großen Buch der Philosophie für Einsteiger“ um die Ohren, wie etwa solche von Wittgenstein, Platon, Descartes und und und, unterschwellig werden auch die Thesen etwa von Machiavelli, Rousseau und Hobbes diskutiert. Allerdings geschieht das auf einem derart oberflächlichen Level, dass es schlicht haarsträubend erscheint, darauf eine Handlung aufzubauen. Wir erleben hier Absolventen eines Elite-Internats, sprich, die kommenden Führer der Welt? Na Hallelujah, das wird ja mal eine lustige Zukunft geben.

Aber gut, ignorieren wir mal das Kindergarten-Niveau der nur vordergründig hintergründigen Unterhaltungen, mit denen der Film seine Tonspur füllt (und von denen glücklicherweise die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen ablenken, die vermuten lassen, dass das Tourismusministerium Indonesiens einen nicht unerheblichen Teil zur Finanzierung dieses Projekts beigetragen hat): Viel schlimmer ist, dass die pseudo-hochgestochenen Aussagen aus den Mündern von Teenies kommen, denen man größtenteils höchstens eine Rolle als Bademoden-Model zutrauen würde. Von James D’Arcy als (nahezu schmierig daherkommender) Lehrer sowie HARRY POTTER-„Star“ Bonnie Wright einmal abgesehen, legt hier niemand größeres Schauspieltalent an den Tag, dafür fast puppenhafte „Schönheit“. Entsprechend wirken die allermeisten Dialoge unglaublich gestelzt, zu hochtrabend, schlicht unnatürlich.

Über die erste Hälfte kann der Film immerhin noch recht gut unterhalten, und man ertappt sich auch mal bei der Frage, wen man selbst denn in den vor der atomaren Apokalypse schützenden Bunker hineinlassen würde und wen nicht. Spätestens beim dritten Durchlauf des „Gedankenexperiments“ hat man dann jedoch genug. Genug von der Künstlichkeit von Set-up und Look, von der Hohlheit und Oberflächlichkeit der Dialoge, von der penetranten politischen Überkorrektheit, die der Film aus allen Poren atmet, von der Aalglattheit von Darstellern, Figuren, Sets und Handlungskonsequenzen.

Vor allem aber beginnt der Film nun, die von ihm selbst aufgestellten Regeln zu brechen, die man ohnehin nie für voll nehmen konnte. Denn Visualisierung des Gedankenexperiments an Ort und Stelle, im Bunker, hin oder her: Als Zuschauer vergessen wir nie, dass alle Protagonisten sich die ganze Zeit nur im Klassenzimmer aufhalten und natürlich keinerlei echte Gefahr für sie besteht. Schwerer Stand für Dramatik, Sorge, Mitfiebern.

Dann nimmt die Handlung eben auch noch einen schweren Kurswechsel Richtung Kitsch vor – Einblendung TOCO-Titel: „Pure Vernunft darf niemals siegen“ –, und man hat kleine Reste des gestrigen Abendessens zu Besuch in der Mundhöhle. Wobei, um fair zu bleiben, die tatsächliche Aussage des Ganzen vielleicht doch eine andere ist als die, welche uns der Film zunächst als Statement zu geben scheint.

Alleine schon dieser gefühlten Diskrepanz zwischen Gezeigtem und Gemeintem wegen fühlte ich mich nach Sichtung doch eine ganze Weile genötigt, über THE PHILOSOPHERS nachzudenken. Zudem ist seine Umsetzung zwar streckenweise zum Fremdschämen plump und naiv, seine Idee aber höchst interessant. Und wie erwähnt, zunächst habe ich mich auch gar nicht mal gelangweilt.

Zusammengenommen gibt das von mir zwiegespaltene, irritierte, zum Teil angekotzte, zum Teil interessierte 5 von 10 Punkten. Vielleicht aber auch nur, weil ich hier die Verfilmung eines letzten Titels von TOCOTRONIC miterlebt habe: „Die Grenzen des guten Geschmacks“.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2014 10:34 PM CET


Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiss [Blu-ray]
Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiss [Blu-ray]
DVD ~ Maribel Verdu
Preis: EUR 20,40

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein zu braves Schneewittchen und die sechs Freak-Zwerge, 30. Dezember 2013
Ich muss gestehen, so ganz kann ich die fast einhellige Begeisterung über dieses Werk nicht teilen. Keine Frage, es hat seine Stärken, es hat Poesie, stellenweise echte Filmmagie, es entführt den Betrachter in eine andere Welt des Filmerlebens und er fügt dem Märchen um Schneewittchen ein paar interessante, teils makabere Aspekte hinzu. Jedoch ist es gleichzeitig deutlich zu lang ausgefallen, erzählt eine zu selten fesselnde Geschichte und macht vor allen Dingen viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten, um für mich als Highlight wahrgenommen zu werden.

Es ist zweifellos spannend zu sehen, wie ein Film ohne Farbe und ohne Worte einen so in seinen Bann ziehen kann. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um mich an diese alte Art des Erzählens zu gewöhnen – dann hatte ich aber auch schon vergessen, dass sie den modernen Gepflogenheiten nicht entspricht; soll heißen: Nach spätestens 20 Minuten wirkten Präsentation und Inszenierung völlig natürlich für mich, obgleich sie jenen der 1920er-Jahre gleichen und nicht den heutigen.

Kunst ist definitiv zeitlos – und kunstvoll ist BLANCANIEVES in jeder Sekunde. Ebenso zeitlos, sicher, ist seine Geschichte: Eine zutiefst spanische Version von Schneewittchen, um eine ausufernde Hintergrundgeschichte bereichert, die für meinen Geschmack jedoch zu viel Raum in Anspruch nahm. Ich hatte mit ihr jedoch noch ein anderes Problem: Faktisch glorifiziert sie den Stierkampf oder stellt ihn zumindest als ein elementares, wenn nicht eben gar wertvolles spanisches Kulturgut dar. Aber sorry, es gibt nicht viele Dinge, die unethischer sind als dieser. Ihn als normal, aufregend, in diverser Hinsicht „wichtig“ darzustellen – das weckt in mir tiefe Antipathien für den Film und seine Macher (und kostet ihn subjektiv zwei Punkte).

Auf stilistischer Ebene kann man BLANCANIEVES allerdings, wie erwähnt, nichts vorwerfen, und hätte die Story mich mehr gepackt, hätte ich am Ende vielleicht sogar über diesen Aspekt hinwegsehen können. Doch sie ergeht sich viel zu lange in Nebensächlichkeiten, der gesamte Mittelteil des Films zieht sich erheblich.

Was mich aber wohl am meisten enttäuscht hat, war der weitgehende Verzicht auf schräge, verspielte, verzaubernde Elemente in der Filmgestaltung. Immerhin haben wir es hier mit einem Märchen zu tun – das Übersinnliche, Abseitige findet in der Erzählung bzw. Umsetzung aber kaum Platz. Erst mit dem Auftreten der SECHS Zwerge und vor allem dann gegen Ende wird uns hier mehr geboten, jedoch fasst sich dieses Ende viel zu kurz. Gerade, wenn man es mit dem vorherigen ausufernden Aufbau der Geschichte vergleicht.

Kurz gesagt: BLANCANIEVES ist fraglos ein außergewöhnlicher Film, der einen auch durchaus gefangenzunehmen versteht. Leider allerdings nur über gewisse Strecken hinweg; zu oft verbleibt er zu brav und insbesondere letztendlich zu gewöhnlich, seinem innovativ „altertümlichen“ Charme zum Trotz. Ich hatte mir deutlich mehr erhofft – nur 6 von 10 Punkten.


A Field in England [Blu-ray]
A Field in England [Blu-ray]
DVD ~ Julian Barratt
Preis: EUR 20,26

4.0 von 5 Sternen Hypnotische Reise in Schwarz-Weiß, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: A Field in England [Blu-ray] (Blu-ray)
Ben Wheatleys jüngster Streich ist schon ein, ähm, etwas eigenartiges Erlebnis. Wir begleiten im 17. Jahrhundert fünf äußerst unterschiedlich motivierte Deserteure im englischen Bürgerkrieg bei ihrer langen Wanderung über ein unbestelltes Feld. Lauschen ihren mal sehr amüsanten, mal hochgradig belanglos wirkenden Unterhaltungen über den Krieg, die Moral, die Religion, das Leben. Teils wohlbekannte Gesichter des britischen Kinos, sämtlichst schauspielerische Finesse an den Tag legend. Es passiert halt erst mal nur äußerst wenig, und das wenige wird uns auch noch in blassem, kontrastarmem Schwarz-Weiß vorgesetzt. Wen hier die Langeweile beschleicht, der hat mein vollstes Verständnis. Wer sich hingegen die Mühe macht, in den Figuren und ihren Handlungen Metaphern unter anderem auf die genannten Themen zu sehen sowie nach tiefgründigen philosophischen Botschaften zu suchen, der hat meinen vollsten Respekt. Für eine solche Mühe hat mich persönlich das Geschehen jedoch deutlich zu wenig bewegt.

Irgendwann dreht Herr Wheatley dann allerdings zum Glück doch noch am Rad. Halluzinogene kommen ins Spiel und mit ihnen Wirres, Übersinnliches, dann sogar ab und an überraschend Splatteriges. Ab der Hälfte der Laufzeit wandelt sich A FIELD IN ENGLAND langsam, aber beständig in einen heimtückischen, psychedelischen Trip, der schließlich eine nicht zu leugnende hypnotische Sogkraft entwickelt.

Der zweite Teil des Films ist darum eine tatsächlich außergewöhnliche Erfahrung, rauschhaft, intensiv, überbordend kreativ und seltsam. Das FIELD wäre deshalb eine ganz dicke Empfehlung von mir – wenn nur der erste, zähe Teil nicht davor stünde. Wer experimentierfreudig ist und ungewöhnliche Eindrücke schätzt, sollte sich das Ding definitiv ansehen; er muss sich allerdings darauf einstellen, dass es eine Weile braucht, bis der Trip beginnt.

Zusammengenommen deshalb nur 6 von 10 Punkten von mir. Hätte ich vorab Pilze gegessen, wären es vermutlich 11,5 geworden.


ANIMALS (OmU)
ANIMALS (OmU)
DVD ~ Oriol Pla
Preis: EUR 15,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von sprechenden Tieren und schweigenden Menschen, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: ANIMALS (OmU) (DVD)
ANIMALS ist ein sehr stilles, sehr gemächlich und sehr unterkühlt daherkommendes Coming-of-Age-Drama. Es erzählt uns die Geschichte des jungen Pol, der aus unbekannten Gründen ziemlich menschenscheu ist und sich nur gegenüber seinem Teddy „Deerhoof“ (benannt nach der Indie-Band) wirklich öffnet. Diesen imaginiert er als lebendig und des Sprechens fähig, dieser ist ihm zumindest zunächst auch wichtiger als alle humanoiden Lebensformen in seiner Umgebung.

Pol wirkt dezidiert metrosexuell, gerät in emotionale Irrungen und Wirrungen, fühlt sich alleine gelassen, von der Welt überfordert und verletzt. Pol schrammelt spanische Rockstücke auf seiner Gitarre, unterstützt von „Deerhoofs“ Trommelversuchen. Pol ist ein typischer introvertierter Jugendlicher mit depressiven Schüben. Und das war es auch schon ungefähr, was uns der Film in epischer Länge näherzubringen versucht.

Dabei verbleibt er leider stets in einer beobachtenden Distanz und unternimmt kaum Versuche, uns in die Gefühle oder Gedanken von Pol hineinzuversetzen oder sie gar zu erklären. Unter dem Gesichtspunkt, dass „Außenstehenden“ die Seelenwelt von Jugendlichen ja tatsächlich oft vollkommen verschlossen bleibt, ist das eine sicher löbliche Vorgehensweise, die für den Betrachter in gewisser Hinsicht den Realismus des Gezeigten extrem fördert. Sie führt jedoch nicht unbedingt dazu, dass man vom Geschehen sonderlich gefesselt wird – erst recht nicht, da dramaturgische Höhepunkte fast komplett fehlen.

So ist ANIMALS zwar kein schlechter Film und entwickelt im letzten Drittel durchaus eine gewisse dramatische Kraft. Er braucht aber zu lang, um dorthin zu kommen und fließt bis dahin über weite Strecken ziemlich weit entfernt an einem vorbei. Von mir deshalb nur 5 von 10 Punkten – obwohl ich für solche Filme im Allgemeinen sehr zu haben bin und diesen nach Sichtung des Trailers eigentlich auch wirklich hatte mögen wollen.


Big Ass Spider! - Jetzt bist du am Arsch! [Blu-ray]
Big Ass Spider! - Jetzt bist du am Arsch! [Blu-ray]
DVD ~ Ray Wise
Preis: EUR 12,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guilty Über-Pleasure, 30. Dezember 2013
Zu Mike Mendez' neuestem Trash-Epos BIG ASS SPIDER! gibt’s nicht mehr viel zu sagen, was nicht schon anderswo gesagt worden wäre und vor allem nichts, was nicht jeder schon wüsste, der einmal fiebrig-freudig verbotene Nächte mit Monsterfilm-Klassikern aus den 50ern verbracht hat. Oder alternativ auch moderne Genre-Epigonen wie etwa INFESTATION oder insbesondere EIGHT LEGGED FREAKS (aka ARAC ATTACK) kennt. Letzterer ist vermutlich der ideale Referenzkandidat, geht es dort doch schließlich auch um riesenhaft mutierte Spinnen – und hat ihm BIG ASS SPIDER! doch schließlich sogar den Titel entlehnt.

Ich muss sagen, im Direktvergleich schneidet die Mendez-Party für mich noch ein Stück besser ab. Zwar hat sie spürbar weniger Budget zur Verfügung (was nicht zuletzt in deutlich schlechteren Effekten resultiert) und auch keine Scarlett Johansson am Start, dafür ist sie ein kleines bisschen brutaler; in erster Linie aber: Man merkt allen Beteiligten jederzeit an, dass sie eine Menge Spaß beim Dreh hatten. Eine MENGE! Natürlich sind hier alle Figuren das blanke Klischee, wie es bei einem solchen Film ja auch sein muss. Aber mit welchem Enthusiasmus sie zum Leben erweckt werden, macht einfach Laune.

Das gilt nicht zuletzt für den schwer von sich selbst überzeugten Exterminator Alex, unsere Hauptfigur, gespielt vom ultra-sympathischen Greg Grunberg (der gedankenlesende Cop aus HEROES), sowie seinen Sidekick, den konsequent von allem überforderten Security Guard Jose Ramos (Lombardo Boyar, mir höchstens bekannt von seiner Nebenrolle in der zweiten Season von 24). Ich finde es herrlich zuzusehen, wenn talentierte Schauspieler so wenig Probleme damit haben, sich selbst als Volldeppen dastehen zu lassen – und sogar dabei noch Talent beweisen. Ihre Dialoge, ihre verpeilten „Rettungsaktionen“, ihr naiver Kampf gegen die Monsterspinne – grandios. Ray Wise als Army-Major Braxton ist natürlich ohnehin Gold, der Mann macht fast jeden Film zum Fest.

Aber hey, vor allen Dingen gibt es hier eine RICHTIG fette, fiese, fast unverwundbare Killerspinne zu bewundern. Kommt schon, was muss man da noch weiter groß sagen?
Vielleicht, dass der Film auch gut Tempo hat, sich gekonnt in jedem Klischee suhlt und sogar Lloyd Kaufman einen Gastauftritt hat. Noch Fragen?

Ansehen und Spaß haben – aber Bier trinken und Kopf ausschalten nicht vergessen! Das ist endlich mal wieder Trash, wie er sein muss: Fröhliche 7 von 10 möglichen Punkten von mir.


Unkritische Theorie (Neue Literaturen)
Unkritische Theorie (Neue Literaturen)
Preis: EUR 3,99

5.0 von 5 Sternen Deutschlands wohl bösester Twitter-Humor, 30. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Was war jetzt dieses Twitter noch gleich? Ganz genau: Der ideale Ort, um schadenfroh die bösen Ergüsse schmerzfreier Schreiber zu genießen und den vielleicht schwärzesten Humor Deutschlands zu entdecken.

Jedenfalls, wenn man den richtigen Autoren folgt - wie zum Beispiel “Wondergirl“, einer jungen Frau aus der finstersten Ecke Meck-Pomms, die inzwischen in Frankfurt am Main ihr Glück (und möglichst wenige Vollspacken) sucht.

Ihr Twitter-Account ist einer der populäreren des Landes, und dieses E-Book fasst seine Höhepunkt-Tweets zusammen: Sauber sortiert in Kapitel wie “Frankfurt“, “Internet“ und “Unterwegs“, die verständliche Verachtung für und amüsante Ungläubigkeit über die “deutschen Zustände“ in erstaunlich treffende, scharf beobachtende und unbarmherzig beurteilende 140-Zeichen-Sezierungen verpacken.

Ob man Twitter-Poweruser ist oder die Plattform sonst mit Verachtung straft, “Unkritische Theorie“ sollte man sich gönnen, denn im leicht verdaulichen Format werden hier reihenweise schwer verdauliche Erkenntnisse als bitterbös-humoristische Treffer gelandet: Über den leibhaftigen Bewohner von Frankfurt-Höchst, das durchschnittliche Zonen-Tier und die seltsam anstrengende Gattung des Metropolen-Hipsters, sowie natürlich den vielfach neurotischen Rest des Twitter-Universums.

Stellenweise kommt man aus dem Lachen wirklich nicht mehr heraus - bis man dann wieder einmal schlucken muss ob der zynisch klaren Betrachtung der vielen Unschönheiten in unserem alltäglichen Weltuntergang, die nun mal genau das sind: unschön. Aber damit eben auch großartig unterhaltsam, jedenfalls, wenn man die richtigen Worte findet, um sie zu beschreiben - so wie “Wondergirl“.

“Unkritische Theorie“ ist genau das richtige (E-Book) für alle, die ihre negative Weltsicht gerne unterhaltsam begründet sehen; die den Menschen als Anti-Wunderwerk verstehen und Belege für ihre Einschätzung schätzen; die Frankfurt, die Zone, D'land und die Welt verstehen lernen wollen - und grundsätzlich für all jene, die unbeobachtet einfach mal wieder herzhaft böse lachen möchten. (Sowie, sowieso, natürlich für alle, die endlich den Twitter-Hype nachvollziehen können wollen.)

Extrem kurzweilig, extrem treffend und insgesamt einfach extrem cool geschrieben: Ziemlich grandios.
Doch, wirklich.


Wrong [Blu-ray]
Wrong [Blu-ray]
DVD ~ Jack Plotnick
Preis: EUR 18,99

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anything is possible with modern technology!, 12. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Wrong [Blu-ray] (Blu-ray)
RUBBER ist ein spannendes Experiment über Filmtheorie und Filmrezeption, das durch seine grundlegende Bizarrheit und einzelne unglaublich schräge Handlungsideen faszinieren kann – das aber durch seinen überdeutlich zur Schau getragenen Intellektualismus sowie seinen einerseits viel zu komplexen Aufbau und seine andererseits gleichzeitig viel zu reduzierte Story nach einer gewissen Zeit auch reichlich anstrengend oder sogar ermüdend wirkt.

WRONG ist anders. WRONG ist ein fast permanenter Lachkrampf, der beim Fantasy Filmfest 2013 den gesamten Saal erfasste. WRONG ist herrlich naiv wirkender, lakonisch dargebotener praktischer Dadaismus, bei dem eine Absurdität die nächste jagt, während die Dramaturgie durchaus der eines „normalen“ Films gleicht: Es gibt einen Anfang, ein Problem, die Suche nach der Lösung und ein Ende der Geschichte. Wobei diese Geschichte um 7:60 Uhr anfängt und bei Hunde-Telepathie noch lange nicht fertig ist, zahllose nur scheinbar nicht zusammenhängende Abzweigungen nimmt und uns nebenbei essentielle Fragen über die Vorteile von Palmen gegenüber Pinien, den Seelenzustand von Hundescheiße oder auch den Nachteil des Vornamens „Bruno“ stellt.

WRONG läst sich kaum beschreiben. WRONG ist die Suche eines skurrilen Eigenbrödlers nach seinem Hund, die weiter weg von REVENGE FOR JOLLY! ist als Michael Jackson von der US-Präsidentschaft 2016. WRONG ist blau, rot, von Hand gestrichen und wie ein wilder, wirrer Traum.

Eine Klasse für sich selbst, ein absolutes Highlight und so dermaßen seltsam, dass ihr noch euren Gärtnern unter der Hundelampe davon erzählen werdet.
8,5 von 10 Punkten. Könnt ihr nicht nachvollziehen? Dann kommt näher, damit wir uns besser unterhalten können. Dort draußen, am Ende der Welt. Bei einer Bio-Pizza von Jesus.

PS: Ich auch nicht.


Citadel - Wo das Böse wohnt
Citadel - Wo das Böse wohnt
DVD ~ Aneurin Barnard
Wird angeboten von bari_medienvertrieb Preise inkl. MwSt.
Preis: EUR 9,66

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Trist., 3. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Citadel - Wo das Böse wohnt (DVD)
Erinnert sich noch jemand an den gleichfalls britischen Film Heartless [Blu-ray]? CITADEL ist so was wie dessen kleiner, hässlicher Bruder. Ein sehr ähnliches Setting, eine sehr ähnliche Stimmung, letztlich auch eine sehr ähnliche Storyidee – aber alles eine Nummer kleiner, billiger und weniger ausgereift als beim Vorbild.

Bei CITADEL steht zudem über einen Großteil des Films der Drama-Aspekt im Vordergrund: Der verzweifelte Kampf eines jungen Mannes (Aneurin Barnard aus Elfie Hopkins [UK Import]) gegen seine ihn zu verschlingen drohende Agoraphobie, die ihn vollständig beherrscht, seit fiese Kapuzen-Kids seine Frau getötet und es nun offenbar auf das gemeinsame Baby abgesehen haben. Das ist überzeugend gespielt, man leidet durchaus mit der Hauptfigur mit. Auch erzeugt das triste Hochhaus-Ghetto grundsätzlich auf jeden Fall eine beklemmende Atmosphäre.

Insgesamt passiert hier aber ein Stück zu wenig, die wenigen Jump-Scares sitzen nicht, und entscheidender: Die Story kippt bald ins Übersinnlich-Alberne, was dem harten Drama seine Glaubwürdigkeit und Kraft nimmt. Auch sehen sämtliche Effekte und Masken eher jämmerlich aus.

Für mich deshalb insgesamt eher langweilig und ein ziemlicher Flop: 4 von 10 Punkten.


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