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marian (wü)

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Balzac und die kleine chinesische Schneiderin
Balzac und die kleine chinesische Schneiderin
von Dai Sijie
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine homage an die Literatur, das Leben und die Liebe, 18. Januar 2005
Mit trockenem Humor erzählt Dai Sijie in seinem Erstlingswerk eine Wunderolle Geschichte, die Tragik und Absurdität dieser düstern Epoche Chinas entlarvt.
Zur Zeit der chinesischen Kulturevolution werden zwei junge Männer, deren einziges Schandtat darin besteht Söhne gebildeter Bürger zu sein, zur „Umerziehung" in ein primitives Dorf in einer entlegenen Bergregion verbannt. Gemeinsam trotzen die beiden Freunde ihrem tristen Dasein ohne (oder mit verschwindend geringer) Hoffnung auf eine Rückkehr in die Stadt und in die kulturelle Zivilisation. Sei es nun durch das Retten ihrer Geige durch eine List (das spielen des Stückes „Mozart ist mit seinen Gedanken immer beim Großen Vorsitzenden Mao"), „Manipulation" des Dorfvorstehers durch einen beliebig verstellbaren Wecker, die kleine Schneiderin (die von beiden Freunden geliebt wird, jedoch nur die Liebe des einen erwidert) oder letztendlich durch das Lesen von Büchern westlicher Autoren (welche wiederum durch List und Tücke gestohlen worden sind). Balzac, Dumas, Flaubert und Romain Rolland führen die beiden Halbstarken in eine neue Welt, bieten ihnen eine Ausflucht aus der dogmatischen Realität. Die Bücher werden der Mittelpunkt ihres erzwungenen Bauerndaseins, zum Universalmittel um zum Beipiel die kleine Schneiderin zu verführen, Ärzte zu bestechen und vieles Anderes. „Nachdem ich es fertig gelesen hatte, waren weder mein verdammtes Leben, noch meine verdammte Welt wie zuvor", berichtet der peronelle Erzähler.
Dai Sijie erzählt die kuriosen Geschichten und Anekldoten der beiden Protagonisten mit einer Leichtigkeit und feinem Humor, so dass man fast das ganze Buch mit einem Schmunzeln liest. Die an sich dramatischen Ereignisse schildert er mit trockenem Humor und doch mit erschreckender Authenzität (das Buch ist teils autobiographisch). Die Unbeschwertheit Dai Sijies Stil, seine Art die kleinen Dinge zu beschreiben und den Leser in das Buch hineinzuzaubern, so dass er sich etwa der „begehrtesten Schönheit des Phönix des Himmels" (die kleine Schneiderin) mit iherem anfänglich naiven Gebaren inmitten der filigranen Bergwelt direkt gegenüber sieht, zeichnen dieses Buch aus.
„Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" ist eines jener Bücher die man an einem Abend verschlingt und sich am Ende 200 Seiten fragt: Wie? Schon vorbei?


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