Der gläserne Steuerbürger: Neue Steuer-Identifikationsnummer. Erweiterter Kontenabruf ab 1.1.2009. Kontrollmitteilungen. Internet als Daten- und Informationsquelle. ... - internationale Amts- und RechtshilfeBefinden wir uns bereits auf dem Ausforschungsniveau der Vereinigten Staaten von Amerika? Noch nicht. Aber wir erreichen es mit Sicherheit irgendwann. Kaum ein Steuerbürger vermag die Einzelheiten der bereits heute verfügbaren Kontrollinstrumente des deutschen Fiskus und deren Ausmaße so richtig zu beurteilen. Viele ahnen nur, was da tatsächlich in punkto Glashaus Steuerbürger" hinter den Kulissen abläuft.
Welche Kontrollmöglichkeiten tatsächlich (nicht nur) der Fiskus zum Zweck der Ausforschung relevanter Daten im Einzelnen hat, vermittelt der langjährige Autor, Steuerberater Dipl.-Betriebswirt (FH) Anton-Rudolf Götzenberger, in einer sehr beeindruckend umfassenden und anschaulichen Art und Weise in seinem nunmehr in 2. Auflage in der praxisbewährten Reihe Brennpunkt" des NWB-Verlages mit fast 280 Seiten erschienenen Buch Der gläserne Steuerbürger".
Wer glaubt, hier ein trockenes und langweiliges Werk vor sich zu haben, wird sehr schnell positiv überrascht sein. Der vor allem auf dem Gebiet der International Taxation und des grenzüberschreitenden Vermögensmanagements spezialisierte Autor hat als Kenner der Materie mit Akribie und Sorgfalt Fakten und auch so manches Insiderwissen zusammengetragen, womit das Buch zu einer äußerst interessanten und zum Teil spannenden Lektüre avanciert. Der Leser wird einerseits positiv überrascht von der enormen Fülle und Vielschichtigkeit der Informationen zu dieser Thematik, die die Komplexität und Vernetzung der Kontrollinstrumente des Fiskus herausstellt und andererseits darüber zugleich geschockt sein, wie weit Deutschland auf diesem Gebiet in Wirklichkeit schon ist.
Jeden Teil ist ein als horizontale Hierarchie angeordnetes Inhaltsverzeichnis vorangestellt. Dieses erleichtert dem Leser einen sehr schnellen Zugriff auf die ihn interessierenden Themen und vermittelt jeweils einen groben Überblick über das, was ihn erwartet.
TEIL I:
Der Teil I geht auf die Möglichkeiten der Ausforschung steuerrelevanter Aktivitäten und der privaten Vermögensverhältnisse der deutschen Steuerbürger auf nationaler Ebene ein. Darin beschreibt der Autor kompakt und dennoch verständlich, wie der Steuerbürger selbst zur Daten- und Informationsquelle wird. Einen gewichtigen Stellenwert nimmt das Informationspotential Banken" und hierbei der direkte automatisierte, bis zu 10 Jahre rückwirkende, Kontenabruf ein. Neben den klassischen Ausforschungsinstrumenten, wie z. B. den Kontrollmitteilungen, der Erfassung von Daten mittels Telekommunikation, und sogar dem Abruf von Daten aus dem zukünftigen Kirchensteuer-Datenpool sowie der Steuerfahndung, wird auch auf die den meisten Steuerbürgern unbekannten Methoden, wie die nicht zu unterschätzende Analyse nach dem Benford-Law und der Einsatz der Prüfersoftware IDEA, weil diese zumeist noch vorrangig bei Unternehmen eingesetzt werden, ein. Und nicht zuletzt spart der Autor auch das nicht zu unterschätzende Potential sonstiger Informationskanäle, wie z. B. ELENA oder anonyme Anzeigen neidischer Steuerdenunzianten aus. Aber auch auf das für die meisten unbekannte, für den Fiskus eigentlich nicht entwickelte Suchsystem im Internet, namens Xpider, wird kurz vorgestellt.
TEIL II:
Der Teil II befasst sich mit den verfügbaren Ausforschungsinstrumenten auf internationaler Ebene. Neben der Ermittlung ausländischer Bankkonten und der Vermögensverhältnisse unserer Steuerbürger im Rahmen der Amts- und Rechtshilfeabkommen geht der Autor auch auf die Möglichkeiten europaweiter Bankkontenabfragen durch die Finanzbehörden ein. Der Autor widmet sich auch dem Aufspüren von Bargeldtransfers des Steuerbürgers, insbesondere im Rahmen von Zollkontrollen. Und wenn von der EU-Zinsrichtlinie die Rede ist, denkt kaum ein Bürger daran, dass auch damit ein internationales Kontrollmeldesystem zur Erfassung von Auslandskonten und -depots sowie grenzüberschreitenden Zinszahlungen aktiviert ist. Ergänzt werden die Ausführungen durch Übersichten über die Staaten mit großem und die mit kleinem Auskunftsaustausch, die gültigen Amts- und Rechtshilfeabkommen (mit Quellenangaben) und die zukünftigen Abkommen und laufenden Verhandlungen.
Abschließend geht der Autor in diesem Teil sogar auf den allgemein nicht bekannten, bei der EU-Kommission angesiedelten Ermittlungsdienst OLAF für Steuerhinterzieher und auf die Möglichkeiten der Informationszentrale Ausland im Bundeszentralamt für Steuern kurz ein.
TEIL III:
Im Teil III erfährt der Leser einen groben Überblick über die Möglichkeiten der Jagd nach Steuersündern und der Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken durch die OECD. Man erkennt, dass letztendlich die Bemühungen der OECD-Staaten mehr in Empfehlungen als in kodifiziertes Recht münden. Dennoch wird der globale Steuer-Informationsaustausch nach dem OECD-Standard 2002" zukünftig an Bedeutung zunehmen.
TEIL IV:
Der abschließende Teil IV ist den begünstigten Geldanlageplätzen für den gläsernen Steuerbürger gewidmet. Kurzweilig wird hier auf die allgemein bekannten Geldanlageplätze Kleinwalsertal/Vorarlberg, Jungholz/Tirol, Liechtenstein und Mauritius eingegangen, wobei für die hier aus Sicht des Autors bedeutendsten Banken gleich die Kontaktdaten mitgeliefert werden. Angesichts der jüngsten Skandale um den Bankenstandort Liechtenstein, die durch illegale Datenklaus ausgelöst wurden, sollte man sich jedoch vor Augen halten, dass heutzutage nichts mehr sicher ist, auch nicht einmal die als todsicher" geglaubte Geldanlage.
Abgerundet wird das Werk durch einen Anhang, in dem wichtige Vordruckmuster zum Melde- und Auskunftswesen auf diesem Gebiet und zwei internationale Dokumente zur Rechtshilfe abgedruckt sind.
Wie auch bei den anderen Titeln dieser Reihe, wird auch hier mit dem mitgelieferten Freischaltcode dem Leser die Möglichkeit zum Zugang zum elektronischen Bibliothekssystem des NWB-Verlages fabilion" eingeräumt. Ein nicht zu unterschätzender Mehrwert für den Leser.
Insgesamt ist es ein sehr gut gelungenes und informatives Werk, das den Anstoß für eine weitergehende fachliche und allgemeine Diskussion zu dieser Thematik gibt.