Bei Vera Lengsfelds „Von nun an ging's bergauf" handelt es sich um eine stilistisch hervorragende und flüssig geschriebene Biographie, die ein äußerst dramatisches und ruheloses Leben widerspiegelt. Ihr eigenes Schicksal fast schon vorausnehmend, wird ihr Vater aus seiner Heimat, dem Sudetenland, vertrieben. Er wird Mitglied der sog. „Bewaffneten Organe", doch aufgrund der staatszersetzenden Aktivitäten seiner Tochter in Frühpension geschickt. Die Initialzündung für die Zweifel am real existierenden Sozialismus ereilen Vera Lengsfeld im Alter von 16 Jahren, nämlich während einer Fahrt mit ihren Eltern in die beispielgebende SU, wo die Mißwirtschaft deutlich wird. Ihre Kontakte ins kapitalistische Ausland, die frisierten und aufbereiteten Lehrinhalte ihres Philosophiestudiums, bei dem die Beschäftigung mit nichtsozialistischen Denkern eine Genehmigung für den sog. Giftschrank erfordert, sind weitere Stationen der Entfremdung vom System.
Ausführlich schildert Vera Lengsfeld die Wirkungs- und Arbeitsweise verschiedener oppositioneller Gruppierungen, insbesondere des Pankower Friedenskreises, bis zu ihrer Verhaftung im Jahre 1988 durch die Staatssicherheit. Die Stasi hält sie unter menschenunwürdigen Bedingungen und kurzzeitiger Isolationshaft in Hohenschönhausen gefangen. Sie wird nach Cambridge abgeschoben, der offizielle Wortlaut bezeichnet dies als Studienaufenthalt. Vera Lengsfeld kehrt 1989 aufgrund eines Relegationsverfahrens gegen ihren Sohn und auch wegen der sich abzeichnenden Wende in die DDR zurück. Nach der Wiedervereinigung zieht sie 1989 für Bündnis90/Die Grünen in die Volkskammer, 1990 in den Bundestag ein.
Die „gelernte" Philosophin konnte sich trotz ihres arbeitsintensiven Mandates die Fähigkeit bewahren, sich über die täglichen Dinge und Phänomene zu wundern. Dadurch vermochte sie auch jenseits aller Parteilinien und Fraktionszwänge, wie sie selber 1994 durch den Wechsel der Fraktion bewies, außergewöhnliche Fragen zur Diskussion zu stellen. So behandelt sie en passant Uno-Blaumhelmeinsätze und nimmt Stellung zur Problematik des freien bzw. imperativen Mandates in Volkskammer und Bundestag und beleuchtet die Stasi-Akten-Problematik.
„Von nun an ging's bergauf" ist eine Anklage gegen jegliche Einseitigkeit und damit ein uneingeschränktes Plädoyer für freie Meinungsäußerung und Medienvielfalt.