Paul PRAXL, Stadtarchivar Waldkirchen, ehem. Leiter der Kreisarchivs Freyung-Grafenau, Juli 2002
Zwischen etwa 1850 und 1930 verließen Hunderttausende Deutscher ihre Heimat, um jenseits des Ozeans, in den Vereinigten Staaten, ihr Glück zu versuchen. Unter ihnen waren viele (ihre genaue Zahl wird nie zu ermitteln sein) aus dem Bayerischen Wald, einem Grenzland, das im 19. Jahrhundert lange als Notstandsgebiet galt. Bevorzugte Ziele in den USA waren Chicago/Ill. und der Staat Wisconsin. Bisher war die Geschichte der Auswanderung aus dem Bayerischen Wald (ebenso wie der aus ganz Bayern) ein Desiderat der Forschung. Der Karlsruher Geograph und Germanist Dr. Friedemann Fegert, dem Bayerischen Wald seit 1979 durch alljährliche Ferienaufenthalte verbunden, unternahm es endlich nach langer Forschungsarbeit, die dramatische Geschichte der bayerwäldischen Auswanderung am Beispiel der hochgelegenen, erst im frühen 18. Jahrhundert entstandenen Rodungsdörfer an der böhmischen Grenze in einer umfangreichen Monographie darzustellen.
Pressestimmen
Nach 12-jähriger Forschungsarbeit legt Friedemann Fegert einen umfänglichen Band zur neueren Geschichte der deutschen Nordamerikaauswanderung vor. Vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Besiedlung des Passauer Abteilandes zeichnet der Autor die Entwicklung des Auswanderungsgeschehens im Untersuchungsgebiet nach, mit einem zeitlichen Forschungsschwerpunkt von den 50er Jahren des 19. bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Methodisch nähert sich Fegert dem Untersuchungsgegenstand aus drei Richtungen an. Einmal wählt er einen quellengestützten biografischen Ansatz: Anhand zahlreicher Briefe und Dokumente und vermittels deren philologischer Interpretation vermittelt der Autor dem Leser einen Einblick vor allem in die persönlichen Schicksale der Auswanderer und Auswanderinnen, getreu dem Motto, dass "in jeder Lebensgeschichte auch Weltgeschichte" steckt. Zum zweiten legt Fegert eine geografische Studie vor, die sowohl den heimatlichen wie auch den Zielraum der Auswanderung zum Gegenstand hat und Herkunfts- wie Siedlungsgebiet bis hin zur Viertelbildung in den amerikanischen Großstädten analysiert. Hervorzuheben ist dabei, dass räumliches Siedlungsverhalten, Schwerpunktbildung in Städten in deutschen Vierteln, den sog. "Germantowns", anhand zahlreicher Abbildungen besonders nachvollziehbar dargestellt werden. Und zum dritten hat Fegert auf Grund seiner langjährigen Forschungstätigkeit intensive persönliche Kontakte nach Nordamerika aufgebaut; diese schufen die seltene Gelegenheit, auch die Oral History als Methode einzusetzen und so Schilderungen von Teilnehmern des persönlich erlebten Auswanderungsgeschehens in die Untersuchung mit einfließen zu lassen. Neben diesen mündlichen Quellen wurden Archivalien, private Quellen, aber auch Internet-, Audio-Quellen und Filmmaterial ausgewertet. Fegert konnte so ca. 200 Auswanderer aus dem Untersuchungsgebiet erfassen und deren Schicksal teilweise bis hin zur ganz persönlichen Dimension und mit bemerkenswerter Schärfentiefe nachzeichnen. Den gezielten Zugriff auf das auf über 500 Seiten ausgebreitete Material ermöglichen Personen-, Orts- und Sachregister. Dr. Peter Maidl, Universität Augsburg