Alles hat so schön begonnen. Interessanter Bucheinband, Neugier erweckender Titel und als Autorenduett zwei Frauen mit besonderem beruflichem Werdegang. Doch schnell wich die Begeisterung zunehmender Ernüchterung. Nach der üblichen Einführung in unsere schwierigen Zeiten mit festgefahrenen Managern, Informationsüberschwemmungen und dem Menschen im Mittelpunkt gibt es zwar noch ein erstes Aufbäumen, wenn es heisst: „Unsere Lieblingsideengeber für erfolgreiches Management sind das menschliche Gehirn, Elefanten, Mönche, Modemacher, Wurstfabrikanten, Wüstenprediger und die Damen vom Begleitservice." Danach werden Charakter, Werte, Leidenschaft, Anspruch und Kontakte als die Erfolgsfaktoren der Manager postuliert. Quer? Wird doch in jedem Wochenendseminar nach vorne gebeamt. Und kaum jemand wird bestreiten, dass Manager vor allem etwas vom Leben wissen sollten. Nur ist „Leben" ein ziemlich weites Feld. Und auf ihm lassen die Autorinnen die Leserschaft im Folgenden herumirren, geben ihnen zwar einige tolle Geschichten als Wegverzehrung mit, stellen aber so viele Wegweiser auf, dass am Ende des Buches die grosse Ratlosigkeit herrscht, weshalb man sich die Füsse wund gelaufen hat und ob man überhaupt weitergekommen ist.
Die Schwäche des Buches liegt weder am Schreibstil, noch an den vielen Beispielen. Möglich, dass das bunte inhaltliche Durcheinander nur mich verwirrte. Fest steht einfach, dass ich den roten Faden nicht fand. In einem nicht repräsentativen Test verschob ich einzelne Storys in andere Kapitel und merkte, dass ich dieses Spiel noch lange weitertreiben könnte. Irgendwie passt alles zu allem. Da erstaunt es auch nicht, dass sich vieles wiederholt, zum Teil sogar wörtlich. Dabei könnte man unter Berufung auf das Gehirn oder professionellen Sex tatsächlich einiges erhellen. Doch das meiste wird nur angetippt, gestreift, in die Luft geworfen und nicht mehr aufgefangen. Hoffnungsvoll durchstreifte ich dann noch das Literaturverzeichnis, fand aber keinen einzigen Titel von Autoren, die ich Querdenkern und Quergewinnern wärmsten empfehlen möchte, ausser das Buch von Pater Anselm und Konrad Stadler „Finde das rechte Mass. Regeln aus dem Kloster Andechs für Arbeit und Leben", das allerdings mehr für unverbesserliche Chaoten als für Querdenker verfasst wurde.
Fazit: Entweder bin ich immun gegen die Verführungskünste der Autorinnen, ein unverbesserlicher männlicher Allesverächter oder zu doof, um das geistige Band, das alles zusammenhält, selber zu entdecken. Ich kann also nicht mehr tun, als die Leser dieser Besprechung daran zu erinnern, dass Meinungen und Erfahrungen immer sehr persönlich sind. Meinen Segen braucht es ja nicht, um das Buch zu kaufen und eine völlig andere Leseerfahrung zu machen.