Diese Autobiographie ist absolut lesenswert! Nicht nur, weil Hildegard Knef aufgrund ihres Jahrganges (Kriegsjugend, mit allen entsprechenden Folgen, auch Krankheiten) wirklich etwas zu erzählen hat (im Gegensatz zu so manch anderem sogenannten "Star"), sondern weil es kompakt, packend und sehr intelligent geschrieben ist (!) Die Autorin fordert einen ganz schön, indem sie Dinge manchmal nur elegant anreißt oder scheinbar beiläufig erwähnt, aber indirekt erwartet, daß man sich später an all die Namen und Personen erinnert. Unter einem gewissen Niveau macht(e) sie es also offenbar auch bei der Schriftstellerei nicht - sehr schön, sehr typisch. Über den Inhalt will ich hier nicht zuviel verraten, aber es werden natürlich u.a. ihre schweren Anfangsjahre in Berlin geschildert (indem sie aus den Trümmern auferstand, sozusagen), wobei mich die besondere Beziehung zu ihrer Schauspiellehrerin, Else Bongers, positiv überrascht hat, später dann natürlich der Sprung bzw. die Sprünge in die USA, mit all den Gepflogenheiten u.a. der Filmproduzenten (laßt Euch überraschen). Direkt neidisch werden könnte man übrigens auf all die vielen Bekanntschaften und Freundschaften mit interessanten Persönlichkeiten, wie z.B. Marlene Dietrich. Wer aber eine übermäßige Offenheit und vor allem Ausführlichkeit erwartet, unterschätzt die Knef, und zwar in ihrer Professionalität (siehe oben; kein Wort ist zuviel). Am ehrlichsten und berührendsten finde ich immer noch die Stellen, wenn ihre Tochter ins Gespräch gebracht wird - das wird schon sehr persönlich. Ich weiß noch, wie ich damals mit dem Buch am Strand lag und kein einziges Mal ins Wasser gegangen bin, um ja nichts zu "versäumen" (schreiende Kinder und prahlende Bootsbesitzer waren mir egal). Ein echtes Steh-Auf-Männchen, die Knef: Von der Kriegswaise zur Malerin, von der Malerin zur Schauspielerin, zwischendrin irgendwann auch Broadway-Tänzerin (und zwar zwei Jahre am Stück, in derselben Inszenierung - wow), von der Schauspielerin zur Chansoneuse, von der Chansoneuse zur Schriftstellerin. Ein echtes Multitalent,und immer ihrer Zeit voraus (wohl ein bißchen zu sehr voraus, wie der harte Wind, der ihr von der deutschen Presse entgegenblies, beweist). Warnung: Wer überhaupt nichts von Hildegard Knef weiß, kann mit diesem Buch wahrscheinlich wenig anfangen (sie setzt durchaus voraus, daß man die wesentlichen Dinge von ihr weiß, z.B. in welchen Filmen sie mitgespielt hat). Einen einzigen echten Wermutstropfen hat das Buch in meinen Augen: Bei dieser Taschenbuchausgabe fehlen - so weit ich mich erinnern kann - völlig Fotos, und so muß man die Bilder aus dem Gedächtnis abrufen. Wer also die "ganze" Geschichte der Hildegard Knef kennenlernen will (aber Achtung: sie reicht aufgrund des Erscheinungsjahres natürlich nur bis ca. 1970), der bekommt wirklich einen guten Eindruck von ihr, die im Leben immer alles gegeben und sich nie versteckt hat. Die Art übrigens, wie sie etwas frühzeitig endgültig von der Bühne des Lebens gehen mußte, finde ich etwas traurig (denn ich bin mir sicher, sie ist am mangelnden Rollenangebot in Deutschland persönlich "gescheitert"). Aber das ist ein anderes Thema.