»Der gelbe Stern«, Ende 1960 als eines der ersten Bücher zum Thema erschienen, ist bis heute ein Standardwerk geblieben, das auch nach drei Jahrzehnten noch immer als Quelle zitiert wird. Das Buch, von der Kritik des In- und Auslandes einhellig als hervorragende Dokumentation gelobt, erlebte zahlreiche Neuauflagen und erschien in vielen Ländern und Sprachen. »Der gelbe Stern« ist bis heute der einzige Dokumentarbildband, der die Judenverfolgung in Europa durch das NS-Regime in den Jahren 1933 bis 1945 insgesamt darstellt. Er enthält 200 Fotos - viele von ihnen seinerzeit erstmalig von Schoenberner publiziert, die seither immer wieder in Büchern nachgedruckt und von Film und Fernsehen reproduziert worden sind. Sie wurden vom Autor in allen erreichbaren Archiven zwischen Washington, Moskau und Jerusalem unter Zehntausenden von Aufnahmen ausgewählt und zu einer Geschichte in Fotografien montiert. Der Bildteil wird ergänzt durch instruktive Texte sowie klassische Dokumente und Zeugenaussagen. »Der gelbe Stern« zeigt in acht Kapiteln den Leidensweg von Millionen Menschen und seine einzelnen Stationen - von der Hasspropaganda über Ausgrenzung, Entrechtung, Beraubung, Konzentration und Deportation bis hin zum industriell organisierten Massenmord. Das Buch verbindet die Information mit der lebendigen Anschauung, indem es zu den amtlichen Akten das Bild der Menschen fügt, die den Mördern in die Hände fielen. Die »Neue Zürcher Zeitung« schrieb zum Erscheinen des Bandes: »Solange irgendwo auf der Welt noch ein Funke antijüdischer Komplexe wach bleibt, so lange kommt diesem Buch die Aufgabe zu, den Menschen die Augen darüber zu öffnen, wohin ihre verborgenen Hassgefühle sie und die Welt führen können.« Das vorliegende Taschenbuch entspricht der gleichnamigen Originalausgabe. Die Adaption des Layouts auf ein kleineres Format machte jedoch eine Reihe redaktioneller Änderungen erforderlich. Der Textteil ist erweitert, einige neue Fotos sind zusätzlich aufgenommen worden. Zeittafel, Quellenregister und Literaturhinweise wurden kritisch durchgesehen und auf den neuesten Stand gebracht. Der Autor Gerhard Schoenberner, geboren 1931, ein Schriftsteller und Publizist der Nachkriegsgeneration, ist vor allem mit Essays, Büchern, Ausstellungen und Filmen zu Themen der Zeitgeschichte hervorgetreten. »Der gelbe Stern« sowie der von ihm herausgegebene Textband »Zeugen sagen aus«, eine chronologische Sammlung von Erlebnisberichten zum selben Thema, machten seinen Namen international bekannt.
Was Schoenberners Buch zu einem exzeptionellen Werk macht, ist vor allem die Klarheit der Exposition, der Ton eines ruhigen Berichterstatters, der jede seiner Behauptungen stets durch offizielle Texte belegt, sie aber mit Zurückhaltung benutzt, und eine ausgezeichnete Koordination der Fakten, was ihm erlaubt, die ganze Entwicklung dieses diabolischen Unternehmens vorzüglich darzustellen.