Man sollte sich von der Aussage auf der hinteren Umschlagseite: "Wer Donna Leon liebt, wird Fred Vargas vergöttern" nicht verunsichern lassen. Leon und Vargas sind nicht vergleichbar. Ihre Bücher haben kaum etwas miteinander gemeinsam, sodass ich froh bin, dass ich mich von dieser Aussage nicht habe abschrecken lassen und mit einem ganz besonderen Leseerlebnis belohnt worden bin. Vargas ist eine lohnende Erfahrung besonderer Art; entweder man mag ihren Stil oder eben nicht, wie ein Blick in die bisherigen Rezensionen zeigt.
DIE STORY:
Es ist chronologisch der erste Roman um Kommissar ADAMSBERG. Kommissar JEAN-BAPTISTE ADAMSBERG ist aus den Pyrennäen nach Paris in das Kommissariat des 5. Arrondissement (hier lebt auch Vargas!) versetzt worden. Ihm eilt der Ruf voraus, einige komplizierte Fälle auf unkonventionelle weise gelöst zu haben. Er ist bekannt. Auch in Paris hilft ihm reine Intuition gleich bei seiner ersten Aufklärung eines Mordes. Unterdessen erscheinen über Nacht auf Pariser Bürgersteigen blaue, mit Kreide gemalte, Kreise. In den Kreisen befindet sich jedesmal ein alltäglicher, banaler Gegenstand. Die Öffentlichkeit nimmt dies eher amüsiert zur Kenntnis. Nur Kommissar ADAMSBERG wird das Gefühl nicht los, dass noch mehr passieren wird. Und dann passiert es: in einem Kreis liegt eine Leiche. ADAMSBERG hat seinen bereits seit langem erwarteten Fall des "Kreis-Mörders" und nimmt die Ermittlungen nun auch offiziell auf, wobei er die Lauf- und Denkarbeit seine Assistenten, angeführt durch den zielgerichtet und messerscharf logisch denkenden CAPITAINE ADRIEN DANGLARD, machen läßt und sich selbst auf das Beobachten, Gespräche führen und seine Intuition beschränkt.Tatsächlich löst ADAMSBERG den Fall dann auch in der ihm eigenen genialen und kauzigen Art.
FAZIT:
Das Faszinierende sind die schrulligen und sehr detailiert gezeichneten eigenartigen Charaktere in der Krimiwelt von FRED VARGAS. Sicherlich ist diese Art von Krimi gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. Gerade diese Ambivalenz macht den Reiz des Buches aus und hebt die Serie wohltuend aus dem konventionellen Einheitsbrei der meisten in den Buchläden stehenden Kriminalromane heraus. Zudem ist die Geschichte sehr amüsant und spannend geschrieben. VARGAS Welt lebt von und besticht durch ihre geradezu verschrobenen Protagonisten und auch durch den eigentlichen Krimi-Plot, der doch zumindest als ungewöhnlich und einfallsreich zu bezeichnen ist. Man sollte sich deshalb einmal völlig unbefangen diesem "Erlebnis" aussetzen und für sich selbst entscheiden, ob man das mag oder nicht. Für mich hat das Buch jedenfalls ein großes Interesse nach mehr geweckt!
Deshalb - unbedingt - viel Spaß beim Nachlesen.