Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
An sich kein schlechter Versuch - die Schwachstellen sind umso ärgerlicher..., 20. März 2007
Eines vorweg: Wer einen spannenden, an Landschaftspanoramen, Indiana Jones-Atmosphäre, Action und auch Romantik reichen Film sehen will, der ist mit diesem Werk gut bedient (für Zuschauer mit diesem Interesse würde ich mit 5 Sternen bewerten). Da der Film jedoch die Lebensgeschichte des wohl berühmtesten Archäologen Schliemann sein will, nenne ich als Altertumswissenschaftler im folgenden aus historischer Perspektive einige positive und negative Punkte (Auswahl):
+ + Heino Ferchs Darstellung Heinrich Schliemanns
+ + die Szene, in der S. "mit Homer in der Hand" die heiße Quelle sucht und die Temperatur der Wasserläufe nachmisst (Thema "Dilettant mit Herzblut")
+ Kostüme und Ausstattung
+ Die Debatte mit den Professoren am Anfang (zwar nicht historisch, deutet aber Schliemanns Gegner in der etablierten Wissenschaft an)
- - die Entdeckung Hissarliks als Hügel von Troja wird schrecklich kitschig als visuelle "Erweckungsszene" dargestellt, tatsächlich führte Frank Calvert Schliemann nach Hisserlik. S. suchte Troja erst auf einem anderen Hügel (Balli Dag).
- Calverts Rolle wird nahezu verschwiegen
- Die von neidischen deutschen Fachleuten verursachten Schikanen während der Ausgrabungen sind größtenteils erfunden
- - Schliemanns "Plan", den Graben durch Hissarlik zu legen, um die Abfolge im Profil zu sehen, verzerrt die Geschichte: Er suchte Priamos' Troja zuerst möglichst tief im Berg, auf die Idee der Schichtenabfolge brachten ihn erst viel später seine Grabungen in Mykene und die Beratung Wilhelm Dörpfelds
- Schliemann findet im Film einen korinthischen Helm (um 500 v. Chr.) in der bronzezeitlichen Schicht Troia II (um 2300 v. Chr.) - weil sich Lieschen Müller einen griechischen Helm so vorstellt?
- - Schliemann war keineswegs von Anfang an auf der Suche nach einem Schatz; dieser fiel ihm eher ungeahnt in den Schoß. Außerdem war Sophia nachweislich bei der Auffindung nicht zugegen. In Wirklichkeit erfand er ihre Anwesenheit und Hilfe bei der Bergung des Schatzes, um sie als Archäologin erscheinen zu lassen. Hätte man das wahrheitsgemäß gezeigt, wäre doch seine Liebe umso stärker inszeniert worden, oder?
Fazit: Vom Leben Schliemanns weicht das Drehbuch dieses Film wider besseren Wissens häufig ab und sitzt manchen Mythen aus Schliemanns eigener Feder auf. Sein Charakter wird nur in Auszügen deutlich. Warum bei dem äußerst spannenden Leben Schliemanns noch so viel dramatisiert und hinzu erfunden wurde, andere wichtige Züge dagegen nicht berücksichtigt wurden, bleibt wohl das Geheimnis der Drehbuchautoren und des Regisseurs.
Ich finde es vor allem schade, dass man die interessante Persönlichkeit und Lernfähigkeit S.s zu wenig ausgespielt hat. Die Tragik in seinem Leben wird nicht recht deutlich: Er grub an dem Troja, das er suchte vorbei und zerstörte wichtige Befunde. Das wurde ihm kurz vor seinem Tode klar. Richtig inszeniert, hätte dies einen hervorragenden Filmstoff abgeben können. Hielt man etwa das Fernsehpublikum für zu naiv, diese Tiefen verstehen zu können?
Wäre der Film nur reiner Trash, würde man sich nicht ärgern, sondern ihn einfach vergessen. Aber eine Besetzung, die Potential hat (Ferch), eine großzügige Ausstattung, Liebe zum Detail sind hier vorhanden; daher ärgern die leichtfertigen Verzerrungen und unnötigen Fehler umso mehr. Insgesamt vergebe ich daher mittelmäßige 3 Sterne.
P.S. Wer knapp und erhellend etwas über der historischen Schliemann erfahren will, dem empfehle ich: Justus Cobet, Heinrich Schliemann (120 Seiten, Beck Verlag München): Eine ideale, fachlich fundierte Begleitlektüre.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Würde man diese DVD einbuddeln..., 20. März 2007
... dann müsste sich zweieinhalbtausend Jahre später garantiert keiner die Mühe machen, ähnlich wie Heinrich Schliemann Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, um sie dem Vergessen zu entreißen. So doll ist der Film nämlich nicht. Feinere historische Inkorrektheiten kann ich nicht beurteilen; dass der Film allein auf Originalsprachen plus Untertitel verzichtet und stattdessen sogar Briefe zwischen zwei Fremdsprachlern der Einfachheit halber auf Deutsch präsentiert, trägt jedenfalls nicht zur Glaubwürdigkeit im Allgemeinen bei.
Woran der Film im Ganzen krankt, ist sein nahezu spürbarer Wille zum Mainstream. Über die ganzen Zutaten, die da so dabei sein müssen, verliert sich die Faszination "Troja" fast vollständig. Denn was braucht man: Den bösen Antagonisten (hier wird Potenzial verschenkt: Justus von Dohnanyi), die komplizierte Liebesgeschichte plus eifersüchtigem Exfreund, zahlreiche Widerstände von seiten anderer interessierter Parteien, das missglückte Attentat und so weiter. Das stört die Konzentration aufs eigentlich doch spannende Hauptthema, zumal im zweiten Teil manche Handlungsfäden eher desinteressiert aufgelöst werden. Dass dazu Figuren wie Schliemann oder sein Gegenspieler Neumann (Dohnanyi) in einer Sekunde offensichtlich in Berlin, in der anderen wieder an der Ausgrabungsstätte auftauchen, verwirrt den Zuschauer auch ein wenig. Eher unangenehm ist auch, dass Schliemanns griechische Frau Sophia (Mélanie Doutey) nach stolzem Widerstand gegen den eigenen Status als Handelsobjekt im ersten Teil dann im zweiten zum Standardtypus der treusorgenden und, wenn's sein muss, heroischen Gattin mutiert, die ihren Angetrauten irgendwann sogar per Blick anzuflehen scheint, sie doch endlich mit ins Ehebett zu nehmen.
Was dann schon ein wenig freundlicher auffällt, ist die Tatsache, dass bis auf wenige Szenen kein grabesschwerer Melodrama-Ton angeschlagen wird, wie es oft in ähnlichen Produktionen (Un-)Sitte ist. Und immerhin hat Schliemann, wenn auch letztendlich als Identifikationsfigur natürlich Gutmensch, doch auch einige Ecken und Kanten. Das ist auch gleich der passende Übergang zur Darstellerkritik: Heino Ferch ist eben in jeder Rolle - Heino Ferch. Auch wenn er als Schliemann einige ganz nette Manierismen entwickelt. Mélanie Doutey ist erstmal ein erfrischendes Gesicht, reiht sich aber im Laufe des Films doch eben in die Liste der netten Gesichter ein. Der Rest des Casts agiert solide bis gut, ist allerdings meist auch nicht sonderlich gefordert.
Insgesamt ist "Troja" nette Fernsehunterhaltung, wie man sie eben erwartet. Heino Ferch will jetzt erstmal nicht mehr buddeln, und bei dieser Entscheidung sollte man ihm nach Ansicht dieses Films auch nicht widersprechen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Story: Historie oder Gleichnis?, 3. August 2007
Filme müssen in sich funktionieren, ganz klar.
Filme brauchen eine klare Story Line, eine interessante Entwicklung. Ein klar positionierter Konflikt eskaliert durch Konfrontation der Gegenpositionen. Wechsel der Handlungstempi, Rückschläge für die Identifikationsfigur erhöhen den Erwartungsdruck und schlußendlich wünschen wir uns eine spannende Auflösung. Dieser Film hat das auch.
Mißverständlich ist in diesem Film die Hauptintention. Was will der Film erzählen? Wir müssen glauben, ein Kapitel aus dem Leben von Heinrich Schliemann. Die Filmhandlung jedoch verarbeitet eine bereits vorher dramatisch aufbereitete und somit semi-fiktionale Geschichte, nämlich den Roman von Irving Stone Der griechische Schatz. Objektive Geschichtsberichterstattung ist das nicht mehr.
Noch einen Schritt weiter als Stone geht der Film in seiner Fabulierlust und aus dem üppig episch ausgestalteten Roman wird eine märchenhafte Abenteurergeschichte mit komödiantischen Anklängen.
Die Hauptintention des Films ist es m.E. mitnichten, Heinrich Schliemanns Leben historisch korrekt nachzuzeichnen, nein, die Geschichte will eine allgemeine Wahrheit über das intensive und echauffierende Suchen und schlußendliche Finden von Zufriedenheit, Erfolg, von persönlichem Glück erzählen. Dazu bedient sich die Story einer historischen Figur der näheren Vergangenheit. Dass das ein kritischer Vorgang ist, der missverständlich sein kann, zeigen die heftigen Reaktionen der Historiker und des interessierten Fachpublikums.
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