"Lehrst Du einen Mann, lehrst Du eine Person, lehrst Du eine Frau, lehrst Du eine ganze Familie" Dies ist ein Sprichwort aus Kerala, Südindien, das Ihr auf der Umschlaginnenseite des Buches findet und welches meiner Meinung nach auch schon eine ganze Menge über den Inhalt aussagt. Ihr erfahrt unter anderem etwas über die Fruchtbarkeitsriten der Druiden, Pubertätszeremonien der Apachen-Mädchen, über Bräuche die das Geschlecht des werdenden Kindes beeinflussen sollen, Mythen über die Nachgeburt, die Wochenbettrituale junge Mütter in andere Kulturen, die Bedeutung von Geburtsmalen und über die weiblich Linie. Interessant fand ich die Ausführungen zum Thema Stillen: Jüngste Untersuchungen zeigen, dass sich Flaschenkinder schlechter an feste Nahrung gewöhnen, da sie nicht den Vorteil haben, über die Muttermilch an die Familienkost gewöhnt zu werden. Die Muttermilch thailändischer Frauen weist beispielsweise den Geschmack von Zitronengras und Galgantwurzel auf, während indische Babys in der Beikostphasen scharfe Currygerichte nicht verweigern. Die Entwohnungsphasen laufen kulturell ebenso unterschiedlich ab. Tschambuli in Neuguinea locken ihre Kinder mit Zuckerrohr und Lotos von der Brust, während die Mütter der Azteken es auf die pikante Art versuchen: Sie reiben ihre Brustwarzen mit Peperoni ein. Langes Stillen wird in anderen Kulturen wesentlich problemloser gesehen als bei uns. Deborah Jackson berichtet von Naturvölkern, die ihre Kinder bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr stillen. Aber nicht nur wegen der positiven Stillmeinung der Autorin finde ich das Buch lesenswert. Wusstet ihr, dass Obst- und Nußbäume in Deutschland als symbolische Begleiter der "Leibesfrucht" gepflanzt werden oder dass die Lebenskerze, die zum Geburtstag des Kindes entzündet wird, dieses sicher durch ein weiteres Lebensjahr begleiten soll und europäische Taufkleider doppelt so groß waren, wie die Babys, die diese trugen, damit die bösen Geister dachten, dass ein älteres und widerstandsfähigeres Kind auf dem Weg in die Kirche sei? Wenn nicht, dann werdet ihr immer wieder schmunzelnd oder überrascht in diesem Buch lesen. Es ist eine wahre Fundgrube der fast verschollenen Riten unserer Welt. Dieses Buch ist schön anzusehen -fantastische Zeichnungen- und gut zu lesen. Viele Rituale hätten durchaus auch (wieder) Platz in unserer Gesellschaft. Meiner Meinung nach ist der Preis des Buches gerechtfertigt. Wer es nicht für sich selber kaufen möchte, kann es gut an schwangere Frauen oder junge Mütter verschenken, denn im Gegensatz zu ausgedienten Stramplern, wird dieses Buch auch in Jahren noch seinen Dienst tun.