Tiere warnen vor Anfällen und Schocks
Es ist bekannt, dass viele Tiere ein Gespür für bevorstehende Katastrophen entwickeln und durch ihr ungewöhnliches Verhalten Menschen in ihrer Umgebung vor Unwetter, Erdbeben und anderen Gefahren warnen. Ganz gezielt setzt man heute auch auf den therapeutischen Effekt, den Tiere auf Menschen ausüben. Tiere werden immer häufiger in Krankenhäusern, Hospizen, Senioren- und Pflegeheimen sowie in der Psychiatrie eingesetzt, um das psychische und körperliche Wohlbefinden von Patienten und älteren Menschen zu verbessern, u.a. um die Triglyzeride- und Cholesterinwerte, den Blutdruck und die Pulsfrequenz zu senken. Weniger bekannt ist, dass Hunde auch Warnfunktionen persönlicher Art ausüben, ihren Besitzern bevorstehende epileptische Anfälle bzw. hypoglykämische Schocks (Unterzuckerung) signalisieren können, so dass die Betroffenen rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen können. Dr. Elizabeth Rudy, Tierärztin in Seattle (USA), ist Epileptikerin. Immer, wenn in ihrer Wohnung ein Anfall zu erwarten ist, kommt ihr Golden Retriever Ribbon zu ihr, leckt ihr die Hände, schaut sie unentwegt an und winselt. Wenn der Hund angeleint mit Frauchen unterwegs ist, hält er vor einem Anfall unvermittelt an, lässt er die Ohren nach unten hängen, so dass Frau Rudy Zeit hat, nach einer Sitzgelegenheit Ausschau zu halten. Bellt ihr Golden Retriever-Rüde "Rupert" anders als gewöhnlich, weiß die Engländerin Tony Brown-Griffin sofort, dass es Zeit ist, sich an einen ruhigen Ort zu begeben, um einen epileptischen Anfall vorbeigehen zu lassen. Die Warnung erfolgt meist bis zu 40 Minuten vor der Attacke. Der Hund war von der britischen Organisation Support Dogs als "Krankenhelfer" ausgebildet worden und sollte eigentlich nur bellen, wenn es Frau Brown-Griffin schlecht geht, um die Aufmerksamkeit von Helfern zu erregen. Nach einiger Zeit begann er jedoch, immer früher anzuschlagen, sich lange vor dem Anfall bemerkbar zu machen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Hunde vor einem Anfall kleine Abweichungen im Verhalten von Epileptikern bzw. eine mit Messgeräten nicht registrierbare Veränderung der Hirnströme oder bioelektrische Störungen registrieren. Andere halten es für denkbar, es könnten auch feinste, apparativ nicht feststellbare Nuancen in den Körpergerüchen der Epileptiker sein, die sich vor einem Anfall bemerkbar machen, die aber von höchst sensitiven Hundenasen aufgespürt werden. Geruchsbedingte Faktoren könnten Hunden auch den jähen Abfall des Blutzuckerspiegels eines Diabetikers signalisieren, so dass dieser - von seinem vierbeinigen Begleiter rechtzeitig alarmiert - rechtzeitig Kohlehydrate zu sich nehmen kann, um das Abgleiten in ein hypoglykämisches Koma zu vermeiden. Die Tiere könnten einen hypoglykämischen Anfall auch aufgrund der Veränderung der Körpertemperatur ihres Halters registrieren, wenn sie sich in dessen unmittelbarer Nähe aufhalten. Dem Einsatz von Tieren in Prophylaxe und Heilung sind praktisch keine Grenzen gesetzt.
Die wundersamen Heilkräfte vierbeiniger "Medizinmänner"
Der positive Einfluss, den Haustiere auf kranke, genesende, alte und gestrauchelte Menschen ausüben, gilt heute als erwiesen, und tiergestützte Therapien werden in zunehmendem Maße in Kliniken, Hospizen, Reha-Einrichtungen, in Senioren- und Pflegeheimen sowie in Erziehungsanstalten mit Erfolg angewendet. Zu den wichtigsten nachgewiesenen positiven Effekten solcher Therapien zählen u.a. die Senkung des Blutdrucks, Minderung von Depressionen sowie ein stärkeres Reagieren auf die Außenwelt. Auf einer im Sommer 1992 in Montreal (Kanada) abgehaltenen Konferenz teilte Dr. Warwick Anderson vom australischen Baker Medical Research Institute mit, dass Haustierbesitzer im Gegensatz zum Personenkreis ohne Lieblingstier (pet) wesentlich geringere Triglyzeride- und Cholesterinwerte sowie einen niedrigeren systolischen Blutdruck aufweisen. Unter den 5741 untersuchten Personen befanden sich 784 Besitzer eines Haustiers. Menschen mit einem hohen Blutdruck und einer abnorm hohen Pulsfrequenz waren ermuntert worden, mehrmals am Tag ihren Hund oder ihre Katze zu streicheln. Die Berühung mit dem Fell soll beim Patienten eine besänftigende Wirkung, ein Gefühl des Wohlbehagens hervorrufen. Die Lebenserwartung von in der Stadt lebenden älteren Menschen mit einem Haustier liegt nach Meinung des amerikanischen Mediziners Dr. Alan Beck um 10 bis 15% höher als die einer Vergleichsgruppe ohne Tiere. Seine These ist nicht von der Hand zu weisen, denn zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass sich das psychische und körperliche Wohlbefinden älterer Menschen durch die Fürsorge um ein Tier signifikant verbessert. Viele verzweifelte, konfliktgebeutelte Menschen suchen einerseits nach emotionaler Wärme und Geborgenheit, wollen andererseits aber auch allein und unabhängig sein. Dieser Widerspruch lässt sich nach Prof. Dr. Reinholt Bergler von die Uni Bonn elegant durch eine Katze lösen. Der Psychologe und sein Team befragten 150 Personen, die sich alle in einer Krisensituation befanden: Arbeitslosigkeit, Trennung vom Partner, Krankheit oder Dauerstress am Arbeitsplatz. Die eine Hälfte der Befragten hatte kein Haustier, die andere lebte mit einer Katze zusammen. Das Ergebnis sprach für sich: 83% der Katzenhalter fühlten sich an der Seite ihres Tieres weniger verlassen und einsam, 75% erlebten die Anhänglichkeit und Treue der Katze als tröstlich und 90% betonten, dass sie im Umgang mit ihrem Tier entspannen und Stress abbauen. Die Wirkung ist erstaunlich: Fast zwei Drittel der Personen, die ohne Katze lebten, nahmen professionelle Hilfe in Anspruch. Von den Katzenhaltern war hingegen kein einziger in Behandlung. Die Beschäftigung mit Tieren ist auch bei lebensbedrohlichen Erkrankungen angezeigt. Die amerikanische Soziologin Erika Friedman hat an Herzinfarktpatienten festgestellt, dass Patienten mit einem Heimtier signifikant bessere Überlebenschancen haben, als solche ohne Hund, Katze, Vogel oder Fisch. Sie will zudem herausgefunden haben, dass Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, sich besser in ihr soziales Umfeld einfügen, kooperativer und weniger aggressiv als andere Jungendliche sind. Kürzlich wollen Wissenschaftler der Universität New York im Rahmen einer groß angelegten Studie herausgefunden haben, dass Haustiere bessere "Lebenspartner" als Eheleute oder vergleichbare Lebensgemeinschaften sind. Die Gegenwart eines Hundes oder einer Katze sei - so die Psychologen - für viele Menschen beruhigender als die ihres jeweiligen Lebensgefährten. Selbst enge Freunde hätten in kritischen Situationen nicht den gleichen mässigenden, besänftigenden Effekt wie Haustiere. Ähnlich segensreich erweisen sich Haustiere auch beim Abbau von Schulstress.
Biomimetik -- Die Natur als "Konstruktionsvorlage"
Wissenschaftler und Ingenieure nutzen in zunehmendem Maße das Füllhorn der Natur - u.a. die ideal angepaßten Körperformen, Fortbewegungsarten und viele andere evolutionsspezifischen Fähigkeiten von Tieren - zum "Nachempfinden" bzw. "Nacherfinden" innovativen technischen Geräts. Längst hat sich für diese ökonomische und vielfach sogar ökologisch sinnvolle Form des "Erfindens" der Terminus Biomimetik herausgebildet. Biomimese bedeutet soviel wie "das Leben nachahmen" oder "Biosysteme" imitieren. Die Biomimetik als neue Wissenschaftsdisziplin versucht z.B. herauszufinden, wie Tiere auf unterschiedliche Situationen reagieren, um die so gewonnenen Erkenntnisse zum kostengünstigen "Nacherfinden" nutzbringender technischer Einrichtungen auszuwerten. Viele Erfindungen, die unser Leben bereichern und unsere Sicherheit erhöhen, verdanken wir zumindest im Ansatz tierischen Lebensformen und Verhaltensweisen, sei es die Ultraschallortung der Fledermäuse und Delphine (Sonarprinzip) oder die gedächtnisgespeicherten "Landkarten" der Bienen (GPS). So sind es gerade die Kleinsten der Kreaturen, die unsere Bewunderung verdienen, weil sie uns, was z.B. Brand- und Erdbebensicherheit, hochempfindliche, über große Entfernungen funktionierende Sensoren und Detektoren, Klimatisierung (vgl. Bienenstöcke), aerodynamische Perfektion im Mikromaßstab usw. anbelangt, eine Fülle nützlicher Anregungen bieten. Durch Analysieren bestimmter tierischer Körperformen und Bewegungsabläufe, durch akribisches Beobachten des Funktionierens einzelner Körpersegmente und Organe wollen Wissenschaftler und Ingenieure herausfinden, welche Einflüsse und Wirkfaktoren den von uns bewunderten vielfältigen Höchst- und Sonderleistungen der Tiere zugrunde liegen, um die so zusammengetragenen Informationen für innovative Erfindungen bzw. Weiterentwicklungen zu nutzen. Aus der Verbindung von Biologie und Technik entsteht eine völlig neue Generation von Robotern, die wie Käfer krabbeln, wie Spinnen einherstelzen (Hindernisse überwinden), sich geschickt wie Fische im Wasser bewegen und wendig wie Fliegen bzw. Bienen umherschwirren können. Ihre zahllosen Einsatzmöglichkeiten sind derzeit nicht einmal ansatzweise vorhersehbar. Unter Einsatz flexibler Fuidaktoren wurde z.B. vom Forschungszentrum Karlsruhe ein neuartiger Inspektions- und Serviceroboter Black Spider (Schwarze Witwe) entwickelt - eine kompakte pneumatische, achtbeinige Laufmaschine, an deren autonomen Druckluft- und Energieversorgungssystem noch gearbeitet wird. Das Funktionsprinzip der Antriebselemente orientiert sich am biologischen Vorbild einer Spinnenspezies, die zum Strecken der Beine ein Fluidum in ihre Gelenke pumpt. Dafür wurden insgesamt 48 flexible Fluidaktoren in die Beine integriert, die aktives Heben und Senken sowie Vor- und Rückwärtsbewegungen ermöglichen. Und an der Universität von Berkeley (Kalifornien) befaßt man sich bereits mit einem Mini-Flugroboter, der RoboFly. Der nach biomimetischem Prinzip konstruierte fliegende Winzling mit einer Gesamtflügelspannweite von nur 25 Millimeter ist mit einem hoch effizienten Kleinstmotor, einem extrem flinken Kontrollsystem, integrierten visuellen und Trägheitssensoren, piezoelektrischen Stellgliedern und einem flexiblen Thoraxsystem ausgestattet. Als intgegrierte Energiequelle dienen Lithiumbatterien, die von Solarzellen aufgeladen werden.