Wladimir Kaminer erzählt mehr als 30 kurze Geschichten. Anekdoten aus seinem untergegangenen Vaterland, der Sowjetunion. Eigentümliche Vorfälle in seiner neuen Heimat, Berlin. Dabei blickt er lakonisch zurück auf die diktatorische Welt des realen Sozialismus, die moderne oligopole Welt des neuen Russland wie die des schon so lange erfolgreichen, aber eigenartig kuriosen Kapitalismus in der Hauptstadt des wieder vereinigten Deutschland.
Kaminer schildert nach eigenem Bekunden nur Stories aus seiner Familie. Doch er ist ein Meister darin, die eigene Unfähigkeit mit einer wunderbaren Prise Ironie breitzutreten, sodass man über die banalsten Ereignisse seiner maßlosen Berichte, die trivialen Alltäglichkeiten schmunzeln muss. Auch, wenn die skurrilen Situationen wahrlich kein ausgelassenes Freudenzentrum waren.
Wladimir Kaminer zeigt sich verschmitzt, manchmal drastisch, knapp an der Grenze zum Kitsch, zur Abgeschmacktheit: »Würde man im Westen die zahlreichen Ratgeberliteratur zusammenlegen ... käme am Ende ein schlanker Steuerhinterzieher dabei heraus, Nichtraucher, der immer gut aussieht, immer glücklich ist, und egal, was um ihn herum geschieht, er hat immer einen St*nder. Ein Arschl*ch, also.«
Leider verliert er sich gelegentlich in seinen ironisierenden Ausschweifungen, seinen wunderlichen Fabeln, die er »aus Zeitmangel und Langeweile im Zug geschrieben« hat. Er ist politisch, aber nicht bissig: »Außerdem hat der klassische Betrug seine kriminelle Form längst verloren und ist salonfähig geworden. Ob Medien oder Politik, Medizin oder Religion, sie alle setzten auf Versprechen, die nie eingelöst werden.«
Doch Kaminer ist und bleibt ein schelmischer Spitzbube, dem man selbst die misslungene Abrechnung mit Nichtrauchern nachsieht. Er vermittelt uns massenweise Wissen über existierende und vergangen Welten, die nicht wirklich informativ oder tief schürfend sind. Aber er ist einfach amüsant.