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Tibet unter chinesischer Herrschaft. Schauplatz der Handlung ist das Arbeitslager 404 hoch in den Bergen des Himalaya, das mit dem Bau einer Straße durch das Hochgebirge beauftragt ist. Hauptsächlich Mönche der aufgelösten und zerstörten tibetischen Klöster verrichten hier Zwangsarbeit, aber auch Shan, vor Jahren hoher politischer Funktionär und Ermittler in Korruptionsfällen, der der Konterrevolution beschuldigt worden war, ohne sich eines Vergehens bewusst zu sein. Shan hat Freunde unter den Mönchen gefunden, hat sich mit deren Lebensweise beschäftigt und steht seinem bisherigen Leben distanziert gegenüber.
Eine Leiche ohne Kopf wird von den Häftlingen gefunden. Das fehlende Stück findet sich schließlich in einem buddhistischen Schrein und legt offen, dass es sich bei dem Toten um den chinesischen Polizeichef der Region handelt. Shan wird vom Befehlshaber des Arbeitslagers von seinen dortigen Aufgaben entbunden und mit der Aufklärung des Falles beauftragt. Doch als man ihm einen Schuldigen in Gestalt eines tibetischen Mönchs präsentiert, wird Shan endgültig misstrauisch.
Pattisons Roman, der in den USA mit dem Edgar Allen Poe Award ausgezeichnet wurde, beschreibt vor der grandiosen Naturkulisse des Himalaya im Mikrokosmos eines kleinen Arbeitslagers das Schicksal eines faszinierenden Landes unter fremder Herrschaft. Ein großartiger und unbedingt empfehlenswerter Erstlingsroman! --Ulrich Deurer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Realität und Fiktion,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Tibeter: Shan ermittelt. Roman (Taschenbuch)
Verpackt als Kriminalroman, intelligent, schlüssig, voller Spannung und überraschender Wendungen, schildert uns der Autor die Zustände im heutigen Tibet. Und obwohl der Roman eine Fiktion ist, tut er das genauer und einfühlsamer, als all die Sachbuch-Autoren, die seit geraumer Zeit auf der Tibet-Welle schwimmen. Der Text atmet geradezu die Atmosphäre in Tibet, das ich selbst in den 80ern ausgiebig bereist hatte: Die Straßen, Fahrzeuge, die Hotels, die Büros der chinesischen Verwaltung, die Läden, die Märkte, die Klöster, ich konnte das alles förmlich wieder riechen und schmecken. Der Roman machte meine Erinnerungen wieder lebendig, und bestätigte sie - leider: Das bunte, eben doch brutal bis zum Rand des Genozids unterdrückte und (nicht selten im Interesse westlicher Firmen) ausgebeutete Volk der Tibeter, das weit weniger esoterisch-vergeistigt und dafür sehr viel mehr traditionsverhaftet, pragmatisch, praktisch und vielfach so garnicht heilig ist, als das Klischee es will. Die mitunter nicht weniger unter ihrer Situation dort leidenden und die Tibeter in der Regel als minderwertig verachtenden Chinesen - aber auch genug, die das nicht tun. Die wenigen Gewinner des Spiels - sowohl Chinesen als auch Tibeter. Die komplizierte und undurchsichtige Situation und Stimmung in den wenigen noch bewohnten Kloster-Ruinen. Und die katastrophale Auswirkung des West-Tourismus auf die tibetische Kultur - hier im Roman eher symbolisch dargestellt, verstärkt durch das obendrein fast immer unsensible, ignorante und nicht selten auch arrogante Auftreten der meisten Westler - seien es nun Touristen oder Profis. Das alles ist eingefangen in diesem Buch.Als wohltuend emfinde ich, daß der Autor der Realität gerecht wird indem er eben gerade keine schwarz/weiß-Malerei (a la "die guten Tibeter gegen die bösen Chinesen") betreibt: Der positive Held des Romans ist kein Tibeter, sondern ein Chinese. Und der Bösewicht ein - nein, das wird hier nicht verraten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Tiefer Einblick in die Geschichte und Kultur Tibets,
Von Ulf Borkowski "www.Ulf-Borkowski.de" (Bremen) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Tibeter: Shan ermittelt. Roman (Taschenbuch)
"Der Fremde Tibeter" ist ein ungewöhnlicher Krimi, der mit einem ungewöhnlichen Ort, mit ungewöhlicher Handlung und ungewöhlichen Protagonisten aufwartet. Ein strafgefangener ehemaliger Ermittler des chinesischen Wirtschaftsministeriums, der in Gefangenschaft zum Buddhisten geworden ist, ermittelt im Auftrag des örtlichen Mitlitär-Gouverneurs in einem Mordfall an einem hohen Beamten. Und das alles spielt im chinesisch besetzten Tibet.Als Krimi ist das Buch gut und absolut spannend, aber darüber hinaus bettet der Autor die Geschichte in die gegenwärtige Situtation Tibets ein. Dem Leser wird ein tiefer Einblick in die Geschichte Tibets und dessen Besetzung durch die chinesische Volksbefreiungsarmee gewährt. Besonders die tibetische Kultur und der darin tief verankerte Buddhismus bzw. Lamaismus spielen in dem Buch eine besondere Rolle, zumal der Protagonist selber zum Buddhismus gefunden hat und zum Syphatisanten der Tibeter geworden ist. Pattison hat einen spannenden Krimi verfasst, der gleichzeit ein geeigneter Einstieg in die Geschichte, Religion und Kultur Tibets ist. Aufgrund der vielen fremdartigen Begrifflichkeiten aus Buddhismus und Lamaismus ist "Der fremde Tibeter" aber alles andere als leichte Kost. Ein ausführlicheres Glossar hätte dem Buch gut getan. Der Autor läßt durch seinen Protagonisten durchaus seine pro-tibetische Haltung durchklingen, was dem Buch aber in keinster Weise schadet. Dieser Krimi regt zum weiterlesen an, sei es in Bezug auf Tibet oder auch die Folge-Krimis in Pattisons Tibet-Reihe. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verzweifelter Ermittlungskampf im intriganten Umfeld,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Tibeter: Shan ermittelt. Roman (Taschenbuch)
Man braucht schon einen ganz individuellen Zugang und ein besonderes Interesse an der tibetischen Kultur, damit dieser Kriminalroman gefällt. Die Geschichte spielt sich auf dem Erfahrungsgrad zwischen aktueller westlicher Weltanschauung und Lebenssicht sowie traditioneller Mythologie buddhistischer Glaubenslehre ab. Daneben vermittelt der landes- und kulturkundige Autor die tragische Problematik chinesischer Sinisierungs- und Annektionspolitik im höchsten Land der Welt. Auch wenn er keine einzige politische Forderung oder konkrete Vergehen formulierte, so lernt man einiges von dem vergessenen Skandal zu verstehen, der sich im Himalaja ganz real seit vielen Jahrzehnten abspielt. Und doch erwächst sich hieraus - quasi als Nebeneffekt - das Verlangen, dem geschundenen Volk auf dem Dach der Welt helfen zu wollen. Die Kriminalgeschichte selbst handelt von der willkürlichen Konsequenz machthaberischer „No Names" gegenüber ungeliebten Kritikern, so wie offensichtlich der Protagonist Shan -sympathisch und in Diensten des chinesischen Staates als Polizist stehend - plötzlich nach Tibet in ein Gefangenenarbeitslager verbannt wurde. Dort kommt er urplötzlich doch zu späten Ehren, als er ob seiner Fähigkeiten mit der Aufklärung eines grausigen Mordes betraut wird. Die klare Aufgabe entpuppt sich als komplexe und schwierige Aufgabe, da Shan letztlich nur eine Figur in einem undurchsichtigen Intrigenspiel gieriger Interessen darstellen soll. Interessant und emotional berührend sind dann jedoch seine Recherchen und Erkenntnisse, insbesondere aber die gut beschriebenen Kontakte und Erfahrungen mit alter, seit Jahrtausenden tradierter aber auch heute noch gültiger tibetischer und buddhistischer Spiritualität. Man lernt zu verstehen, wie die Mönche Tibets denken, welche Vorstellungen des Lebens und des Todes sie haben und welche Ziele es sich für sie einzig zu verfolgen lohnt. Die Wirrnisse, Auseinandersetzungen und auch Gefahren, die sich für den schlauen, zielgerichteten, hartnäckigen aber auch frommen Ermittler ergeben, halten die Spannung aufrecht, auch wenn die Geschichte insgesamt sehr lang erscheint. Angespannt taucht man in eine Kultur ein, die so völlig fremdartig ist und doch so heutig ist. Alles wirkt wahr und glaubhaft und so erlangt dieser Kriminalroman nahezu dokumentarische Qualität. Bezogen auf die politische Situation ist das ja auch keineswegs verkehrt. Zu hoffen ist, dass so ein Roman neben aller Unterhaltung auch stets politisches Bewusstsein und solidarische Sensibilität weckt. Als Kriminalroman ist „Der fremde Tibeter" 500 Seiten lang spannend und als Kulturdokumentation informativ und anregend. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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