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Wer sollte den Literatur-Nobelpreis erhalten?


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1-25 von 105 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.10.2013 13:43:25 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.10.2013 13:51:33 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Wahrscheinlich hole ich mir Rügen ab, weil dies kein "Metathema" ist - also der Frage nach Rezensionen nachgeht - doch dachte ich, daß es hier in den diversen Threads in den vergangenen Wochen hoch her gegangen ist. Das war (leider) nicht immer schön. Da können sich alle vielleicht einfach mal mit einem rein sachlichen Thema das Mütchen kühlen...

Zur Sache: Jedes Jahr ist es ja dasselbe: Man fragt sich, wer ihn kriegt und wundert sich dann, wer ihn gekriegt hat, den Nobelpreis für Literatur. Und jeder Literaturinteressierte hat ja so seine ganz eigene Liste im Hinterkopf, wer ihn kriegen sollte.

Von meiner persönlichen Liste wurde nun dieses Jahr mit Alice Munro ein Kandidat "gestrichen", mit Elfriede Jelinek und Mario Vargas Llosa waren es zwei weitere in den vergangenen Jahren.

Dennoch hätte ich da noch den einen oder anderen, den ich persönlich unbedingt auszeichnungswürdig finde.

Und das wären:

Thomas Pynchon
Nurrudin Farrah
Bob Dylan
Antonio Lobo Antunes
Cees Nooteboom
Joyce Carol Oates
Don DeLillo
Peter Handke
Gerhard Roth (kleine Einschränkung;-))
[Reihenfolge nicht aussagekräftig]

(Tote kann man ja leider auf diese Liste nicht mehr setzen...)

Nun hofffe ich auf weitere Listen und ansprechende Diskussionen zum Thema und das alles - ich weiß. meine Ansprüche sind hoch! - auch noch OHNE Streit und Beleidigungen und so weiter...klappt das? Wär suuuuper!!

Nachtrag: Diese Liste trage ich - ungelogen - so seit nahezu 10 Jahren mit mir rum, nicht daß der Eindruck entsteht, ich suche mir die aus den Kulturbeilagen zusammen ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 14:36:38 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 04.12.2013 22:01:41 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 14:48:00 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo express!

Daß Du Pynchon auf dem Zettel hast, glaube ich sofort ;-)

Erinnere mich sehr genau an Deine "The Crying of Lot 49"-Anspielungen...

An den Autogrammen müssen wir noch arbeiten, vielleicht gibt sein Verlag ja Vorgeschriebenes raus...;-)
Kennst Du die Doku "A Journey Into the Mind of P."? Sehr lohnenswert!

Bin gespannt auf weitere Einlassungen!

Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2013 16:27:48 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 04.12.2013 22:01:49 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2013 19:26:39 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo express!

Ja, der Film hält allerhand interessante Aspekte bereit. Für mich einer der interessantesten war jenes Interview mit Ps Freunden aus LA, die davon sprechen, über "Gravitys Rainbow" hinge ein Hauch von Schuld, eine Traurigkeit, die Pynchons seltsamen Jobs bei Boeing und später seinem angeblichen Verrat geschuldet seien. Als ich das hörte, dachte ich: JA!
Da fasste einer etwas in Worte, was mir immer im Hinterkopf rumorte und das ich dennoch nicht greifen konnte. Über dem Buch hängt bei aller gewollten Unseriosität etc. ein Hauch von Schuld, ein tiefes Unbehagen an...sich selbst?
Und auch der Hinweis, San Francisco sei 67/68/69 praktisch VOLLER Leute gewesen, die auf der Payroll der CIA gestanden hätten, ist für einen Deadhead natürlich ein etwas erschütterndes Erlebnis. Aber zumindest bei Leary und auch bei Kesey (so sehr ich seine Werke als Autor und als Prankster bewundere) kann ich es mir sogar vorstellen. Acid-Tests waren ohne die Unterstützung der "Firma" 1966 nur schwer vorstellbar, denke ich.

Generell kann man mit Pynchons Werken erstaunliche Erfahrungen machen. Als ich "Gravitys Rainbow" las und diese SS-Truppe in Dora auftaucht, die aus Hereros bestaht, da dachte ich: Siehste, sowas kommt dabei raus, wenn man Amis solche Themen behandeln läßt! Widerlich!! Jahre danach saß ich nachts vor einer arte-Doku und da wird über eine SS-Einheit berichtet, die aus Hereros zusammenge...ich war vollkommen baff und es kroch mir kalt den Rücken runter, zumal in der Doku erwähnt wurde, dies seien Erkenntnisse jüngster Zeit - soso! Woher hatte Pynchon dann die Kenntnisse? Das sind so Fragen, die sich um seine Person und sein Schaffen ranken, die eine natürlich immer wieder ins Grübeln bringen.

Verschwörungstheorien liebe ich auch - solange sie literarisch bleiben. Wenn man anfängt, sie in die Realität zu übertragen (wir wissen ja, wovon wir reden), dann gibt es Probleme. Die Verschwörungstheorie per se sei reaktionär, las ich. Da ist etwas dran. Homogene, wenn möglich geschlossene Weltbilder - das macht das Leben einfach. Und meist liefern sie ja auch Feindbilder dazu...

Ich bin gar kein Sammler von Autographen etc. Sowas ist mir egal. Neulich habe ich mir nach einer Lesung eines von Klaus Theweleit abgeholt, aber mehr, weil ich ihm sagen wollte, daß ich ohne ihn und sein Werk nie mein Studium beendet hätte ;-)
(hechelhechel)

Wollte noch was zu DeLillo loswerden, werde das aber auf einen eigenen Post konzentrieren.

Bsi bald,
liebe Grüße,
Gavin

Veröffentlicht am 25.10.2013 13:23:55 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo express,

meine Idee scheint niemanden außer Dir angesprochen zu haben ;-) Schade.

Dann mach ich einfach mal allein weiter und komme auf Don DeLillo zu sprechen. Weil Du ihn zitiertest in dem Beitrag zu den "Zufällen". Ich sah ihn vor einigen Jahren (zur Veröffentlichung von "Underworld") in Köln auf einer Podiumsdiskussion. Da meinte ein Zuschauer, er, DeLillo, sei ja der "Meister der Verschwörungstheorie". Da war aber was los! "Niemals!" rief DeLillo, "Niemals!!" Er zeige allerhöchstens die Verschwörung der Wirklichkeit, der semiotischen Wirklichkeit, gegen die Erwartungshaltung des Einzelnen, allerhöchstens. Stimmt, dachte ich mir so. Ohne jetzt denen, die es noch nicht kennen, etwas verraten zu wollen, handelt "Libra/7 Sekunden" im Grunde ja genau davon, wie aus KEINER Verschwörung eine werden kann, bzw. wie aus einer Teilverschwörung etwas viel, viel größeres zu werden droht, wenn die Einzelteile das Ganze nicht kennen.

Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.10.2013 15:46:42 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 04.12.2013 22:02:03 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.10.2013 10:31:39 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Grüß Dich, express!

Murakami - ich muß gestehen, daß ich lediglich "Kafka am Strand" gelesen habe und mich dieses Werk nicht wirklich überzeugen konnte. Freunde, die echte "Fans" sind, beschwören mich jedoch, endlichendlich "1Q84" zu lesen und durchzuhalten, es sei großartig. Ich streife also immer wieder drum heurm und weiß nicht so recht...;-)

Aber Murakami steht ja in den Wettbüros neben Philip Roth (der es wohl vergessen kann...) ganz oben auf der Liste. Das wäre für hier natürlich ein netter Nebenstrang - wer wird ihn kriegen, auch wenn man persönlich diesen Autoren nicht favorisiert? Ich habe ja den starken Verdacht, daß es höchstens noch 2-3 Jahr dauert, dann bekommt Ian McEwan ihn, ebenso Michel Houellebecq, sobald die Akademie vergessen hat, daß mit Le Clézio ja eben erst ein Franzose dran gewesen ist ;-)

Und glatt fällt mir jemand ein, der ihn kriegen könnte, auch wenn ich ihn nicht unbedingt für DEN Neuerer der Literatur halte, aber mindestens so "geschickt" wie Roth: Richard Ford, dessen Bascombe-Romane ich immer gern gelesen habe.

In DeLillos Schaffen kann ich gar nicht unbedingt sagen, welches meine Lieblingsbücher wären. Was "Libra" angeht, gebe ich Dir recht, er klebt am Warren Report. Es ist aber mit Abstand sein zugänglichstes Werk, denke ich, weshalb ich dieses immer empfehle, wenn mich jemand nach DeLillo fragt. Das Attentat auf Kennedy ist natürlich ein ewiges Thema, ich gebe aber zu, daß mir DeLillos "These" am ehesten einleuchtet, bis heute. Aber wie sagte einmal...äh..wer auch immer - wollte man alle an er Kennedyverschwörung Beteiligten zum Jahrestag einladen, müsste man nach Stand heute die Carnegie Hall mieten...

Persönlich schätze ich bei DeLillo neben "Underworld" sowohl "The Names" als auch "Mao II", das ich nahezu genial finde. Es erscheint mir immer wie eine Art inoffizielle Weiterführung von "The Names". Natürlich gefallen mir darin die Anspielungen auf Pynchon, aber ebenso DeLillos Programm, nahezu jedes Ende offen und ins "Leere" laufen zu lassen.

Und in beiden kommt das zum Ausdruck, was ich weiter oben in einem Post meinte - DeLillo spürt sozusagen der Verschwörung der Wirklichkeit selbst nach, die sich n ihrer Textur den semiotischen, den Klassifizierungssystemen, den Kategorien des Menschen entzieht und all diese als Interpretation entlarvt. Das Prinzip führt er ja in "Underworld" weiter. Da bekommt das Ganze m.M.n. dann eine Art metaphysischen Überbau mit dem Wurf eines Balls durchs halbe Jahrhundert...

Seine jüngeren Sachen - "Cosmopolis" und auch "Falling Man" (trotz starker Momente) - konnten mich nicht wirklich überzeugen. "Point Omega" kenne ich noch nicht, ein Freund ist sehr angetan und meint, DeLillo hätte zu alter Stärke zurück gefunden. Ich bin also gespannt...

Soderle, auch ich hoffe sehr, daß diese Konversation weitergefühert wird und würde mich ja auch freuen, wenn der/die eine oder andere seinen/ihren Senf ebenfalls beisteuern würde - friedlich, humorvoll und am konstruktiven Austausch interessiert. Wär doch gelacht, wenn wir hier nicht mindestens einen "vernünftigen" Thread hinbekämen ;-)

Grüße,
Gavin

Veröffentlicht am 27.10.2013 11:04:31 GMT+01:00
oaty meint:
Ich würde mit Begeisterung Harry Mulish vorschlagen. Aber der ist ja leider vor drei Jahren verstorben.

Veröffentlicht am 27.10.2013 11:30:20 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Hallo oaty,

ja, Mulisch wartete wohl, nach allem, was man so lesen konnte, selber nahezu verzweifelt auf den Anruf aus Stockholm. Er war wohl der Meinung, ihm stünde der Preis unbedingt zu. Was natürlich immer etwas...na ja...anrüchig (?) ist. Sein Großwerk "Die Entdeckung des Himmels" , mehr noch vielleicht "Das Attentat" und "Strafsache 40/61" über den Eichmannprozeß hätten das wohl gerechtfertigt.

Wenn wir Tote hinzunehmen, würde ich allerdings die Trommel rühren für den kleinen, elitären Club der "Übergangenen": Brecht, Woolf, Borges, Joyce - sie alle hätten ihn UNBEDINGT kriegen MÜSSEN,denke ich. Und - auch wenn er nicht auf meiner Favoritenliste stünde - auch Updike hätte ihn wohl verdient gehabt, denke ich.

Schön, wenn hier noch ein paar weitere Vorschläge kommen!

Grüße,
Gavin

Veröffentlicht am 27.10.2013 15:06:52 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 19.02.2014 18:34:20 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 27.10.2013 15:32:47 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Hallo Helmut Barro!

Also, eines vorneweg: Es gibt natürlich keinen Maßstab! Zudem ist der Nobelpreis absolut unnötig und ungerecht und alles.

Aber alle wollen ihn haben ;-)

Ich kann also lediglich sagen, daß ich MEINE Kriterien mitteilen kann, die dazu führen, ihn vergeben zu wollen.

Im Falle Updike ist es die schiere Wucht dessen, was er bewirkt hat mit seinem Schreiben. Vor allem in den 60er/70er Jahren - und wie häufig er als Vorbild von modernen Autoren genannt wird. Er scheint also enorm einflußreich gewesen zu sein. Ich selber lese den Mann gar nicht sooo gern....

Geht es um Woolf, Joyce, Borges oder Brecht, finde ich, daß 3 von ihnen - Woolf, Borges und Joyce - der Literatur enorme, weite neue Felder geöffnet haben. Brecht, nun ja - ich denke, er ist einer DER Poeten des 20. Jahrhunderts gewesen und das eine oder andere Stück von ihm wird sicher auch überdauern (wahrscheinlich weniger, als man denkt).

Nehme ich jedoch die von mir im obersten Post genannten Autoren - also meine persönlichen Favoriten - so würde ich sagen, daß sie alle auf einem sprachlichen und theoretischen Niveau agieren, welches die (post)moderne Literatur (und damit die gegenwärtige) geprägt hat. Sie haben - wie die vorher Genannten - die Literatur erneurt, ihr neue Räume und Ebenen erschlossen und v.a. - aber das mag nicht jeder so sehen, das ist mein Steckenpferd - haben einige von ihnen das Formale, also das Zeichenhafte des Schreibens zum Thema gemacht und dadurch das Medium selbst reflektiert.

Der so gern gehasste Peter Handke z.B. ist für mich einer derjenigen, die wirklich darüber nachgedacht haben, was Schrift und Schriftlichkeit bedeuten in Hinsicht auf das Erzählen. Daß er - da vielleicht mit jemandem wie Lyotard einig - die "großen Erzählungen" nicht mehr sehen kann (im wörtlichen wie übertragenen Sinne), sich auf das Abenteuer einläßt, (oft) die Sprache selbst zum Gegenstand ihres Erzählens zu machen und dadurch für viele unlesbar wird, weil er sich schlicht weigert, eine herkömmliche Geschichte zu erzählen, macht ihn für mich gerade zu einem derer, die einen großen Preis bekommen sollten, um zu würdigen, wie genau und ernst er die Sprache nimmt.

Bei Pynchon ist es eher der Wille, uns in einem Werk wie "Gravitys Rainbow" daran zu erinnern, daß wir es eben mit einem Buch zu tun haben. Wobei er ja - vollkommen und gewollt unseriös - Geschichte(n) erzählt. Und ununterbrochen die These, es einfach nur mit einem Buch zu tun zu haben unterläuft.

Also, woran "man" festmacht, daß ein Autor den Preis "verdient", weiß ich nicht. Kann nur sagen, woran ich es festmache. Deshalb hatte ich ja den Thread eröffnet, um mal rauszufinden, was andere dazu denken?

Grüße,
Gavin

Veröffentlicht am 27.10.2013 17:56:02 GMT+01:00
Sunflower meint:
Für mich sind diese Preise völliger Humbug.

Ein Autor begeistert eine gewisse Gruppe Menschen. Manche Autoren werden gehyped, andere schon fast unterdrückt. Je bekannter ein Autor irgendwie wird, desto größer seine Anerkennung durch Fans. DAS ist, was zählt. Die Fans, die wirklich lesen, nicht nur das Buch kaufen und in den Schrank stellen, um "gut dazustehen".

Zu viel falsches Spiel wirkt mit bei solchen Preisvergaben.

Aus erster Hand weiß ich, dass es manche Verlage nicht mal interessiert, wenn ein Autor Fans hat, massig Fans, die nach einem weiteren Band einer Serie geradezu lechzen. Der Verlag will nicht mehr und schon war es das. Einen neuen Verlag finden ist für Autoren nicht so leicht, wie manche denken.

Ich selbst mag diesen Hype um die "erotische" Literatur nicht. Auch die Vampirhysterie hat mich völlig kalt gelassen. Aber beides hat enorm viele Leser. Für die hat da so mancher Autor nen Preis verdient. Ich mag Thriller - und auch die sind für den einen Literatur, für den anderen Schund.

Wo also fängt man an, wo hört man auf?

Veröffentlicht am 27.10.2013 19:41:48 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 28.10.2013 08:41:36 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.10.2013 08:14:11 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 04.12.2013 22:02:23 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 28.10.2013 09:29:03 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Guten Morgen zusammen!

Aus gegebenem Anlaß und vollkommen off topic möchte ich als allererstes an dieser Stelle meiner Bestürzung und - ja - in gewissem Sinne auch Trauer Ausdruck verleihen, daß mit Lou Reed einer der ganzganz Großen des RocknRoll gegangen ist! R.I.P. - take a walk...nein, zu platt....

Doch zurück zu den angenehmeren Dingen des Lebens, der Literatur z.B.

Die Frage danach, welche Künstler einen Preis verdient haben und wofür, ist natürlich immer eine äußerst subjektive Frage, keine Entscheidung wird je einhellig begrüßt werden und natürlich herrscht in den einschlägigen Komitees Dünkel (nehme ich mal an - hab noch nie in einem gesessen). So hat Sunflower mit seinen/ihren Einschränkungen natürlicbh vollkommen recht. Dies hier soll ja auch nichts weiter sein, als eine literarische Spielerei, Anlaß, sich einfach über Literatur auszulassen. Ich kann mich allerdings oatys Beschreibung der Kriterien gut anschließen, sehe ich ähnlich, wobei mir der Aspekt "Sprache" durchaus gleichwertig wichtig ist. Außerdem denke ich, ein preiswürdiges Buch/preiswürdiger Autor sollte uns etwas über das hinaus, was die Geschichte bietet, erzählen - über unsere Beschaffenheit, unseren Zustand, die Bedingungen unseres Daseins etc.

Doch Sunflowers Hinweis auf Thriller treibt mir sie Schamesröte ins Gesicht, habe ich bei der Aufzählung der bereits Verstorbenen und nicht berücksichtigten Autoren doch schlicht einen meiner Lieblinge vergessen - Patricia Highsmith! M.E. hätte sie den Nobelpreis unbedingt verdient gehabt und ich denke, sie hat ihn nicht bekommen, weil sie nominell "Krimis" geschrieben hat. Genreautoren - da hat Sunflower natürlich vollkommen recht - haben keine Chance in Stockholm. Nun gibt es wahrscheinlich nicht viele Genreautoren, die der Literatur wirklich viel Neues hinzugefügt haben. Ihre Aufgabe besteht meist darin (und auch das sehe ich . dabei ganz im Sinne des alten Billy Wilder - als hohe Kunst an!) zu unterhalten. Glaubhafte Charaktere in manchmal unglaubwürdigen Stories zu präsentieren und uns, die Leser, dennoch zu überzeugen. Selten, daß sie mehr über die Welt mitzuteilen haben, oder? Highsmith, denke ich, gehört in die Phalanx jener Schriftsteller, denen ich sogar zugestehen würde, eine Zeit, eine Ära, eine Epoche mitgeprägt zu haben. Ihre Romane, denke ich, gehören zur Moderne wie Pollocks Bilder, stellen im Gegenzug zu diesen jedoch eine Eiseskälte der Klarheit aus, die den Leser erschüttert. Denn in dieser Eiseskälte werden manchmal Schicksale geschildert, wie sie schrecklicher nicht sein könnten. Verlorene in einer modernen, effizienten, rationalisierten Welt. Und mit ihren Ripleyromanen und deren Kern eines "Mann ohne Eigenschaften" verweist sie auch schon über die Moderne hinaus in die Gefilde der Postmoderne mit ihren Fragmentierungen und Identitätsbrüchen/verlusten (wobei der Dreh zu Pynchon wieder da wäre...puh ;-))

Bei den Entscheidungen der vergangenen Jahre war ich manches Mal erstaunt. Dario Fo? V.S: Naipaul? Mo Yan? Bei Lessing und Pinter dachte ich auch jeweils: mindestens 25-30 Jahre zu spät. Andere, wie die Jelinek oder Herta Müller, haben mich persönlich gefreut, aber es war klar, daß das nicht allen so gehen würde.

So sollte man diese ganze Angelegenheit einfach spielerisch betrachten. Ernstzunehmen ist ein Preis, der sich selbst derart wichtig nimmt, doch eh nur eingeschränkt. Allerdings muß man ja auch sagen, daß eine Autorin wie Herta Müller nie ein größeres Publikum (und damit eben auch die von Dir, Sunflower, angesprochenen Fans) gefunden hätte ohne den Preis. Doris Lessing hingegen war es wahrscheinlich relativ egal, als sie ihn bekam, mit fast 90 Jahren.

Nun gut, dies für hier,
ich grüße in die Runde,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.10.2013 09:59:46 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:07:52 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.10.2013 10:01:51 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Hallo express!

Die Geschichte des Preises hält ja nun wahrlich auch einige Überraschungen bereit - die beiden von Dir angesprochenen Preisträger von 74 - im Ernst, wer kennt die heute noch? Oder Pearl S. Buck, die ihn 1938 bekam - wer hält die Dame heute noch für eine große Autorin? Andere sind schlicht vergessen. Aber es sind ja nun auch wirklich Namen auf der Liste, bei denen man nur zustimmen kann - sei es mein geliebter William Faulkner, sei es Thomas Mann (der ihn als einer der wenigen ja wirklich für ein Einzelwerk bekommen hat und als einziger wohl ernsthaft in Erwägung gezogen wurde für eine Doppelauszeichnung), sei es Nelly Sachs (u.a. natürlich).

Was Du schreibst, daß die Zeitläufte über einen Autoren hinweggehen können - da ist allerdings was dran. Ich denke, daß ist sowohl Pinter als auch Lessing zunächst so gegangen. Gerade bei Pinter, dessen Auftritt bei der Verleihung irgendwo zwischen mitleiderregend und großartig-ergreifend war, hatte ich den Eindruck, es sollte schnellstens was geradegerückt werden, was verpasst worden war, bevor es zu spät ist. Wars ja auch beinahe.

Deine Liste kann ich unterschreiben, inklusive Chomsky - und warum auch nicht? Sowohl Mommsen, als auch Russell und Churchill haben ihn nicht unbedingt für ihr literarisches Schaffen bekommen. Na ja, Churchills Erinnerungen sind schon von erstaunlicher literarischer Kraft - aber zumindest Mommsen und auch Bergson sind "abgewandelte" Preisträger. Warum also nicht jemand wie Chomsky?

Bezüglich Murakami merke ich schon, daß er auf meiner to-read-Liste weiter nach oben rutschen muß ;-) Das von Dir erwähnte Werk werde ich mir auf jeden Fall zu Gemüte führen, allein schon, weil mich das Thema interessiert.

Eine passendere Überleitung zum Thema Terrorismus fällt mir gerade nicht ein ;-), aber dies dann doch: Kürzlich wurde ein neuer Test vorgenommen, ob man mit Oswalds Repetiergewehr die drei Schüsse in den vorgegebenen 5,7 Sekunden (oder was es auch immer war) abfeuern könne. Dieser Test sagt ja, es geht. Womit die Einzeltäterthese wiederum gestärkt wäre. Ich neige dazu, Kennedys These, daß LHO beteiligt war, aber nicht alleine, zuzustimmen. Als seinerzeit "JFK" ins Kino kam - den ich natürlich liebe ;-) - fiel mir auf, daß er sich nahezu sklavisch an eine BBC-Doku hielt, die einige Monate vor Filmstart einmal auf arte zu sehen war und mir beim Zuschauen Eisesschauer über den Rücken jagte. Sie endet damit, daß das Filmteam irgendwo in Kolumbien einen französischen Auftragskiller a.D. aufgetan hatte, der in die Kamera spricht: "Denken Sie immer über den Hügel nach, Sie müssen immer den Hügel mitdenken! Und jedes weitere Wort wäre eines zuviel, denn dann müssten die Sie töten." Abblende, Doku zuende. Sicher, dramatisch und alles (ich habe diesen ca. 2stündigen Film leider nie mehr gefunden), und dennoch war das überzeugend, wenn man es sah. Die Akten sollen ja 2040 oder so freigegeben werden - ein Grund, gesund zu leben ;-)

Ich hatte allerdings gar nicht auf dem Zettel, daß wir ja sozusagen den 50. Jahrestag des Attentats haben, dieses Jahr...da wird die Carnegie Hall erweitert werden (müssen) ;-)

Dir und allen hier einen schönen Tag,
seid gegrüßt,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.10.2013 10:05:54 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Hallo Siggi!

Danke für den Hinweis. Da werde ich gleich mal nachlesen.

Man kann aber nicht leugnen, denke ich, daß er oft aus sehr anderen Gründen vergeben wurde. Manches Mal, denke ich, eher als Schutz der betreffenden Person, so zumindest dürfte es bei Gao Xingjian gewesen sein (obwohl ich natürlich zugeben muß, absolut KEIN Kenner der chinesischen Literatur zu sein und also auch nicht beurteilen zu können, ob er die genannten oder auch nur meine Kriterien erfüllt).

Gruß,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.10.2013 11:14:06 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:07:53 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 28.10.2013 11:42:07 GMT+01:00
Tino meint:
J. R. R. Tolkien

("Tolkiens Prosa „wird nicht im geringsten Maße einer Geschichtenerzählung höchster Qualität gerecht”, schrieb Mitglied der Jury Anders Österling.")

Veröffentlicht am 28.10.2013 12:50:25 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 22.11.2013 21:58:02 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 28.10.2013 13:38:33 GMT+01:00
Tino meint:
Das werde dann wohl ich gewesen sein, ich verspüre aber wenig Lust, mich über Klicks aufzuregen...

Veröffentlicht am 28.10.2013 14:58:24 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 12.11.2013 09:11:17 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 28.10.2013 15:05:01 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.10.2013 15:09:48 GMT+01:00
oaty meint:
Ich hatte mich sehr über die Eröffnung dieses Threads gefreut, auch wenn ich mangels fundierten, breiten Hintergrundwissens nicht sehr viel dazu beitragen kann.
Als mein Beitrag die ersten Nicht-Hilfreich-Klicks bekam, führte ich das darauf zurück, dass er im Vergleich zu anderen wohl ein wenig banal und undifferenziert war. Und so habe ich ihn in einem Anfall von Selbstkritik gelöscht.
Wenn ich jetzt aber sehe, dass hier auch bei anderen Beiträgen schon wieder jede Menge Abklicks kommen, fange ich an, daran zu zweifeln, ob hier in Amazonien intelligenter, vielschichtiger und fairer Meinungsaustausch überhaupt möglich oder erwünscht ist.
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Erster Beitrag:  22.10.2013
Jüngster Beitrag:  09.11.2013

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