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Kritik und Lob an Top Rezensenten


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Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.10.2013 22:47:42 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo Jury und der Rest -

eigentlich möchte ich mich einer Diskussion enthalten, in der von vornherein alle, die noch an Demokratie und demokratische Abläufe glauben, als "Blöde" bezeichnet werden.

Aber einen Gedanken möchte ich mal in den Raum stellen, der dann wenigstens nicht nur mich, sondern auch Jury und Tino wohl etwas um den Schlaf bringen wird:

Was, wenn die "Blöden" gar nicht dieser Meinung sind? Was, wenn die "Blöden" eigentlich gar keine Demokratie mehr wollen? Was, wenn die "Blöden" früher oder später beschließen, daß ein Land unter der Knute EINES "Nichtblöden" weitaus besser funktionieren würde? Dann würde zuimindest ich dieses Land verlassen müssen und rennenrennenrennen...

Aber um auf den Gegenstand selbst zurückzukommen: Ich höre dieses Argument, daß die Wahlen alle für den Ar*** seien ja nun auch nicht das erste mal. Kann mir mal jemand darlegen, wer denn das Land regiert, wenn nicht die Parteien, bzw. die durch die Parteien gestellte Regierung? Die Konzerne? Der militärisch-industrielle Komplex? So wird mir das immer wieder gesagt. Oder ist DAHINTER noch ein gruseliges Konsortium von irgendwem, der die - brrrrr - Weltherrschaft will?

Und haben wir dafür nicht diesen Engländer, diesen..diesen...James..na...mir fällt der Name gerade nicht mehr ein...;-)

Gruß,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.10.2013 23:17:29 GMT+02:00
Tino meint:
Ich habe niemanden als "blöde" bezeichnet, daher raubt mir Dein Beitrag auch nicht ansatzweise den Schlaf...und da der Rest darauf aufbaut, gehe ich da auch nicht weiter drauf ein.

Gruß

Veröffentlicht am 15.10.2013 23:41:14 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.10.2013 23:42:04 GMT+02:00
vev meint:
"In die Demokratie wurden einst große Hoffnungen gesetzt; aber Demokratie bedeutet einfach nur das Niederknüppeln des Volkes durch das Volk für das Volk." - Der Sozialismus und die Seele des Menschen

Oscar Wilde, weil es gerade passt und der Gute am 16.10. Geburtstag hat.
Ja, ich weiß, habe mich mal wieder verlaufen.

Grüße!

Veröffentlicht am 16.10.2013 07:29:16 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 19.02.2014 18:37:41 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 09:04:10 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
@Tino - stimmt, wenn das so rübergekommen ist, dann sorry. Mir ging es in der Ansprache lediglich darum, daß Du und Jury da diskutiert habt. Als "blöde" hat Jury jene bezeichnet, die immer noch glauben, mit ihrer Stimmabgabe eine Regierung zu wählen. Diese Aussagen sehe ich etwas despektierlich. Sie sind in sich antidemokratisch, da sie denen, die wählen, abspricht, über genug Verstand zu verfügen, die "großen Zusammenhänge" zu durchschauen.

Zudem halte ich Verschwörungstheorien für unfassbar amüsant und unterhaltsam - in Hollywoodthrillern. In der Realität sind sie Gift sowohl für eine Diskussion, als auch für demokratische Verhältnisse, da sie grundsätzlich hierarchisch (informell) sind und auf (vermeintlichem) Geheimwissen aufbauen...

Aber wenn es geht, ziehe ich die Frage zurück. Wahrscheinlich sollte man hier, in diesem Forum, mindestens so wenig über dieses Thema reden, wie über die Frage der Resozialisierung Strafgefangener.

Einen schönen Tag,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 09:09:40 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
@Helmut Barro - es scheint gerade in dieser letzten Legislatur ein wahrer Sport geworden zu sein: Wählen doof, Demokratie doof, alles doof.

Ich gebe ja zu - selten war ich derart unentschlossen und lange Zeit selber davon überzeugt, erstmals nicht zu einer Wahl zu gehen. Harald Welzers Essay im SPIEGEL hat da sein übriges getan, er leuchtet(e) mir ein. Und dennoch - wir müssen doch wirklich nur einen Blick in die ach so gleichgeschalteten Medien werfen und sehen in quasi JEDER Nachricht, welch eine Strahlkraft die Demokratie hat (einerseits - die Menschen sind bereit, dafür im dreckigsten Meer der Welt zu ersaufen), andererseits kann man doch sehen, wie Länder funktionieren, in denen es keine oder nur eine scheinbare Demokratie gibt. Wer möchte da leben?

Veröffentlicht am 16.10.2013 09:24:22 GMT+02:00
Tino meint:
Wird hier momentan eigentlich bewusst alles missinterpretiert und falsch wiedergegeben?
Ist die Kritik an der Gesellschaft und ihrem Umgang mit dem hohen Gut Demokratie gleichzusetzen mit einer Kritik an der Demokratie selbst?

Lobbyismus, Partei-Spenden, ungleiche Werbebudgets der Parteien, Versprechen und Einhaltung der Wahlprogramme, eigenartige Berichterstattung, immergleiche Gesichter, Protest-Müdigkeit...was hat das mit Demokratie zu tun? Für mich sind das Begleiterscheinungen eines Systems, was auch offenbar eindeutige Schwächen hat, die aber nie beseitigt werden können, wenn man nicht darüber reden soll oder darf.
Ähnliche Argumentationsketten finden sich auch gerne bei sehr religiösen Menschen, die bei aller Friedfertigkeit spätestens dann ihre Toleranz verlieren, wenn ihre goldenen Kälber in Frage gestellt werden.

Also nochmal: die Gleichschaltung von Kritik an der Nutzung/Umsetzung demokratischer Strukturen und der Kritik an der Demokratie selbst ist hier aus meiner Sicht fehl am Platze aber (warum auch immer) wohl absichtlich hier platziert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 09:38:57 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.10.2013 09:41:58 GMT+02:00
Tino meint:
Hallo Gavin,
ja, wir sind wohl etwas weit ab vom Thread, aber ist es eben nicht auch eine wunderbare Freiheit, überhaupt reden zu dürfen? Ich habe nichts gegen Seitenarme in einem Fred, zumal dadurch eine gewisse Lebendigkeit in die doch etwas festgefressenen Themen Einzug hält.

Ja, mir gefällt auch nicht jede Pauschalisierung und nein, manche Begriffe möchte ich hier auch nicht sehen, auch das habe ich bereits klargemacht und muss das nicht wie ein Schild vor mir hertragen. Man könnte natürlich wieder Signaturen einführen, die aber häufig länger wären, als die Beiträge selbst. Das Dumme am Medium Schrift ist, dass man Übertreibungen, Satire, Ironie etc. eigentlich durch Smileys und andere Nettigkeiten kenntlich machen muss, damit der Gegenüber richtig interpretieren kann. Leider kennen wir uns alle nicht gut genug, um darauf verzichten zu können. Ich fand die Verwendung zwar bisher etwas jugendlich-kindisch, werde mir aber zukünftig Mühe geben, solche Mittel verstärkt einzusetzen ;-)

Dir auch einen solchen

Veröffentlicht am 16.10.2013 09:57:31 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:05:07 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 16.10.2013 10:26:05 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:05:08 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 16.10.2013 10:45:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.10.2013 10:47:03 GMT+02:00
jury meint:
Gavin Armour meinte: ( 15.10.2013 22:47:42) "Hallo Jury und der Rest -
eigentlich möchte ich mich einer Diskussion enthalten, in der von vornherein alle, die noch an Demokratie und demokratische Abläufe glauben, als "Blöde" bezeichnet werden."

Lieber GA,
das geht mir ganz genau so. Allerdings fände ich es im Sinne eines angenehmen Umgangs miteinander erfreulicher, wenn Sie solche diffamierenden Unterstellungen nicht in den Raum stellen würden.
NG - Jury

Veröffentlicht am 16.10.2013 10:56:50 GMT+02:00
Felix Richter meint:
Seit ich gelegentlich Freiexemplare zugeschickt bekomme, frage ich mich beim Rezensieren manchmal, inwieweit man sich in die anvisierte Leserschaft hineinversetzen sollte, falls man selbst nicht dazu gehört. Ein Beispiel: Dalí Dalí von Jürgen Becker ist für jeden Kunsthistoriker eine Zumutung, für einen Laien, der seine Viertelbildung zur Halbbildung aufbessern und dabei noch ein bisschen Spaß haben will, gut geeignet.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 11:06:47 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:05:09 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 11:18:19 GMT+02:00
Felix Richter meint:
Danke für die Blumen!

Nein, vom Fach bin ich nicht, war aber schon mal im Museum. Meine Kritik bezog sich eher auf die Korezensenten, die das Buch wegen seiner erwartbaren wissenschaftlichen Dürftigkeit abgewatscht hatten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 11:24:51 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:05:10 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 16.10.2013 14:00:42 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 08.11.2013 13:05:11 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 15:02:59 GMT+02:00
Felix Richter meint:
@ Siggi
Das freut mich sehr, dass Sie das so sehen! Auch wenn Sie wohl ein bisschen übertrieben haben, motivierend ist es auf jeden Fall.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 17:42:26 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
"Ein weiterer Puzzle-Baustein dürfte die Ohnmacht sein. Nur sehr Blöde denken noch, sie würden - z.B. per Wahl - das Geschehen mitbestimmen. Und immer verbreiteter wird die Erkenntnis, dass die Rechtsschutzversicherung nur die Anwalts-Einkünfte optimiert, dass Ärzte nicht reparieren, sondern abschöpfen und dass man beim Shopping auch noch für das bezahlt, was einen später umbringt."

Lieber Jury - so geschrieben von Ihnen am 15.10 - 11.06 Uhr.

Vielleicht habe ich Sie mißverstanden?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2013 18:34:20 GMT+02:00
vev meint:
Nur noch einmal kurz abschweifen.
Demokratie zu kritisieren, bedeutet nicht automatisch man bevorzuge eine Diktatur, Monarchie
oder wolle zurück in die Steinzeit. Unsere heutige Demokratie unterscheidet sich von der, in welcher Oscar Wilde lebte. Sicher hätte er es bevorzugt, nicht für seine Homosexualität zu Zuchthaus und schwerer Zwangsarbeit verurteilt zu werden. Ich kann seinen Zynismus sehr gut nachvollziehen.
Ich möchte nicht das Ergebnis einer demokratischen Volksabstimmung sehen, die über das Schicksal
der Flüchtlinge in Lampedusa abstimmt. Ist ja auch gar nicht nötig, unsere demokratisch gewählten Volksvertreter erfüllen ihre Aufgabe meisterhaft und fordern mehr Härte.
Ich bin nicht demokratiemüde, aber ich bin es müde, die Mehrheitsentscheidungen hinnehmen zu müssen, die durch geschürte Ängste, falsche Informationen, Intoleranz usw. entstehen.
Und so verstehe ich auch das Zitat von Oscar Wilde.

Hätte nicht gedacht, dass das hier gleich als Angriff auf unsere Demokratie verstanden wird,
sonst hätte ich eine Erklärung dazu geschrieben.
Hiermit nachgereicht und damit verabschiede ich mich, um nicht weiter vom eigentlichen Thema
abzulenken.

Grüße!

Veröffentlicht am 17.10.2013 09:48:23 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.10.2013 10:00:53 GMT+02:00
jury meint:
Guten Morgen zusammen!

Die Replik von vev an Gavin Armour enthält schon einige wertvolle Gedanken. Auf die direkte Frage: "Vielleicht habe ich Sie missverstanden?" Gavin Armours möchte ich aber selbst noch antworten.

Zunächst mal: Es ist erfreulich, dass Sie das, womit Sie es haben, endlich zitieren. Das ermöglicht dem Leser, zu überprüfen, ob Ihre Stellungnahme dazu Hand und Fuß hat. Hier nochmal die beiden Kernsätze von mir:

"Ein weiterer Puzzle-Baustein dürfte die Ohnmacht sein. Nur sehr Blöde denken noch, sie würden - z.B. per Wahl - das Geschehen mitbestimmen."

Dazu lautete Ihr Kommentar vom 15.10. 22:47h:

"Hallo Jury und der Rest - eigentlich möchte ich mich einer Diskussion enthalten, in der von vornherein alle, die noch an Demokratie und demokratische Abläufe glauben, als "Blöde" bezeichnet werden."

Genau das habe ich aber nicht geschrieben. Ich glaube durchaus an Demokratie. Leider aber leben wir nicht in einer Demokratie. Wir leben in einer Kleptokratie, wie Schätzing schreibt, oder vornehmer: in einer Oligarchie der Kapitalseigner. Schon mit - für Milliardäre lächerlichen - 690.000 Euro kann man die komplette Regierung samt der ach so beliebten Gallionsmutti dazu kaufen, weiterhin Tausende von Bundesbürgern per Feinstaub verrecken zu lassen.

In einem anderen Posting habe ich konkret das wichtigste Kriterium für Demokratie aufgezeigt: Die Möglichkeit, als Bürger in wichtigen Fragen eine Wahl ausüben zu dürfen. In unserer konkreten Ausgestaltung haben die Bürger einzig und alleine die Möglichkeit, mitzuentscheiden, ob die eine oder die andere Partei die Anweisungen der Lobbyisten des Kapitals umsetzen soll.

Und nicht einmal das haben sie wirklich - denn die Manipulation der Medien ist inzwischen so wirksam, dass innerhalb weniger Monate der "Wählerwillen" um ganzzahlige Faktoren "korrigiert" werden kann. Die Medien aber werden von relativ wenigen, dafür umso mächtigeren Einzelpersonen gesteuert.

Einen weiteren Grund, warum wir in Deutschland nicht von einer Demokratie sprechen können, liefert das Staatsrecht: Deutschlands Regierung ist keineswegs Diener des Souveräns. Im Gegenteil: sie setzt seit langem, bewusst und willkürlich Strategien durch, welche keineswegs dem Willen einer Mehrheit entsprechen. Ein in letzter Zeit diskutiertes Beispiel ist die Tatsache, dass während der Euro-Einführung trotz massiver Medien-Kampagnen keine einzige Befragung auch nur 40% Euro-Befürworter erbracht hat - stets waren mehr als 60% der Bundesbürger GEGEN die Einführung des Euro. Der damalige Kanzler, Helmut Kohl, hat bewusst gegen den Mehrheits-Willen des "Souveräns" gehandelt. In einer rechtsstaatlichen Demokratie würde der Mann wegen Hochverrats vor Gericht gezerrt werden.

Zu staatsrechtlichen Fragen und zur Frage der Souveränität empfehle ich das m.E. vorzügliche Buch des echten(!) Demokraten(!) Karl Albrecht Schachtschneider, der vielleicht mehr als jeder andere für eine Demokratie in Deutschland gekämpft hat:

Die Souveränität Deutschlands: Souverän ist, wer frei ist

Ihre Verdrehung, lieber Gavin Armour, besteht also gerade darin, dass gerade mir, einem engagierten Demokraten, vorgeworfen wird, ich würde Demokraten für blöd halten - während ich in Wirklichkeit Menschen, die nicht erkennen, dass unsere "Demokratur" nicht viel mit Demokratie zu tun hat, mit der Vokabel "blöd" die Erkenntnisfähigkeit abgesprochen habe.

SIE stehen also für das Zuschütten von Kritik an antidemokratischen Entwicklungen - nicht ICH.

Ich möchte noch einen weiteren schiefen Aspekt aufgreifen: Da wurde die Möglichkeit "freier Meinungsäußerung" als Beleg dafür hingestellt, dass wir uns in einer "Demokratie" befinden würden.

Dies ist gleich in mehrfacher Hinsicht üble Demagogie. Denn:

1. besteht in Deutschland keineswegs das Recht freier Meinungsäußerung. Denn sobald die Form der Meinungsäußerung politische Wirkung haben könnte, wird sie in schon übler Art beschnitten. Man muss sich nur mal anschauen, wie Vertreter unliebsamer "Meinungen" - ich nenne mal von Bülow - ungeachtet ihres Standes, ihrer Ausbildung, ihrer Verdienste in unfairster Weise niedergemacht werden. Selbst ein Bundespräsident, der sich leichtsinnigerweise ganze zweimal gegen die Rettung des Euro um jeden Preis ausgesprochen hatte, wurde über die Achse Merkel-Mohn in wenigen Wochen unter ständiger Überschreitung aller Schamgrenzen demontiert.

2. In einem verborgenen Winkel auskotzen dürfen sich auch die "Bürger" jeder Diktatur. Denkbar ist durchaus auch ein totalitäres Regime, in welchem man relativ frei seine Meinung sagen kann, solange das Medium Unwirksamkeit verspricht. Nehmen Sie doch nur die USA! Ein Staat, der doch ohne großes Verbiegen als Militärdiktatur mit demokratischer Verbrämung beurteilt werden könnte. Selbst Pfeifenbläser werden gedruckt - bevor sie lebenslang eingebunkert werden. Wo ist der Unterschied zur russischen "Demokratie"?

Hätte bei uns der Souverän etwas zu sagen - egal, in welcher technischen Form -, ginge es doch nicht nur um Boatpeople. Wobei ich mich frage, ob auch da nicht überraschende Mehrheiten ans Licht kämen. Man hätte beispielsweise kaum Mehrheiten für Waffenexporte in Krisengebiete und ganz sicher keine Mehrheiten für Drogen- und Ölkriege am anderen Ende der Welt.

Ich will zum Schluss kommen, werter Gavin Armour:

Möglicherweise haben Sie nur irgendwas Verdrehbares nach bester Polemik-Art des Paten gesucht, um an meinem Image zu schrauben.

Vielleicht haben Sie auch nur oberflächlich gelesen und Halbverstandenes zu Müll verknöttelt.

Schlimm wäre es aber in meinen Augen, wenn Sie unsere Machtstrukturen tatsächlich für nahezu perfekt halten würden, wie man es nach Ihren Statements denken könnte. Denn dann würden Sie in meinen Augen zu der tatsächlich gefährlichen Mehrheit zählen, die im Sinne einer denkbaren Demokratie durch einseitige Information, politische Korrektheit und permanentes Wegschauen für den Erhalt unseliger Strukturen die indirekte Verantwortung trägt.

NG - Jury

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.10.2013 11:24:50 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 29.10.2013 12:36:15 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 17.10.2013 12:36:15 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo Jury, aber auch Hallo an express
(und natürlich alle anderen) -

Ich schließe mich express an, das Forum ist dem Thema nicht gewachsen. Und ich befürchte, wir beide, lieber Jury, würden uns extrem in die Wolle bekommen, wenn ich mich auf eine Diskussion einließe. Nur soviel: Ja, ich gehöre zu den in Ihren Augen Verdummten, die dieses System hier natrürlich nicht für perfekt, aus historischen Gründen (ein Argument, das, befürchte ich, in Ihren Augen auch nicht verfängt) jedoch weitestgehend für plausibel und vertretbar halten. Leider gehöre ich auch nicht zu den Basisdemokraten, die meinen, daß man jedes Thema von allen beschließen lassen kann. Sie selbst, lieber Jury, treten hier häufig zu mancherlei Themen als Experte auf, der es einfach "besser weiß" als andere, Sie haben dabei kein Problem, polemisch ganze Gruppen der Unwissenheit, Falschinformiertheit oder schlicht Dummheit zu zeihen - da müssten doch gerade Sie volkommen meiner Meinung sein. Nein - Todestrafen, Folter oder auch der Euro u.a. gehören meiner Meinung nach NICHT in Volksabstimmungen.

Was express nun schreibt - daß das alles bei aller Polemik zutreffend sei, wolle man v.a. "Brüssel" als bürokratische Diktatur verstehen - scheint zunächst zustimmbar. Doch auch hier muß ich sagen: Stimmt nur bedingt, aus meiner Sicht. Man kann durchaus darüber streiten, ob "Bürokratie" nicht GERADE in ihrer Schwerfälligkeit ihren Sinn erfüllt? Dennoch denke auch ich, daß "Brüssel" schwerst reformbedürftig ist. Und auch hier würde ich gern insofern differenzieren, als daß die EU in ihem momentanen Erscheinungsbild keine wirklich gute Figur abgibt - dennoch bin ich der absoluten Überzeugung, daß Europa direktemang in den nächsten Kontinentalkrieg marschieren würde OHNE dieses Konstrukt. Spätestens wenn es an den Rändern franst und im Süden die Versteppung Überhand nimmt.

Und daß wir eine gekaufte Republik mit gleichgeschalteten Medien wären, halte ich für eine - sorry, Jury, an der Stelle MUSS ich das mal leider deutlich so sagen - sehr offensichtliche Aussage von Autoren des Koppverlages, der sein Image nun einmal weg hat und wenig dafür tut, es zu ändern. Nun stehe ich natürlich doof da, wenn man die Schlagzeilen zur CDU, den Quandts und der Feinstaubgesetzgebung in Brüssel betrachtet. Doch was auffällt in dem Satz: "Schlagzeilen" - es ist also die ach so gleichgeschaltete Presse, die praktisch SOFORT das Thema aufgreift und angeht. Aha.

Und ein Letztes: Die USA sind keine Demokratie? Gut, ich weiß, schicker ist die Ansicht allemale, dennoch vielleicht nicht richtig? Was Sie (und andere hier) sicherlich nicht goutieren, ist die Tatsache, daß die Amerikaner "Demokratie" immer anders verstanden haben. Demokratie, würde ich sagen, ist in amerikanischem Verständnis durchaus genau DAS, was Sie bekämpfen wollen: Lobbyarbeit. Was genau ist eine Lobby denn eigentlich? Ist eine Gewerkschaft keine Lobby? Und regen sich nicht alle seit nahezu 60 Jahren darüber auf, daß die SPD in den Gewerkschaften einen außerparlamentarischen Verbündeten hätte? Bei gleichzeitiger Unterschlagung der Tatsache, daß es ein GERICHTSURTEIL brauchte in Deutschland, um den christlichen Kirchen - allen voran der heute so arg bedrängten katholischen - zu untersagen, am Wahlsonntag Wahl"empfehlungen" unter Androhung höchster Höllenstrafen zu unterlassen?

Daß ausgerechnet ICH mal in einer Diskussion stehen würde, in der ich dieses Land und sein politisches System derart verteidigen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Nun ja.

Alle von Ihnen Jury und Dir, express, vorgebrachten Mißstände gibt es ja, und beide habt ihr recht, daß diese anzuprangern sind. Dennoch ist dieses Land eine Demokratie, in der man diese Mißstände anprangern DARF. Um in dieses Land zu gelangen, sind Menschen bereit ihr Leben zu lassen.

Und die historischen "Gründe" für die Entwicklungen hin zu DIESEM System sind damit noch nicht einmal angesprochen, in meinem Falle allerdings sehr, sehr gewichtig.

Und ein letztes: Es tut mir ja schrecklich leid, daß ich mit meiner Argumentation offenbar immer wieder wie Ihr Lieblingsfeind wirke, Jury, aber können Sie es sich nicht einfach mal abgewöhnen, das vielleicht zu denken, aber nicht in jeder dritten Replik an mich zu erwähnen? Es ist nicht so und gut. Ich verstehe ja, daß Sie mich weder für voll nehmen, noch sonderlich leiden können - alles gut, so ist das im Leben. Aber Sie müssen sich schon damit abfinden, daß es hier draußen mehr als EINEN Menschen gibt, auf den das nunmal zutrifft.

Einen schönen Tag wünsche ich,
Gavin Armour

Veröffentlicht am 17.10.2013 12:38:34 GMT+02:00
jury meint:
Hallo, express!

Ich freue mich ja jedes Mal, wenn das, was ich geschrieben habe, nicht verdreht dargestellt wird. Insofern danke. Ob die Interpretation meiner im Zusammenhang vorgebrachten Argumente durch etwas biedere Begriffe dazu dienen soll, meinen Beitrag unter Wert zu simplifizieren, mag jeder selbst nachlesen.

Noch mehr freue ich mich, wenn mancher manches ähnlich sieht. Die "bürokratische Diktatur Brüssel", um Ihren weder "simplifizierenden", noch "populistischen" oder gar "polemischen" Begriff aufzugreifen, scheint mir allerdings weniger die Ursache, sondern eher eine Ausprägung des Übels darzustellen.

Die Macht von Brüssel kommt ja schließlich nicht durch pure Anmaßung zustande, sondern ist das Ergebnis weitreichenden Verzichts auf souveräne Rechte durch unser geliebtes Deutschland - besser: diese Abtretung von Souveränität wurde von unseren Regierungen seit Kohl hausgemacht.

Hätte man das Volk entscheiden lassen - oder auch einfach nur die Verfassung respektiert -, könnten wir (und andere) noch deutlich mehr selbst entscheiden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.10.2013 12:39:10 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo express,

ich nutze diesen Antwortteil mal eben, um eines klar zu stellen: Weder habe ich Vevs Wildezitat als direkte Antwort an mich verstanden, noch Wilde irgendetwas abgesprochen. Wahr ist, daß ich seine Bonmonts äußerst schätze. Dennoch ist nicht JEDE seiner Äußerungen unbedingt der Weisheit letzter Schluß. Das von Vev angeführte Zitat übrigens ist aus meiner Sicht überhaupt nur verständlich unter der spezifischen gesellschaftlichen Situation, in der es geäußert wurde!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.10.2013 13:03:20 GMT+02:00
jury meint:
Hallo, Gavin Armour!

Expertenwissen und Basisdemokratie stellen für mich keinen Widerspruch dar. Im Gegenteil: Durch fortlaufende Praxis einer Kombination dieser beiden Pole kann gegenseitiger Respekt wachsen - und auch ein Ranking dessen, was Experten so von sich geben.

NG - Jury
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Erster Beitrag:  11.10.2013
Jüngster Beitrag:  08.11.2013

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