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Lyrik


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1-18 von 18 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.03.2008 18:04:47 GMT+01:00
Kann man heute noch reimen, oder gibt es wirklich gewichtige Gründe, davon Abstand zu nehmen?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.03.2008 20:08:28 GMT+01:00
Ich selbst lese sehr gerne Gedichtbände, wenngleich bisher nur Klassiker von Wilde, Byron, Keats.
Doch wenn mir die Gedichte in einer Leseprobe gefallen, würde ich auch moderneres kaufen, solange es "klassisch" klingt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.03.2008 21:55:43 GMT+01:00
Reime gliedern die unübersehbare Masse fließender Wörter in überschaubare Teile und wirken zugleich auf das uralte Streben, die Wirklichkeit gliedernd zu fassen, bestätigend, und also tröstlich. Wiedererkennen und Wiederkehr: Ein Bollwerk gegen die unklare Wirrsal des Daseins.
Manchmal aber können wir sie nicht mehr ertragen. Wir wissen bereits beim Zeilenbeginn, was am Ende stehen wird, wir sehen den armen Dichter in den Zwängen des engen Reimvorrates der deutschen Sprache, und wünschen ihm die kraftvolle Frische der Reimfreiheit.
Dies könnte man alles auch reimen. Aber das ein andermal.

Gruß Jens Priester.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.03.2008 10:58:55 GMT+01:00
U. v. Hutten meint:
Die literarische Freiheit ist ein unveräußerliches Gut, und deshalb darf auf keine der vielen möglichen Ausdrucksformen verzichtet werden. Zeitströmungen, Marktdiktate, momentane Leservorlieben sind da letztlich bedeutungslos.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.03.2008 16:22:15 GMT+01:00
Dies ist sicherlich grundsätzlich richtig, aber das Dichten vollzieht sich nicht im luftleeren Raum. Ist es nicht auch wichtig seine Zeitgenossen anzusprechen und kann man sie durch Reime heute noch erreichen? Diese erweiterte Frage ist die, um die es mir geht.

Gruß A. Maihofer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.03.2008 22:37:25 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.03.2008 22:38:27 GMT+01:00
U. v. Hutten meint:
Liebe Angelika Maihofer,

natürlich, ich denke schon, daß man Menschen auch heute durch gereimte Lyrik ansprechen kann. Warum denn nicht? Die Qualität zählt; das, was nur Lyrik kann: das Unaussprechliche spürbar machen. Und ob das mit oder ohne Reim gelingt, ist egal. Also, bitte keine Berührungsängste vor Reimen - vielleicht, weil Sie fürchten, das sei ein wenig altmodisch? Moden ändern sich doch, das bedeutet nichts. Das Substantielle zählt. Rilke oder Eichendorff faßten das eigentlich Unnennbare gereimt, Bachmann oder Celan nicht gereimt - und beide Wege sind, wenn Meister schreiben, wunderbar ...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.03.2008 22:22:54 GMT+01:00
Lieber U.v.Hutten,

da möchte ich doch einmal ganz konkret werden und ihnen ein Gedicht vortragen, von vorne bis hinten gereimt, das ich geschrieben habe. Bitte teilen sie mir mit, ob ihnen hier das Unnennbare in gereimter Form angenehm aufgefallen ist, oder ob sie lieber sagen möchten: Hände weg.

Ich habe ein Gesicht geschaut,
es drang aus einem Nebel,
es hatte marmorweiße Haut
als wäre es aus Stein gebaut,
doch funkelten die Augen.

Die Züge waren schmal und rein,
der Mund ganz weich geschwungen,
es könnte auch ein Engel sein,
doch floss um es ein Glanz allein
wie von drei eignen Sonnen.

Es sprach wie wenn man Laute pflückt,
als wären Worte Blüten,
ich war von jedem Ton entzückt,
da hat der Nebel es entrückt,
als würde ich nur träumen.

Herzliche Grüße A, Maihofer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2008 08:38:06 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.03.2008 09:46:53 GMT+01:00
P. Kopf meint:
Liebe Frau Maihofer, auch wenn Sie mich nicht angesprochen haben, möchte ich gern was dazu sagen:
das Gedicht ist gerade in seiner Schlichtheit sehr schön. Das Wunderbare an Lyrik ist doch, dass alles möglich ist, egal ob Reim oder nicht. Dass man etwas ver-dichten kann, also auf das Wesentliche in bildhafter Sprache kommt. Versuchen Sie, Gedichte laut zu lesen, dann werden Sie spüren, dass auch der Klang und der Rhythmus und die Sprachmelodie etwas auslösen. Wenn man Ihr Gedicht einmal näher anschaut/anhört, merkt man, dass in der ersten Strophe der Laut AU dominiert, in der zweiten EI, in der dritten Ü. Diese unterschiedlichen Laute rufen bestimmte Gefühle wach, sehr schön, wie ich finde.
Herzliche Grüße, P. Kopf
PS: Auch Ingeborg Bachmann hat gereimt, z.B. in "Liebe, dunkler Erdteil" u. a.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2008 11:31:11 GMT+01:00
U. v. Hutten meint:
Liebe Frau Maihofer,

ja, da schließe ich mich der Meinung von Frau Kopf an. Ihr Gedicht hat wirklich Zauber, und ich denke auch, daß Ihnen in diesem Fall das Greifen des Unnennbaren schwerer gelungen wäre, wenn Sie nicht gereimt hätten. Arbeiten Sie weiter, Sie haben wirklich Talent.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2008 18:22:05 GMT+01:00
Liebe Frau Petra Kopf,
lieber Herr U. v. Hutten,

ich bedanke mich sehr für ihren Zuspruch. Ich war etwas ins Zweifeln geraten, weil meine kleine Gedichtsammlung, "Die Schützin", keinerlei Erfolg hat. Es ist als hätte ich die Gedichte in den Sand geschrieben. Wahrscheinlich liegt der Misserfolg aber daran, dass der kleine Verlag, in dem der Band erschienen ist, keine Werbung macht, machen kann. Das wirft eigentlich die nächste Frage auf: wie erreicht man das Interesse der Öffentlichkeit? Wie erreicht man es, dass Texte, die einen "Zauber" in sich tragen, auch gelesen werden? Ich weiß es nicht. Herzliche Grüße Angelika Maihofer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2008 21:11:59 GMT+01:00
U. v. Hutten meint:
Liebe Frau Maihofer,

vielleicht könnte es helfen, wenn Sie Lesungen machen. Sprechen Sie vielleicht mal mit Buchhändlern, die Sie kennen. Sie könnten auch Lesungen bei geeigneten Vereinen oder Organisationen anbieten, für deren Kulturprogramme. Und wenn Sie die Menschen bei Lesungen mit Ihren Gedichten beeindrucken, wird wohl auch das eine oder andere Buch gekauft werden. Sie könnten Ihre Bücher dann ja selbst anbieten. Aber in unserer Gesellschaft gibt es derzeit leider wenig "Ohr für Lyrik". - Ich muß mich nun mit Dank aus dem kleinen Meinungsaustausch verabschieden, weil ich morgen für einige Zeit verreise. Alles Gute für Sie!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.03.2008 10:22:32 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.03.2008 10:23:57 GMT+01:00
P. Kopf meint:
Liebe Frau Maihofer,
Sie könnten sich eventuell mal meine Webseite anschauen;-) Ich helfe Frauen dabei, sich und ihre Projekte zu präsentieren. (finden Sie unter meinem Profil)
Weitere Möglichkeiten sind öffentliche Auftritte in Bibliotheken, Volkshochschulen, Buchhandlungen oder Literatursalons. Wenn Sie mehr wissen möchten, schreiben Sie mir eine private e-mail. Herzliche Grüße von Petra Kopf

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.03.2008 18:57:53 GMT+01:00
Manu meint:
Liebe Frau Maihofer, ich habe Ihr Gedicht gelesen und es hat mir sehr gut gefallen, es war einfach perfekt,beim laut lesen wird man doch verzaubert

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2008 12:54:05 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.03.2008 16:57:28 GMT+01:00
An die Vorgenannten,

ich kann keine Lesungen abhalten, ich kann die Gedichte nur schreiben. Lesen muss sie ein anderer. Ich bin so schüchtern, dass mich in der Öffentlichkeit eine panische, nicht bezwingbare Angst erfüllt, so dass ich meinen Vortrag abbrechen muss. Das ist traurig, denn in meinem Kopf höre ich meine Gedichte sehr genau, sie haben oftmals sogar eine Melodie. Es ist da, scheint es, nichts zu machen, meine Gedichte werden im Larvenstadium verharren müssen. Ich bedanke mich aber ganz ausdrücklich für die wohlwollende Aufnahme meines Gedichtes durch sie. Mit herzlichen Grüßen Angelika Maihofer


Und wären meine Worte nur wie Gras,
Ein grüner Untergrund für fremde Blüten,
Die über Halmen ihre bunten Schätze hüten
So würd ich sagen, es gibt dies und es gibt das.

Auf Wiedersehen Angelika Maihofer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.12.2011 09:49:57 GMT+01:00
Liebe Frau Maihofer,
Sie haben bestimmt keins Ihrer Gedichte "in den Sand gesetzt", denn als Sie sie schrieben, haben Sie in sich ganz betsimmt viele Gefühle geweckt - ist das nicht auch ein wunderbarer Lohn?
Liebe Grüße und alles Gute - Sie finden noch IHRE Fans!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.12.2011 10:12:06 GMT+01:00
Hatte selber Probleme damit meine gereimten Gedichte zu veröffentlichen. Ich habe sie nicht geschrieben, sondern sie sind aus mir herausgeflossen. Eva Blum
WINTER



Sobald am Fenster die Kristalle wachsen,
die schwarzen Vögel ihre Kreise ziehn,
beginnt der neue Tag nur schwer zu wachsen.
Die Nacht ruht lang und welkt dahin.

Sobald der Sonne Puls erlahmt,
die roten Rosen sterben an der Mutterbrust,
beginnt die kalte Erde schon sich festzuhalten.
Die Luft zieht klar und starr dahin.

Veröffentlicht am 04.02.2012 05:54:47 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.02.2012 22:31:50 GMT+01:00
Hallo! :-)

Habe Ihre Diskussion entdeckt und erlaube mir, einen kleinen
Auszug hier einzufügen, aus meinem Gedichtbuch
»Der (kleine) Schatz im Kugelbauch«,
das ich einfach in dieser Form schreiben MUSSTE. :-)

Ich hatte doch ganz andre Sorgen.
Ich wünschte mir ein Kind;
damit auch in der Welt von Morgen
noch Nachfahrn von uns sind;
die dann etwas weitergeben,
von uns - und von dem heut'gen Leben,
von dem Guten, das sie lernten,
bevor wir selbst uns hier entfernten.

Darin sah ich einen Sinn,
weil ich dann unsterblich bin;
weil von mir und meinem Mann,
ein Teil noch weiterleben kann,
in 'n Kindern - und Kindskindern - die uns entsprängen,
falls UNS vorneweg zwei, drei Babys gelängen -
oder zumindest doch wenigstens EINES.
Wenn's einmal bald klappte, das wär' schon was Feines.

© Freya Glücksweg

Der (kleine) Schatz im Kugelbauch: Vom Kinderwunsch bis zur Klinikentlassung - Ein locker-flockiges Erlebnisgedicht über das Abenteuer des Mutterwerdens - illustriert durch 31 Farbfotos

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.02.2012 10:20:47 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.02.2012 10:22:16 GMT+01:00
Tante Li meint:
Liebe Angelika Maihofer,

Ihr Gedicht ist schon wirklich gut gelungen. Das einzige was ich vielleicht daran verändern würde wäre der Reim im ersten Vers damit der zweite und fünfte Satz die selbe Endung bekäme (z.B. Regen statt Nebel - damit es sich auf Augen reimt).
Freilich habe ich selber nur wenig Erfahrung mit dem Dichten (obwohl ich es auch schon versucht habe).

Um Bekanntheit zu erlangen, muss man heute ja nicht mehr unbedingt mit seiner Schüchternheit in die Öffentlichkeit. Über das Internet geht ja da so Manches. Ein Vorschlag wäre Ihre Gedichte per E-mail-Anfrage Zeitungen, Zeitschriften und Kalenderverlagen anzubieten. Da werden doch immer hübsche kleine Texte gesucht. Oder gestalten Sie einen eigenen Kalender und bieten ihn an. Sicher finden sich passende Bilder zu Ihren Gedichten.

Viel Glück!

Liebe Grüße
Li
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Jüngster Beitrag:  04.02.2012

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