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Bob Dylan


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1-25 von 78 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.07.2009 19:53:19 GMT+02:00
cody meint:
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Veröffentlicht am 26.07.2009 20:27:03 GMT+02:00
Fern Laures meint:
Größter Poet kann ich nicht beurteilen; lese keine Songtexte. Was Lyrik betrifft optiere ich ohnehin für Vladimir Majakowski.
Größter Musiker mit Sicherheit nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 20:56:48 GMT+02:00
Eddi S meint:
So, du bist 15 und hälst sein 2. Album für das beste aller Zeiten. Meinst du das beste Album von Dylan, oder allgemein? Seine Texte sind oft auch sehr schwierig, habe so ein Buch mit lauter Songtexten von ihm. Ok, alle habe ich sie nicht gelesen, aber einige waren schon dabei wo ich nicht wirklich wusste auf was er hinaus will.
Ich bin nicht wirklich Dylan Fan, aber einzigartig ist er schon auf seine Weise. Er hat einen sehr eigenwilligen Stil und auch seine Stimme hat etwas (allerdings nicht unter gesanglichen Aspekten gesehen). Sein letztes Album finde ich auch nicht schlecht. Der größte Musiker aller Zeiten? Kennst du den alle Musiker und ihre Alben seit, ja sagen wir mal rund 1965. Welche Alben gibt es von Leonard Cohen, Peter Paul and Mary, Johnny Cash, Pink Floyd, um nur mal so queer Beet zu gehen. Er ist sicher mit einer der ganz Großen und der Größte ganz sicher nicht, den gibt es nämlich nicht. Was dem einen sein Michael Jackson ist dem anderen sein Jimmy Hendrix.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 21:20:32 GMT+02:00
BierBorsti meint:
kennst du john wesley harding ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 21:30:49 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.07.2009 23:16:36 GMT+02:00
Andreas Askus meint:
Hmh, wenn schon klug tun, dann bitte richtig : Wladimir Majakowski.
Interessanter Kommentar trotz völliger Ignoranz des Themengebietes Dylan. Wie sagte der Rocker in meinem Seminar? Er hört kein Hiphop, denn das ist Mist. Auf die Frage woher er denn das wisse und das so sagen könnte, weil er hört das ja nicht war unangenehmes Schweigen im Raum. Kleine Anekdote, letzte Woche erlebt, mußte ich gerade dran denken. Aber egal.
Dylan ist einer der wichtigsten lebenden Songwriter mit einem feinen Gespür für Melodien. Auch einige Tote steckt er in die Tasche. Ich kann das sagen. Ich lese manchmal, vor allen Dingen höre ich erstaunlicherweise auch Songtexte.
Für mich ist "Highway 61 Revisited" sein bestes Album.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 22:02:22 GMT+02:00
Off-topic: @Schmerz lass nach: Majakowski ist ja Russe. Je nachdem welche Zeichenübertragung man für "Владимир" anwendet, wird also sein Vorname mit W oder V geschrieben. Die so genannte wissenschaftliche Transliteration ergäbe z.B. einen Vladimir Vladimirovič Majakovskij. Hmm, wenn schon klug tun ... ;-)

@ cody: wenn Du diese Dylan-Begeisterung auch in sieben Jahren noch hast, dann ist er für Dich auch der Größte geblieben, und das mag ja jeder so halten wie er mag. Geht Dein Diskussionspunkt eher in die Richtung Bestätigung/Nichtbestätigung Deiner Meinung durch andere oder in die Richtung: wen gäbe es denn da noch oder Beifall für das frühe Dylanhören oder in noch eine andere Richtung?

Veröffentlicht am 26.07.2009 22:17:39 GMT+02:00
Eddi S meint:
Ich mag Dylan, habe ihn immer gemocht. Seine Stimme - seine Art, nur ehrlich gesagt habe ich mir über seine Texte nie soviele Gedanken gemacht. Was ich verstanden habe ok, was nicht - auch ok. Ich liebte "Like a rolling stone", "I want you", "Gates of eden" usw, dann auch wieder "Peggy day", oder "Lay lady lay" usw. Über seine intelektuelle Seite habe ich mir nie so große Gedanken gemacht, sorry. Auch sein Slow Train's coming Album fand ich gut, die Gitarre von Knopfler auf einer Dylan Platte ist ja auch mal was anderes.Ich kenne allerdings jetzt echt nicht alles von ihm. Sein Neuestes gefällt mir ganz gut. Habe ihn einmal "Live" gesehen, das war sehr schlecht - er hat nur genuschelt, kaum das man auch nur einmal sein Gesicht gesehen hätte. Aus diesem Grund bin ich nicht in das Konzert 2001 zu seinem Album "Love and Theft", das ich auch gut fand. m nächsten Tag las ich das Konzert wäre absolute Spitze gewesen, da habe ich mich wieder geärgert. So ist das mit Dylan, er ist eben Dylan - nicht mehr und nicht weniger und das ist auch genug finde ich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 23:15:56 GMT+02:00
Andreas Askus meint:
@Serenus Zeitblom (Cooler Nick, übrigends)

Tja, was soll ich sagen? Ich hab hier einen Sammelband "Russische Dichtung des 20. Jahrhunderts", die Biographie von Nyota Thun und ein zerfledertes Reclam-Heft. Alle schreiben "Wladimir". Mir ist auch keine andere Schreibweise als diese auf deutschen Ausgaben bekannt.
Aber trotzdem danke für deinen Hinweis. Im Grunde ist so ein "Schreibfehler" irrelevant, vielleicht ist mir ja auch relativ egal wie man den Namen übersetzt. :-)

Veröffentlicht am 26.07.2009 23:34:29 GMT+02:00
cody meint:
Ok tut mir leid das durch meine Ausdrucksweise einige Missverstände entstanden sind mit der beste Poet und Musiker aller Zeiten meine ich das er das für mich ist genau das selbe gilt für sein 2tes album ich selber habe nicht jedes von Dylan gehört, allerdings habe ich ziemlich viel von ihm gehört, sodass ich denke das ich mir dazu eine Meinung bilden kann. Die Alben Highway 61 und John Wesley Harding finde ich allerdings auch sehr gut.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 23:50:51 GMT+02:00
Etheriel meint:
dylans größter erfolg war leonard cohen dazu zu beeinflussen musik zum machen, der wiederum ist zumindest der bessere poet von den beiden...
und was den musiker dylan angeht, da maße ich mir lieber kein urteil an. er ist immer mal wieder nett zu hören. aber warum du dein alter dazu postest wäre interessant zu erfahren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 01:19:35 GMT+02:00
cody meint:
einfach aus dem grund weil ich es erschreckend finde wie viele meinen alters dylan nicht kennen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 07:52:22 GMT+02:00
Eddi S meint:
Ich mag Dylan, aber ich mag Leonard Cohen unterm Strich mehr. Das Dylan Leo dazu beeinflusst hat Musik zu machen wußte ich nicht, finde ich aber sehr interessant. Danke für die Info :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 08:10:07 GMT+02:00
Eddi S meint:
Hi cody,
was glaubst du wie viele deines Alters noch andere Künstler nicht kennen, oder sogar bewusst ignorieren obwohl viele dieser Künstler die Pioniere dessen waren, was heute so gehört wird.
Auf der anderen Seite denke ich, kann nicht jeder alles kennen oder mögen. Das du mit 15 Bob Dylan verehrst, noch dazu die älteren Platten bevorzugst (so hört es sich jedenfalls an), dürfte eher die Ausnahme sein. Eine sehr schöne Ausnahme wie ich finde. Bob Dylan hat übrigens Johnny Cash sehr verehrt und Cash mochte Dylan. Die beiden hatten auch mal eine Session in Nashville, worauf Cash sich sagen lassen musste: "Das der sich mit diesem Dylan abgibt". Was Cash wiederum am Ars...... vorbei ging, wie so vieles andere auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 09:50:35 GMT+02:00
Sascha meint:
Musikalisch fand ich den in seiner Folkzeit eher uninteressant.
Ob der als Musiker so unterschätzt ist wie z.B. Ringo bei den Beatles, vermag ich nicht zu beurteilen.
Seine Stimme ist mein Geschmack.
Texte klasse.
Hab bisher nur "Pat Garrett", "Desire" (wegen "Hurricane", mein Lieblingsstück bisher, äh, zumindest vom Ineinandergreifen von Musik und Text) und "Blood on the tracks".
Als Typ find ich ihn sehr interessant (Hab vor kurzem den Spitzen-Dokumentarfilm "Don´t look back" gesehen, den ich ziemlich spannend fand. Dann lief bei mir noch diese sehr sorgfältige 3-4-Stunden-Biographie [Titel vergessen], die mich weiter neugierig gemacht hat. Mal sehen, ob ich demnächst, ähnlich wie Big Steffen, zu ihm konvertiere...).

Ansonsten schäme ich mich: Nicht mal "Blonde on Blonde" hab ich bisher gehört...böse Lücken im Plattenschrank des selbsternannten und sich selbst völlig überschätzenden Universalsuperauskenners tun sich da auf...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 10:16:57 GMT+02:00
Eddi S meint:
Kleiner Trost, man kann doch nun wirklich nicht von jedem alles haben oder kennen. Wenn man sich dann plötzlich für jemanden sehr interessiert, erledigt sich das von selbst.
Ich weiß nicht ob Ringo unterschätzt wurde, er war sicher ein toller Schlagzeuger - dessen Stil Nachfolger fand.
Ob Dylan ein guter Gitarrist ist, wage ich zu bezweifeln. Als Musiker, Künstler und Komponist wird Dylan sicher nicht unterschätzt, er ist ja eine Legende obwohl er noch lebt. Auch Ringo ist für viele eine Legende, ich denke aber nicht als Musiker sondern eher als Drummer der Beatles halt einfach.

Veröffentlicht am 27.07.2009 11:58:54 GMT+02:00
pangold meint:
ob er der größte musiker aller zeiten ist, muss wohl jeder, der mit seinem gesamtwerk vertraut ist, für sich selbst ausmachen. aber seine nun bald 50-jährige schaffenszeit und seine unzähligen veröffentlichungen auf einem fast doch ausschließlich hohem niveau, sind schon mehr als beeindruckend.
der mann überrascht mich immer wieder (together through life) und ich finde es großartig, daß auch junge menschen so von seiner musik ergriffen sind. ich würde gerne wissen, ob seine konzerte denn wirklich, ähm, so speziell sind? ich bin leider noch nie auf einem gewesen, habe aber schon viele negative meinungen hierzu gehört und gelesen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 12:16:33 GMT+02:00
Eddi S meint:
Ich kann da nur für mich sprechen, habe aber auch schon öfters negatives gehört, was seine Konzerte betrifft.Er scheint halt echt launisch zu sein und seine Konzerte davon abhängig. Damals, ist ja schon gut 20 Jahre her, war Tom Petty im Vorprogramm und er war auch Dylans Begleitband. Ebenso Roger McQuin von den Byrds. Sowohl als ob waren sie beide besser wie Dylan an dem Tag. Dylan hat so genuschelt das man nicht einmal den Text von Blowing in the Wind nachvollziehen konnte. Er hat kein einziges Wort gesprochen und sein Kopf war Nähe Gitarre fast unter so einem Umhang, den er trug, verschwunden. Andere Konzerte von ihm hatten wieder ganz tolle Kritiken. Ich würde sagen es ist bei ihm eben ein wenig Lotteriespiel, man weiß nie so genau was auf einen zukommt.

Veröffentlicht am 27.07.2009 19:17:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.07.2009 19:40:34 GMT+02:00
Fern Laures meint:
@Schmerz:
nach Überprüfung: Duden, Harenberg sowie Reclam jeweils W, wobei Reclam allerdings noch ein j an den Nachnamen hängt. Liegt wohl an der Mehrsprachigkeit; im Französischen schreibt man ihn mit V.
Empfehle die Wirbelsäulenflöte: zeitlose Thematik und sprachlich immer noch direkt verständlich.

@cody
Ich wette, es gibt noch viel mehr Kids in deinem Alter die nicht wissen wer Thomas Dolby ist, als solche die nicht wissen wer Bob Dylan ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 20:42:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.08.2009 19:35:36 GMT+02:00
Steffen Frahm meint:
Ich hab dieses Jahr mit Dylan angefangen und bin 25 Jahre älter als cody. Es scheint nie zu spät zu sein, sich um Dylan zu kümmern, und nachdem ich, seit ich 5-6 Jahre älter als cody war, Neil-Young-Verehrer gewesen bin, erscheint es mir nicht abwegig, allmählich auch mal an Dylan heranzutreten. Im Sich-Entziehen, im Korrumpieren von Erwartungshaltungen, in einer teilverklärten, legendären Unantastbarkeit und darin, irgendwie komische, verwegene Schrate zu sein, nehmen sich diese beiden Männer ja gar nicht so viel. Ich hab sie sogar mal zusammen gesehen: 1998, auf der Alsterdorfer Trabrennbahn, Neil Young mit Crazy Horse und Bob Dylan als Vorprogramm, wenn man das so sagen kann. Leider behandelte ich Dylan wie Luft; mit all der Ignoranz, die man aufzubringen imstande ist, wenn man Neil Young liebt und Dylan einem egal ist - ich kann mich nur daran erinnern, daß er einen rosa Anzug trug. Neil Young spielte später eine irgendwie doofe elektrische Version von "Pocahontas" und sang in der letzten Strophe einmal statt "Marlon Brando, Pocahontas and me" "BOB DYLAN, Pocahontas and me" und grinste dazu sein schratiges Neil-Young-Grinsen.

Bob Dylan. Das Letzte, was ich in dieser Hinsicht unternommen habe, war, "No Direction Home", Martin Scorsese's 2005er Film-Bio mit Überlänge, mehr oder weniger in einem Rutsch aufzusaugen (Sascha, die meintest Du sicher...). Beste Künstlerbiographie die ich je gesehen habe. War aber auch 'ne Runde Sache, was den selbstgewählten Ausbildungsweg anging, denn die erste Hälfte dieses Jahres habe ich damit verbracht, mir seinen Sixties-Output mehr oder weniger komplett zu kaufen. Jetzt müßte ich eigentlich bereit für "I'm Not There" sein.

Das Faszinierende am Dylan der 60er Jahre ist für mich (und ich vermute, daß das ca. 9,5 Millionen Menschen vor mir auch schon ziemlich faszinierend gefunden haben.), wie er es hinbekommen hat, ETWAS AUSZUSAGEN (wie platt das klingt, gerade bei jemandem wie Dylan) und trotzdem UNABHÄNGIG ZU BLEIBEN (soweit ich das beurteilen kann). Denn die Konsequenz seiner inhaltlichen Relevanz war ja, daß ihn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Menschheit für sowas Ähnliches wie Jesus gehalten hat und daß es unzählige Vereinnahmungsversuche gab, sei es durch die politische Linke Amerikas, sei es durch den fundamentalistischen Flügel der Folk-Szene. Aber Dylan scheint dem standgehalten zu haben, indem er sich immer rechtzeitig verpi*ste und doch präsent blieb. Joan Baez sagt das an einer Stelle des Films ja auch, jedenfalls sinngemäß, daß er schon auf der Seite der Underdogs war aber letztlich gemacht hat, was er wollte und sich nicht zum Fahnen-Heini hat dressieren und zurechtloben lassen. Und das mit um und bei 20. So reif und clever muß man erstmal sein, und in dieser Hinsicht scheint mir Dylan absolut außergewöhnliche Qualitäten gehabt zu haben. Ich habe noch nie so was gesehen wie die zutiefst verletzten, massiven Abwertungen des englischen Konzertpublikums, das beinah traumatisiert war davon, daß Dylan MIT EINER ELEKTRISCHEN BAND auftrat, nachdem er im akustischen Teil des Konzertes auch schon eher die Boy-Girl-Lieder geschrummelt und genöhlt und dazu geduldstrapazierend auf seiner Harp rumgehupt hatte. Insofern ist der Film natürlich auch ein erstaunliches Zeitdokument über die relative Einfachheit des Rockstar-Daseins vor 40 Jahren. Irgendwo sagt das auch einer, daß es damals eben alles ein bißchen unkomplizierter war. Man brauchte sozusagen nur ein Folk-Idol zu sein und sich, ohne Bescheid zu sagen, eine Stratocaster umzuhängen, und schon war man Satan und Judas in einem. Da kräht heute kein Hahn nach, aber es wäre natürlich Quatsch, zu behaupten, daß Dylans Verdienste deswegen retrospektiv weniger wert sind. Ob es nun das intuitive Gerumpel auf "Bringing It All Back Home" ist oder das teil-elaborierte und reichlich über-instrumentierte Gerumpel auf der "Hard Rain" (einer nicht so berühmten Live-Platte mit Material von der 2. "Rolling Thunder Revue") ist: Der elektrische Dylan hat ganz sicher mit die schönste amerikanische Rock-Musik gemacht, die es bis dahin gab und wohl auch geben wird.

Er hat beim "March on Washington for Jobs and Freedom" am 28. August 1963 "Only A Pawn In Their Game" und ein paar andere Songs gesungen. Er war im Vorprogramm von Martin Luther King, könnte man sagen. Er war 22. Was für eine Karriere, was für eine Position, was für eine Bedeutung! Andere sind reihenweise an weniger zerbrochen. Der Vergleich mit Cobain und seiner Schrotflinten-Aktion mag nicht statthaft sein, aber sowas hätte Dylan anscheinend nicht passieren können, und das verdient Respekt und nochmal Respekt. Was für eine Persönlichkeit, schon in so jungen Jahren. Das ist beneidenswert; zumal, wenn man bedenkt, wie alle Welt an ihm gezerrt hat und ihn knacken wollte. Bester Moment des Films in dieser Hinsicht ist die Stelle, wo ihn (auf einem ersten Höhepunkt seines Ruhms, also zu einem Zeitpunkt, wo Hans & Franz auf einen angesetzt werden, siehe Beatles und andere Beispiele) eine offenbar ziemlich ahnungslose Interviewerin fragt, ob er mit seinen Songs "...etwas aussagen..." wolle - und er antwortet staubtrocken: "No."
Wenn man einen solchen Chamäleon-Panzer braucht, um zu überleben, dann wird der Chamäleon-Panzer irgendwann Teil der Persönlichkeit. Vielleicht rührt daher diese gewisse Unberechenbarkeit, die einen manchmal fragen läßt, wieso man eigentlich soviel Schotter für eine Schei*-Bob-Dylan-Konzertkarte ausgegeben hat.

"Ich spiel Gitarre wie Bob Dylan" - Das ist'n Satz, den man sagen kann und der bei einem weniger informierten Publikum möglicherweise Eindruck schindet, weil jeder Bob Dylan kennt. Wer sagt, daß er Bob Dylan für einen schlechten Musiker hält, verkennt, daß es bei Dylan um begnadetes Musikertum ja nie ging. Es ist jedermanns Recht, das zu übersehen oder zu ignorieren, aber 'ne dolle Erkenntnis ist es eben auch nicht. Bei Dylan geht es um AUSDRUCK, um HALTUNG, meinetwegen um INHALTE - aber nicht um gestimmte Gitarren und Atemtechnik. Insofern müßten Punks ihn lieben, aber die halten ihn wahrscheinlich alle für einen Hippie (außer Marcy Stooge). Dylan ist ein Künstler, und die brauchen nicht doll Gitarre spielen zu können.
Bin im übrigen nie so der Text-Exeget gewesen, fange aber zunehmend an, mich für Dylan-Lyrics zu interessieren. Ich würde gern wissen, was er z.B. genau in "It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)" singt - obwohl mir die Art des Vortrages, diese schneidende Schärfe, dieses Wissende und doch nicht Oberschlaue, dieses Prophetische und an 1-2 Stellen Tieftraurige eigentlich schon Message genug sein könnten. Es gibt da ein Standardwerk, kennt jemand den Titel (mit deutschen Übersetzungen!)?
An anderen Stellen scheint mir viel Humor in seinen Songs, in seinen Texten und in seiner Person zu sein. Es gibt zahllose Momente, wo er kurz davor ist, loszugackern oder es sogar tut. Ich hab Dylan immer für eine todernste Angelegenheit gehalten, aber das ist er gar nicht.

Lieblingsplatten: "Highway 61 Revisited", "Blonde On Blonde", "Another Side Of Bob Dylan", die "Bootleg Series", "Bringing It All Back Home" und die "Pat Garrett & Billy The Kid" - mal sehen, was noch kommt.

Veröffentlicht am 27.07.2009 21:30:08 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.07.2009 21:30:58 GMT+02:00
Der Ursel meint:
AUSDRUCK, HALTUNG, INHALTE. "Dylan ist ein Künstler, und die brauchen nicht doll Gitarre spielen zu können."

Da ist Dylan wohl nicht der Einzigste, aber bestimmt einer der Interessantesten.

Ist irgendwie klar das jemand der Neil Young liebt, eigentlich auch Dylan mögen muß. Ich war irritiert als du vor Monaten sagtest du kennst kaum etwas von ihm. Die Zwei sind sich gar nicht unähnlich was die HALTUNG angeht. Ich wollte keins der Gesamtwerke der Beiden missen.

Das "Standardwerk" das du meinst dürfte "Bob Dylan - Lyrics 1962-2001" sein. Alle Originaltexte mit deutschen Übersetzungen.

P.S.: Schöner Text.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 21:38:39 GMT+02:00
Steffen Frahm meint:
Danke für die prompte Antwort, my dear Ursus. Den Riemen werde ich mir also gelegentlich mal bestellen...irgendwie ahnte ich, daß Dein Statement nicht lange auf sich warten lassen würde.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 21:52:55 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.07.2009 21:53:42 GMT+02:00
Der Ursel meint:
Das liegt am Thema und das just in dem Moment, als du deinen epischen Kommentar rausgehauen hast, ich einen Blick hier riskiert habe. :)

Bis denn irgendwann der Wälzer (den ich auch schon seit längerem gelegentlich mal bestellen will) auf deinem Tisch liegt, vielleicht ein Interview was er im Vorfeld der Veröffentlichung des letzten Albums gegeben hat.
Die einzelnen Teile sind ein wenig auseinandergerissen, aber du wirst schon alles finden.
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/472729

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 22:20:49 GMT+02:00
Eddi S meint:
Ich muss jetzt hier einfach einmal eine Bemerkung los werden:
Hut ab und großes Kompliment - und das meine ich wirklich ernst und nicht Dylan bezogen.
Ich habe deinen Beitrag gelesen und dachte ich lese in einem Buch und - hätte weiter lesen können.
Wie schnell du dich in die Materie Dylan eingearbeitet hast, deine Art Dinge auf den Punkt zu bringen, echt - noch einmal Hut ab.
So etwas muss man ja hier auch einmal sagen dürfen, oder?
LG

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 22:34:19 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.07.2009 22:35:52 GMT+02:00
Dizrhythmia meint:
aber immerhin hatte er Al Kooper und Mike Bloomfield (zumindest auf Highway 61, Bringing It All Back Home dabei, hatte zumindest ein Gefühl für gute Musiker. - Auch wenn man über die Qualität von "The Band" streiten kann, auch wenn ich die mag).
die John Wesley Harding find ich auch gut, weiters erwähnen würde ich Blonde on Blonde und Desire.
Und was ich am faszinierendsten finde, das ein Typ der weder gut singen, noch ein wirklich poet ist (übereinstimme das Cohen der bessere ist), es trotzdem schafft, einen des öfteren zu Fesseln.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2009 23:00:00 GMT+02:00
Der Ursel meint:
"noch ein wirklich poet ist (übereinstimme das Cohen der bessere ist)"

Was denn jetzt? Doch ein Poet, aber der schlechtere? Oder doch keiner?

Das mit dem Poeten sehe ich anders. Wenn nicht Dylan, wer dann?
Beide schreiben (oder schrieben im Fall Cohen) hervorragende Texte, musikalisch ist mir wohl Dylan näher. Außerdem ist Cohen doch recht schnell vom Weg abgekommen und hat ihn nie wieder richtig gefunden.

Wenn ich so überlege kommt vor Cohen auch noch Townes Van Zandt.
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