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Berlioz - Lelio


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.10.2009 13:32:28 GMT+02:00
geronimobosch meint:
Hallo Allerseits,

vor einiger Zeit habe ich erfahren, dass es einen, sozusagen, zweiten Teil der Symphonie Fantastique namens "Lelio" geben soll. Aufgebaut soll sie ein wenig anders sein, nämlich in Abwechslung mit gesprochenen und instrumentalen Szenen. Dieser "zweite Teil" scheint allerdings eher eine Rarität zu sein. Selbst hier bei Amazon habe ich nur wenige Aufnahmen gefunden und wenn, dann als Zugabe zur Symphony Fantastique. Ist sie also dementsprechend kürzer, oder wurden nur Ausschnitte gewählt? Kennt jemand diese Symphony und kann sie es mit dem Vorgänger aufnehmen? Freue mich auf Antworten. Danke im Voraus.

Grüße
geronimobosch

Veröffentlicht am 15.10.2009 15:31:38 GMT+02:00
Hallo,
Lelio wurde im November 1832 uraufgeführt. Das Werk beinhaltet insgesamt 13 Nummern und hat eine Gesamtspieldauer von ca. 50 Minuten und ist komponiert für Tenor, Bariton, Chor und Orchester:

1. Monolog
2. I. Le Pecheur
3. Monolog
4. II. Choer de ombres
5. Monolog
6. III. Chanson des brigands
7. Monolog
8. IV. Chant de bonheur
9. Monolog
10. V. La harpe eolienne
11. Monolog
12. VI. Fantasie sure la tempete de Shakespeare
13. Finaler Monolog

Dieses Werk ist die Fortsetzung der Symphonie Fantastique, die ja damit endet, dass der junge Musiker im Opiumrausch träumt, er habe seine Geliebte umgebracht und er wird zum Richtplatz geführt und nach seiner Hinrichtung wird er Zeuge einer wilden Walpurgisnacht-Orgie.
Das Werk setzt ein als Lelio, der Musiker in der Symphonie Fantastique, nach seinem Opiumrausch erwacht. Der Wahnsinn dieses Rausches steckt ihm noch in den Knochen und gleichzeitig erkennt er, dass das Schicksal ihn immer noch an das Leben fesselt. Er erinnerst sich an vergangene Zeiten als er für seinen Freund Horatio das Klavierlied der Fischer, Nr. I, komponierte. Die Sirene, die den Fischer in die Tiefe zieht, erscheint dem Musiker als Vorahnung des Leidens, dass die eigene ungetreue Geliebte ihm bereitet hat.
Lelio versinkt in einen Monolog in dem es um künstlerische Selbstfindung und Weltschmerz geht. Hamlet kommt ihm in den Sinn und in seiner Einbildungskraft erklingt im vollen Orchesterklang der Chor der Geister aus der Beschwörungsszene, Nr. II. Nach dem der Chor verklungen ist, rechnet Lelio mit den Kritikern und sonstigen Feinden der Kunst ab. Er will fort aus dieser "Gesellschaft, die schlimmer ist als die Hölle" und träumt von einem Leben als räubernder Brigant in den Abruzzen, Nr. III. Erneut erscheint Lelio das Bild der Geliebten und er besingt das zukünftige Glück, wenn sie in seinen Armen ruhen wird, Nr. IV.
Der gemeinsame Liebestod ist für ihn die höchste Erfüllung. Unter den Klängen der Äolsharfe, Nr. V, erinnert er sich, dass der Tod sich ihm verweigert hat und dass er zu leben gezwungen ist.
Er beschwört die Geister aus Shakespeares "Sturm" und auf einmal verwandelt sich die leere Bühne in den Bühnenraum eines Theaters. Chor und Orchester werden sichtbar und führen Lelios/Berlioz' Fantasie über Shakespeares "Der Sturm", Nr. VI, auf. Der Vorhang fällt und Lelio will tatkräftig sein neues Leben in die Hand nehmen. Allerdings erklingt in dem Moment leise die Idee fixe aus der Symphonie fantastique und damit droht die Vergangenheit wieder. Lelio stöhnt: "Nochmals ! Nochmals - und für immer !"

Zum Werk:
Die Idee, die Geschichte der Symphonie fantastique fortzusetzen, kam Berlioz während eines Aufenthalts in Rom im Sommer 1831. Kurz vor seiner Abreise hatte er sich in eine junge Dame names Camille Moke verliebt aber kaum in Rom angetroffen, erfuhr Berlioz, dass sie sich anderweitig liiert hatte. Berlioz hatte einen theatralischen Racheplan im Kopf, er wollte Mutter, Tochter und Bräutigam erschiessen, und er machte sich wieder nach Paris auf. In Nizza kam er aber wieder zur Vernunft und beschloss, seiner Liebe nunmehr der Kunst zu opfern. Die Rückkehr nach Rom, die Rückkehr zur Kunst, war eine "Rückkehr ins Leben".

Den Text entwarf Berlioz innerhalb weniger Tage und mit der Musik hatte er es sehr einfach, denn er "plünderte" in früheren Kompositionen. Der Gesang vom Glück, Nr. IV, und die Äolsharfe, Nr. V, stammen aus der Kantate "La Mort d'Orphee" mit der Berlioz sich 1827 für den "Prix de Rome" bewarb. Der Chor der Geister, Nr. II, ist der Kantate "La Mort de Cleopatre" von 1829 entnommen. Die Shakespeare-Fantasie, Nr. VI, hatte Berlioz schon 1830 in Paris zur Aufführung gebracht.
Berlioz schätzte Lelio mehr als die Symphonie fantastique, weil in dem Monodram die Unterwerfung des symphonischen unter das poetische Prinzip konsequenter durchgeführt war. Das Werk konnte sich aber nie im Konzertrepertoire durchsetzen. Die erste gemeinsame Aufführung von Symphonie fantastique zusammen mit Lelio fand erst 1855 in Weimar unter der Leitung von Franz Liszt statt.

Es gibt auch nur wenige Gesamtaufnahmen dieses Werks:
Lelio
http://www.amazon.de/Symph-Fant-Lelio-Tristia-Lambert-Wilson/dp/samples/B00005N56S/ref=dp_tracks_all_1#disc_2

Veröffentlicht am 16.10.2009 12:27:41 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.10.2009 14:50:47 GMT+02:00
Hallo Geronimobosch,
Das Stück geht vielleicht 40 Minuten - und ist ganz lustig, wenn auch schön Berliozmäßig chaotisch und formal unausgeglichen. Ich denke die beste Aufnahme ist die von Pierre Boulez, Shirley-Quirk und LSO. Viel Spaß.
Alles Gute,
C.J.

Veröffentlicht am 23.10.2012 21:13:56 GMT+02:00
Matthias meint:
Nur ein kleiner Nachtrag: Außer Tenor und Bariton ist im "Lelio" auch ein Sprecher vorgesehen.
In der erwähnten Aufnahme von Boulez spricht Jean-Louis Barrault die Texte sehr schön ausgweogen
zwischen Dramatik und Besinnung.
Gruß von Givago

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2012 22:28:33 GMT+02:00
gemihaus meint:
@ christ.jarrett
hi-chris - back in town-?
schön, dass sie wieder da sind nach langer zeit - hoffe, es geht ihnen und ihrer musik gut.
schöne grüsse aus b. gemi.
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Beiträge insgesamt:  5
Erster Beitrag:  15.10.2009
Jüngster Beitrag:  24.10.2012

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