Ein Großteil der "ernsten" Musik, die im 20. Jahrhundert komponiert wurde, klingt auf die meisten Zuhörer dissonant und unstimmig, im besten Falle auch einfach nur ungewöhnt. Atonalität, Dodekaphonie, Serialismus etc. sind - sogar unter den eingeschworenen Klassikhörern - nur sehr wenig akzeptiert. Die meisten Menschen können damit nichts anfangen, trauen sich (so meine Vermutung) jedoch selten, ihre Ablehnung offen zuzugeben, reden sich stattdessen lieber mit freundlich klingenden Aussagen wie "ich habe halt noch keinen Zugang dazu" aus der Sache heraus. Moderne Klassik - eine Musik von Professoren für Professoren? (Nachträgliche Anmerkung: Das ist, wohlgemerkt, eine Frage, keine Behauptung!)
Ich allerdings habe das Gefühl (und ein Gefühl ist noch kein Urteil!), solche für das "normale" Ohr kaum hörbare, geschweige denn genießbare Musik ist in erster Linie dazu da, den "elitären" Charakter ihrer Komponisten, Interpreten und Zuhörer hervorzuheben: Man findet diese Musik zwar eigentlich auch besch...euert, kann sich aber rühmen, durch sie einem elitären Zirkel - der, wohlgemerkt, größtenteils von der Allgemeinheit finanziert wird - anzugehören.
Vor noch nicht allzu langer Zeit wurden zeitgenössische Komponisten, die NICHT etwa im Boulez-Stil komponierten, von den selbsternannten Avantgardisten belächelt, wenn nicht gar gemobbt. Inzwischen scheinen sich allerdings viele moderne Komponisten von diesem "Zwang zur Hässlichkeit" zu emanzipieren und durchaus wieder Tonales und Harmonisches in ihrer Musik zuzulassen - natürlich ohne gänzlich auf Elemente der atonalen oder seriellen Musik zu verzichten. (Beispiel: Der "gefallene" Avantgardist Henryk Górecki mit seiner dritten Sinfonie, die prompt sogar ein Charthit wurde.)
Was meint ihr: Wird man in Zukunft die Werke von Komponisten wie Schönberg und Boulez genauso genießen können wie heute die Werke von Bach oder Beethoven? Oder wird deren Musik eher nur Epoche bleiben? (Nachträgliche Anmerkung: Ich meine die Frage nicht im Sinne von Musik "verstehen". Ich bezweifle ehrlich, dass die meisten, die Bach oder Beethoven mögen, diese Musik auch tatsächlich "verstehen". Man muss ein Werk nicht "verstehen", um es zu mögen - und umgekehrt.)
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