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empfehlenswerte Gesamtaufnahmen der Sibelius-Symphonien


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1-25 von 61 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.02.2009 15:42:17 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.02.2009 00:10:59 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo,

zur Zeit bin ich auf der Suche nach einer gelungenen Einspielung aller Symphonien von Jean Sibelius. Angesichts des recht umfangreichen und vielfältigen Angebots (Ashkenazy, Barbirolli, Berglund, Bernstein, C. Davis, N. Järvi, Kamu/Karajan, Maazel, Rattle, Sanderling, Segerstam und einige mehr) kann ich mich momentan nicht so richtig für eine Gesamtaufnahme entscheiden.
Welche Einspielungen favorisieren Sie?

Falstaff

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 16:20:19 GMT+01:00
IP meint:
So wie sie aufgelistet sind, würde ich den Sanderling wählen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 16:56:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.02.2009 18:21:18 GMT+01:00
Hallo Falstaff,

da kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen: Leif Segerstam mit dem famosen Danish National RSO.
Segerstam ist ein wahrer Kenner von Sibelius' Musik. Seine Interpretationen haben Tiefe, Gefühl und große Reife. Zumal klingen die CHANDOS-Aufnahmen auch noch super.
Und: Diese GA gibt es mittlerweile bei BRILLIANT zu einem Spottpreis!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 16:58:43 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.02.2009 16:59:24 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo IP!
Was schätzen Sie an Sanderlings Einspielung? Kann sich das (Ost-)Berliner Sinfonie-Orchester gegenüber der berühmteren Konkurrenz aus West-Berlin, Wien, Boston, New York oder London behaupten?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 17:05:59 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Gumpert,

enthält denn die BRILLIANT-Box ein vernünftiges Booklet? Segerstams zweite Gesamtaufnahme mit dem Helsinki Philharmonic Orchestra für ONDINE hat ja überwiegend gute Kritiken bekommen. Kennen Sie diese Einspielungen auch?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 20:32:07 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.02.2009 20:32:21 GMT+01:00
IP meint:
Die erste Aufnahme von Segerstam ist eher lethargisch, die zweite dagegen eher hysterisch. Die Ost-West Frage lasse ich unbehandelt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 20:37:43 GMT+01:00
haydnfan meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 21:28:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.02.2009 22:49:02 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo haydnfan,

Ich wollte hier keine Ost-West-Diskussion vom Zaun brechen und auch nicht die ostdeutschen bzw. osteuropäischen Orchester gegenüber denen aus "dem Westen" abwerten. Dazu besteht auch überhaupt kein Grund angesichts der Qualität von Orchestern wie der Staatskapelle Dresden, dem Gewandhausorchester Leipzig, der vormaligen Leningrader Philharmonie oder auch der Tschechischen Philharmonie. Das Berliner Sinfonie-Orchester ist aber kein altehrwürdiger Klangkörper, sondern eine Neugründung aus DDR-Zeiten. Da ich nun schon in mehreren Rezensionen von Sanderling-Einspielungen kritische Töne über die Leistung dieses Orchesters gelesen habe, wollte ich einfach mal nachhaken. Interessant, dass Sie gerade die Ehrlingaufnahme, also die allererste Gesamteinspielung der Sibelius-Symphonien, erwähnen. Wie historisch klingen denn diese alten Aufnahmen?

PS: Ich komme aus dem wilden Westen Preußens aka Westfalen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 09:31:06 GMT+01:00
Jede Gesamtaufnahme besitzt ihre persönlichen Eigenarten - und bleibt letztlich doch für Jeden auch eine persönliche Geschmacksfrage. So birgt jede Gesamtaufnahme großartig gelungene und weniger überzeugende Interpretationen einzelner Sinfonien, und niemand dürfte in der Lage sein, darüber völlig wertfrei und neutral zu urteilen. Inzwischen stehen in meinem CD-Schrank 6 Gesamtaufnahmen, die ich alle sehr schätze und für bedeutsam halte, die da wären:

Maazel - Wiener Philharmoniker
Ashkenazy - Philharmonia Orchestra
Sanderling - Berliner SO
Blomstedt - SFSO
Segerstam - Helsinki SO
Berglund - COoE

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 09:49:56 GMT+01:00
Hallo Falstaff,

neben den bisher genannten, jeweils unter unterschiedlichen Gesichtspunkten interessanten Einspielungen möchte ich noch auf die folgende Aufnahme aufmerksam machen.

Interessant durch den insgesamt dunklen, bisweilen düsteren und oft unerwartet unspektakulären Ansatz ist die Einspielung der Sinfonien durch Bernstein und das NPO aus den 60er Jahren, die heutzutage irgendwie aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden ist.

Sie ist in der Serie Columbia Legends bei Sony erschienen. Ich persönlich finde hier besonders erfreulich die Darstellung der Ersten (nicht ganz so gewalttätig wie bei Karajan) und der vielgeschmähten, "klassizistischen" Dritten. Bei der Vierten bleibt Bernstein etwas hinter der Tiefe der frühen Karajan-Einspielung (Philharmonia Orchestra) - die Sibelius selbst ausgesprochen hoch einschätzte (vgl. seine Äußerungen gegenüber Walter Legge) - zurück. Aber das ist kein Manko, zumal das auf fast alle mir bekanten Einspielungen zutrifft. Alles in allem erlebt man jedoch eine durchaus solide, inspiererte Darstellung.
Das Booklet ist ordentlich, der ausfühliche Begleittext auf Englisch und Französisch.
Beste Grüße
W.R.
P.S. Ich hatte schon vor längerer Zeit eine Sibelius-Diskussion in diesem Forum angefangen. Schauen Sie doch auch dort noch einmal nach. Es gab eine Reihe hilfreicher Einträge.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 14:56:30 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2009 15:16:11 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Brocksieper,

ich würde mich freuen, wenn Sie noch etwas ausführlicher auf die Gesamtaufnahmen aus ihrem Besitz eingehen könnten. Was ist das Charakteristische der jeweiligen Einspielung? Wo liegen jeweils die Stärken und Schwächen? Können/wollen Sie mir vielleicht die Frage nach der Qualität des Berliner Sinfonie-Orchesters beantworten?
Den Ashkenazy-Zyklus kenne ich: solide, aber nicht wirklich mitreißend. Von Berglund kenne ich die Tapiola-Einspielung aus Helsinki (EMI). Die ist für meinen Geschmack zu nüchtern, leidenschaftslos. Außerdem gefällt mir das schnelle Tempo nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 15:15:00 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.11.2010 23:51:48 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Rittmeier,

vielen Dank für den Hinweis auf Ihre Sibelius-Diskussion, die ich wohl übersehen hatte.
Aus dem Bernstein-Zyklus kenne ich die Erste und die Siebte. Beide Einspielungen gefallen mir sehr gut. Mithilfe diverser Hörproben habe ich mittlerweile auch noch in die anderen Symphonien reingehört. Die Interpretation der Zweiten scheint sehr mitreißend zu sein. Der amerikanische Kritiker David Hurwitz nennt diese Einspielung "exciting as hell". Bei der Vierten gefällt mir, dass Bernstein im Finale Röhrenglocken anstelle des üblichen Glockenspiels verwendet. Blomstedt macht das übrigens auch.
Enthält das Booklet der Sony-Box auch den Text von Luonnotar?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 15:58:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2009 20:36:41 GMT+01:00
IP meint:
Sowohl Sanderling wie auch Bernstein machen einen "klassizistischen" Sibelius -- Sanderling eher nach Brahms, Bernstein eher nach Tchaikovsky. Beide liegen mir sehr gut. Für den eisigkalten Sibelius würde ich dann zu Karajan gehen, der kann mindestens einen Klangideal umsetzen und Musik über langen Strecken und langsameren Tempi modellieren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 18:06:34 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2009 18:08:19 GMT+01:00
Hallo Falstaff,

sie wissen es ja offensichtlich schon selbst: die Bernsteinsche Einspielung ist durchaus hörenswert. Ich habe noch einmal schnell nachgeschaut, bin jedoch desillusioniert worden, denn: der Luonnotar-Text ist im Booklet nicht enthalten.

Je nachdem wie flüssig Ihr Finnisch so ist ;) würde ich es einmal hier versuchen: http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=16842

Ansonsten können Sie den Text mit englischer Übersetzung im Booklet der EInspielung von allerlei Tondichtungen (und eben auch der Luonnotar) mit dem (übrigens exquisit musizierenden) Bournemouth Symphony Orchestra unter Berglund (EMI) finden.

Zur Interpretation der Zweiten durch Bernstein: "Exciting" indeed, but not the top.
Hier bleibe ich - die eingefleischten Hasser mögen es mir verzeihen - besonders wegen des Kopfsatzes bei der Karajan-Einspielung als persönlichem non plus ultra. Ich glaube, niemand hat das Federn der einleitenden Streicherakkorde besser hinbekommen. Das begeistert mich immer wieder so, das ich die ersten paar Takte ein paarmal nacheinander höre. Einfach fantastisch.

Grüße
W.R.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 19:57:24 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo IP,

Sanderlings Einspielung der Brahms-Symphonien mit der Staatskapelle Dresden schätze ich sehr. Von daher stehe ich einer brahmsischen Sibeliusinterpretation durch diesen Dirigent schon einmal positiv gegenüber. Sanderlings Sibelius kann ich leider nur anhand von Hörproben beurteilen und bis jetzt ist mein Eindruck sehr positiv. In die von Herrn Gumpert empfohlene erste Segerstam-Einspielung habe ich auch reingehört. Wenn die verfügbaren Hörproben repräsentativ sind, dann ist Ihre Charakterisierung als "eher lethargisch" durchaus zutreffend.
Welche Karajanaufnahmen bringen denn den eisigkalten Sibelius am besten rüber? Karajan hat ja einige der Symphonien und bestimmte Tondichtungen, beispielsweise "Tapiola", bis zu dreimal eingespielt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 20:28:52 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2009 20:29:42 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Rittmeier,

mein Finnisch ist leider ist allzu flüssig :-) Ich habe mittlerweile allerdings festgestellt, dass ich doch schon eine Einspielung von "Luonnotar" besitze, nämlich die mit Karita Mattila und Sakari Oramo. Das Booklet dieser CD enthält alle Gesangstexte mit Übersetzungen. Berglunds Einspielung findet sich ja zweimal im EMI-Katalog: zum einen auf einer Doppel-CD aus der Reihe "Gemini" (früher "Double Forte") und zum anderen auf einer 8-CD-Box, die auch alle Symphonien mit dem Helsinki Philharmonic Orchestra enthält. Welche Ausgabe meinen Sie?
Da ich weder zu den eingefleischten Hassern noch zu den glühenden Anhängern Karajans gehöre, habe ich kein Problem mit Ihrer Vorliebe für Karajans Einspielung der Zweiten. Welche Einspielung meinen Sie aber genau: die frühe mit dem Philharmonia Orchestra oder die späte mit den Berlinern? Oder gibt es noch eine weitere?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 20:34:30 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2009 22:33:37 GMT+01:00
IP meint:
Ja, Tapiola und die Tondichtungen insgesamt waren seine Spezialität. Die Aufnahme auf der EMI Reihe The Great Recordings of the Century ist vielleicht seine beste Sibelius Platte. Von den Symphonien gibt es eine mono Version mit der Philharmonia und 2 Stereos: EMI und DG. Ich habe nicht alles gehört, aber die DG haben mehr die Streicher nach vorne. Geschmackssache

Also zurück zur ursprünglichen Liste: von diesen, die ich einigermassen kenne, würde ich kaufen: Sanderling, Bernstein (CBS), möglicherweise Karajan/Kamu und/oder das preiswerte Berglund auf EMI (mehr oder weiniger seine zweite)

Würde ich nicht kaufen: der späte Bernstein (DG), das erste Segerstam (lethargisch), Barbirolli (fast kitschig), Blomstedt (die Gehörproben klingen überraschend pompös für so einen ernsten Musiker), das dritte Berglund mit dem Chamber Orchestra of Europe (für mein Geschmack zu detailbesessen).

Die zweite Aufnahme von Segerstam (Ondine) ist eigentlich ziemlich interessant und sehr gut aufgenommen (manche würden sagen, sehr digital klingend). Kostet aber viel mehr als die anderen.

Ich selbst bin mit Rozhdestvenskys Aufnahme aufgewachsen (nie auf CD veröffentlicht) -- vielleicht deswegen bin ich nicht so sehr von der Entdeckungen überzeugt, die Segerstam in jedem dritten Takt macht. So viele Orgasmen pro Minute hat nicht einmal Weltmeister Solti geschafft.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 22:09:08 GMT+01:00
Hallo Falstaff,

ich bezog mich in Punkto Berglund/Luonnotar auf die Gemini-Serie. Was die Einspielung der zweiten Symphonie betrifft, so finde ich persönlich die Berliner Aufnahme Karajans sehr gelungen, nicht nur aus interpretatorischen, sondern auch aus tontechnischen Gründen.

Anders ist es mit der Vierten, die mir mit dem Philharmonia Orchestra besser gefällt, da sie - ohnehin schon sehr dunkel - hier ausgesprochen herb und düster, ja ich möchte sagen schroff gezeichnet wird. Die spätere Berliner Einspielung ist da anders. Inwiefern ist jedoch schwer zu beschreiben. Vielleicht kann man sagen, dass die erste Einspielung erdverbundener ist, die spätere indes jenseitiger. Aber das ist mir selbst sogar etwas vage. Sie sehen: Mir zerfallen mit Hofmannsthal an dieser Stelle die Worte wie faulige Pilze im Munde und ich werde noch einmal vergleichend hören.

Jedenfalls sah sich Sibelius-Biograph Tawaststjerna in Bezug auf Karajans Deutungen den Vierten genötigt zu konstatieren, dass er der einzige Dirigent sei, der die Vierte verstehe. Ohne mich hier einfach im Urteil eines Berufeneren sonnen zu wollen, so kann ich diese Aussage doch verstehen, denn je mehr Deutungen der Vierten ich höre, desto mehr habe ich den Eindruck, dass bei Karajan doch irgndein etwas mehr da ist, als bei den anderen.
Völlig subjektiv zwar, ich kann's jedoch nicht helfen ;)

Grüße
W.R.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 23:27:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2009 23:59:07 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo IP,

da ich mir eine Gesamtaufnahme kaufen möchte, kämen Bernsteins Wiener Aufnahmen für mich eh nicht in Frage. Aber selbst wenn er alle Symphonien mit den Wienern aufgenommen hätte, würde mich allein schon seine zerdehnte und überemotionalisierte Einspielung der Zweiten vom Kauf abhalten. Wenn es eine Gesamtaufnahme mit Karajan gäbe, käme diese wohl auch in die engere Wahl. Kamus Einspielungen der Symphonien Nr. 1-3 aus der DG-Box überzeugen mich aber nicht.
Berglund wählt ja in der Regel schnellere Tempi als seine Kollegen. Bei seiner Tapiola-Aufnahme aus Helsinki hat mich dies gestört. Leider kann ich mir nur anhand von Hörproben einen Eindruck von seiner Aufnahme der Symphonien verschaffen. Ich habe bis jetzt einen durchaus positiven Eindruck gewonnen, allerdings halte ich momentan Bernstein und Sanderling für noch überzeugender.
Über Rozhdestvenskys Aufnahme habe ich an anderer Stelle etwas gelesen. Dort wurde gelobt, dass die Werke in ungeheuren Spannungsbögen entwickelt würden. Diese Äußerung hat mich sehr neugierig gemacht. Schade, dass diese Aufnahme nie auf CD veröffentlicht wurde. Welches Orchester spielt denn da?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2009 23:56:34 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Rittmeier,

die Doppel-CD mit Berglunds Sibeliuseinspielungen scheint dann eine rühmliche Ausnahme innerhalb der Gemini-Serie zu sein. In der Regel wird man ja bei CDs aus dieser Reihe auf die Webseite von EMI verwiesen, wo man dann die Texte herunterladen kann.
An Karajans Berliner Einspielung der Zweiten irritiert mich, dass er den letzten Satz extrem langsam nimmt. Mit einer Spielzeit von 16:27 ist er sogar noch langsamer als Bernstein in Wien.
Karajans Berliner EMI-Aufnahmen der Vierten und der Fünften liegen mir zur Zeit vor. Beim 3. Satz der Vierten und beim Kopfsatz der Fünften lässt er sich für meinen Geschmack ein bißchen zu viel Zeit, aber insgesamt sagen mir diese Aufnahmen wohl zu.
Bei den Gesamtaufnahmen sind im Augenblick Bernstein und Sanderling in der engeren Wahl, eventuell noch Berglund (EMI). Wie beurteilen Sie die letzteren?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.02.2009 09:02:55 GMT+01:00
Hallo Falstaff,

ich persönlich bin nicht so sehr von Berglunds Aufnahme aus Helsinki überzeugt. Das hat weniger mit der Interpretation selbst zu tun, als mit der Tatsache, dass ich mich für den Orchesterklang selbst nicht so recht erwärmen kann. Hinzu kommt, dass Berglunds Ansatz mir bisweilen etwas distanziert, ja - wenn Sie so wollen - unterkühlt vorkommt, gerade, was bspw. die Vierte angeht, jener dunklen Seelenlandschaft , jenes musikalischen Abgrunds. Da muss mehr Seele mit hinein. Wenn schon Berglund, so würde ich - im Gegensatz zu "IP" - eher zu der Aufnahme mit dem Chamber Orchestra of Europe neigen, da die besagte "Detailverssenheit" auch ein Gutes hat: man hört viel Neues.

Sanderling ist solide, ja inspiriert und liefert in jeder Sinfonie eine gut hörbare, wennglich nicht sehr prägnante, will sagen: außergewöhnliche Interpretation. Mir fehlt da etwas die individuelle Formung durch den Dirigenten selbst.

Welche Aufnahme noch überhaupt nicht erwähnt wurde ist Maazels Einspielung der Sinfonien aus Pittsburgh, ein Aufnahme die ich sehr schätze, weil auch sie bisweilen die ja schon fast immer mitgelieferte nordisch-düstere Erwartungshaltung an Sibelius durchbricht. Grund: Maazel nimmt vieles leichter (nicht jedoch oberflächlicher). Nehmen wir z.B. den herrlichen Mittelsatz der Dritten. Bei Kamu wirkt das - durch das für ein "quasi allegretto" sehr langsame Tempo - wie eine traurige Ballade aus alter Zeit, Berglund kopiert das quasi, Bernstein behält den balladesken Ton, nimmt den Satz jedoch zügiger, Maazel hingegen nimmt den Satz aufgrund seines Takes eher einen Tanz. Zum Vergleich: Kamu (10:18), Bernstein (8:23), Maazel (8:09).

Es ist ein weites Feld.

Grüße,
W.R.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.02.2009 15:57:02 GMT+01:00
Hallo,

im Prinzip sind in dieser Diskussion alle wichtigen Gesamtaufnahmen der Sibelius-Sinfonien genannt. Ich selbst besitze von Sibelius`Sinfonien keine einheitliche Gesamtaufnahme sondern besitze jede seiner Sinfonien in verschiedenen Einzelaufnahmen, weil meiner Meinung nach in den seltensten Fällen eine Gesamtaufnahme "aus einem Guss ist". Persönlich bevorzuge ich die frühen Aufnahmen von Maazel bei Decca und N. Järvi bei BIS.

Interessant ist eine Aufnahme der 5. Sinfonie + der sinfonischen Dichtung "En Saga" in den Originalfassungen, eingespielt vom Lahti Symphonie Orchestra, Leitung Osmo Vänskä erschienen bei BIS.
Die originale Fassung der 5. Sinfonie unterscheidet sich von der Endfassung dadurch, dass sie 4 Sätze hat, d. h. die ersten beiden Sätze sind voneinander abgetrennt, während sie in der Endfassung zusammengefügt sind und eine gleichmässige Temposteigerung bilden. Im langsamen Satz sind die Unterschiede nicht ganz so deutlich, da das thematische Grundthema gleich geblieben ist aber es wird anders gestaltet und verarbeitet und das Finale enthält bereits die wichtigsten Elemente der Endfassung allerdings ist die Urfassung ca. 200 Takte länger. Des weiteren gibt es Unterschiede in der Orchestrierung.
Jean Sibelius hatte die 5. Sinfonie nach der Uraufführung am 08.12.1915 im Januar 1916 zum 1. Mal überarbeitet obwohl die Uraufführung gut augenommen wurde. In dieser überarbeiteten Version wurde das Werk im Dezember 1916 erstmals aufgeführt und wurde unterschiedlich aufgenommen und Sibelius war selbst unzufrieden. Deshalb überarbeitete Sibelius das Werk erneut von 1917 bis 1919 wo es schliesslich die Endfassung erhielt.

Der Vergleich dieser beiden Fassungen ist sehr interessant, weil man den Verwandlungsprozess nachvollziehen kann und dass Ringen des Komponisten um die gewünschte Form nachempfinden kann.

Noch kurz was zur Originalfassung zu En Saga:
Die Originalfassung ist rauher, härter und weniger zusammenhängend als die Endfassung und ist ca. 150 Takte länger. Im Vergleich zur Endfassung besitzt die Urfassung eine breitere gefühlsmässige Skala und beweist die unverfälschte Frische des jungen Komponisten.

Diese Aufnahme stellt eine interessante Bereicherung und Alternative in der Discographie von Sibelius`Sinfonien dar.

Viele Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.02.2009 18:28:58 GMT+01:00
Hallo Falstaff,
IPs Meinung, die Chandos-Aufnahme mit Segerstam sei lethargisch, kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Sie ist gewichtig, nordisch schwer. Sibelius eben!
Die Helsinki-Aufnahme kenne ich nicht.
Ich besitze das Chandos-Original mit gutem Beiheft.
Meine Erfahrung mit Brilliant-Boxen zeigt aber, dass sie zwar keine üppigen, aber doch brauchbare Booklets enthalten.
In jedem Fall können Sie mit der Box nichts falsch machen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2009 09:33:44 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.02.2009 10:12:52 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Rittmeier,

Berglunds Tapiola-Einspielung aus Helsinki habe ich auch als unterkühlt empfunden. Ein kraftvoller und durchaus auch leidenschaftlicher Sibelius ist eher nach meinem Geschmack.
Da ich Maazel nicht besonders schätze und da ich gerade über seine Sibelius-Einspielungen aus Pittsburgh wenig Lobendes gelesen habe, hatte ich mich mit dieser Aufnahme nicht näher beschäftigt. Nachdem Sie diese aber lobend erwähnt haben, habe ich in diese reingehört. Maazel präsentiert, soweit ich das nach den Hörproben beurteilen kann, eher einen elegischen und weichen Sibelius. Für die Siebte lässt er sich 26 Minuten Zeit und "Der Schwan von Tuonela" dauert bei ihm 12:18 gegenüber 8:31 bei Karajan (EMI). Maazels Wiener Decca-Einspielung ist ungleich kraftvoller. Die Erste ist mit Bernsteins New Yorker Einspielung vergleichbar. Bei der Fünften drückt er allerdings zu sehr aufs Tempo.
Gestern abend habe ich mir erneut die ausgeliehene CD mit Karajans Berliner EMI-Einspielungen der Vierten und Fünften angehört. Diese Aufnahmen gefallen mir immer besser: kraftvoll, leidenschaftlich, weder verhetzt noch verschleppt und auch nicht sentimental. Wenn Bernstein bei Sibelius die Nähe zu Tschaikowsky und Sanderling die zu Brahms betont, dann unterstricht Karajan meines Erachtens die Nähe zu Bruckner, was mir sehr zusagt. Weil mir diese beiden Einspielungen so gut gefallen, überlege ich mir momentan, doch auf eine Gesamtaufnahme zu verzichten und mir stattdessen, ausgehend von diesen Karajanaufnahmen, einen Sibelius-Zyklus aus einzelnen Aufnahmen zusammenzustellen. Karajans Berliner EMI-Aufnahmen der Sibelius-Symphonien wurden in die Lowprice-Serie "Encore" abgeschoben. Leider verzichten die Plattenfirmen in diesem Preissegment ja gerne auf ein Booklet. Wissen Sie zufällig, wie es sich mit den CDs aus dieser Serie verhält?

Da ich mir eventuell doch keine Gesamtaufnahme zulegen werde, bitte ich nun Sie und natürlich auch alle anderen Diskussionsteilnehmer zusätzlich auch um Empfehlungen von Einzelaufnahmen.
Das Feld weitet sich noch mehr.

Grüße,
Falstaff

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2009 10:08:08 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.02.2009 10:45:13 GMT+01:00
Falstaff meint:
Hallo Herr Dilchert,

Neeme Järvis erster Zyklus scheint ziemlich in Vergessenheit geraten zu sein. Ich konnte auch kaum Hörproben davon auftreiben. Wenn man rein von den Spielzeiten ausgeht, dann scheint Järvi eher einen zügigen Sibelius zu präsentieren. Ist seine Einspielung mit der von Berglund vergleichbar?
Vielen Dank für Ihren Hinweis auf Vänskäs Einspielung der Originalfassungen der Fünften und der Tondichtung "En Saga". Es ist bestmmt interessant, per CD gewissermaßen einen Blick in die Werkstatt des Komponisten werfen zu können. Allerdings sind Vänskäs Sibelius-Aufnahmen für meinen Geschmack insgesamt zu unterkühlt.
Welche Einzelaufnahmen aus Ihrer Sammlung würden Sie außerdem noch besonders empfehlen?

Grüße,
Falstaff
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Erster Beitrag:  02.02.2009
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