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Rudolf Schock


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201-225 von 490 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.12.2012 22:41:27 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2012 22:37:19 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
@Bergmann & Ohorn
Ich kenne diese Auseinandersetzung, meiner Omas Eine, herzensgut und nicht sehr kulturbegabt liebte ihren Rudolf Schock, meiner Omas anderes Exemplar, intellektuell und bitterböse, liebte guten Gesang, Thomas Mann und Elias Canetti und verachtete darob den Herrn, der nur ein armer Wandergesell zu sein vorgab. Nun sind beide schon Jahrzehnte im kühlen Grab, der Streit ist offenbar noch nicht begraben.

Veröffentlicht am 08.01.2013 21:29:33 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
Ohne in die alte Diskussion wieder einsteigen zu wollen, ich höre jetzt viel von Jussi Björling, seine "una furtiva lagrima" von 1945 und seine "Adelaide" von 1939 sind so was von vorbildlich gesungen, es ist wirklich unglaublich. (Beide übrigens auf naxos, die Nr. 4 und 5 der Jussi Björling Collection). Nichts gegen irgend jemanden, aber d a r a n müssen sich seither alle Tenöre messen lassen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.01.2013 22:56:03 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.01.2013 12:08:51 GMT+01:00
K.H. Friedgen meint:
Hallo Herr Balde,

Sie sprechen mir mit Ihrem Beitrag aus der Seele. Ich glaube, dass ich so ziemlich alle kommerziellen Aufnahmen Jussi Björlings besitze, und wenn ich gefragt würde, welche davon ich auf die berühmte einsame Insel nehmen möchte, so würde ich antworten: Alle!!
Ich empfehle Ihnen die berühmten Duette Björling/Merrill von 1951, darunter das "Au fond du temple saint" aus Bizets "Perlenfischer" und "Si, pel ciel marmoreo giuro" aus "Othello", das sind Aufnahmen zum Dahinschmelzen, nie mehr erreicht oder gar übertroffen. Und wenn Sie schon zwanzig Gesamtaufnahmen des "Trovatore" besitzen, so sollten Sie nicht zögern und auf der Stelle die alte Aufnahme unter Cellini von 1952 kaufen, mit Milanov/Barbieri/Björling/Warren, da erfüllt sich einzigartig Carusos Satz: Den "Troubadour" zu besetzen ist nicht schwierig: Man nimmt einfach die vier besten Sänger der Welt!

Schönen Abend noch!
K.H.F.

Veröffentlicht am 09.01.2013 08:10:58 GMT+01:00
Auch ich habe eine umfangreiche Sammlung von Aufnahmen mit Jussi Björling, jedoch ist mir unerfindlich, warum Sie, lieber Herr Balde, unter dem Kapitel über Rudolf Schock bestimmte Aufnahmen von Björling diskutieren wollen. Das dürfte Rudolf Schock nicht verdient haben, unabhängig davon wie man zu ihm steht. Da wäre es besser, ggf. ein neues Kapital aufzumachen oder unter Charivari den Beitrag zur Diskussion zu stellen.

Eigentlich kann man rundweg sagen,. dass alles, was Björling gesungen hatte, auch schön gesungen wurde. Den Enthusiasmus von Herrn Friedgen teile ich allerdings überhaupt nicht, von der Tatsache abgesehen, dass allein der Schöngesang nicht das Ausschlaggebende ist. Es gibt viele Tenöre, die ausgesprochen schön und technisch überzeugend singen und gesungen haben. Aber ihre darstellerischen und charismatischen Wirkungen sind nicht von minderer Bedeutung. Ohne Zweifel gehört Jussi Björling zu den großartigsten Tenören seit Caruso.

Über Geschmacksfragen kann man darüber hinaus endlos streiten. Joachim Kaiser ist der bedeutendste Kulturkritiker in Deutschland, der zuletzt in zahlreichen Video-Kolumnen
(ab 2011 wurde dies aus Alters- und Gesundheitsgründen wieder eingestellt) Hörerbriefe beantwortet hat und z.B. auf die Frage nach dem bedeutendsten Heldentenor (wie auch Sopran usw.) erklärte, dass dies nicht möglich sei. Wir sollten uns doch vielmehr an den verschiedenen KünstlerInnen erfreuen. Recht hat er.

Dennoch habe ich einem Verzeichnis entnommen, dass sich Joachim Kaiser zu von ihm bevorzugten Tenören wie folgt geäußert hat:

5055……..und Caruso ist doch der Beste
Meine zehn meistgeliebten Tenöre
In Hör zu, Heft 15, 1990
(Kurzporträts von Enrico Caruso, Lauritz Melchior,
Julius Patzak, Karl Erb, Richard Tucker,
Franz Völker, Mario del Monaco, Placido Domingo,
Luciano Pavarotti, René Collo).

Mit Ausnahme von Caruso hat er nicht gesagt, dass die genannten Tenöre die besten seien. Gegen persönliche Referenzlisten habe ich keine Einwände. Probleme ergeben sich bei einem Postulat der Allgemeingültigkeit. Rangartige Auflistungen mit absolutistischen Kurzbewertungen auch zu anderen musikalischen Fragenkreisen haben etwas buchhalterisches, wenn nicht die Buchhalternase fehlen würde. Im Übrigen versteht es sich von selbst, dass junge Künstler sich an Vorbildern orientieren, die ihren Vorstellungen
und Fähigkeiten am nächsten kommen. Sie nehmen dabei auch selbst Maß, ohne die Funktion einer Kopie anzustreben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 10:15:52 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 10:31:42 GMT+01:00
K.H. Friedgen meint:
Guten Morgen lieber Herr Kaiser,

zunächst einmal vielen Dank für Ihren ausführlichen und konstruktiven Beitrag.

Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass Jussi Björling in diesen Thread absolut nicht hineingehört, der spielte in einer anderen Liga. Doch das ist ein Thema, das längst ausgereizt ist, und niemand hat wohl ein Interesse, es erneut aufzuwärmen.

Was meine gestrige Antwort an Herrn Balde betrifft, so haben Sie mich ganz offensichtlich missverstanden. Es würde mir niemals einfallen, von d e m besten Tenor oder d e m besten Sänger oder d e r besten Sängerin zu sprechen. Den bzw. die gibt es nicht und kann es nicht geben, genauso wenig wie es den besten Dirigenten oder den größten Komponisten gibt. Das habe ich aber schon mehrfach in früheren Beiträgen betont, und an diesem Standpunkt hat sich auch nichts geändert.

Ich liege mit Ihnen auch völlig auf einer Wellenlänge, wenn Sie sagen, das Schöngesang allein nicht das Ausschlaggebende ist, schon gar nicht auf der Bühne. Es ist allgemein bekannt, dass Björling zwar ein großartiger Sänger, aber nur ein mäßiger Schauspieler gewesen ist. Das spielt aber auf der Schallplatte nur eine untergeordnete Rolle (Callas war eine rühmliche Ausnahme), denn hier hört man, und alles andere bleibt im Verborgenen.
Doch nun zu dem Enthusiasmus, den Sie mir attestieren: Es stimmt, dass ich Björling für einen der herausragendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts halte, doch in meiner Antwort an Herrn Balde habe ich nur einzelne Aufnahmen gemeint, nicht den oder die Künstler. Was den "Troubadour" angeht, habe ich einen berühmten Ausspruch Carusos zitiert. Dass er bei den "vier besten Sängern der Welt" ganz sicher - zu Recht - auch an sich selbst gedacht hat, ist keine Frage. Ich habe das Zitat genommen, weil es, und nicht nur nach meiner Meinung, auf d i e s e alte Aufnahme zutrifft, denn sie stellt einen seltenen, unwiederholbaren Glücksfall dar, weil hier, wie auf keiner anderen mir bekannten Troubadour-Version, vier kostbare und unübertroffen harmonierende Stimmen aufeinander treffen: Zinka Milanovs warmer, samtweicher Sopran, augestattet mit einer Leuchtkraft ohnegleichen und mit engelgleichen, schier unglaublichen Pianissimi-Spitzentönen, Fedora Barbieris archaisch-erdhafte Acuzena, Warrens dunkel-glühender Luna, und schließlich Björlings schmelzender und doch so strahlender Gesang, bei dessen Stretta einem schier der Atem stockt .... das gab es nur einmal, zumindest auf Platte!
Das soll aber beileibe nicht heißen, dass nicht andere Sänger/innen in ihren Aufnahmen ebenso gute, vielleicht sogar noch bessere Einzelleistungen vollbracht haben, aber hier stimmt ganz einfach alles, sogar die Klangqualität der alten Mono-Aufnahme von 1952 ist unglaublich gut.
Es käme mir bei aller Verehrung für Björling aber niemals in den Sinn, seinen Herzog in der "Rigoletto"-Aufnahme als das Non-plus-ultra zu bezeichnen, da würde ich beispielsweise Alfredo Kraus oder Ferruccio Tagliavini eindeutig vorziehen. Auch die Gilda von Roberta Peters ist von einer Idealvorstellung weit entfernt, und Robert Merrill hat die Titelpartie später unter Solti weitaus differenzierter gesungen.
Aber die von mir erwähnten fünf Duette, die Björling und Merrill 1951 für RCA eingespielt haben, sind auch niemals erreicht oder gar übertroffen worden, trotz zahlreicher Versuche. Ich will da nur an die Orfeo-Aufnahme mit Bergonzi und Fischer-Dieskau erinnern. Obwohl ich beide Sänger sehr verehre, insonderheit den stilsicheren, geschmackvollen Bergonzi überaus schätze, so handelt es sich im Vergleich zu den legendären Björling/Merrill-Versionen bestenfalls um Annäherungsversuche, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Auch ich könnte eine Liste der von mir bevorzugten Tenöre verfassen, da würde Björling sicher einen der ersten Plätze einnehmen, aber es käme mir nicht in den Sinn, einen davon als schlechthin d e n besten zu bezeichnen. Es gibt m.W. keinen einzigen Sänger und hat auch niemals einen gegeben, der nicht in dem und dem Stück oder an der und der Stelle einen anderen übertroffen hat. Außerdem kann jede Referenzliste, wie Sie ganz richtig vermerken, nur den persönlichen Geschmack des Verfassers wiedergeben, aber niemals einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Darin sind wir uns vollkommen einig.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und eine gute Zeit!
Ihr K.H.F.

Veröffentlicht am 09.01.2013 10:34:57 GMT+01:00
Brasier meint:
Es hat sicherlich Tenöre gegeben, die unabhängig ihres Timbres
Welches ja der Knackpunkt zu ihrer Akzeptanz gehört, hervorragende Techniker waren,
ohne die nie ein solcher Handwerker des Gesangs bestehen kann.
wobei subjektiv, gerade in deutschen Kreisen, wenig bekannt zu sein scheint,
das es derer viele gab.
Natürlich spielt der eigene Geschmack de größte Rolle dabei...
liebe Grüsse
H.B.

Veröffentlicht am 09.01.2013 14:34:55 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 14:40:49 GMT+01:00
Ich möchte hier im Schock-Forum ebenfalls an einen anderen Sänger erinnern. In der Gesamtaufnahme des "Freischütz" unter Joseph Keilberth und den Berliner Philharmonikern bietet Rudolf Schock eine unumstritten untadelige Leistung. Neben ihm heben andere Sänger wie Elisabeth Grümmer und Gottlob Frick und natürlich auch der Dirigent diese Aufnahme in den Status der Einzigartigkeit. Darüber wird aber immer der Sänger des Kaspar vernachlässigt: Karl Christian Kohn. Er bietet den dämonischsten und gefährlichsten Kaspar der ganzen Plattengeschichte. Sängerisch und gestalterisch einzigartig. In der Wolfsschluchtszene gefriert einem schier das Blut in den Adern. Leider gibt es von ihm nur wenige Aufnahmen. Weiß irgendjemand mehr über ihn?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 14:56:31 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 14:56:47 GMT+01:00
K.H. Friedgen meint:
Hallo, Herr Dr. Hucklenbroich,

wenn Sie näheres über Karl Christian Kohn erfahren möchten, so würde ich Ihnen vorschlagen, den Sänger bei wikipedia aufzurufen. Da gibt es etliche Informationen, auch eine kleine Diskographie. Er starb 2006, knapp 80jährig. ´
Im übrigen würde ich vorschlagen, weitere Einträge über Sänger entweder mit einem eigenen Thread zu versuchen, oder aber - noch besser - wie auch Herr Kaiser angeregt hat, in "Charivari" zu führen. Wir sollten alles vermeiden, um das endlich zu Ende gekommen Schock-Forum nicht neu zu beleben. Wir alle sind "geschockt" genug.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 15:41:31 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 15:43:31 GMT+01:00
Lieber Herr Friedgen,

ich danke Ihnen für Ihre umfangreiche Stellungnahme und die Mühe, die sich dabei gemacht haben. Gleichwohl meine ich, keinem Missverständnis zu unterliegen. Jussi Björling war nicht nur ein schlechter Schauspieler, sondern hatte auch darüber hinaus erhebliche Schattenseiten, die ich nicht nur Sprache gebracht habe, weil sie für den CD-Hörer in einem nicht vernehmbaren Bereich angesiedelt sind (von mittelbaren Auswirkungen abgesehen).

Selbstverständlich meine ich neben dem Schönklang das Darstellerische im gesanglichen Ausdruck und damit die sinnfälligen Wirkungen. Endloses Schönsingen ist mit der Dauer langweilig, das ist jedenfalls mein Standpunkt, den niemand teilen muss. Vor allem Zuspitzungen der Handlung im Lyrischen wie im Dramatischen sollten sich im gesanglich-stimmlichen Ausdruck überzeugend wiederfinden. Zum besseren Verständnis zitiere ich beispielhaft aus den Erinnerungen von Rudolf Bing, der Jussi Björling aus der langen Zusammenarbeit bestens kannte, wie folgt:

1. 5000 Abende in der Oper Seite 197:
…..“Wir hörten Frau Callas im „Troubadour“ mit Jussi Björling als Manrico, und ich erinnere mich, dass ich damals sagte, während des „Ah si, ben mio“ im dritten Akt sei es mehr das stille Zuhören der Callas als Björlings Stimme gewesen, das den dramatischen Effekt bewirkt habe. Er wusste nicht, was er sang, aber sie wusste es“….

2. Gala-Abend Seite 103
….“Über Jussi Björling kann ich nicht allzu viel berichten, ausgenommen, dass er eine großartige Stimme hatte“……(einige hier aufgeführte negative Aspekte habe ich weggelassen) ……“Björling starb im Alter von neunundvierzig Jahren; seine Stimme war zuletzt schön wie eh und je…“

Gegen Superlative habe ich selbstverständlich keine Einwände dann, wenn sie subjektiver Ausdruck der Begeisterung sind und nicht für sich in Anspruch nehmen wollen, als allgemeingültige bzw. objektive Tatsache zu gelten. Ob ich dabei sage, nie erreicht und nie übertroffen, oder vom Besten spreche, kommt dann auf dasselbe hinaus. Absolutistische Behauptungen sind ihrer Natur geeignet, Konflikte mit endlosen Debatten auszulosen.
Aber es muss jeder selbst entscheiden, wie er damit umgeht.

Ich wünsche Ihnen ebenfalls alles Gute und Schöne bei bester Gesundheit
Viele Grüße
W.K.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 16:18:17 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 16:19:06 GMT+01:00
Lieber Herr Brasier,
zu Ihrem Bezug auf das Timbre möchte ich einmal auf die teils denkwürdigen Debatten aufgrund des dunklen Timbres von Jonas Kaufmann hinweisen, und zwar bezüglich der Tosca-DVD mit Angela Gheorghiu, Bryn Terfel und Jonas Kaufmann und die Rezensionen von Rochus Dorbandt und die Zusatzkoimmentare sowie von Hans-Georg Seidel. Nun haben wir längst wieder einen großartigen „Bari-Tenor“, kommt gleich wieder eine Fraktion, die auf ihn einschlägt. Mutmaßlich handelt es sich um den Ausfluss eines bestimmten professionellen egozentrischen Meinungsbildners. Ich kann mich noch erinnern, wie anlässlich der ersten Veröffentlichungen von Aufnahmen mit Jonas Kaufmann ein Amazonier entsetzt kritisierte, „der singt ja baritonal“, als ob dies eine Sünde sei, von der Tatsache abgesehen, dass das dunkle Timbre zur Tragfähigkeit der Stimme einen erheblichen Beitrag leistet.

Viele Grüße
W.K.

Veröffentlicht am 09.01.2013 20:39:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 20:48:53 GMT+01:00
Brasier meint:
Danke Herr Kaiser,

Sie haben Recht, wo bitte steht geschrieben,
das ein Tenor Hell im Timbre zu sein Hat ?

Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht,
um mich in diesen exzellenten Sänger Schauspieler
hinein zuhören, der mich zu Anfang,
ob seines Timbres etwas Ratlos machte,was nicht bedeutete
das ich ihn nicht mochte.
Er hat sicher in den letzten beiden Jahren,
an dem Instrument weitergearbeitet,
überzeugt mich nun vollkommen,
wir sollten uns über einen berechtigten Weltstar freuen,
der unter anderem in unterschiedlichsten Idiomen,
und vor allem Stilrichtungen zu Hause ist,
was mich zuerst überzeugte.

Inzwischen hat er die Gefährliche Knödel Tendenz gebannt,
ich denke das er jemanden Fachlichen wie es jeder Sänger Tut,
regelmässig besucht.
Ein Sänger kann nämlich nicht so gut sich selbst beurteilen
wenn er Singt, dadurch eventuelle Fehler erkennen.
Das ist eher der Fachliche Begleiter der dies tut.
Singen ist Arbeit an sich selbst, der ganze Körper beteiligt sich,
Atemtechnik, Klangfindung. Ein Handwerk das eben bei guter Ausführung
eben diese Persönlichkeit einer Stimme ausmacht.

Ein Dunkler Tenor liegt wie wir wissen nahe des Baritons,
wenn er nicht wie Domingo, oder gar wie Bergonzi daher kommt,
die von Anfang an von einer begnadeten Höhe aus,
den Tenorgipfel in einer Bariton Schwemme bestiegen,
und damit zurecht ihre Weltkarriere machten.

Tenor, ist eben nicht gleich Tenor,
wie bei den Damen gibt es Spezialisten und Fachrichtungen,
die nicht unmittelbar unter einander kompatibel sind.
Es hat einigen sogar ermöglicht, dadurch beides zu tun,
Beispiel Ramon Vinay, der mal Fidelio, mal Tristan
mal Otello, wenn nicht Jago sich nicht verbot.
Freunlicher Gruß
H.B.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 21:27:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2013 22:18:32 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
@Lieber Herr Kaiser,
freilich hatte Björling "erhebliche Schattenseiten", Sie meinen wohl seinen Alkoholismus; und er war ein schlechter Schauspieler, auch das ist bekannt, er hatte es wohl nicht unbedingt nötig stimmliche Imperfektionen durch besonderes Gehabe zu kompensieren, er war eben Stimmdarsteller und nicht Sängerdarsteller, wie der singende Menschen, wenn er Stimme hat, singen kann und Theater zu spielen versteht zu recht genannt wird. Bei Liedsängern - er sang viel Liedrepertoire - stört die Schauspielgabe oder das Schauspielergehabe ohnehin nur. Ich erinnere mich an sonst ganz hervorragende Liederabende mit der Brigitte Fassbaender, bei der ihr Gehampel nicht nur mich störte. Was mich an Björling persönlich auch noch stört, das ist bei den Liedern sein unidiomatisches Deutsch. Aber all diese Punkte überstrahlt seine hohe Musikalität, seine Stimmökonomie, sein atmosphärisch richtiger und "stimmiger" Gesang. Ich hatte die Beispiele schon ganz bewußt gewählt!

Veröffentlicht am 10.01.2013 00:34:33 GMT+01:00
gemihaus meint:
@ schockierende reflexe ...
noch ein prosit neujahr, allerseits, und wie bereits von meister friedgen zurecht bemerkt: dies ist ein längst abgearbeitetes schock-revier -
und somit auch kein terrain für andre wirklich grosse stimmen a-la björling und merrill, die, wie deren rca-opera-duette, ich auch für
ausserordentlich und allemal für einen eigenen thread erwähnenswert halte.

Veröffentlicht am 10.01.2013 00:36:09 GMT+01:00
Brasier meint:
Ich ruf schon mal den Möbelwagen, zum Umzug...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2013 01:27:54 GMT+01:00
gemihaus meint:
na, sie holder minnesänger,
dann proben sie mal den einzug, bevors andre tun.

Veröffentlicht am 10.01.2013 08:40:02 GMT+01:00
Brasier meint:
Lieber Gemi,
ihnen ebenso sei zugeprostet, mit der Erwartungshaltung
zur Beständigkeit, seiner oft mit Biss servierten Meinung,
die einige, wegen des erzwungenen Lesens, zwischen den Zeilen verstört,
aber oft anderes ellenlanges verblassen lies,
wobei kontroverses zum Salz gehört,
sonst...machts doch keinen Spaß.
brachte unser aller Geschwafel zu
so manch neuer Erkenntnis

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2013 08:58:23 GMT+01:00
Lieber Herr Balde,

wenn die Oper am Leben bleiben will, braucht sie Interpreten in der Doppelfunktion als Darsteller und SängerInnen. Die DVD scheint auf dem Musikmarkt eine immer stärker werdende Rolle zu spielen. Auch die Übertragung von Galaveranstaltungen aus Opernhäusern von Weltbedeutung in großen Kinohäusern scheint populärer zu werden. Das reine Schönsingen, bei dem die psychologische Deutung kaum ein Rolle spielt und allenfalls als Beiwerk verstanden wird, wird in der Bedeutung über Arien- und Liederabende kaum hinausgehen. Für die Opernbühne und die modernen Medien sind aus meiner Sicht zuvorderst KünstlerInnen gefragt, die der genannten Doppelfunktion überzeugend gewachsen sind, wobei die Darstellung zum großen Teil im Gesang selbst Ausdruck finden muss, da die Möglichkeiten schauspielerischer Faszination auf der Opernbühne allein schon durch Einsatz und optimale Führung der Stimme erschwert sind. Die in dieser Hinsicht von Waltraud Meier (Isolde) ausgelöste emotionale Berührung der Menschen kann daher auch überhaupt nicht hoch genug veranschlagt zu werden.

Bei Arien- und Liederabenden ist Präsenz des gesanglich-darstellerischen Ausdrucks schon deshalb nicht zu unterschätzen, weil die Schauspielerei fehlt oder, wie Sie selbst sagen, stören würde. Mario del Monaco gehört zu den Tenören, die quasi Vorbereiter waren und die Schönheit der Stimme nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck eingesetzt haben. Aber ich will dies hier nicht weiter vertiefen, sondern nur als Beispiel anführen, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Dessen ungeachtet pflichte ich Ihnen gern darin bei, dass Jussi Björling auch ein ganz überragender Liedinterpret war. Die von Ihnen doch noch genannte Alkoholsucht kann aus meiner Sicht nur als Folge psychischer Probleme verstanden werden. Wenn ich nicht irre, habe ich einmal gelesen, dass er unter schweren Depressionen gelitten haben soll (ich sage das aber nur allen Vorbehalten). Bekannt ist aber auch, dass viele andere Opernsänger unter Depressionen gelitten hatten. Rudolf Bing sprach nur davon, dass Björling gegen seine eigene Gesundheit gewütet und ein überaus undiszipliniertes Leben geführt hätte. Es sei ein ständiger Kampf gewesen, ihn zu den Proben zu bekommen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2013 09:01:39 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.01.2013 09:07:17 GMT+01:00
Lieber Herr Brasier,

das Knödeln entsteht beim Phrasieren, indem ganz Silben verschluckt werden. Ob das bei Jonas Kaufmann zu Beginn seiner Karriere wirklich vorlag, kann ich nicht ausschließen. Jeder Künstler bildet sich fort. Selbst die Stimme von Enrico Caruso hatte einen baritonalen Klang, der ausgesprochen weich war. Wahrscheinlich war er ursprünglich ein Bariton. Eine dunkle Stimmfarbe ist praktisch die Säule großen Tenorgesanges. Mario del Monaco behauptet einmal in einem Interview, dass er von der Natur her eine Bassstimme gehabt hätte, aber da kann ich ein Schwadronieren nicht ausschließen. Bei Liveauftritten klang seine Stimme ebenfalls weich – im Gegensatz zu Tonaufzeichnungen, bei denen die Stimme relativ hart erscheinen kann. Bari-Tenöre sind als Heldenfiguren von Bayreuth regelrecht gefragt, und nicht allein deshalb muss man sich fragen, was man gegen „Bari-Tenöre“ haben kann.

Das baritonale Timbre ist für den Aufbau der Stimme wichtig. Für die Tragfähigkeit einer Stimme ist weniger das Atemvolumen als der Frequenzbereich wichtig. Wichtig ist die Erreichung einer Frequenz zwischen 2000 und 4000 Hertz, weil dort die meisten Töne die maßgeblichen Obertöne entstehen lassen. Der maßgebliche sogenannte „Sängerformant“ liegt bei 3 kHz (3000 Hertz). Je dichter das singuläre Frequenzband dort angesiedelt ist, desto reichlicher entstehen die Obertöne. Diese prägen den Klang einer Stimme. Gelegentlich wird dies auch mit „Klingeln“ oder „Glanz“ oder (wie häufig bei Mario del Monaco) als „Strahlkraft“ bezeichnet. Enrico Caruso und Placido Domingo hatten eine Frequenzspitze von 2800 Hertz, und was bei Jussi Björling der Silberklang war, ist bei Mario del Monaco der bronzefarbene Klang gewesen. Hohe Schalldruckpegel des Sängerformanten sind bei großen Sängern nachweisbar, wobei dieser Frequenzbereich bei männlichen Singstimmen durch Tiefstellung des Kehlkopfes (bei Mario des Monaco oft als Nachweis angeführt) erreicht wird. Natürlich sind auch Atemführung (Stütze bezüglich des Zwerchfelles hat allenfalls sekundäre Bedeutung) und die physikalischen Vorgänge im Mund und in seiner Öffnung entsprechend der Artikulationsbasis (hierbei auch das Singen in die Maske) ausschlaggebend. Aber vieles weiß man auch nicht so genau, vor allem was sich konkret zwischen Kehle und Mund bzw. im Gaumen abspielt. Damit eine Stimme nicht gaumig oder kehlig klingt, dürften einige Anstrengungen notwendig sein. Vor allem bei der stimmtechnischen Übung des Vokalisieren scheint die Stimme von den Lippen abzuspringen, obwohl die Kehle der einzige Ort, wo die Stimme entsteht.

Von Jonas Kaufmann wird man später noch mehr hören, und wahrscheinlich wird sich sein Repertoire noch erweitern und mutmaßlich mehr noch die schweren Heldenpartien umfassen, sollten nicht andere Ereignisse dies verhindern.

Viele Grüße
W.K.

Veröffentlicht am 10.01.2013 10:56:39 GMT+01:00
Brasier meint:
Lieber Herr Kaiser, guten Tag,
Schlichte Zeilen meiner absoluten Zustimmung zu ihrem Beitrag,
schließen eben nicht aus, das ab den Fünfzigern, die Renaissance der Sängerdarsteller gab
die wohl fulminant sich gegen die Rampenbelcantisten stellte, die ausser
ihrem Kulinarischem gestalteten Beitrag weiteres nicht zu bieten hatten.

Es waren solche Pioniere wie Lucchino Visconti,Zeffirelli die Callas die endgültig Schluss
mit der Rampe machten, dem Musiktheater Sängerdarsteller bescherten.
was man heute eher zu vergessen scheint, sind doch eher DARSTELLER-SÄNGER gefragt,
die sich eher den Dramaturgischen Inkongruenzen die oft gegen ihre eigene gelernte
Motorik der Gesangeskunst (Wie jedes beste Handwerk -> Kunst) stellen.
Viele grüße
H.B.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2013 19:46:53 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.01.2013 19:48:31 GMT+01:00
gemihaus meint:
lieber brasier-b,

mit ihnen machts zumindest immer- und weiterhin doch erkenntnisreichen spass, auch kontrovers (warum nur mögen sie
cheraus' grandios-originelle tristan-visionen, wider allen romantical-schmus, all die herrlich zitierten arche-typen der engeländer-seefahrer-zeit nicht-?) egal, bleiben sie schlingernd auf kurs, ihr gemi-b.

Veröffentlicht am 10.01.2013 21:30:04 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
#wenn die Oper am Leben bleiben will, braucht sie Interpreten in der Doppelfunktion als Darsteller und SängerInnen#
Lieber Herr Kaiser,
einer der Gründe warum ich konzertante Aufführungen bevorzuge, wenn es sich irgendwie machen läßt. Keine Selbstinszenierung von schlechten Regisseuren und keine ungeeigneten Schauspielversuche von Leuten, die auf diesem Gebiete dilettiern. Ich habe nämlich auch an die Schauspielkunst hohe Ansprüche und die Sänger, die meinen sie könnten auch das sind meist die am wenigsten Überzeugenden. Die können meist beides nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.01.2013 00:23:22 GMT+01:00
Lieber Herr Balde,

ich teile Ihre Auffassung in der mitgeteilten Pauschalierung nicht, jedoch kann dies insofern dahingestellt bleiben, als bei deren Richtigkeit viel Boden noch gutzumachen wäre. Goße und belebende Aufgabenfelder stünden noch bevor zum Segen des Operntheaters.

Veröffentlicht am 11.01.2013 00:59:55 GMT+01:00
Brasier meint:
Lieber Herr Balde,
Mag es sein, das einige zwar über nur ein gutes Instrument verfügen, aber es gelingt
glauben sie mir, auch solchen wenn sie einem Spieleiter der den Namen Regisseur
verdient, in die Hände zu fallen, der holt dann oft unvermutetes aus ihnen heraus.

Auf der Bühne zu stehen, motiviert mehr als sie es für möglich halten können, die Perspektive
ist schon von sich aus ungewöhnlich, durch die Ausleuchtung ist man dem Saal fast entrückt.
Konzertant, kann nur selten die gleiche Spannung entstehen, der Druck der Bühne fehlt, ebenso
der vorher beschriebene Zustand.

Was oft zur Enttäuschung führt ist das Gastieren von Gastinterpreten die eine eingespieltes
Repertoire stück mit ihrer kurzfristigen Präsenz beglücken, die Chemie zwischen den anderen Mitstreitern findet dann wenig Anhaltspunkte. Dies macht dann die Aufführungen wo einige aus dem Darstellerischen Rahmen fallen.
Und...Ein Sänger ist wesentlich mehr belastet als der Bühnenschauspieler, der sich nicht zusätzlich zu einem Text mit der Musik und der Person eines Dirigenten auch noch auseinander setzten muss.

Veröffentlicht am 11.01.2013 01:06:14 GMT+01:00
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin nun 60 Jahre alt geworden, beschäftige mich auch seit 45 Jahren mit Klassischer Musik und verstehe ihre ganze Aufregungen scheinbar nicht. Knödelstimme, Operettenstar,Timbre, etc. - was wird hier in der Runde gesucht oder wer muss wovon überzeugt werden? Könnte es sein, dass Herr Schock sich heimlich ins Knöchelchen lacht, ob der so leidenschaftlichen Expertenauseinandersetzung über seine Stimme? Vielleicht bin ich aber auch nur zu jung um das Alles verstehen zu können. Meine Erinnerungen sind Trinklieder im Blauen Bock und Operettendarbietungen in s/w.
Ansonsten habe ich Herrn Schock kaum als Tenorstimme wahrgenommen. Wohl nicht meine Zeit. Habe erst Mitte/Ende der 70er mein Interesse für Opern entdeckt.

MfG S. Kleinschmidt

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2013 21:02:17 GMT+01:00
Ich bin gerade 70 Jahre alt geworden und höre beinahe jeden Tag die Stimme meines Startenors Rudolf Schock. Auf allen Gebieten des klassischen Gesanges kann man seine Meisterschaft erkennen, die tondokumentiert sind. Angefangen von einer Boheme-Arie aus dem Jahr 1947 bis zu einer seiner letzten Aufnahme von Löewe-Balladen aus 1980. Dazwischen liegt ein ereignisreiches Sängerleben, das zu erkunden sich lohnt. Über allem klingt die besondere Stimme mit einem Timbre, die von keinem der bevorzugten Tenöre jemals erreicht worden ist
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