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Der beste "Ring" von Richard Wagner


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126-150 von 173 Diskussionsbeiträgen
Veröffentlicht am 07.05.2013 22:24:32 GMT+02:00
Hans Beirer war großartig !. Aber ich meine Hans Hopf.
Siegfried von 1960-64. Regie : Wolfgang Wagner.
1964 : Astrid Varnay Brunhilde und Hans Hopf Siegfried . Unglaublich !! Auch an der Met.!
Während 1965 mit Erwin Wohlfart als Mime, der Zuschauer eine Sternstunde erlebte,
blieb W. Windgassen seiner schlanken, hellen Stimme treu und setzte folglich als
Siegfried keine neuen dramatischen Akzente.
Ist Thielemann in seinem Buch auch hier anderer Meinung Frau Lange ? Er muss es ja wissen!!
Er war ja dabei !

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.05.2013 23:51:06 GMT+02:00
Ursula Lange meint:
Ich bin in mehreren Foren schon gewesen, was mir hier in allen auffällt ist, dass grundsätzlich eine unterschwellige Aggression herrscht. Lesen Sie das Buch doch selber.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2013 06:53:09 GMT+02:00
Die besagte Aufnahme unter Levine gibt es als CD-Studioproduktion mittlerweile recht preiswert in einer DGG-Box zu kaufen. Auch meiner Meinung nach zählt diese Einspielung zu den Besten, die es am Markt gibt. Dazu gehören allerdings auch Böhm (Bayreuth), Karajan (mit Einschränkungen die Besetzung betreffend) und Janowski (toller Sound).
Robert Fontane

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2013 19:54:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.05.2013 16:05:28 GMT+02:00
Ach Ursula Lange,

kennen Sie die Geschichte von Spieglein, Spieglein, an der Wand ?? ! ".... Wer ist der
beste Dirigent im ganzen Land...?
...... Du natürlich..! Du...! Nur Du "..! Doch lass dich mal im BR Rundfunk seh`n und
hör und schau dem Mariss Jansons zu.!

Veröffentlicht am 08.05.2013 20:00:17 GMT+02:00
Frau Lange,

soviel zu Ihrer Aggressivität . Nix für Ungut..! Kann ja mal passieren.

Veröffentlicht am 30.05.2013 10:19:10 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.05.2013 23:19:58 GMT+02:00
Jakob Balde meint:
Ich habe mir den Ring in der Einspielung von Rudolf Moralt besorgt, den es seit einiger Zeit in einer klanglich einigermaßen passablen Digitalisierung gibt. Sowohl was die Sänger betrifft, als auch was das Gesamtergebnis betrifft eine der besten Ring-Einspielungen die ich kenne. Klar, 1949 war die Aufnahmetechnik sicher noch nicht so gut, wie 1970, aber als Hörer historischer Aufnahmen hat man ja gelernt über einige Unebenheiten hinwegzuhören.

Veröffentlicht am 05.06.2013 23:20:41 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.06.2013 13:05:40 GMT+02:00
Orfeo Gentile meint:
Man muss wahrscheinlich nach den Werken differenzieren:

Das beste RHEINGOLD ist das von Karajan, phantastisch in seiner Klarheit, Ironie, Wortdeutlichkeit und klanglichen Delikatesse. Dieskau bei Wagner einmal richtig eingesetzt, Stolze ein sensationeller Loge, Kelemen nicht schlecht als Alberich
gefolgt von Böhm mit Theo Adam, gleichrangig mit Dieskau, Windgassen, dem Größten der Großen, und Neidlinger, viel besser als Kelemen
Die beste WALKÜRE legte 1954 Keilberth live aus Bayreuth vor: Max Lorenz, Hans Hotter, Astrid Varnay als Brünnhilde, Martha Mödl als Sieglinde, das ist als Gesamtpaket nicht zu schlagen. Bewegend ist, wie der große Max Lorenz – nicht mehr auf dem Zenit, der leider in die Nazi-Zeit fiel– in seinem Bayreuther Abschiedsjahr mit ungeheurer Intensität alle Probleme vergessen lässt. Dann kommt Böhm mit Adam, Nilsson, Rysanek und King, herrlich musiziert, weil der alte „Grufti", wie wir ihn nannten, keinen Schwulst duldete.
SIEGFRIED ist mit Nilsson, Windgassen, Hotter, Neidlinger und Stolze auf einsamer Höhe besetzt, Solti leider etwas laut und pathetisch. Böhm dirigiert das viel spannender, aber Adam statt Hotter, Wohlfahrt statt Stolze ist nicht dieselbe Spielklasse.
GÖTTERDÄMMERUNG: Wieder Solti, trotz allem. Nilsson, Windgassen, Neidlinger, Frick, da können weder Böhm noch Keilberth (beidemale Greindl statt Frick) mit.
Karajan hat Siegfried und Götterdämmerung herrlich musiziert, aber leider dubios besetzt (Dernesch, Brilioth, der schon ziemlich kaputte Jess Thomas sind schlimm).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.06.2013 07:33:58 GMT+02:00
Das sind doch wohl nur Ihre Meinungen!? Ich frage ja nur mal an, weil Sie Ihre Auswahl so ultimativ präsentieren!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.06.2013 21:16:19 GMT+02:00
Orfeo Gentile meint:
Bitte sehr um Entschuldigung. Ich gehör halt zu den seltsamen Leuten, die keine andere Meinung als ihre eigene haben und das auch noch als selbstverständlich voraussetzen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.06.2013 12:36:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.06.2013 13:08:59 GMT+02:00
Orfeo Gentile meint:
Der Moralt-Ring ist tatsächlich sehr bemerkenswert, nicht nur gut und energetisch dirigiert, sondern auch in mindestens einem Punkt ungewöhnlich besetzt: Gertrude Grob-Prandl war eine toll singende Hochdramatische der Nachkriegsjahrzehnte. Ich selbst habe sie gerade noch in allen drei Brünnhilden-Rollen und als Fidelio erlebt. Eine runde, prächtig schöne Stimme mit leuchtender Höhe. Das Problem war, dass die zusehends verbitterte Sängerin unerhört korpulent war. Selbst zu Zeiten vor den erotischen Damen Ligendza, Jones und Behrens, als noch die Nilsson das Monopol hielt, ging das nicht mehr so einfach durch. Spätestens Wieland Wagner hatte die Opernwelt gelehrt, dass ein Fleischgebirge keine glaubhafte Isolde sein kann. Und so gerieten viele in die zweite Reihe, auch der in diesem Forum genannte Hans Beirer, der eine Zeitlang der letzte wirkliche Heldentenor war, mit gigantischer Stimme, sogar bemerkenswertem Ausdruck als Othello oder Tristan, aber mit der gewissen wamperten Bühnenunbeholfenheit, die ihn gegenüber dem großen Windgassen und dem nach kurzer Zeit kaputtgesungenen Thomas um alle Chancen brachte. Ich weiß bis heute nicht, ob das gerecht war oder nicht. Denken wir an den sensationell singenden Johan Botha, der wahrscheinlich zumindest bei Richard Strauss stimmlich heute um eine Kategorie vorn ist, aber schon eine Sonderration an Bühnenintensität erbringt, wenn er vorsichtig beide Arme in Kopfhöhe hebt.

Veröffentlicht am 26.06.2013 16:49:27 GMT+02:00
staniol meint:
Verehrte Ringfreunde!

Zu allererst ein Dankeschön für die zahlreichen Empfehlungen der unterschiedlichsten Ring-Einspielungen. So habe ich meine Ring-Sammlung mit Eurer Hilfe auf drei GA (Böhm, Karajan, Solti) + zwei Walküren (Furtwängler, Leinsdorf) aufgestockt.
Ich möchte allerdings meine Sammlung um eine bis zwei live-Aufnahmen aus den 1950-60er Jahren erweitern. Dabei ist mir die Aufnahme- / Klang-Qualität (wenig Rauschen und kein stumpfer Klang) sehr wichtig!
Mein Maßstab: Böhm/Bayreuth: OK!!! Furtwängler/Rom: nein Danke!!!

Bitte um Eure Meinungen/Empfehlungen!

Veröffentlicht am 26.06.2013 17:07:46 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.06.2013 17:08:38 GMT+02:00
Bei live-Aufnahmen, die nicht akustisch nachgebessert wurden wie der Böhm-Ring, sind immer wieder Bühnen-Geräusche in Kauf zu nehmen, selten solche des Publikums. Ich möchte Sie noch auf einige Nachkriegs Ring-Aufnahmen aus Bayreuth hinweisen, die für heutige Standards höchstkarätig besetzt waren, so etwas ist heute irgends mehr zu erleben: Ring 55 unter Leitung von Keilberth, Ringe 56, 57 und 58 unter Leitung von Knappertsbusch. In letzterer Aufnahme sangen Astrid Varnay die Brünnhilde (wie in den Jahren zuvor auch) und die von ihr nach Bayreuth empfohlene Birgit Nilsson die Sieglinde, wo ist solches nachzuhören? Als Wotan war jeweils Hans Hotter eingesetzt. Die klangliche Präsenz der Bayreuth-Mitschnitte kann sich hören lassen. Ich kann alle genannten Ring-Aufnahmen ausdrücklich empfehlen.

Veröffentlicht am 07.07.2013 22:38:17 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.07.2013 00:35:30 GMT+02:00
Fidelio meint:
Und immer wieder Böhm - mal bei Philips, mal Decca (mittlerweile in mehr als 5 Ausgaben): Neubewertung bei einem Zehntel des ursprünglichen Preises, angesichts von "Meinungsbildnern" und neuer Universal-Ausgaben? Wagner: Live aus Bayreuth. Der Böhm-Ring war der erste Bayreuther Ring, der auf CD erschien. Ende der 80er Jahre war selbst an den Boulez-Ring nicht zu denken und in den Folgejahren wartete man auf die gelobten Levine- oder Sinopoli-Dirigate aus Bayreuth (quasi bis heute) vergeblich. Für den Böhm-Ring zahlte man (preiswert bei Saturn, Köln) 278 DM; einzeln hätte jede Oper ca. 144 DM gekostet. Als das beste daran empfand ich die Einführungen der Publizistin Lynn Snook in dieser Erstausgabe. Die Musik offenbarte Schwächen: Die Souffleuse fortwährend im Vordergrund, Intonationsschwierigkeiten beim Orchester (auch beim Walkürenritt), Vernachlässigung der lyrischen Passagen wie auch bei Solti (trotz einseitiger Ausrichtung künstlerisch raffinierter), hier vielleicht zugunsten einer "pragmatischen" Dramatik und Härte, aber auf Tonträger eben nicht alle Facetten ausreichend beleuchtend (Wer möchte eine so "hart" gespielte Götterdämmerung am Stück ertragen?). Mein "erster" Bayreuther Ring (von Karl Böhm) war also nie sonderlich prägend, nicht exemplarisch, das konnte nicht alles gewesen sein. Allein schon Theo Adam gegen die schauspielerischen Qualitäten eines Ferdinand Frantz (beeindruckend beim Mailänder Furtwängler-Ring, s. Die Walküre 2.Aufzug, ferner in Rom). Interessant Leonie Rysanek oder die stimmlich gealterte, schauspielerisch und dramatisch beeindruckende Martha Mödl im "Gastauftritt" als Waltraute in der Götterdämmerung.
Herbert von Karajan schuf im Gegensatz zu Böhm und Solti einen modern-kammermusikalischen Ring, zwar fast ohne die hochdramatischen Stimmen, für viele eine Genugtuung, weil in den sensiblen, lyrischen Passagen adäquat und klangschön als Beginn einer "Tradition", die nachwirkte (s. z.B. Levines Ring).

Es bleiben als künstlerisch besonders interessante Gesamtaufnahmen Keilberth (1952 oder 1955), Furtwängler, Knappertsbusch, mit Einschränkungen Karajan. Als Querschnitte aufgrund der guten Auswahl Swarowsky (Membran-Ausz. auf 4 CDs) oder z.B. Haitink. Von Swarowsky (1968) erscheint ab 22.07.2013 eine Hänssler-Ausgabe, hoffentlich dann nicht mehr übersteuert (s. Weltbild-Ausg.). Ich halte die GA nicht für eine der besten und würde die 30 Euro eher in eine andere investieren.

Als digitalen Ring würde ich noch den des MET-Orchesters (James Levine) nennen - wegen eines eigenen Klangcharakters eines fantastisch spielenden MET-Orchesters. Das blasse Rheingold (übrigens auch bei Böhm) war für mich eine absolute Enttäuschung, die Besetzungen nicht perfekt, die späteren Aufnahmen Siegfried und Götterdämmerung (rundum) erfreulicher als die ersten beiden Opern (auch laut damaliger FF-Kritiken).

Einzelne Studio-Opern: z.B. Die Götterdämmerung Haitinks, Janowskis Siegfried (mit Einschränkung beim sehr manierierten Schreier, live in Berlin in grandioser Erinnerung), Götterdämmerung Janowskis (RCA/Eurodisc), Furtwänglers Studio-Walküre, evtl. Barenboims oder Dohnanyis Rheingold.
Die Budget-Ringe von Neuhold (passabel: Rheingold u. Götterdämmerung) oder Kuhn z.T. in Ordnung doch entbehrlich.

Aber was gibt es Neues? Bertrand de Billy aus Barcelona auf DVD - als abgewandelter Kupfer-Ring (s. Barenboim-Bayreuth)?
Thielemann aus Wien, dem großen Dirigenten-Hoffungsträger Bayreuths, dem gegenwärtig nicht mehr umstrittenen Wagner-Exegeten mit Format? Weigle, Young, Mehta...?

Veröffentlicht am 09.07.2013 05:12:35 GMT+02:00
Thielemanns Ring-Zyklus von der Wiener Staatsoper (2011) Der Ring des Nibelungen Das Rheingold: Albert Dohmen (Wotan), Markus Eiche (Donner), Herbert Lippert (Froh), Adrian Eröd (Loge), Janina Baechle (Fricka), Alexandra Reinprecht (Freia), Anna Larsson (Erda), Tomasz Konieczny (Alberich), Wolfgang Schmidt (Mime); Die Walküre: Christopher Ventris (Siegmund), Eric Halfvarson (Hunding), Albert Dohmen (Wotan), Waltraud Meier (Sieglinde), Katarina Dalayman (Brünnhilde), Janina Baechle (Fricka); Siegfried: Stephen Gould (Siegfried), Linda Watson (Brünnhilde), Albert Dohmen (Der Wanderer), Tomasz Konieczny (Alberich), Anna Larsson (Erda), Wolfgang Schmidt (Mime), Ain Anger (Fafner) und Chen Reiss (Stimme des Waldvogels); Götterdämmerung: Stephen Gould (Siegfried), Markus Eiche (Gunther), Eric Halfvarson (Hagen), Linda Watson (Brünnhilde) Caroline Wenborne (Gutrune), Janina Baechle (Waltraute);

Veröffentlicht am 09.07.2013 11:31:45 GMT+02:00
C. Brunner meint:
Einen „besten Ring“ als solchen gibt es meiner Ansicht nach nicht, da es bei einem über 14stündigen Werk mit unzähligen Mitwirkenden immer den einen oder anderen Part gibt der bei einem anderen Ring schöner verwirklicht wird bzw. besser besetzt ist. Auch ist es immer eine Frage der Parameter, die man anlegt: möchte man einen besonders schön gesungenen oder einen aufregend dirigierten, oder aber einen, der ein überwältigendes Sounderlebnis bietet.
Alles zusammen ist nie in letzter Konsequenz verwirklicht worden, aber unter den vielen Ringen gibt es dennoch einen, der schon ziemlich nahe an einem solchen Ideal ist: Joseph Keilberths Bayreuther Ring von 1955 (Testament) – erstklassige Sängerleistungen (Varnay, Windgassen und Hotter im Zenit ihres Könnens. Einziger kleiner Minuspunkt: der Loge von Rudolf Lustig), ein flüssiges und überzeugendes Dirigat, packende Live-Atmosphäre und obendrein in tadellosem Stereo.
Dieser Ring lässt eigentlich keine Wünsche übrig, es sei denn, man bevorzugt eine weihevollere Ring-Deutung, einen gemächlicheren Gang und ein breiteres Tempo. In diesem Falle wären die phänomenalen Bayreuther-Ringe unter Hans Knappertsbusch zu nennen, insbesondere jene von 1956 (Orfeo, Music & Arts) und 1958 (Walhall). Beide in exzellentem Mono und klangtechnisch bestens aufgearbeitet.
Knas gemächliches Zeitmaß gleicht einem ruhig und majestätisch dahin gleitenden Fluss. So bekommt jede noch so kleine Blüte dieses mächtigen Klangteppiches genügend Raum zur Entfaltung und dem Hörer entdecken sich lauter kleine, mitunter zarte Schönheiten die unter den Stromschnellen eines Clemens Krauss oder dem Ton-Bombast eines Solti verschüttet blieben. Auch die Sänger haben Zeit zur sorgfältigsten Phrasierung: jedes Wort, ja jede Silbe kann deutlich gebildet werden – und verständlicher als damals wurde nie gesungen!

Welcher der beiden Knappertsbusch-Ringe der bessere ist, ist schwer zu entscheiden, aber ich neige ein wenig zu jenem von 1958, da Orchester und Sänger besser ausbalanciert sind (1956 sind die Sänger arg weit im Vordergrund, bzw. das Orchester schon fast unterhalb des „grünen Hügels“). Zudem haben wir 1958 ein stimmlich aufregenderes Wälsungenpaar (Vickers und Rysanek), das allerdings in Sachen Textdeutlichkeit und Intonationsgenauigkeit dem 56er Paar (Windgassen und Brouwenstijn) unterlegen ist. Der Loge von Suthaus ist dagegen ein deutlich Plus des 56er Rings, während Hotter, Windgassen und Varnay so gut - ach was heißt „gut“ im Angesicht heutiger Leistungen - so sensationell wie eh und je sind. Im dritten aufeinanderfolgenden Knappertsbusch-Ring-Jahr war noch dazu das gesamte Ensemble (weitere Pluspunkte: Grümmer und Stolze!) auf Knas langem Atem geeicht. Zwei Jahre zuvor war das noch nicht ganz der Fall: besonders Windgassen hatte hörbar Mühe, wollte Druck machen, vorpreschen, doch Knappertsbusch blieb unberührt, ja trat erst recht auf die Bremse.
1958 dagegen ist alles, aber wirklich alles im Lot (so wie schon 1955 bei Keilberth – es war schon sein 4tes Ring-Jahr!).

Ein weiterer Jahrhundert-Ring dürfte ziemlich zweifelsfrei Furtwänglers Aufnahme 1953 für die italienische RAI sein. Seit dieser Ring in neuem Remastering vorliegt (Pristine oder EMI Japan), dürfte er auch klanglich zu den Bayreuther Mono-Ringen der 50er Jahre aufgeschlossen haben. Interpretatorisch, ebenso wie die Sängerleistungen betreffend (insbesondere Mödl und Suthaus) war er ja schon seit immer maßstäblich. Nun aber wird zudem erlebbar, dass das italienische Rundfunkorchester unter Furtwänglers Stabführung so schlecht nicht war wie jahrelang behauptet wurde.

Wer die Stimmen des „goldenen“ Wagnerzeitalters (Flagstad, Lehmann, Melchior, Schorr u.a.) erleben möchte, der greife auf den „Dream Ring Cycle“ der Firma Guild zurück – die denkbar schönsten und beeindruckendsten Wagnerstimmen in (durchaus akzeptablem) historischem Klangbild. Wer allerdings größeren Wert auf HiFi-Erlebnisse legt und dennoch auf annehmbare Sängerleistungen nicht verzichten möchte, dem bieten sich zudem die Einspielungen von Solti, Karajan, Swarowski, Böhm und mit Einschränkungen sogar noch Barenboim (vor allem Waltraud Meier und Anne Evans!).

Die Ringe von Keilberth (1953 und bes. 1955), von Knappertsbusch (1956 und 1958), sowie Furtwängler (1953) bleiben für mich jedoch in nahezu jeder Hinsicht unübertroffen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.07.2013 11:42:03 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.07.2013 12:47:05 GMT+02:00
Fidelio meint:
Zum Wiener Thielemann-Ring gibt es bei jpc im Kontrast zu Amazon mit 3 Kundenbewertungen mittlerweile 57 mit folgender Bewertungsübersicht:
5 Sterne: 7 , 4 Sterne: 9, 3 Sterne: 15, 2 Sterne: 21, 1 Stern: 5
Durchschnitt: 2,9 von 5.
z.B. "schwer enttäuscht bin ich, vor allem über das Klangbild. Wattig und dumpf und ganz weit weg. Zu Sängerleistungen möchte ich mich aus Höflichkeit nicht äußern."[...]
Das gibt doch zu denken, war z.B. Tristan/ Thielemann (DG) rein klanglich für eine Veröffentlichung auf CD kaum genügend.
Hoffentlich liegt nun kein (aufnahmetechnisches) Rudiment vor, d.h. trotz des niedrigen Preises sollte man ein erstklassiges Live-Aufnahmeniveau voraussetzen dürfen (als ein beeindr. Beisp.: WarRequ./Gardiner). Denke ich an die klanglich guten Rundfunkübertragungen aus Bayreuth, bin ich froh, Levine noch in den 90ern mitgeschnitten zu haben ("emotionale" Orchesterführung). Bei Sinopolis Götterdämmerung im Jahr 2000 versagte Gabriele Schnaut (Brünnhilde) zum Ende die Stimme - vielleicht auch ein Grund, weswegen der fein dirigierte Mitschnitt im Archiv ruht. Leider bin ich mit der digitalen/PC-Technik kaum vertraut, aber es dürfte sich lohnen: http://www.wdr.de/radio/home/radiorecorder/start/index.phtml
PS.: histor. mp3-Versionen:
http://www.classicalmusicmobile.com/67-wagner-richard
http://www.liberliber.it/musica/w/wagner/index.php

Veröffentlicht am 09.07.2013 14:27:38 GMT+02:00
Auch absolut empfehlenswert: Die Walküre (1. Aufzug) aus der Wiener Staatsoper (2007) Walküre,1 Aufzug Interpreten: Nina Stemme (Sieglinde), Johan Botha (Siegfried), Ain Anger (Hunding), Orchester der Wiener Staatsoper/Franz Welser-Möst

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.07.2013 16:54:01 GMT+02:00
Diese Walküre ist sicher großartig, besonders Johan Botha, den man eigentlich nur hören sollte. Er singt aber so, daß man sein unglückliches Aussehen schnell vergißt. Seine Wälserufe sind einmalig.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.07.2013 22:53:14 GMT+02:00
gemihaus meint:
@ brunner
man kann ihnen schlichtweg nur zustimmen, sofern man nicht einzelleistungen oder teile zum gesamtwerk überbewertet.

Veröffentlicht am 11.07.2013 01:29:43 GMT+02:00
Mich würde interessieren: Wie gefällt euch die Auswahl auf Christian Thielemann: My Wagner Album? Enthaltene Aufnahmen: Rienzi, Overtüre: Wiener Philharmoniker/Christian Thielemann, Was duftet doch der Flieder (Die Meistersinger von Nürnberg): Paul Schöffler (Sachs),Wiener Philharmoniker/Hans Knappertsbusch, Tannhäuser, Overtüre: Berliner Philharmoniker/Wilhelm Furtwängler, Tristan! Isolde! Geliebter! (Tristan und Isolde): Margaret Price (Isolde), René Kollo (Tristan),Staatskapelle Dresden/Carlos Kleiber, O sink hernieder, Nacht der Liebe (Tristan und Isolde): Margaret Price (Isolde), René Kollo (Tristan), Staatskapelle Dresden/Carlos Kleiber, Einsam wachend...Habet acht! (Tristan und Isolde): Brigitte Fassbaender (Brangäne), Staatskapelle Dresden/Carlos Kleiber, Trauermarsch (Götterdämmerung): Orchester der Wiener Staatsoper/Christian Thielemann, Ja, wehe! Wehe! Weh über mich! (Parsifal): Thomas Stewart (Amfortas), Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele/Pierre Boulez, Nur eine Waffe taugt (Parsifal): James King (Parsifal), Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele/Pierre Boulez, Höchsten Heiles Wunder! Erlösung dem Erlöser! (Parsifal): Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele/Pierre Boulez, Zur Burg führt die Brücke (Das Rheingold): Edda Moser, Helen Donath, Josephine Veasey, Anna Reynolds, Dietrich Fischer-Dieskau, Donald Grobe, Gerhard Stolze, Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Abendlich strahlt der Sonne Auge (Das Rheingold): Edda Moser, Helen Donath, Josephine Veasey, Anna Reynolds, Dietrich Fischer-Dieskau, Donald Grobe, Gerhard Stolze, Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Ein Schwert verhieß mir der Vater (Die Walküre): Jon Vickers (Siegmund), Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Walkürenritt (Die Walküre): Lilo Brockhaus, Carlotta Ordassy, Barbro Ericson, Cvetka Ahlin, Helga Jenckel, Liselotte Rebmann, Danica Mastilovic, Ingrid Steger, Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Leb wohl...Loge, hör! (Die Walküre): Thomas Stewart (Wotan), Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Nothung! Nothung! Neidliches Schwert! (Siegfried): Jess Thomas (Siegfried), Gerhard Stolze (Mime), Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Heil dir, Sonne! (Siegfried): Helga Dernesch (Brünnhilde), Jess Thomas (Siegfried), Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan, Siegfried's Tod & Trauermarsch (Götterdämmerung): Helge Brilioth (Siegfried), Berliner Philharmoniker/Herbert von Karajan;

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 02:35:33 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 11.07.2013 03:15:06 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 11:46:20 GMT+02:00
GarakFan meint:
Lieber C. Brunner
Ihre Kenntnis der Ring-Aufnahmen ist erstaunlich. Mich würde interessieren, ob Sie nicht auch modernere Auffassungen (zB. Boulez) gut heissen könnten. Habe gerade im interessanten Wagner-Buch von Hans Mayer seine Diskussion mit P. Boulez gelesen, woraus hervorgeht, dass die im 19. Jh. verhafteten, pathetisch-pompösen-weihevollen Wagner-Auffassungen eigentlich vorbei und veraltet sind. RW ist doch viel witziger, überraschender, sogar ironischer. - Ich neige dazu, für die Interpretation (v.a. Ring) dem Orchester 80%, den Sängern 10% und der bildlichen Darstellung (Regie) 10% zuzumessen. Ist das vielleicht vermessen? Herzlich, RPB

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 20:06:58 GMT+02:00
R_Planer meint:
Mit dem nicht gerade tollen Klang kann ich Ihnen zustimmen.
Bei der Bewertung bei jpc muss ich aber anmerken, dass die meisten Bewertungen schon da waren, bevor die CDs überhaupt veröffentlicht waren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.07.2013 10:22:31 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.07.2013 10:55:16 GMT+02:00
hartmutw meint:
Werte Wagnerianer,
das Solti-Rheingold scheint es auch im Lowprice-Segment zu geben:
Rheingold

Bestehen hier größere klangliche Unterschiede zur Originals-Serie?
Die Einspielung dürfte ja die identische sein.

Ansonsten: Danke für die vielen Anregungen! Nicht zuletzt aufgrund der Empfehlungen dieses Forums habe ich mir die "Walküre" mit Leinsdorf zugelegt - schlicht umwerfend und für mich eine der besten "Ring"-Vertonungen überhaupt, mit Biss und Verve (neudeutsch "Drive), dabei aber hoch emotional. 6 Sterne!!

Edit nach mehrmaligem Durchhören: Leider muss man bei Aufnahmequalität und auch Orchesterklang (LSO) doch en paar Abstriche machen - teils unsaubere Einsätze, teils verhunzte Bläser. Insofern eher gute 4 Sterne, aber sehr hörenswert.

Veröffentlicht am 17.07.2013 21:03:02 GMT+02:00
Peter Rieger meint:
Bin kein Wagnerianer, aber hier meine Einschätzung: Die Aufnahme, die eben die bekannte Studio-Produktion aus September und Oktober 1958 ist, ist auch in dieser Edition zeitbezogen klanglich hervorragend mit präsenten Sängern, dennoch nicht unterdrücktem Orchester und einem suggestiven, warmen, natürlichen Stereo-Klang. Da kann man wenig verbessern. Und bei der Anschaffung wenig falsch machen.
Schönen Gruß!
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