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Unterbewertete Komponisten


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76-100 von 111 Diskussionsbeiträgen
Veröffentlicht am 03.08.2010 00:02:46 GMT+02:00
Nette Diskussion! Aber könnten wir es etwas kleiner und zugleich größer halten?
Was ist mit Lortzing, Nicolai, Flotow, Offenbach, Smetana, Janaczek, Humperdinck, Weber? Gute Aufnahmen sind so gut wie nicht auf dem Markt, zumindest nicht als DVD. Ich plädiere für Undine, Die lustigen Weiber von Windsor, Martha u.s.w.! Gibt es noch jemanden, der die kleinen romantischen Opern so liebt wie ich?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2010 05:09:02 GMT+02:00
Hans Wurmann meint:
An Ulrich Schiel,

Villa-Lobos mag vielleich unterbewertet sein, wenn auch nicht von mir.

Aber Claudio Monteverdi hat meines Erachtens mittlerweile einen Bekanntheitsgrad wie nur wenige andere Komponisten der sogenannten klassischen Musik.
Er ist, weil bereits 1567 geboren und erst 1643 gestorben, ebenso Wegbereiter(Vorbereiter) der Barockmusik, als auch Vollender des frühbarocken Musikstils. Als er zu komponieren begann, war der streng der Wortmelodie folgende generalbassfreie Kirchenmusikstil üblich, aber schon 1607 (orfeo) und 1610 (vespro della beata Vergine/Marienvesper) hatte er unübertreffliche Meisterwerke des Barock geschaffen, die an Qualität und Modernität in ihrer Zeit nicht ihresgleichen hatten und deren zeitlose Schönheit alle Zeiten überdauern wird.

Als er am Ende seines Erdenlebens "Die Heimkehr des Odysseus" und "Die Krönung der Poppea" komponierte, waren Lully und Buxtehude bereits auf der Welt und bis J.S.Bach waren es auch nur noch ca. 40 Jahre.

Als er geboren wurde, waren Palestrina und di Lasso berühmt und hatten beide immerhin noch 27 Jahre zu leben. In deren Musikstil ist aber noch nichts vom Barock zu erahnen.
Claudio Monteverdi war in seiner Musik der Zeit weit voraus. Seine Opern zählen heute immer noch zu den meistgespielten Opern des Repertuars. Das gleiche gilt für seine Marienvesper. Hinzu kommen unzählige Madrigale und andere bedeutende Sammlungen geistlicher und weltlicher Vokalmusik.

Es ist unbegreiflich das Monteverdis Musik ca. 300 Jahre lang als Musik für Spezialisten, Experten und besondere Kenner galt, ja als wirklich unterschätzter Komponist.
Erst in der zweiten Hälfte der 20. Jahrhunderts hat sich das in immer schnelleren Tempo verändert. Noch 1970 hätten sie mit dem unterbewerteten Komponisten Monteverdi recht gehabt, heute nicht mehr.

Veröffentlicht am 07.08.2010 17:34:10 GMT+02:00
Dan Savio meint:
Ja, Villa-Lobos ist ein bewundernswerter Komponist. Seine Bachanias brasileiras, Coros und Symphonien zeigen wirklich eine unglaubliche Musikalität. Ich mag diesen rhythmischen Fluss in seinen Werken.
Villa-Lobos leidet, so glaube ich, an seiner nationalen Färbung. In der von Europäern geprägten klassischen Musik belächelt man ihn ein bisschen. Zu Unrecht! Auch wenn nicht alle Werke (er schrieb an die 1000) den gleichen Rang besitzen.

Romantische Opern liebe ich! Der Vampyr! und die überhaupt die erwähnten Stücke! Aber ganz interessant ist die Undine von E.T.A Hoffmann, die völlig anders als die von Lortzing ist, aber dennoch sehr hörenswert. Vor allem der Beginn mit der Wassergeister-Szene.

Um wieder an den Anfang der Diskussion zu kommen, möchte ich hier nochmals den Namen Max Reger in die Runde werfen.
ER stellt für mich die enormste Ausnahme dar. Denn obwohl er noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts unumstritten zu den Granden der klassischen Musik gezählt wurde, ist sein Ruhm heute nahezu verblasst. Würde man nach den Labels Decca, Deutsche Grammophon und Phillips gehen, würde dieses Genie gar nicht existieren. Seine Werke führen ein unbemerktes Leben, außerhalb der Konzertsäle und CD-Verkäufe. Lediglich die Orgelenthusiasten scheinen ihn zu kennen.
Dabei hat dieser Mann doch Werke von unglaublicher Qualität geschaffen! Ich verstehe beispielsweise nicht, wie die Hiller-Variationen, die ich in einem Atemzug mit einer Brahms-Symphonie nennen würde, überhaupt keine Rolle mehr im Musikleben spielen. Sicherlich seine Musik ist für viele überkompliziert, aber die oft mittelmäßigen Interpretationen sind da ganz erheblich mit Schuld.
Überhaupt gibt es doch trotzdem noch genug musikliebende Menschen mit Geschmack, die das Genie Reger vor dem vergessen bewahren könnten!
Sein Klavierkonzert und der Symphonische Prolog sind großartig! Das Violinkonzert muss wohl noch entdeckt werden, ist allerdings nichts für diese Geigenmiezen, die den Markt zur Zeit beherrschen.
Also! Hören sie alle Max Reger!

Veröffentlicht am 07.08.2010 21:41:34 GMT+02:00
Wie merkwürdig, niemand hat einen Kommentar zu meinen Anmerkungen gehabt! Es scheint wichtiger zu sein, nicht so bekannt Komponisten aufzuzählen und mit diesem Wissen zu punkten, als sich einmal über die kleinen, entzückenden und vernachlässigten Opern der Romantik und auch spätere Werke zu äussern!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.08.2010 01:46:17 GMT+02:00
Hans Wurmann meint:
An Carlotta Conti,

Ich muß zugeben, das ich ihren Beitrag überlesen habe.
Ich höre gerade zufällig "Die lustigen Weiber von Windsor". Ich wundere mich immer wieder, das dieses köstliche Werk so wenig Beachtung erfährt. Es wäre doch für eine DVD wie geschaffen. Das gleiche gilt natürlich auch für Undine, Martha. Von Lortzing gibt es mal gerade eine DVD : Zar und Zimmermann. Eine nette, ältere Einspielung. Ein bißchen sehr nostalgisch, aber doch vergnüglich. Lortzing wird m.E. konstant unterschätzt. Eine komische Oper oder Spieloper muß wohl italienisch oder französisch sein, um in Deutschland voll anerkannt zu werden. Von Smetana gibt es zwei "Verkaufte Bräute" auf DVD. eine auf Deutsch, eine auf Tschechisch, aber wo ist z.B. Dalibor. Ansonsten haben wir immerhin gute DVD's von Hoffmanns Erzählungen, Jenufa, Hänsel und Gretel und Freischütz. Also die Lage ist wohl ernst, aber nicht hoffnungslos. Vom Hänsel habe ich immerhin 9 DVD's gefunden, aber kein einziges mal Königskinder. Die scheinen wohl für die DVD-Branche endgültig verdorben, gestorben zu sein. Kann man auch nicht nachvollziehen.

Veröffentlicht am 08.08.2010 12:54:32 GMT+02:00
Hans Wurmann meint:
Um noch einmal auf die "lustigen Weiber" zurück zu kommen. Dieser Stoff ist außer von Nicolai und Verdi auch von Salieri vertont worden und die Oper "Falstaff" von Salieri ist bei Arthaus auf einer sehr schönen DVD erschienen. Eine echte Entdeckung. Dieser Salieri konnte nicht nur Mozart "vergiften", er war ein sehr beachtlicher Komponist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.08.2010 16:46:41 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.08.2010 16:47:47 GMT+02:00
@Carlotta Conti, Hans Wurmann,

bin völlig Ihrer Meinung. Und wenn da u.a. Lortzing zur Sprache gekommen ist, so passt er fabelhaft zum vorgegebenen Thema "Unterbewertete Komnponisten". Man mag rätseln, wieso man dessen Werke nicht öfter zu hören und schon gar nicht (auf Bühnen oder DVD) zu sehen bekommt. Habe vor kurzem wieder den "Wildschütz" gehört und bin aus dem Staunen über diese sorgfältig und inspiriert komponierte Musik gar nicht herausgekommen. Es muss alles sehr leicht und einfach klingen, ist aber möglicherweise gar nicht so einfach zu singen...
Zugegeben: die Libretti sind (trotz ihres Wortwitzes) von biedermeierlicher Harmlosigkeit, um nicht zu sagen: Banalität - aber es gibt wohl andere, häufiger aufgeführte Opern, die auch nicht gerade von philosophischer Tiefe sind. Kann sein, dass die Handlung heutigen Regisseuren keinen Raum lassen, gestalterisch einzugreifen und unserer Zeit "anzupassen", wie das ja so gerne gemacht wird. Da schicken sie lieber den alten Lortzing in die Mottenkiste und inszenieren etwas, was vom Großfeuilleton dann auch so richtig gewürdigt wird.
Also liebe Regisseure und Opernintendanten: traut euch! Eine neue junge Generation an Opernfreunden hat Lortzing noch gar nicht richtig kennen lernen dürfen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.08.2010 04:49:32 GMT+02:00
Hans Wurmann meint:
An Dan Savio,

Ihr Einsatz
für Max Reger ist sehr lobenswert. Ich finde seine Musik gar nicht so überkompliziert. Dieser Ruf ist wohl eher durch unkonzentriertes Zuhören seiner Musik entstanden und sicher auch durch -wie von ihnen erwähnt- mittelmäßige Interpretationen. Das Klavierkonzert habe ich immer als so etwas wie das dritte von Brahms empfunden - so wie man früher mal Brahms erste Sinfonie als die zehnte von Beethoven bezeichnete- , in seiner Qualität und als direkte Nachfolge. Aber von Brahms1.+2. Klavierkonzert gibt es Stöße von hochwertigen Einspielungen, von Reger's Klavierkonzert mal gerade eine Hand voll. Warum ?
Vom Violinkonzert habe ich lediglich die Scherzer/Blomstedt-Einspielung. Warum reißen sich nicht die großen Geiger/Geigerinnen um dieses in Stil und Qualität durchaus Brahmsnahe Werk. Wohl weil es nicht von Brahms sondern "nur" von Reger ist. Es ist wohl kein "freundliches Virtuosenkonzert", sondern eher eine "Sinfonie mit obligater Geige", aber solches hat man vom Brahms-Konzert auch gesagt.
Was mir an ihrem Beitrag nicht gefällt ist der Begriff "Geigenmiezen", zumal sich die "Geigenmiezekater" auch kaum um das Reger-Violinkonzert kümmern. Diese typisch frauenfeindlichen Klischees sind mir echt zuwider. Wenn ich z.B. an so eine großartige Violinistin wie Hilary Hahn denke, die vom sperrigen Schostakowitsch Nr.1 eine selbst David Oistrach konkurrenzfähige Interpretation vorlegte oder das Schönberg Konzert zu einem erhebenden, leicht verständlichen und sinnlichem Erlebnis gestaltete oder auch an die schon seit Jahren begeisternde Viktoria Mullowa, dann werde ich böse. Und auch einige jüngere Geigerinnen haben ihr Können schon eindrucksvoll in Standartwerken der Violinliteratur zum Ausdruck gebracht. Das keiner direkt mit Reger beginnt ist ja wohl nicht erstaunlich, die jungen Geigenherren tun das ja auch nicht.

Veröffentlicht am 09.08.2010 17:52:18 GMT+02:00
Dan Savio meint:
An Hans Wurmann

Sie haben Recht. Meine Bezeichnung "Geigenmiezen" war wohl nicht sehr glücklich gewählt und war vielleicht ein zu harter Frustausbruch für die gegenwärtige CD-Politik der Label. Hilary Hahn hat mich schon sehr überzeugt, besonders mit ihrer Einspielung des Schönberg-Konzerts. Sie könnte sich doch mal Reger widmen. Bitte verstehen sie meine Wortwahl nicht als sexistischen Kalauer. Ich würde nie die Interpretationsfähigkeit am Geschlecht festmachen. das brauche ich glaube ich nicht einmal zu erwähnen. Wenn man nur sieht wie viele herausragende Künstler wie Till Fellner, Alfredo Perl oder Andrea Lucchesini einer Alice Sarah Ott, Anna Gourari oder einer Grimaud wegen der Fototauglichkeit weichen müssen (und es ist reiner Zufall, dass hier Herren und Damen gegenüberstehen), dann ist das schon frustrierend für unsere holde Kunst.

Was die Brahms-Vergleiche angeht muss ich ihnen zustimmen. Ich bezeichne das Reger Konzert auch gerne als das "böse Brahms-Konzert".
Sicherlich werden manche die einen Brahms erwarten etwas verstört reagieren, aber Reger ist einfach etwas ganz besonderes. Der Vincent van Gogh der Musik, wenn man so will.
Sie haben vollkommen Recht mit der Meinung, dass vielen die Fähigkeit zum konzentrierten Hören von regerscher Musik fehlt. Wer diese melodischen Bögen und die feingliedrige Struktur seiner Werke verstehen will, kann nicht immer mal wieder hin hören oder unkonzentriert sein. Regers Musik fordert eine emotionale Bereitschaft zuzuhören und sich zu konzentrieren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.08.2010 22:39:39 GMT+02:00
Hans Wurmann meint:
An Dan Savio,

O.K. das wegen der "Geigenmiezen" habe ich ein wenig falsch verstanden und überreagiert. Ich bin halt bei manchen Sachen stark allergisch. Sie haben schon Recht, Geschäft ist heute alles. Dem schnöden Mammon wird heutzutage fast alles unterworfen; künstlerische oder moralische Werte stehen hintenan.

Veröffentlicht am 15.08.2010 16:11:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.08.2010 12:34:59 GMT+02:00
gemihaus meint:
@ reger-brahms

es gibt von regers klavierkonzert (und seinen bedeutenderen bach-variationen) eine sehr gute
aufnahme von rudolf serkin (philadelphia orchestra unter ormandy), die das konzert weniger
in überchromatisierte brahmsnähe rückt und mehr die post-klassische konstruktion betont.
wer die brahms konzerte kennt, wird diesbezüglich eine eigenständige originalität regers auch
nicht uneingeschränkt bewundern können - böse: paraphrasiertes brahms-konzert.
wie erkannte doch brahms zum geiger-freund joachim bereits vor reger (sinngemäss):
in manchen betrachtungen über variationsformen finde ich, sie müssten strenger und reiner
gehalten werden. die alten! behielten durchweg den bass als eigentliches grundthema streng
bei ... ich finde aber manchmal, das wir neueren mehr über das thema wühlen.
wir behalten alle die melodie ängstlich bei und behandeln sie nicht frei und schaffen eigent-
lich nichts neues daraus, sondern beladen sie nur!
von den späten variationskünsten regers konnte der variationskünstler brahms da noch
nichts ahnen.

a-pro-pos unterbewertet: der bekanntheitsgrad eines künstlers steht häufig im widerspruch
zur kenntnis seiner künste.
lortzing-flotow-gedudel ist wohl auch wenig kompatibel zu janacek oder offenbach, die wohl nicht unterrepräsentiert sind, aber weniger rezipiert.
alexander zemlinsky oder karl-amadeus hartmann als beispiel 'unterbewerteter' haben dabei
ein weitaus problematischeres standing, auch ihrer qualitäten wegen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.08.2010 09:56:56 GMT+02:00
Hallo,

wer mir noch einfiele ist Manuel de Falla ein wunderbarer Komponist der auch sehr selten gespielt wird.
Und dann würde ich gerne nochmal einen Namen aufgreifen, nämlich Hanns Eisler auch ein vergessener Komponist der aufgrund seiner Vergangenheit lange ignoriert wurde. Dabei hat er wunderbare Werke komponiert, wie 14 Arten den Regen zu beschreiben oder die Deutsche Sinfonie. Sollote man sich unbedingt mehr damit beschäftigen.

Veröffentlicht am 18.08.2010 11:02:54 GMT+02:00
Da ich - entgegen der allgemeinen Meinung vieler - durchaus finde, dass moderne amerikanische Komponisten manchmal durchaus etwas zu bieten haben, möchte ich an dieser Stelle auf SAMUEL ADLER aufmerksam machen, von dem es in der Naxos-Reihe "American Classics" 2 interessante Aufnahmen gibt, zum einen seine 5. Symphonie, welche bereits im Jahre 2005 erschienen ist (Symphonie Nr. 5/We Are the Echo) und zum anderen ein paar kleinere Werke von ihm von 2009 (Of Musique,Poetrie,Art,and Love)

Veröffentlicht am 23.08.2010 11:56:43 GMT+02:00
Dan Savio meint:
Ja, die Aufnahme des Regerkonzerts mit Serkin ist eine sehr kostbare. Trotzdem will ich ihnen sehr gerne die neueste Einspielung des Pianisten Michael Korstick ans Herz legen, der mit einer mörderischen Pranke und einfühlsamen Ton der Partitur vieles abgewinnt. Die klangtechnisch gute Aufnahme verrät uns vielleicht noch ein bisschen mehr über Regers Kunst.

Zur Flotow-Lortzing-Reger-Diskussion
Hier denke ich zeigt dich der Kern dieser Diskussion, die sich ja "unterbewertete Komponisten" heißt. Denn sind Flotow und Lortzing unterschätzt? Nein!
Verstehen sie mich nicht falsch. Ich denke ganz gerne an Lortzings Musik und Text, und höre ihn auch sehr gerne. Aber meines Erachtens nimmt er genau den Platz in der Musikgeschichte ein, den er verdient hat. Genau wie Flotow. Sicherlich würde man sich wünschen mehr von den beiden in der Oper zu hören, aber man kann hier nicht von einer Unterbewertung reden, oder wünschen sie sich etwa, dass Lortzing auf die Stufe von Verdi gestellt wird? Das wäre doch wohl eine Überbewertung.
Und da ist der Punkt: Reger ist unterbewertet, nicht Lortzing. Wie gemi-b schon gesagt hat, fehlt da schon eher die Annerkennung für Janacek oder Offenbach.

Veröffentlicht am 02.09.2010 00:24:19 GMT+02:00
444 meint:
Ich möchte Dan Savio unbedingt recht geben für seine Empfehlung der Korstick-Aufnahme des Reger-Konzerts. Besonders gelungen ist die feine Abstimmung mit dem Orchester, vor allem was Klangnuancen und Farbigkeit angehen, die den sperrigen Charakter etwa des ersten Satzes zwar voll zur Geltung bringt, aber auch eben alles an Farbenreichtum "herauskitzelt" - die Aufnahme kann süchtig machen. Einen besonderen Jammer finde ich, dass man die diskographische Situation bei Reger - auch wenn diese sehr dürftig ist - im Vergleich zur Rezeption im Konzertsaal fast schon ordentlich nennen muss. Große Werke wie die Hiller-Variationen, die Mozart-Variationen oder ganz besonders das Violinkonzert müsste im Konzert ein grandioses Erlebnis sein... Sehr schade
Unbedingt empfehlen möchte ich - wo ich schon bei Korstick bin - seine Gesamtaufnahme der Milhaud-Konzerte (ebenfalls bei cpo)!
Grüße an alle

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.09.2010 14:56:07 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.09.2010 00:38:09 GMT+02:00
Der Empfehlung von „Dan Savio“ und „444“ zur Korstick-Aufnahme möchte ich entschieden beipflichten. Die mangelnde Beachtung im Konzertleben ist höchst bedauerlich. Auf das Klavier entfallen keine vom Orchester abgehobenen virtuosen Kabinettstücke. Das Klavier ist vielmehr anspruchsvoll in die sinfonische Werksstruktur eingebunden, ähnlich der Klavierkonzerte von Brahms. Durch die einleitenden Bläserakkorde und den darauf unisono folgenden Streichern mit dem markant abstürzenden Hauptthema wird man in das Konzert quasi förmlich hineingerissen. Mit Ausnahme der Oper war Reger eine überaus fruchtbarer Komponist in allen Bereichen, blieb aber im Wesentlichen wohl nur als Orgelkomponist bekannt, obwohl er vor dem Ersten Weltkrieg neben Richard Strauss als wichtigster deutscher Komponist gegolten hatte. Neben dem Violinkonzert und den Orchesterwerken (Böcklin Suite und Hiller Variationen sowie Psalm 100 [für Chor, Orchester und Orgel] und Mozart Variationen) beeindrucken mich von dem Orgelwerk besonders die neun „leichten“ Stücke für Orgel op. 129 (in der Interpretation durch Wolfgang Zerer) durch ihre überwiegend ruhige und besinnliche Charakteristik.

Veröffentlicht am 04.09.2010 16:20:21 GMT+02:00
Entschuldigung, hat jemand schon JOHANN CHRISTIAN BACH (den "Londoner" Bach-Sohn) erwähnt? Tolle Musik! Die Symphonien kommen mit Haydn und Mozart mit und sind tötlich elegant. Die Konzertanten Symphonien sind ein Ohrenschmaus. Die Klaviersonaten singen ... und all das ist genau richtig lang

Veröffentlicht am 06.09.2010 23:39:22 GMT+02:00
haydnfan meint:
Unerbewertet auch solch Klassikkomopnisten wie Johann Christian Bach oder Cannabich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.09.2010 17:02:09 GMT+02:00
ziegenpeter meint:
O ja!
unter den "frühklassischen" Kompositionen gibt es Perlen, meine Favoriten sind CPE Bach, Vanhal und Boccherini.

Meine LieblingsCDs aus dieser Richtung:
- Concerto Köln hat viele vergessene Stücke vergessener Klassiker aufgenommen, z.B. in der Box Plays Dall'Abaco,Locatelli/+ Stücke von Locatelli, Vanhal, Kozeluch, Eberl u.a.
- Vanhals Missa Pastoralis: ein großartiges, unkonventionelles Stück Messen
- Boccherinis Cellokonzerte machen besonders gute Laune (mein Töchterlein tanzt gerne dazu) Cellokonzerte
- CPE Bachs Hamburger Cembalokonzerte Hamburger Konzerte
- Homilius' a capella Chorstücke Gottfried August Homilius: Motetten

Veröffentlicht am 17.09.2010 12:44:06 GMT+02:00
Nico meint:
Hallo, erstmal dank an alle für die vielseitigen Beiträge! Hier noch ein verspäteter Beitrag:
Vergessen oder unterbewertet hängt ja immer auch vom eigenen Standpunkt ab. Z.B. Camille Saint-Saens ist für sein Karneval der Tiere weltberühmt, auch seine Orgelsinfonie und einzelne Klavierkonzerte werden oft und gerne aufgenommen, aber dass dieser Mann eine Vielzahl entdeckungswürdiges Vergessenes oder Unterbewertetes aus allen Bereichen geschaffen hat steht für mich ausser Frage.
Einen Komponisten möchte ich noch in die runde werfen auch wenn diese wahrscheinlich schon geschlossen ist und zwar Erich Wolfgang Korngold, der mehr als nur Filmmusiken geschaffen hat. Schönes Beispiel : Sinfonietta Op.5 mit dem Berlin Radio Symphony Orchestra und Gerd Albrecht.
LG Nico

Veröffentlicht am 17.09.2010 19:12:58 GMT+02:00
Auch ich melde mich verspätet noch einmal zu Worte. Auch ich die vermisse die musikalische Bandbreite (ob Sinfonien, Opern, Kammermusik usw.) der Komponisten wie:

Bohuslav Martinu
Franz Schmidt
Carl Nielsen
Wilhelm Peterson-Berger
Alexander K. Glazunov
Anatol Liadov
Hans Pfitzner

Kleine Label nehmen sich - Gott-sei-Dank - zum Teil dieser Komponisten an. SORRY - aber zur Zeit wird man ja förmlich zugeschubert, zugemahlert und zugewagnert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.09.2010 14:46:12 GMT+02:00
hallo Reiner,

dieser Meinung pflichte ich 100% bei und was ist das Ende vom Lied?
Unser Theater hat gestern seine Spielzeit mit einer Oper eröffnet die - im Vergleich zu den großen Werken - nicht so oft gespielt wird (wohnen auch in einer eher ländlichen Gegend) und es gab leere Plätze !!! In den vorangegangenen Spielzeiten, wo mit "Klassikern" eröffnet wurde (Zauberflöte, Nabucco) war die Premiere bereits nach wenigen Tagen ausverkauft.

Veröffentlicht am 18.09.2010 19:48:28 GMT+02:00
Ulrich Schiel meint:
Ich möchte nochmal an Villa-Lobos erinnern. Obwohl manche Stücke von ihm einigermassen bekannt sind, wie einige Bachianas Brasileiras, Etüden für Gitarre, wissen wenige, dass er einer der produktivsten Komponisten des 20. Jahrhunderts war. Er hat z.B. 12 Sinfonien und 17 Streichquartette komponiert. Habe mir gerade eine (Fast-) Gesamteinspielung der Quartette angehöhrt und bin beeindruckt von der Vielseitigkeit der Musik. Sie gefallen mir besser als die von Bartok.
Die Streichquartette konnten von einem brasilianischem Site runtergeladen werden, wurden aber zurückgezogen.
Falls sich jemand interessiert, soll er es hier melden, ich kann die Quartette Uploaden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.02.2014 12:06:55 GMT+01:00
Fidelio meint:
Bert Brecht/Kurt Weill-Complete Recordings
Kurt-Weill-Komplilation von Aufnahmen, die sich woanders sogar noch im Hochpreisbereich finden lassen, u.a. mit Lotte Lenya 2 x in Die Dreigroschenoper (1930, 1958), Die Sieben Todsünden, GA von Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (mit dem Alabama Song als einem der bekanntesten Hits).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2014 22:24:25 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
Villa Lobos (beispielsweise die Gitarrenmusik) ist ein guter Hinweis, Ginastera ein anderer. Nicht zu vergessen auch, wenn man schon in Südamerika ist Revueltas, Carlos Chavez und auch der fantastische Francisco Mignone.
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