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Unterbewertete Komponisten


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51-75 von 111 Diskussionsbeiträgen
Veröffentlicht am 11.02.2010 19:44:46 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 12.02.2010 12:02:43 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.02.2010 11:31:36 GMT+01:00
444 meint:
Lieber Eusebius, so langsam wird es mir zu dumm =)
Ich habe diese Schriften als Beispiele für eine Tendenz in der Musikwissenschaft angeführt, nicht als allein gültiges Urteil über Karl Amadeus Hartmann. Mir erscheinen
Statements über Hartmann von Boulez und Stockhausen jedenfalls relativ nah an der Thematik "Hartmann und die Darmstädter Kurse"... Und etwa Borries als völlig unbedeutend abzutun erscheint mir auch ein wenig vorschnell.
Nun möchte ich aber zumindest in diesem Thread die Hartmann-Diskussion für meinen Teil beenden, die sich zu einer etwas lächerlichen "ich möchte unbedingt diskutieren und zeigen dass ich über Musik schreiben kann"-Diskussion entwickelt hat und lade Sie herzlich in einen Hartmann-Thread ein, wo ich Ihnen auch gerne weitere Schriften und Titel zeigen kann, die vielleicht Ihren Ansprüchen genügen.
Ob Sie allerdings eins zu eins dem entsprechen, was Sie zu lesen wünschen, kann ich Ihnen natürlich nicht versprechen.
Bis dann!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.02.2010 12:35:07 GMT+01:00
Eusebius meint:
@444
In Ihrem unerschütterlichen Urteil über die Bedeutung des Werks von K.A.Hartmann berufen Sie sich auf zwei Schriften, die sich allgemein zur Neuen Musik im Wissensstand der 50er/60er Jahre äussern. Daraufhin angesprochen verweisen Sie stets darauf, es handelte sich schliesslich um wissenschaftliche Veröffentlichungen, Hinweise auf jüngere Publikationen mit aktuellerem Wissensstand ignorieren Sie, da Sie sich mit "einer Tendenz" der Musikforschung der Fünfziger Jahre zufrieden geben möchten.

Weiter haben Sie natürlich völlig recht, die Diskussion Ihrerseits zu beenden, denn worüber sollte man noch weitersprechen? Ob dieser Dialogstand nun lächerlich ist, wie Sie behaupten, sei mal dahingestellt. Es fragt sich nur, weswegen Sie ein spezielles neues Hartmann-Thread eröffnen möchten, wo doch Ihre Meinung über diesen Komponisten bereits in aller Deutlichkeit feststeht? Von Ihren Quellenvorschlägen habe ich inzwischen eine genaue Vorstellung, bitte machen Sie sich da keine weitere Mühe.

Freundliche Grüsse!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.02.2010 14:53:28 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.02.2010 16:32:00 GMT+01:00
Falstaff meint:
@Eusebius

Wollen Sie - aus Boshaftigkeit? aus Freude am Rechthaben? - die Position von 444 einfach nicht kapieren? Oder sind Sie, der offenbar die gesamte musikwissenschaftliche Literatur seit Erfindung des Buchdrucks kennt, so angefüllt mit/aufgebläht vor Wissenschaft, dass Sie die Formulierungen von weniger belesenen Leuten gar nicht mehr kapieren können?
444 beruft sich in seinem Urteil über Hartmann überhaupt nicht auf die beiden angeführten Schriften und hat dies auch unmissverständlich klargemacht. Er führt stattdessen diese bloß als Beispiel an "für die Tendenz in der Musikwissenschaft, unter anderen auch Hartmann zu ignorieren. Sie sind zwar nicht mehr aktuell, prägten aber lange genug die Rezeption, um auf oberflächlichere Abhandlungen über die neue deutsche Musikbewegung nach 45 Einfluss zu nehmen." Die neuere Forschung bewertet Hartmann natürlich rückblickend anders, was 444 auch gar nicht geleugnet hat. Ihm ging es um die Bewertung, die Rezeption zu Lebzeiten und um die Frage nach den damaligen musikalischen "Moden", nach dem "Zeitgeist".

Veröffentlicht am 12.02.2010 15:16:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.02.2010 17:19:23 GMT+01:00
444 meint:
@ Falstaff:
Vielen Dank.
Ich habe ebenfalls den Eindruck, dass eusebius wenig daran gelegen ist, die Beiträge kapieren zu wollen, sondern eher aus Prinzip oder vielleicht auch aus etwas übeifriger Diskussionsfreude dagegenzuhalten. Ich kann mir so langsam nicht mehr vorstellen, nach so vielen Erklärungsversuchen meinerseits eusebius fortwährenden Vorwurf meiner Meinung zu Hartmann betreffend, um die es mir die ganze Zeit eigentlich gar nicht ging, immer noch als Missverständnis zu verstehen.
Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Mühe gemacht haben und nochmals einige Absätze zitiert haben aus meinen verzweifelten Versuchen, eusebius davon zu überzeugen, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer persönlichen Meinung und Beispielen für eine Tendenz in der Rezeption, die sich womöglich überhaupt nicht mit der eigenen Meinung deckt - diesen Widerspruch scheint sich Eusebius nicht vorstellen zu können.

Veröffentlicht am 12.02.2010 15:57:09 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.02.2010 17:14:06 GMT+01:00
444 meint:
@eusebius:
Ich habe mir bisher Mühe gegeben, Ihre Einwände ernst zu nehmen und Ihnen immer wieder versucht zu erläutern, worum es mir ursprünglich ging.
Ich möchte Ihnen aber nun zustimmen, dass es tatsächlich keinen Sinn hat, weiterzudiskutieren.
Mein Eindruck ist einfach, dass es kein Missverständnis mehr sein kann, das Sie ständig dazu veranlasst, von meiner "Meinung" zu Hartmann zu sprechen, obwohl hier glaube ich klar und verständlich ausgedrückt wurde - zuletzt auch von Falstaff -, dass dies überhaupt nicht Thema der Diskussion war. Ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen, dass Sie jemals ein ernsthaftes Interesse an der Diskussion hatten, sondern vielleicht einfach ein Vergnügen daran, aus Prinzip und mit Freude an polemischen Formulierungen, mich auf eine Position festzunageln.
Es ist mir jetzt einfach zu blöd, einen weiteren Erklärungsversuch zu unternehmen.
Dass Sie kein Interesse an weiteren Quellen haben, sondern stets in überhebliche Phrasen flüchten, wenn Sie einmal direkt auf eine Quelle/einen Einwand eingehen müssten, zeigt ja eindeutig die Sinnlosigkeit jedes weiteren Beitrags zu diesem Thema.

Veröffentlicht am 12.02.2010 17:00:55 GMT+01:00
444 meint:
Ich würde gerne meine ursprüngliche Liste
fortsetzen.
Da Eisler und Weill schon erwähnt wurden, würde ich gerne auf Paul Dessau aufmerksam machen.
In jungen Jahren schon erfolgreich, emigrierte er während des Dritten Reiches nach Frankreich und in die USA, und lebte nach dem Krieg in seiner Wahlheimat DDR.
Seine frühen Werke sind vielleicht teilweise noch etwas "unausgegoren" was die Kompositionstechnik betrifft; sehr interessant sind jedoch vor allem seine Spätwerke, die enstanden, nachdem er durch Leibowitz und andere mit der Zwölftontechnik in Berührung gekommen war.
Seine "Orchestermusiken" sind sehr kraftvolle, ambitionierte Werke. Ein Werk, das mal recht bekannt war, sind seine "Bach-Variationen" für großes Orchester. Dieses Stück ist ein sehr geglücktes Variationswerk, technisch gekonnt und originell in den teilweise musikantischen Verfremdungen des Originalthemas. Es gibt eine ziemlich gute Aufnahme bei Berlin Classics mit Mitschnitten aus der DDR, bei den Bachvariationen haben die Blechbläser jedoch ein wenig zu kämpfen... Dennoch sehr engagierte Interpretationen. Ein schönes Werk aus Dessaus mittlerer Schaffensphase ist "Die Verurteilung des Lukullus" u.a. mit mitreißenden Sprechchören und schnarrendem Schlagwerk, das manchmal ein wenig an Hartmanns "Simplicius Simplicissimus" oder an Wladimir Vogels Oratorien aus jener Zeit erinnert.

Außerdem wollte ich noch eine kleine Ergänzung zu Jean Francaix "zwischenschalten": Ich persönlich finde seine Werke für Streicher bzw. Saiteninstrumente besonders hübsch, z.B. die G-Dur-Symphonie, das Cembalokonzert oder das Konzert für Gitarre und Streicher...

Ein weiterer aus der großen Gruppe amerikanischer Komponisten, die hierzulande völlig ignoriert werden, ist Virgil Thomson. Seine Musik ist in ihrer Simplizität etwas gewöhnungsbedürftig, zwingt sie den Hörer doch gewissermaßen, ihr Vergnügen an einer Kindermelodie wiederzuentdecken. Stark von Saties provokanten Experimenten beeinflusst, sind zwei seiner typischsten und gelungensten Werke diejenigen, die er in Zusammenarbeit mit Getrude Stein verfasste: "Four Saints in three Acts" und "The Mother of Us All". Die absurden Sprachspiele Steins werden mit simplen Melodien und jahrmarktartiger Instrumentierung kombiniert und es entsteht letztlich ein schwer erklärbarer, aber doch eindeutiger Reiz.
Seine Frühwerke sind frech-originell und unternehmen gelegentlich dissonanzenreiche "Ausflüge", so in der gelungenen "Symphony on a Hymn Tune" von 1926. Seine späteren Werke werden dann ein wenig eintönig - und vielleicht dann doch ein bisschen sehr simpel-ungebrochen, so z.B. seine Filmmusiken "The River" etc. - aber das ist Geschmackssache.

Nun noch zu einer ganz anderen Richtung: Unbedingt erwähnen möchte ich Heinrich Kaminski, der wenn überhaupt noch durch seine - meist geistliche - Chormusik bekannt ist. Seine Psalmvertonungen sind sehr schöne, ernsthafte und eigenwillige, dabei aber zurückhaltend-unspektakuläre Werke. (Etwa psalm 130).
Von großem Reiz sind aber auch seine wenigen Orchesterwerke. Ich hatte vor kurzem die Partitur seiner "Dorischen Musik" für Streichorchester in der Hand, die leider nicht auf CD erhältlich ist. Dieses Werk zeichnet sich wie Kaminskis Chormusik durch eine satztechnisch großartige Arbeit aus, bei gleichzeitiger großer Originalität in der Stimmführung. Sanfte Dissonanzen schärfen die weitgehend tonale Klangsprache, die sehr in der Tradition verankert ist, aber doch eigene Wege geht.

Ein interessanter "Vermittler" zwischen Spätromantik und beginnender Moderne ist Albéric Magnard.
Leider wird auf den existierenden Aufnahmen bisher zu wenig leidenschaftlich/farbig gespielt um den eigentlichen Reiz dieser Musik lebendig zu machen. Seine 4 Symphonien sind sehr sorgfältig gearbeitet und wirken manchmal, wie ein auf einen stringenten, knappen Satzverlauf reduzierter und leicht "frankophiler" Mahler. In der Vierten Symphonie ist seine Tonsprache dann schon deutlich rauer; hin und wieder wirkt seine Musik in ihrer Fixierung auf komplexe Satztechniken etwas sehr "akademisch" und wenig inspiriert, es gibt jedoch großartige Werke im Oeuvre dieses Komponisten. Besonders gelungen sind die letzten beiden Symphonien, aber auch in seinem Liedschaffen gibt es Schätze zu heben.

Zuletzt möchte ich noch auf einen Komponisten zu sprechen kommen, der noch gar nicht lange verstorben ist, aber jetzt schon Gefahr läuft, vergessen zu werden: Der Kanadier Claude Vivier (1948-1983). Ligeti hat seine Musik mal als eine Art "Super-Messiaenismus" beschrieben; und ihn so recht gut getroffen, wie ich finde. Viviers Musik ist enorm farbig, und lässt sich - wie bei Messiaen- viel Zeit, ihre Farbwirkung auch zu entfalten. Besonders schön sind seine - leider schon letzten - Werke
Orion für Orchester und Lonely Child für Sopran und Orch. Manche Passagen wirken etwas seltsam "indien-kitsch"-artig und auch manchmal ein wenig sehr "spirituell", was man aber als Zeitphänomen einordnen kann. Hier kommt auch heraus, dass Vivier Stockhausen-Schüler war und diesen auch sehr verehrt hat. Die Bekanntschaft mit dieser leuchtenden Musik sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen!
Abschließend noch eine Frage:Kennt jemand weitere kanadische Komponisten?
Ich könnte mir vorstellen, dass dort eine ähnlich eigene Musikkultur herrscht, wie in den USA oder in Südamerika, die in Europa vielleicht einfach nicht beachtet wird/wurde?

Veröffentlicht am 14.02.2010 17:04:52 GMT+01:00
Wir haben uns am vergangenen Freitag schon zum zweiten Male die Oper "Penthesilea" von Otmar Schoeck in der kongenialen Interpretation der Dredner Semperoper mit Iriis Vermillion in der Titelrolle angesehen und sind dafür jeweils fast 600 km gefahren. Es ist eine solch großartige Musik dass man sich nur wundern kann, warum Schoeck nicht von viel mehr Bühnen gespielt wird und weithin so unbekannt ist, dass selbst in der Semperoper fast zwei Drittel des Hauses unbesetzt waren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.02.2010 00:52:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.06.2010 12:58:49 GMT+02:00
Eusebius meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 22.02.2010 22:35:50 GMT+01:00
444 meint:
@ Christoph Reichstein:
Schön, dass Sie Schoeck erwähnen. Ich finde auch die Instrumentalkonzerte sehr schön (Cellokonzert und Hornkonzert). In die "Penthesilea" werde ich demnächst gehen und freue mich nun um so mehr =)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.02.2010 19:08:54 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.02.2010 19:09:24 GMT+01:00
haydnfan meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 03.03.2010 21:04:37 GMT+01:00
Purcell
Krebs
Neruda
Bröder

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.06.2010 00:43:36 GMT+02:00
Hans Erich Apostel!

Töne sagen mehr als tausend Worte:

http://www.youtube.com/watch?v=r18f-tunMdo
http://www.youtube.com/watch?v=mWqaWl6Ek2g

usw.

Veröffentlicht am 13.07.2010 16:36:53 GMT+02:00
frodso meint:
Ein sehr interessanter Thread! Vielen Dank!

Auf jeden Fall fehlt aber: Hans Rott.

http://www.hans-rott.de/indexd.htm

Veröffentlicht am 13.07.2010 17:05:54 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.07.2010 17:07:07 GMT+02:00
Viktoria hat vollkommen recht: Hans Rott darf hier nicht vergessen werden. Ein unglaublicher Fall! In den neunziger Jahren des 20. Jahrhundert sichtet ein englischer Musikwissenschaftler den Nachlaß eines unbekannten Bruckner-Schülers. Dabei stellt sich raus, daß seine 1. und einzige Sinfonie, die er schrieb, bevor er wahnsinnig wurde und in der Irrenanstalt starb, ein Scherzo enthält, das so klingt, als ob es von Gustav Mahler wäre. Unglaublich daran ist, daß Mahler seine 1. Sinfonie erst 10 Jahre später komponiert hat. Wir wissen aber, daß Mahler Rott gut kannte und daß Mahler die Partitur von Rotts Sinfonie lange und eingehend studiert hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.07.2010 17:13:10 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 14.07.2010 17:14:26 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.07.2010 16:59:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.07.2010 15:04:31 GMT+02:00
Eusebius meint:
Hallo Dr. Hucklenbroich,
da haben Sie uns in der Tat auf einen sehr interessanten Querverweis aufmerksam gemacht. Doch sollte man der Wahrheit zuliebe doch die Fakten, welche Sie da aufführen, korrekt wiedergeben.

Hans Rott und Gustav Mahler waren Studienkollegen der Musik und gut Freund miteinander. Ähnlich wie Mahlers Bruder Otto schied sein Freund Hans Rott im Jahre 1881 durch Suizid aus dem Leben.
Nach der Auseinandersetzung Mahlers mit Rückerts "Kindertotenliedern" und bei der zeitgleichen Konzeption des Scherzos seiner Fünften Symphonie beabsichtigte Mahler, seinem ehemaligen Kommilitonen ein musikalisches Denkmal zu setzen und beschloß, in sein Scherzo das Thema des "Valse" aus dem Scherzo von Rotts Symphonie zu übernehmen. Es handelt sich daher sowohl um ein Zitat als auch um eine Materialbehandlung "im Geiste seines Freundes Rott" innerhalb des Scherzos der 5.Symphonie Mahlers.

Weiter beschäftigte sich Mahler zu dieser Zeit ebenfalls eingehend mit der Kontrapunktik der Werke Bachs - niemand käme nun auf die Idee, Mahler deswegen eine Ähnlichkeit mit der Musik des Thomaskantors vorzuwerfen, obwohl er auch diese lange und eingehend studiert hat.

Veröffentlicht am 19.07.2010 12:54:23 GMT+02:00
Lieber Eusebius,
ich glaube, da verwechseln Sie zwei Komponisten. Rott starb nicht 1881 durch Suizid, sondern 1884 an Tbc in der Irrenanstalt. Ich habe Mahler nicht die Ähnlichkeit mit der Musik von Rott vorgeworfen. Ich habe nur gesagt, daß das Scherzo von Rotts 1. Sinfonie erstaunlich nach Mahler klingt, obwohl diese 10 Jahre vor Mahler erster Sinfonie entstanden ist. Im übrigen hat Mahler auch nie ein Hehl aus seiner Bewunderung Rotts gemacht.

Veröffentlicht am 19.07.2010 17:37:00 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.07.2010 17:48:41 GMT+02:00
Eusebius meint:
Lieber Dr. Hucklenbroich,

wir meinen den selben Komponisten. Meine Informationen zu Rott bezog ich aus dem im April 2010 erschienenen "Mahler-Handbuch" des Baerenreiter- Verlags, bei dem ich eigentlich die neuesten wissenschaftlichen Recherchen vorausgesetzt hatte. Jedoch führt dort der em. Prof. Adolf Nowak in seinem Aufsatz "Mahlers geistige Welt" auf S.69 den Selbstmord Rotts im Jahre 1881 an.
Wie ich nun durch Ihren berechtigten Hinweis weiter in Erfahrung bringen konnte, ist mit dem nichtzutreffenden Suizid Rotts im Jahre 1881 vielmehr der erste von zweien Suizidversuchen gemeint, weswegen Rott in diesem Jahr vom Allgemeinen Krankenhaus Wiens in die Landes-Irrenanstalt überwiesen worden ist. Dort ist er nun, nach einem Eintrag in seinem Krankenblatt am 25. Juni 1884 (wie Sie bereits schon schrieben) an seinem damals als unheilbar geltenden halluzinatorischen Verfolgungswahn verstorben. Sein Zustand sei ständig von starker Apathie über Dämmerzustände zu relativ klaren Phasen gewechselt, in denen er Briefe geschrieben oder auch noch komponiert habe.

Der Keim seiner psychischen Krankheit wurde vermutlich mit der Zurückweisung seiner beim Kompositions-Concours 1878 eingereichten E-Dur Symphonie durch die Expertenkommission des Wiener Konservatoriums gelegt. Da nützte auch der Protest seines Orgellehrers Anton Bruckner nichts, die zukunftsweisende Komposition Rotts wurde in den konservativen Musikerkreisen Wiens strikt abgelehnt. Es sollte dennoch erwähnt werden, daß ein nachträglich 1881 bewilligtes Kunststipendium, auf welches Rott zunächst vergebens gehofft hatte, dem Patienten der Irrenanstalt nichts mehr nützen konnte.

Die Ansicht jedoch, daß mit der Entdeckung der Partitur von Rotts E-Dur Symphonie die Musikgeschichte neu geschrieben werden müsste, ist reine Spekulation. Rott und Mahler haben, ähnlich wie Hauer und Schönberg mit ihrer Entdeckung der Dodekaphonie, bei der Erkundung eines Weges zur neuen Symphonie sich zunächst annähernder Methoden bedient. Welche Richtung jedoch Hans Rott mit seinen Kompositionen vielleicht unter glückseligeren Voraussetzungen eingeschlagen hätte, kann nur vermutet werden. Auf das Spätwerk Mahlers wie dem "Lied der Erde", der Neunten Symphonie kann man jedenfalls aus den Errungenschaften von Rotts Symphonie nicht mehr schliessen.

Veröffentlicht am 30.07.2010 13:53:27 GMT+02:00
Lieber Eusebius, die großen Leitlinien der Musikgeschichte müssen nicht umgeschrieben werden. Aber im Kapitel "Gustav Mahler" muß in Zukunft erwähnt werden, daß 10 Jahre vor der ersten Sinfonie von Mahler sein Mitschüler Rott eine Sinfonie geschrieben hat, deren Scherzo den Geist der ersten 4 Sinfonien Mahlers atmet. Vom Spätwerk Mahlers kann natürlich keine Rede sein. Aber das habe ich auch gar nicht erwähnt. Beste Grüße JH

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.08.2010 23:10:05 GMT+02:00
Eusebius meint:
Lieber Dr. Hucklenbroich,
Ihre Forderung über die zukünftigen Richtlinien Mahler'scher Musikgeschichtsschreibung fundiert auf einer Unterstellung. Mahler hat seine ersten Symphonien nicht bei Rott abgeschrieben und auch sich nicht von seinem Studienkollegen inspirieren lassen.

Vielmehr deutet die gegenseitige Annäherung beider musikalischer Ausdrucksformen auf einen Stilwechsel innerhalb einer neuen Musikergeneration hin, der einfach zu diesem Zeitpunkt in der Luft lag.

Beste Grüße!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.08.2010 00:21:15 GMT+02:00
Ulrich Schiel meint:
Von den älteren ist erwähnenswert
CLAUDIO MONTEVERDI - Der grosse Vorbereiter des Barock.

Von den neueren

HEITOR VILLA-LOBOS - hat erstaunlich umfangreich und vielseitig komponiert und dürfte durchaus einem Bartok gleichgestellt werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.08.2010 11:02:16 GMT+02:00
sanktrabus meint:
vielleicht lesen sie einfach die beiträge herrn hucklenbroichs noch einmal in ruhe und ohne allzuviel adrenalin-ausstoss durch und werden dann sicherlich feststellen, dass er weder eine umschreibung der geschichtsschreibung fordert (was sie ihm trotz dementis seinerseits erneut unterstellen), noch behauptet, mahler hätte bei rott abgeschrieben, ja nicht einmal andeutet, jener hätte sich von diesem inspirieren lassen. ich lese aus hucklenbroichs beiträgen lediglich die faszination heraus, bei einem unbekannten komponisten ideen, ansätze, harmonien zu finden, die bei einem berühmt gewordenen kollegen und freund erst jahre später zum durchbruch kamen. wie dieser sachverhalt interpretiert werden muss, war nicht gegenstand der debatte. und angesichts der unterstellungen und empfindlichkeiten ihrerseits, lassen wir das vielleicht auch besser.

Veröffentlicht am 02.08.2010 12:25:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.08.2010 12:26:54 GMT+02:00
Danke, lieber Sanktrabus, so gut hätte ich es garnicht formulieren können. Beste Grüße JH

Veröffentlicht am 02.08.2010 20:04:51 GMT+02:00
WIe wär's mit John Bull? Immer als einer der drei großen Virginalisten in einem Atemzug mit William Byrd und Orlando GIbbons genannt, aber wer kennt schon seine absolut verblüffende, hinreißend virtuose und rhytmthisch verzwickte, höchst moderne Musik? Einige Tänze für Cembalo sind bekannt, aber wer kennt die polyphone Musik? Ein "In Nomine" im 11/4 Takt (17. Jahrhundert !!)?

Hier ein paar gute CD's:

In Nomine. Werke für Orgel
Bull Orgelwerke
Walsingham
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Jüngster Beitrag:  19.07.2014

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