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Unterbewertete Komponisten


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1-25 von 111 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.01.2010 22:56:16 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.01.2010 23:45:40 GMT+01:00
Henry Kaspar meint:
Der Schumann-Thread stand geistiger Pate zu diesem: welches Komponisten sind Ihrer Ansicht unterbewertet, oder nicht einmal hinreichend bekannt?

Bitte nur Komponisten die gewoehnlich allenfalls in der "zweiten Reihe" angesiedelt werden. Also kein Bach, Mozart, Beethoven, auch kein Liszt oder Brahms, und nichtmal Schoenberg oder Stravinsky.

Meine ersten drei Nominierungen:

-- ENRIQUE GRANADOS. Grossartiger spaetromantischer Klavierkomponist, insbesondere sein Zyklus "Goyescas". Ohne Alicia de Larrocha wuerden wir vielleicht nichtmal den kennen.

-- GABRIEL FAURE. Wird wenig gespielt ausserhalb Frankreichs, und wenn dann meist das "Requiem" -- obwohl seine Kammer- und Klaviermusik sowie das Liedwerk an musikalischer und lyrischer Qualitaet der eines Schumann oder Mendelssohn mAn nicht nachstehen.

Aehnlich (vielleicht etwas weniger) unterbewertet in Deutschland ist mAn auch Faures Landsmann Cesar Franck.

-- FRANZ SCHMIDT. Spaetromantiker des fruehen 20. Jahrhunderts. Seine Symphonien und Oratorien knuepfen and Bruckner und Mahler an. Im Gegensatz zu manchen spaetromantisierenden Zeitgenossen erschoepft sich Schmidts Musik jedoch nicht nur gross-orchestralem in Wohlklang, sondern ist gepraegt von dramatischer Kraft und dem symphonischen "langen Atem".

Veröffentlicht am 14.01.2010 02:07:44 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.01.2010 15:23:57 GMT+01:00
ziegenpeter meint:
da gibt es viele! spontan fallen mir ein:

Pierre de la Rue - ein Zeitgenosse des viel bekannteren Josquin, schrieb ausdrucksvolle, mitreißende Meßkompositionen
Giacomo Carissimi - der Urvater des Oratoriums
Johann Hermann Schein - Zeitgenosse von Schütz, viel zu früh verstorben. sehr schöne, stark textbezogene geistliche Musik
Heinrich Ignaz Franz Biber - zwar recht bekannt aber nicht hoch genug bewertet - einer der größten Komponisten überhaupt!
Francesco Durante - Zeitgenosse Vivaldis, schrieb äußerst schöne, bewegende geistliche Musik
Telemann - bekannt, aber nicht hoch genug bewertet
Charpentier - bekannt ist nur sein Te Deum, alles andere ist aber genauso gut!
Jean Phillipe Rameau - einer der dramatischsten Opernkomponisten
Carl Philipp Emmanuel Bach - unkonventionelle, spontane Musik
Luigi Boccherini - gute Laune ist garantiert!
Michail Glinka - für mich viel spannender als Tschaikowski
Paul Hindemith - der Name ist bekannt, aber seine Musik??
Galina Ustwolskaja - unbeschreiblich! reduziert aber intensiv. eine große Außenseiterin
und... Messiaen... ist diese unglaublich schöne Musik schon im allgemeinem Bewußtsein?

Veröffentlicht am 15.01.2010 16:01:52 GMT+01:00
Dan Savio meint:
Sehr gute Diskussion! Meine Liste fängt an, mit den beiden in der Schumann-Diskussion genannten :

Franz Schreker : Toller spätromantischer, bis moderner Opernkomponist mit tollen selbstverfassten Libretti. Seine Klang- und Handlungsideen machen ihn zu einem sehr von mir geschätzten Komponisten.
Walter Braunfels : Ebenfalls ein toller Opernkomponist, Zeitgenosse Schrekers. Wer schon mal sein "Vögel" gehört hat und nicht von diesem Waldweben verzaubert war, möge Einspruch erheben.
Alexander von Zemlinsky : Im Bunde der Dritte
Max Reger : Sicherlich der bekannteste, doch meines Erachtens nicht genug gewürdigt. Deswegen die Erwähnung.
Luigi Cherubini : Für ihn gilt das gleiche wie für Reger. Seine Medea ist ein Schatz. Persönlicher Tipp : Die Messe d-moll!!!!
Ferrucio Busoni : Nicht nur ein großer Pianist. Doktor Faust!!!
Ernst von Dohnanyi : ähnliches Schicksal wie Busoni. Tolle Klaviermusik in der Tradition Liszts
Viktor Ullmann : Vertreter der Neuen Wiener Schule.
Jean Sibelius : Sehr bekannt, aber bitte kein Rentier-Bruckner!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.01.2010 16:42:51 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.01.2010 17:15:01 GMT+01:00
ziegenpeter meint:
Hallo,
ja, Cherubini ist super. Zwar kein großer Revoluzzer, aber durchaus gut und spannend. Meinst Du die Messe solennelle No 2 unter Rilling? Toll!
Bei Busoni find ich faszinierend, wie weit abseits er von der italienischen (Opern)-Tradition steht.
Zemlinskis Lyrische Sinfonie ist super, hat ein seltsam-exotisches flair. und das aufgewühlt-schöne 2. streichquartett. von der späten, viel konventionelleren Oper König Kandaules war ich etwas enttäuscht (ist aber nur ein spontanes Urteil nach einer einzigen Aufführung)
Sibelius und Bruckner haben wohl wenig gemeinsam... Bruckner schreibt mit Ausrufezeichen, Sibelius mit Fragezeichen ;-)
schönen Gruß!

Veröffentlicht am 15.01.2010 17:07:05 GMT+01:00
Es gibt zu den schon erwähnten eine ganze Reihe von erstklassigen Komponisten der Mannheimer Schule, wie Johann Stamitz oder Franz Xaver Richter und in der Periode zwischen Mozart und Mendelssohn, wie z.B. Henri Herz, Joseph Martin Kraus,und Berwald, sowie die spätromantischen Engländer wie Delius und Elgar. Wurden Britten, Walton uind Barber schon erwähnt?

Veröffentlicht am 15.01.2010 21:53:06 GMT+01:00
Viel zu unbekannt sind meiner Meinug nach auch Bohuslav Martin und Karel Szymanowski sowie Alexander Arutjunjan

Veröffentlicht am 16.01.2010 11:38:56 GMT+01:00
Mir scheint Alexander Agricola unterbewertet: Er wird unter den großen Polyphonisten des Spätmittelalters und der Renaissance selten erwähnt. Dabei vermitteln einige wenige Aufnahmen (vom Huelgas Ensemble u. von Fretwork) den Eindruck, dass er sowohl vokal als auch instrumental zu den geschicktesten, phantasievollsten und charismatischsten Komponisten polyphoner Musik gezählt werden sollte - Agricola klingt immer brilliant, und sei der Kontrapunkt noch so komplex. Seinerzeit war er einer der beliebtesten Musiker, doch wurde sein eher spätgotisch geprägtes Stilempfinden mit einer allgemeinen Trendwende zu einer Renaissance-Ästhetik nachträglich als konservativ eingestuft, was letztlich nicht stimmt. Der Flamboyant-Stil Agricolas erscheint in seiner extremen Gelenkigkeit und seinem oft elektrisierten Rhythmus eher als Novum. Josquin und Isaak haben noch nach dem Tod Agricolas Kompositionen geschrieben, deren Stil eine Agricola-Prägung verraten. Mir scheint also Agricola unterbewertet, weil er einmal Werke komponiert hat, deren ästhetische Wirkung nicht weniger erstaunlich ist, als diejenige bester Werke von Ockeghem und Josquin, und das über ihn Geschriebene sowie die Anzahl gut hörbarer Aufnahmen in keiner Relation zu seiner Leistung stehen.

Ein anderer Komponist, den man viel zu wenig beachtet, scheint mir Froberger. Er komponierte schon in den 1640er Jahren oft sehr lyrische Cembalosätze, deren harmonisches Vokabular eher an die Bach-Zeit erinnert, als die Zeit eines Schütz oder eines J.C.Kerll. Froberger ist unter Fachleuten durchaus bekannt und auch mit vielen guten Einspielungen repräsentiert, doch scheint mir seine Bedeutung in der Genese der harmonischen Sprache des Spätbarock wenig berücksichtigt.

Unter den neueren fällt mir Andrej Volkonski ein. Er war ein als Avantgardekomponist seit den späten 1950ern in Russland sehr einflussreich und hat teils äußerst fragile, farbenreiche Werke komponiert, die noch im Detail wirklich inspiriert klingen.

Veröffentlicht am 16.01.2010 19:46:45 GMT+01:00
Dan Savio meint:
Nun wurden ja doch einige Koponisten hier genannt und ich möchte nun, wenn es erlaubt ist, die Frage erweitern.
Sehen sie den Grund für die Nichtbeachtung vieler Komponisten in ihrer jeweiligen Schwierigkeit, sowohl vom technisch Standpunkt aus betrachtet, als auch vom Höranspruch. Oder ist die Zuvielbeachtung bzw Beschränkung auf das Standartrepertoire schuld an der Unpopularität. Gibt es zu wenige Klassikhörer, die nach mehr suchen, außerhalb der festen Größen?
Wagen die Plattenlabel zu wenig?

PS: Die Fragen sind bewusst etwas spitz gestellt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.01.2010 20:06:53 GMT+01:00
Meiner Meinung nach ist alles zutreffend, was Sie als Gründe anführen. Manchmal liegts daran, dass ein Komponist nicht so eingängige Werke komponierte, die evtl. auch technisch hohe Anforderungen an die Musiker stellt. Dann wird zumindest von den großen Labels zu sehr Wert auf das Standard-Repertoire gelegt. Wer unbekanntere Werke und Komponisten kennenlernen will, muss sich da meistens bei kleineren Labels umsehen. Allerdings bietet der Klassik-Markt schon viele Möglichkeiten, d. h. wer Interesse hat mal Abseits von Beethoven-Brahms-Bruckner etc. was Neues kennenzulernen, der wird fündig. Das setzt aber voraus, dass man neugierig und aufgeschlossen den Klassik-Markt beobachtet.
Leider wagen aber nicht nur die großen Labels zu wenig, sonder auch viele Konzertagenturen. Als "musikalisches Feigenblatt" steht dann zwar ab und zu mal ein unbekannteres, oft modernes Werk, auf dem Programm aber das lassen viele Konzertbesucher dann über sich ergehen und freuen sich dann schon auf eine Brahms- oder Tschaikowsky-Sinfonie im weiteren Konzertablauf.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.01.2010 20:21:05 GMT+01:00
Es ist schon ein Jammer, dass große und renommierte Label zum x.Mal Beethovens Fünfte oder Schuberts Achte aufnehmen und so zwar eine große Auswahl an Aufnahmen eines Werkes dem Musikfreund zur Verfügung stellen - dies aber auf Kosten des Randrepertoires. So wurden und werden Komponisten einfach nicht richtig vermarktet. Gerade in der heutigen Zeit ist es bersonders ehrenwert, wenn sich kleinere Label wie cpo und Sterling dieser unterbewerteten Komponisten annehmen und ihre Werke publizieren.
Besonders cpo-Mann Burkhard Schmilgun ist da zu nennen, der sich unermüdlich um vergessene Komponisten und Kompositionen bemüht.
Wer einmal eine Zusammenstellung von CDs unterbewerteter und vergessener Komponisten sucht, der braucht nur den cpo-Katalog aufzuschlagen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2010 00:33:36 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.01.2010 01:46:12 GMT+01:00
ziegenpeter meint:
Hallo Dan Savio,
gewohnte Dinge werden im Allgemeinen angenehmer empfunden als ungewohnte (eine - natürlich unbewiesene - aber plausible und häufig zitierte Hypothese der Wahrnehmungspsychologie.) Fürs Musikhören bedeutet sie, daß bekannte Stücke zumeist schöner empfunden werden als unbekannte. Deshalb wohl das Bedürfnis, das bekannte Standardrepertoire immer wieder zu hören.

Andererseits hat jeder Hörer die Freiheit - und das finde ich besonders schön! - sich sein persönliches Repertoire zu basteln, an das er gewöhnt ist und das er liebt. Es ist lohnenswert - aus reiner Neugierde - Stücke anzuhören, die einem spontan gar nicht gefallen. Vielleicht beginnt man sie nach dem 3. oder 5. Mal zu lieben?

Ein paar Beispiele: Weberns Spätwerk gilt gemeinhin als schwierig, wenn man sich aber ein bißchen eingehört hat wird diese Musik ganz leicht nachvollziehbar, wirkt klar und farbenfroh. Brahms andererseits - ein Standardkomponist - habe ich anfangs als schwierig empfunden - kontrapunktisch und rhythmisch komplex, melodisch oft sperrig - und habe ihn erst durch Hörerfahrung lieben gelernt.

Kurz gesagt: es gibt keine objektiv schwierigen Komponisten, sehr wohl aber subjektive Schwierigkeiten durch unterschiedliche Hörerfahrungen.

Hallo Herr Gumpert,
das label CPO kann nicht genug gelobt werden, großartig, welche Schätze die im Angebot haben, für neugierige Hörer!! Interessant ist übrigens die Entstehungsgeschichte des labels Harmonia Mundi: die erste Aufnahmen waren Stücke kaum bekannter Komponisten auf historischen Orgeln, in den 60erjahren wohl ein absolutes Minderheitenprogramm (übrigens immer noch sehr hörenswert). Trotzdem war die Firma erfolgreich. Bei den großen labels herrscht leider kommerzielles Sicherheitsdenken vor.

einen schönen Gruß!

Veröffentlicht am 17.01.2010 14:18:49 GMT+01:00
Dan Savio meint:
Ja das Label cpo ist für einen immer nach Neuem suchenden, wie ich einer bin, ein wirklicher Segen. Ich habe bereits viele Komonisten, Kompositionen dadurch für mich entdeckt.
Arte nova ist hier auch zu nennen.

Veröffentlicht am 19.01.2010 10:56:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.01.2010 12:32:09 GMT+01:00
Dan Savio meint:
Ich möchte diese Diskussion noch einmal dafür nutzen die fehlende Aufmerksamkeit für Luigi Cherubini zu diskutieren. Ist es nicht komisch, dass ein Komonist, der ja von Größen wie Beethoven, Schumann und Brahms sehr geschätzt worden ist, so unglaublich unterpräsentiert ist?
Ziegenpeter hat gemeint, er wäre kein Revoluzer und ich muss ihm, hinsichtlich der Form oder Gestaltung seiner Musik auch zustimmen, möchte aber zuerst betonen, dass seine Einordnung doch schwer ist.
Da klingt Beethoven mit, wie Haydn, die Italienische Schule und doch, oder genau deswegen ist sein Personalstil so einmalig. Die Medea-Ouvertüre oder das Qui tollis der d-moll Messe bieten hier ein Beispiel, wie energisch und Ausdrucksstark, gleichzeitig erhaben der Italiener zu komponieren vermochte.
Der gesamte erste Akt der Medea ist in einer mitreissenden Dringlichkeit und Melodik komponiert, die Zeitgenossen dagegen blass erscheinen lässt. Nicht umsonst bezeichnete Beethoven ihn als den größten Dramatiker seiner Zeit. Und hier liegt auch eine zweite interessante Seite Cherubinis, die es aufzudecken gilt, denn seine Opern (im Paris der Revolution geliebt) sind von den Sujets und der Libretti her sehr zukunftsweisend, ja revolutionär. Ich glaube es liegt mit unter an seinem langen Leben, dass man ihn als eine Art "Papa Cherubini" in Erinnerung behalten hat, sein Stil wurde ja noch zu Lebzeiten als verbraucht eingestuft, was nicht verwundert, denn immerhin ist Cherubini in einer Zeit gestorben, in der man bereits Wagners Genie erkannte.
Damit ist Cherubini fast einmalig, denn er komponierte schon in Zeiten Mozarts und endete damit in denen des frühen Wagner.
Ein weiterer Grund für seine Unterpräsenz in den Konzertsälen ist natürlich die Wahl der Genres: Messen und Opern. Nicht gerade die am weitesten verbreitetsten Gattungen in einer Philharmonie.
Und gerade seine Messen und Requiems (c-moll und d-moll) sind für Verehrer von solchen ein Muss!
Brahms fürchtete ein ähnliches Schicksal wie Cherubini zu erleiden, was die Popularität anging.(Er hatte sogar ein Portrait von ihm in seiner Wohnung hängen).
Hier meine Empfehlung zum Einstieg :
* "Medea" in der italienischen Fassung, und zwar nicht die berühmten Callas-Aufnahmen, sondern die von Lamberto Gardelli, der die Tempi traumwandlerisch richtig findet und so einen unglaublichen Sog entstehen lässt.
* Messa solenne d-moll (Per il principe Eszterhazy) Riccardo Muti o. unter Rilling
*Requiem c-moll unter Muti

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.01.2010 12:34:36 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.01.2010 12:54:56 GMT+01:00
ziegenpeter meint:
der Begeisterung über Cherubini schließe ich mich an!!
"erhaben" ist eine gute Beschreibung seiner Musik: man hört Haydn und Beethoven, aber deren frecher, grimmiger Humor fehlt bei Cherubini, er nahm auch Anregungen der Romantik auf, die Aufgewühltheit eines Berlioz ist ihm aber fremd, bei aller Ausdruckskraft bleibt seine Musik klassisch-straff (mag ich gern.)
seine d-Moll-Messe ist eine der schönsten und interessantesten der Zeit, den späten Haydn-Messen (fast) ebenbürtig, das c-Moll-Requiem ist ein ganz un-plakatives Werk voll sakralem Ernst (neben Muti gibt es eine sehr gute Aufnahme unter Diego Fasolis.)
und besonders toll sind seine 6 Streichquartette!! (super gespielt von Melos Quartett) zwar ohne die Verrücktheiten des späten Beethoven, aber spannend und ausdrucksvoll, gehören zu den schönsten Quartetten im frühen 19. Jahrhundert.
schönen Gruß!

Veröffentlicht am 20.01.2010 14:33:09 GMT+01:00
Mein Geheimtipp heißt Wassily Kalinnikov (1866 bis 1900). Ein sehr russischer Komponist, der in jungen Jahren schon von der Schwindsucht hinweggerafft wurde. Seine 1. Symphonie hat absolute Ohrwurmqualität.

Veröffentlicht am 20.01.2010 15:17:30 GMT+01:00
IP meint:
ich kenne zB zwei sehr schoene cds mit klaviersonaten von muzio clementi, einmal mit andreas staier und dann mit immerseel, die eine schoener als die andere.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.01.2010 15:58:35 GMT+01:00
haydnfan meint:
Hi,einige der vorgenannten Komponisten,man mag es glauben ,oder nicht,sind ihrer Vergessenheit rein politischen Gründen geschuldet,Cherubini ,Spontini,Paisiello auch,waren einmal Komponisten des Ancien Regime und der napoleonischen Zeit und dann der Bourbonen unter Louis XVIII. und dem Supermacho Karl X.,der alles verspielte,so gerieten diese Komponisten unter die Räder,------,wäre die Callas bei Spontinis "La vestale" nicht gewesen,tempi passati,-ich gebe zu,mein Kater Filiou und ich schlafen oft,bei der berühmten Arie der Vestalin ein,wenn auch ihre Stimme schon ziemlich "ausgefranst" war,hier 1959 mit dem zu langsamen Concertgebouw,es kommt aber,wie aus einer anderen Welt,ach ja,da war ja,Spontini schon Hofkomponist des autistischen Friedrich Wilhelm III(1797-1840),in Berlin oft gespielt!!!!!Arie: "Tu che vedi il mio tormento".------Aber ein grosser vergessener Komponist ist der Berwald,ein Wirkender zwischen der Spätklassik und Romatik,schon oft geschrieben:Kamu und seine Sinfonienaufnahmen kaufen!!!!!Wenn ich nicht haydnfan als "Nickname" hätte dann "Telemannfan".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.01.2010 17:54:12 GMT+01:00
UPF meint:
Meiner Meinung nach wird auch Johann Rosenmüller zu wenig Beachtung geschenkt. Immerhin haben sich Cantus Coelln diesem vermehrt angenommen. Besonders angetan haben es mir dabei das Requiem und die als "Weihnachtshistorie" zusammengefassten Werke.

Veröffentlicht am 20.01.2010 18:08:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.01.2010 12:20:47 GMT+01:00
ziegenpeter meint:
Jan Dismas Zelenka muß man noch erwähnen!
Tscheche, der am Dresdner Hof wirkte. Er konnte einfach alles:
- lebendige u kontrapunktisch dichte Triosonaten (mit Ponseele/Banchini oder auf modernen Instrumenten Holliger)
- schöne, unmittelbar ins Ohr gehende Messen (z.B. Missa Dei Patris mit Frieder Bernius) lebhaft und konrastreich. super!!
- die ausdrucksvollen Lamentationes voll harmonischer Wagnisse (Michael Chance/Chandos Baroque Players)

vielleicht - neben Telemann - der interessanteste Bach-Zeitgenosse?
lieber haydnfan, was sind denn Ihre Telemann-Empfehlungen?

Veröffentlicht am 21.01.2010 14:08:18 GMT+01:00
Esclarmonde meint:
Kommt auch in solchen Diskussionen fast nie vor : Jules Massenet.

Nicht alle seiner Werke sind genial, aber abseits von "Manon" und "Werther" gibt es erstaunliche Dinge zu entdecken, "Le Roi de Lahore", "Thais" und "Esclarmonde" seien nur stellvertretend genannt. Die französische Musik des 19. Jahrhunderts ist u.a. durch die Musikdramen Wagners sehr beiseite gedrängt (womit auf keinen Fall etwas gegen Wagners Werke gesagt sein soll, die nun einmal diese unglaubliche Sogwirkung besitzen), und teilweise auch durch deutsch-nationale Strömungen im Umfeld derselben diskreditiert worden (was teilweise auch auf Wagners eigenes Schrifttum zurückgeht, der antisemitische und antifranzösische Tendenzen aufgrund seiner Biografie unterstützt hat). Noch heute hört man in Deutschland oft die arroganten Plattitüden von der "oberflächlichen" oder "seichten" französischen Musik. Eigene Analysen und Hörerfahrungen belehren einen oft eines Besseren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.01.2010 18:12:26 GMT+01:00
Falstaff meint:
"Manon" und "Werther" gehören für mich zu den großen Opern des 19. Jahrhunderts. Ein interessantes Werk von Massenet ist auf jeden Fall auch "Hérodiade" allein schon wegen der Parallelen zu "Salome" von Richard Strauss.

Ein weiterer Großmeister der französischen Oper war bekanntlich Charles Gounod, der sich in Deutschland wegen seiner Veroperung eines Nationaldenkmals namens "Faust" äußerst unbeliebt gemacht hat. Deswegen fungierte dieses Werk im deutschen Sprachraum auch lange nur unter dem Namen "Margarethe". Seine bekannteste Oper neben "Faust" ist "Roméo et Juliette".

Veröffentlicht am 24.01.2010 08:02:28 GMT+01:00
Polarfuchs meint:
Massenet wird doch nicht wirklich unterbewertet, der wird doch in fast allen Opern gespielt, in Wien hab ich den schon zig Mal gehört.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.01.2010 18:33:46 GMT+01:00
rena munich meint:
Im Zusammenhang mit Maria Callas verbiete ich mir den Ausdruck "ausgefranst". Das zeigt von keinerlei Respekt und Achtung gegenüber der künstlerischen Leistung dieser einmaligen und unwiderbringlichen - entgegen aller "Herbetungen" sobald eine neue Sopranistin auftaucht! - Ausnahmekünstlerin. Sie war es, die Schluss machte mit dem in den Bühnenboden gerammten KolossInnen der Oper! Sie war die Erste, die Frauen aus Fleisch und Blut mit allen menschlichen Eigenschaften, gut oder böse, auf die Bühne brachte und dies mit ihrer exorbitanen Stimme auch ausdrücken konnte. Und zwar so, wie es das Publikum zuvor noch nie gehört und gesehen hatte. Und dafür haben wir ihr uneingeschränkt zu danken! Nachdem Herr Onassis ihr beinahe das Leben nahm, sang sie um dasselbe, und zwar auf Drängen von Giuseppe di Stefano, denn sie war dabei, in eine tiefe Depression zu sinken. Gesang ist von der seelischen Befindlichkeit nicht zu trennen. Die Betroffenen wissen, was ich meine. Und ihr ist übrigens auch die "Wiederentdeckung" Cherubinis zu verdanken! Niemand konnte seine Frauengestalten so zum Ausdruck bringen wie Maria Callas. Also bitte mehr Respekt vor dieser Ikone des Gesanges. Man kann ja auch sagen "nicht mehr am Höhepunkt" o.ä.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.01.2010 01:29:12 GMT+01:00
Esclarmonde meint:
Lieber Polarfuchs,

Wien bildet da eine rühmliche Ausnahme - aber die meisten großen Häuser der Welt haben, sieht man von der eher von Frau Netrebko (oder den Damen und Herren, die ihre öffentliche Erscheinung planen) ausgehenden "Manon"-Welle vor zwei Jahren und den zwei "Werther"-Inszenierungen in München und Wien ab, entweder gar keinen Massenet oder höchstens einen der zwei "Renner" im Programm.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.01.2010 20:14:36 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 27.01.2010 17:32:02 GMT+01:00]
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Jüngster Beitrag:  19.07.2014

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