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Karl Böhm - Glanz und Abgrund


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76-100 von 237 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.05.2012 10:00:50 GMT+02:00
K.H. Friedgen meint:
Hallo Herr Brocksieper,
auch mir ist die unterdurchschnittliche Klangqualität von Karajans EMI-Missa aus 1958 noch in unguter Erinnerung. Ich kaufte die Mono-Version und war von der Interpretation begeistert, vom Klang enttäuscht. Später habe ich mir auf LP die Stereo-Ausgabe gekauft, sie war schon erheblich besser gegenüber der Mono-Fassung, aber im Vergleich zu Karajans neuerer DGG-Missa aus Berlin von 1966 fiel sie deutlich ab.
EMI-Columbia hat sie, wahrscheinlich aus diesem Grund, auch immer stiefmütterlich behandelt, und als dann EMI 1966 Klemperers Version auf den Markt brachte verschwand sie aus dem Katalog oder wurde über Plattenclubs vermarktet. Sie wurde von der EMI auch nie, im Gegensatz zu fast allen anderen Londoner Aufnahmen Karajans, auf CD überspielt, und schien vergessen.
Was Klemperer betrifft so stimme ich Ihnen zu. Es ist eine exemplarische Einspielung, von schier unerbittlicher Strenge und Ernst getragen, manches klingt wie in Stein gemeißelt. In ihrer Art ist sie einmalig und unwiederholbar, ein Dokument von hohem Rang. Einzig das Solistenquartett lässt zu wünschen übrig und fällt gegenüber Karajans 1958er Version deutlich ab.
Als TESTAMENT endlich die alte Karajan-Aufnahme auf CD herausbrachte habe ich nicht lange gezögert sie mir zu kaufen. Sie war seinerzeit meine erste Bekanntschaft mit dem Werk, und "alte Liebe" rostet bekanntlich nicht, außerdem war und bin ich noch immer begeistert von der herrlichen Interpretation. Sie scheint mir d i e ideale Alternative zu Klemperer zu sein. Karajans Auffassung ist dramatischer, farbiger, weniger eindimensional, ich möchte fast sagen "jugendlicher", und das Solistenquartett ist von einmaliger, nicht zu übertreffender Homogenität. Und klanglich ist die Übertragung auf CD glänzend gelungen. Ich war mehr als angenehm überrascht.
Zugegeben, der Preis der 2 CD-Box ist hoch, ist aber durchaus gerechtfertigt, einmal wegen der noch immer beeindruckenden Interpretation, und außerdem wegen der sehr attraktiven "Zugaben": Mozarts "Prager" Sinfonie, gleichzeitig während des Wiener Gastspiels entstanden, sowie ein Interview mit Elisabeth Schwarzkopf von 1997, in dem die Sängerin sich sehr lebhaft an die Aufnahmesitzungen von 1958 erinnert, und nicht zuletzt wegen der umfangreichen Probemitschnitte aus dem Großen Saal des Wiener Musikvereins, die Karajans intensive, leidenschaftliche Beschäftigung mit dem Werk eindrucksvoll wiedergeben.
Nun ist ja dieser Thread Karl Böhm gewidmet, und so möchte ich abschließend sagen, dass seine Wiener Produktion von 1975 kleine Mängel (Solisten) und große Vorzüge aufweist, klanglich im übrigen hervorragend ist, doch gegen Klemperer und die alte Karajan-Aufnahme hat sie einen schweren Stand.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.05.2012 14:53:51 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.05.2012 15:35:13 GMT+02:00
Brasier meint:
Lieber Herr Friedgen

Danke für ihre Rückmeldung
Betreffs der Missa von 58, liegt sie bei Amazon 3 mal als Mp3
auch vor, da ich derzeit nicht zuhause Bin, möchte ich sie mir wenigsten
anhören, kennen sie eine der drei eingestellten Digitalisierungen ?
und könnten sie mir diesbezüglich etwas sagen?
denn sobald zuhause, würde ich mir dann die Testament Fassung besorgen
mit freundlichem Gruß
H.B.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.05.2012 15:38:05 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 05.10.2012 21:17:58 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2012 23:25:43 GMT+02:00
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Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2012 23:54:50 GMT+02:00
T. BERGMANN meint:
Dagegen ist auch nichts zu sagen. Aber bei Karl Böhm war seine Akte frei. Also sollten wir es dabei bewenden lassen. Wenn, dann müsste man jeden, der den Arm hob und "HEil Schickelgruber" rief, in den Knast stecken.

Veröffentlicht am 09.05.2012 01:01:01 GMT+02:00
Brasier meint:
Alles auf Anfang, und tüchtig wühlen, es wurde ja hier schon alles.
79 Mal gesagt - über Böhm, die Nazis und so weiter,
der 79 Beitrag fängt schon wieder als Wiederkäuer mit der Frage des Beginns an.
Keiner Fragt:
war er Mit, Vor, oder Hinterläufer....!
nach dem wir seine Hinterlassenschaft bis in den kleinsten Winkel kennen
Popelte er in der Nase, wußte er mit dem Richtigen Besteck bei Tafel umzugehen,
Bekam er bei Erdbeeren Ausschlag, oder hörte er heimlich Jazz?
wer Putzte im die Schuhe - hatte er gar vor Kontrabässen Angst
Gab es ausser Sissi für seinen Sohn eine weitere geliebte?

Es lebe die Fantasielosigkeit

Böhmische Gedanken Dörfer!

Veröffentlicht am 09.05.2012 01:14:38 GMT+02:00
brenchberger meint:
@Herrn Mermerci
Ich stimme Ihnen zu, dass das Bewusstsein bezüglich dieser unseligen Zeit immer wach bleiben sollte.
Ob es sinnvoll ist, hier-in einem Klassik-Forum-über des Künstlers menschliche und politische Abgründe zu urteilen, ist hinreichend
und kontrovers diskutiert worden.
Dass so manches Urteilen bisweilen einen inquisitorischen Charakter bekommt und nebenbei auch das positive professionelle Wirken des Künstlers am liebsten gleich mitverbrannt werden möchte, ist zumindest bedenklich.
Des (Ver)Urteilens anmaßender Sinn möge die Selbstspiegelung sein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.05.2012 09:28:54 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.05.2012 12:18:30 GMT+02:00
K.H. Friedgen meint:
Mein Gott, ist das hier nun ein Musikforum oder eine verspätete Entnazifizierungsbehörde?
Die Erinnerung an das Nazi-Regime ist an sich nicht nervig, dagegen habe ich gar nichts, aber ständig in den alten Geschichten zu kramen und sich vornehmlich über Dirigenten und Musiker auszulassen die während dieser Zeit in Deutschland geblieben sind, das finde ich langsam zum Kotzen!!
Böhm, Karajan, Clemens Krauss, Knappertsbusch, Gieseking, und wie sie sonst noch alle heißen haben während dieser Jahre ihren Beruf ausgeübt, genauso wie es die Schlosser, Bäcker, Elektriker, Lehrer und Pfarrer getan haben! Oder sollte mir etwa durchgegangen sein, dass Karl Böhm stellvertretender Lagerkommandant in Auschwitz war, und Karajan eventuell Massenerschießungen in der Ukraine vorgenommen hat?
Wer meint dauernd die jüngere Geschichte aufarbeiten und durchkauen zu müssen sollte sich eine andere Diskussionsplattform suchen. Ansonsten sehe ich kommen dass hier bald kein Mensch mehr mitschreibt !!!
Blättern Sie bitte hier mal zurück, das Forum heißt "Karl Böhm - Glanz und Abgrund". Vom Glanz war wenig die Rede, dafür sind die Abgründe, wenn's denn welche waren, x-mal wiedergekäut worden! Müssen wir jetzt wieder damit von vorne anfangen?

Veröffentlicht am 09.05.2012 14:58:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.05.2012 15:22:23 GMT+02:00
Brasier meint:
auch die Kühe auf der Weide
kauen alles immer wieder,

zum Schluss geht's ihnen doch wie allen
geben sie's wieder hernieder,

lassen's dann herunterfallen...
was bekanntlich immer Stinkt
und uns auch nicht weiterbringt!

Mancher dünkt damit die Rosen
Welche dann, unschuldig duften,

wenn sie's wüssten wie es ist
wars's nur allgemeiner Mist !

H.B. :0)

Veröffentlicht am 09.05.2012 18:47:54 GMT+02:00
gemihaus meint:
cher brasier,
vermute, sie wollten dem herrn k-h-fried. wort-poesie-reich wie immer (und weniger banal wie andre) mal beipflichten, so dreck am stecken haben und stinken doch alle, die alten nazis und im kulturellen umfeld nachwirkenden, wie so manch nachgeborene.
ich möchte doch fordern, mut zur differenzierung, brasier und co.: der karli böhm war ein dezidierter österr.-grazer nazi-befürworter (im vergleich zum berliner furtwängler), all seine musikalische kompetenz und reputanz beiseite gelassen.
und böhm hat nie seine hist.-pers. verfehlungen eingestanden, sondern sich allemal als grosser allzeit-diener der musiker strauss und mozart propagiert. hochmut und fall - in diesem schert sich gerechterweise kaum jemand noch um böhm.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.05.2012 20:34:27 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.05.2012 20:37:22 GMT+02:00
Brasier meint:
@Hallo lieber Gemi-B
es ist's wies es Ist, Böhm ist ein Beispiel
wie ein Star, den er nicht war gar nicht erst verblassen mußte.
aber auch in der Masse seiner Aufnahmen einiges überragendes
zu finden ist, aber auch der Qualität des Materials der Zeit(Orchester, Solisten )
gezollt. was mann Heute in der Auswahl wohl nicht unbedingt behaupten kann.
Sonst, ließ mich der Herr Kalt.

Ausser den Drei Abenden LIVE in der DOB in Cosi Fan Tutte ender der 70ger.

Was das Poussieren mit braunen Bösen Witzfiguren der Damaligen Zeit
angeht, ist das der eigenen Biografie zuzuschreiben, aber wie schon in anderen
Diskussionen erstaunlicherweise nicht in seinen Aufnahmen zu hören....( :0) )
Der Fakt das er auch vehement die Moderne verteidigte, (zb.Wozzek)
wobei ich Strauss, den ich verehre nicht dazu zähle,
zeigt aber auch das nicht immer der Schicke Opportunismus
der Leitende Faktor war.

Freundlicher Gruß
H.B.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.05.2012 21:15:29 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.05.2012 07:40:57 GMT+02:00
Lieber Brasier,

Ihr gewollt lockerer und beabsichtigt humoristischer Sprachstil mag ja zuweilen unterhaltsam sein. Er darf jedoch nicht dazu führen, Nazis der Hitler-Zeit als "Witzfiguren" zu bezeichnen. Das waren keine Witzfiguren, auch keine "bösen Witzfiguren", sondern schändliche Verbrecher!!

Veröffentlicht am 10.05.2012 01:03:52 GMT+02:00
Brasier meint:
Lieber Herr Gumpert

Ja was denn nun?
Böse Witzfiguren
tut schon seinen Dienst
ist nun mal nicht Gut genug?
mir reicht dies schon, sonst Mus ich Haydn seinen
Stil wegnehmen, und das tut man nicht.
Sie werden sicher mir glauben, das ich nichts verniedlichen
möchte, zumal ich so blauäugig auch nicht bin
aber
Fein das sie das Auch vielleicht bemerkten,
Ja, lächerliche, bösartige Witzfiguren
wobei ab einem gewissem Stadium
das Lächerliche noch nichtmal mehr
den Träger solcher Bezeichnung schädigte.
die verbrecherisch den schlichten Bürgern
ein Mitläufertum ermöglichten.
Dabei ihre wahre perfide Mörder Natur
nicht einmal geschickt verbargen,

LEIDER;hat die Menschheit, nichts daraus gelernt
weltweit, lesen wir Täglich von den Nachkommen
oder Geistigen Cousins dieser Staatenlosen Teufeln
Nettes derzeit sogar die Tage, im Mittelmeerraum.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.05.2012 22:59:09 GMT+02:00
Liebe Herren Brasier und Gumpert,

es ist sicherlich eine der schärfsten Waffen, die schändlichsten Verbrecher in der ganzen Menschheitsgeschichte in ihrer ganzen Lächerlichkeit bloßzustellen, wie es beispielsweise Charlie Chaplin in seinem Film „The Great Dictator“ getan hat. Und es ist ganz erstaunlich, was Charlie Chaplin in seinem bereits im Oktober 1940 uraufgeführten Film präsentiert hatte, was hierzulande von Einigen verdrängt oder ihnen angeblich nicht bekannt wurde. Freilich konnte Chaplin noch nicht das wirkliche Ausmaß der Verbrechen in den KZ bekannt gewesen sein, sonst wären bestimmte Szenarien wahrscheinlich anders ausgefallen.

Die Frage, ob man Karl Böhm sein Verhalten im dritten Reich verzeihen kann, kann z.B. ich schon deshalb nicht beantworten, weil Karl Böhm selbst niemals jemanden um Verzeihung gebeten hatte. Ihm wurde nach seinen eigenen Worten keine vergleichbare Position an der Met angeboten. Verzeihen können allenfalls nur Naziopfer selbst. Ich maße mir nicht an, für dieselben hier quasi als selbsternannter Vertreter zu sprechen. Eine andere Frage ist, ob
er nach gewissen objektiven Maßstäben Schuld auf sich geladen hatte und wie groß diese
Schuld war.

Je mehr man in einem Dirigenten weniger einen musikalischen Handwerker als Mittler, denn eher quasi einen Halbgott versteht, gehen die subjektiven Bewertungen in das Subtile. Von daher ergeben sich auch subjektive Bewertungsprobleme. Anstelle verbaler Kanonen als Urteile eines weitgehenden anonymen Diskussionstribunals sollte man (wenn überhaupt) sich im Wesentlichen damit begnügen, Fakten darzulegen, damit sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann, soweit es sich jedenfalls um Personen handelt, die sich in einem Grenzbereich bewegt hatten wie Karl Böhm. Immerhin hatte er eine hervorgehobene Position im Kulturleben mit Vorbildcharakter.

Veröffentlicht am 11.05.2012 01:09:29 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.05.2012 14:51:39 GMT+02:00
Brasier meint:
Lieber Herr Kaiser

Danke für ihre Zeilen.
Eigentlich möchte ich niemanden etwas verzeihen, besonders nicht etwas
von dem ich keine wahrheitsgemäße Kenntnis besitze, stimme ihnen zu der Nutzung von Fakten zu.
Aufgewärmte Braunes Gefühlsleben, interessiert wie schon in anderen auf Dirigenten einprügeleien
wenig, wenn überhaupt nicht. Und sie zeigen ja den für mich einzigen Weg derer dies nur könnte.

Da ich den Diskutierten persönlich kennen lernte, sind mir auch ein paar Charakterzüge
des im Winter seiner Jahre stehenden Mannes bekannt, die einen Menschen zeigten
Der Stolz seine Position, Rückblickend auf eine Lange Karriere zurückblickend, verteidigte.
Und dies seinem Umfeld, durch sein fast Rührendes gehabe spüren ließ.

Verblüffung subjektiver Art, gab es immer durch einige Aufnahmen die aus dem Vermächtnis herausragten
was aber der gesamte Nachlas nicht immer Hält, wie in jeder Kunst richtet darüber die Vergangene Zeit
Auch diese Objektive Sicht mag sicherlich persönlich sein, glaube aber Festzustellen
das Dieser Künstler nicht als Antipode zu Karajan zu stellen ist, sogar kein Gegenspieler wie
Herr Busch es meint.
Eher einer der Letzten Klassiker, Karajan war neben seinen Musikalischen Kenntnissen, ein Pionier
durch das Interesse und Wissen der Medialen Techniken die ihn dadurch zum Vollkünstler machten,
wusste er doch dadurch den Weg zum Ziel, dies machte ihn einmalig, ähnliche Dirigentenpersönlichkeiten
mit diesen Fähigkeiten sind mir bisher nicht begegnet.
Freundlicher Gruß
H.B.

Veröffentlicht am 01.07.2012 16:40:03 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 01.07.2012 16:40:45 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.07.2012 16:41:46 GMT+02:00
Fidelio meint:
Einschub zu Ormandys Bruckner: Auf der CBS-LP der 5.Symphonie war ursprünglich auch Anton Bruckners Te Deum (1966) mit Maria Stader, Helen Vanni, Stanley Kolk, Donald Gramm enthalten (http://www.abruckner.com/downloads/downloadofthemonth/january12/). Das kostenlose Download macht einen sehr guten, ja vielleicht exzellenten Eindruck. Eine Veröffentlichung in guter Klangqualität auf CD wäre interessant, denn Eugene Ormandy lagen offensichtlich solche großen Chorwerke. Die 5.Symphonie in der CD-Serie Essential Classics ist tatsächlich mehr oder weniger misslungen, aus welchem Grunde auch immer.

Veröffentlicht am 01.07.2012 22:37:01 GMT+02:00
Orfeo Gentile meint:
Es ist vollkommen gleichgültig, was Böhm begangen hat. Er ist tot, und er war ein phantastischer Dirigent, für mich der größte und aufregendste, den ich neben seinem unmittelbaren Widersacher und Verächter Harnoncourt erleben durfte. Seine größten Qualitäten lagen nicht bei Mozart (wobei seine „Così" immer noch Referenz ist), sondern bei Wagner und Strauss. Sein „Tristan" zählt für mich zum Besten, was je aufgenommen wurde, seine Bayreuther „Meistersinger" sind vollkommen überraschend: schnell, witzig, eine Komische Oper ohne Reichsparteitagspomp in C-Dur. Seine „Salome", vor allem seine „Frau ohne Schatten" sind unerreicht, und ich habe von ihm „Elektras" erlebt, die einem das Herz stillstehen ließen.

Veröffentlicht am 01.07.2012 23:09:05 GMT+02:00
Orfeo Gentile meint:
Nicht zu vergessen sein toller Bayreuther „Ring", der in einer Liga mit Keilberth und Solti stattfindet.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.08.2012 22:42:12 GMT+02:00
T. BERGMANN meint:
Hallo Orfeo Gentile,

ich habe mal gelesen, dass es eine Aufnahme des "Tannhäuser" von Wagner mit Karl Böhm gibt. Kennen Sie die? Und wenn ja, ist sie zu empfehlen?

Veröffentlicht am 17.08.2012 00:09:42 GMT+02:00
Ich hatte Karl Böhm in meiner Studienzeit in Berlin Ende der sechsiger Jahre sowohl in der Philharmonie als auch in der Deutschen Oper erlebt, wobei vornehmlich Werke von Mozart, Schubert und Verdi im Vordergrund standen. Ich hatte nie den Eindruck gewonnen, dass Böhm "knochentrocken" dirigierte.Besonders gut fand ich sein Dirigat von Verdis "Aida" (Insz. Wieland Wagner),was mich erstaunt hatte, denn ich hatte ihm das eigentlich nicht zugetraut.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.10.2012 16:25:12 GMT+02:00
Leser77 meint:
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Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.10.2012 16:25:32 GMT+02:00
Leser77 meint:
Hallo Herr Friedgen, als Richard Tauber sich 1933 erbot, ungeachtet der
sich drastisch veränderten politischen Lage trotzdem wieder in Deutschland
singen zu wollen, konnte der Sänger nicht ahnen, welches Schicksal die
Juden sehr bald ereilen sollte: bis 1945 hatten schließlich die Nazis sechs
Millionen Juden ermordet. Ob Tauber in einem solchen Land noch hätte
singen wollen, das ist doch hier die Frage. Jedenfalls Böhm etc. blieben
ungeachtet der beispiellosen Judenverfolgungen. Was Sie da vergleichen,
ist doch absolut unseriös. Klaus Drühe

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.10.2012 23:38:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.10.2012 09:48:55 GMT+02:00
Hallo Herr Drühe (Leser 77),

das Problem mit Vergleichen besteht darin, dass sie meistens nicht vollends übereinstimmen. Der inzelne Sachverhalt hat seine besonderen Eigenarten, die ihn dann doch wieder von Vergleichen unterscheiden. Hitler wurde von dem deutschen Adel (von Papen und von Hindenburg) an die Macht gebracht, und bezogen auf das Jahr 1933 hatte ein Großteil der Bevölkerung auf die lang ersehnte Wende gehofft. Das später zu erwartende Grauen konnte sich niemand vorstellen, und soweit gewisse Vorzeichen dunkle Wolken ankündigten, glaubte doch wohl die allgemeine Bevölkerung, es werde schon nicht so schlimm kommen. Im Rückblick sieht die Welt natürlich anders aus. Das Verhalten von Richard Tauber bestätigt doch diese anfängliche Einschätzung. Dass diesem auch die schwersten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte egal gewesen wären, wurde von Herrn Friedgen nicht behauptet. Ich kenne Herrn Friedgen schon seit langer Zeit aus diesem Diskussionsforum, die Verbrechen durch den braunen Dreck der Vergangenheit war schon mehrfach Diskussionsthema, und ich habe nie an der Integrität von Herrn Friedgen gezweifelt. Seine Haltung gegenüber dem braunen Dreck war immer eindeutig. Herrn Friedgen ging es um eine Paralelle zum Lebens- und Berufsweg von Karl Böhm. Mit Schuldzuweisungen sollte man vorsichtig sein. Dass Karl Böhm kein Held des Widerstandes war, ist klar. Der Mensch ist ein von Angst geprägtes Wesen, und die Verurteilung eines Menschen setzt ein überaus sorgfältige Überprüfung objektiver und subjektiver Details voraus. Eine pauschale Verurteilung derjenigen, die dem Land nicht rechtzeitig den Rücken gekehrt haben, ist nicht hilfreich. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie Ihre Einstellung überdenken würden. Ich habe erst überlegt, ob ich mich in dieser Weise einschalten soll, aber in einer so delikaten Angelegenheit ist vielleicht eine Stellungnahme von anderer Seite geeigneter.

Mit freundlichen Grüßen
W.K.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.10.2012 10:18:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.10.2012 15:51:34 GMT+02:00
K.H. Friedgen meint:
Lieber Herr Kaiser,

ich danke Ihnen sehr für Ihre sehr klare Stellungnahme zu den Auslassungen des Herrn Drühe.

Man sollte eigentlich das leidige Thema über die - angebliche oder tatsächliche - Nazi-Vergangenheit von Böhm, Furtwängler, Karajan etc. endgültig ruhen lassen, aber es wird ja von irgendeiner Seite immer wieder neu angeheizt. Offensichtlich ist das für manche Leute viel wichtiger als künstlerische Leistungen. Warum das so ist, darüber ließe sich trefflich philosophieren.

Doch nun zu "Leser77": Richard Tauber war sicherlich, wie die meisten Künstler, politisch naiv, doch er lebte und wirkte in Deutschland, so dass ihm so wenig wie Furtwängler, Karajan oder Böhm und allen, die in diesem Lande lebten oder sich mit ihm verbunden fühlten, der wütende Antisemitismus der Nazis verborgen geblieben sein konnte. Taubers Brief an den Reichsminister des Inneren wurde im Mai 1933 geschrieben, da war Hitlers "Mein Kampf" bereits seit sieben Jahren veröffentlicht, der Boykott jüdischer Geschäfte (1.4.33) hatte stattgefunden, jüdische Mitbürger wurden auf den Straßen öffentlich verunglimpft und verprügelt, und Tauber selbst war beim Verlassen eines Berliner Hotels im März 1933 von SA-Schlägern tätlich angegriffen worden. Jedenfalls wusste er mindestens so viel und nicht weniger als z.B. Karl Böhm, der zu diesem Zeitpunkt übrigens noch in Österreich wirkte, und demnach nicht so hautnah wie die Reichsdeutschen mit dem aktuellen Geschehen konfrontiert war.
Herr Drühe unterstellt aber mit seinem Beitrag, dass "Böhm etc." im Jahr 1933 gewusst haben sollen, dass "bis 1945 ... die Nazis sechs Millionen Juden ermordet" haben würden. Das ist im höchsten Maße infam und niederträchtig. Der Österreicher Karl Böhm war, wie die meisten seiner Landsleute und insonderheit das damalige Bildungsbürgertum, deutschnational eingestellt. Das stempelt ihn noch lange nicht zum Nazi. Bei einer inoffiziellen Volksbefragung in Salzburg im Jahr 1926 haben sich über 90 % der Bevölkerung für eine Vereinigung mit dem Deutschen Reich ausgesprochen. Da waren die Nazis noch weit davon entfernt, ein bestimmender Faktor zu sein. Es ist eine Last der Geschichte, dass heute jeder, der in unserem Lande national gesonnen ist, mit den Nazis gleichgesetzt wird. Mit Sicherheit würde es keinem Franzosen einfallen, seinen Nachbarn, der am 14. Juli die Trikolore hisst, rechtsradikaler Umtriebe zu verdächtigen.
"Böhm etc." sind in Deutschland geblieben, weil sie hier ihre Wurzeln und ihr Publikum hatten, und aus demselben Grund wollten auch Tauber, Klemperer, Bruno Walter u.v.a. nicht weg. Doch sie mussten, eben weil sie Juden waren. Nur ganz wenige, ich nenne stellvertretend Thomas Mann, Erich Kleiber oder Marlene Dietrich, konnten sich dazu aufraffen, ihre Heimat freiwillig zu verlassen. Im übrigen: Böhm wurde erst nach dem Anschluss 1938 deutscher Staatsbürger (zwangsweise, wie alle Österreicher), und zu diesem Zeitpunkt war es schon sehr schwer, und für Prominente fast unmöglich, auszureisen. Hier zu behaupten, er sei "ungeachtet der beispiellosen Judenverfolgungen" geblieben, ist eine ganz unerträgliche und durch nichts zu rechtfertigende Anklage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hitler oder seine Paladine ihre geheimsten Pläne ausgerechnet mit Böhm, Karajan oder Furtwängler erörtert haben.
Ich möchte nicht wissen, wie die Moralisten, die so vollmundig über andere zu Gericht sitzen, selber gehandelt hätten, wenn sie in dieser unseligen Zeit hätten leben müssen. Wir Nachgeborenen sollten dankbar sein, dass uns dies erspart geblieben ist.
Zum Schluss möchte ich einen ganz unverdächtigen Mann zitieren, den berühmten englischen Plattenproduzenten Walter Legge, der aus gegebenem Anlass seiner Gesellschaft (EMI) folgende Sätze ins Stammbuch schrieb: "Die Aufgabe unserer Firma ist es, Schallplatten zu verkaufen. Einen Künstler, nur weil er nicht emigriert ist, als Nazi-Sympathisanten zu denunzieren, halte ich für Sabotage. Diese Künstler, die uns immerhin unsere Bestseller einspielen, hatten keine Wahl, auf welcher Seite des Zauns sie zeitweise lieber gesessen hätten."
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