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Beethoven, Klaviersonate Nr. 16, G-dur, op. 31.1


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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.02.2012 11:05:03 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.02.2012 19:49:10 GMT+01:00
Matthias meint:
Hallo!
Schön, dass es dieses Musik-Forum gibt!
Seit einiger Zeit höre ich mich ganz unsysthematisch und mit großen Pausen durch die Klaviersonaten von Ludwig Van durch, eingespielt von Alfred Brendel (Philips). Und hörte plötzlich in der Sonate 16 ganz viel Humor! Das fand ich sehr schön, wollte aber mal fragen, ob ich mich ev. verhört habe?
Im ersten Satz fielen mir sofort die vorgezogenen Anschläge auf, die wohl ein Dummchen am Klavier vorstellen sollen - oder sind die ev. gar nicht so notiert, sondern nur von dem (ja selbst höchst humor-beganten) Alfred B. als Schmankerl eingefügt?
Diese "unbedarfte" Spielweise passt aber wunderbar zu den ja äußerst simplen, unbeethovenschen musikalischen Einfällen im 1. Satz. Und im 2. Satz gibt es dann Passagen, die für mich klingen,
wie die traurige Einsicht dieses klimpernden Dummchens in seine eigene Dummheit: Da wird die Musik tief melancholisch, erholt sich dann aber doch wieder mit enem "Was solls?" aus der Depression.
Für mich ist das alles mit einem hohen Grad von Humor komponiert,
den ich so bei Beethoven nicht vermutet hätte, aber doch immer mal finde. (Sonaten 18 und 32 z.B.)
Liege ich da v.a. bei der Son. 16 völlig daneben? Oder wo darf ich sonst noch lachen, kichern, schmunzeln bei LvB.? (Die Groschen-Wut muss nicht erwähnt werden.)
Danke für freundliche Antwort(en) und Gruß
von Matthias

Veröffentlicht am 13.02.2012 21:14:17 GMT+01:00
IP meint:
Ach, und wie. ZB Nr.6, 10, 20, am liebsten mit Gulda oder Brendel.

Veröffentlicht am 13.02.2012 21:16:07 GMT+01:00
Hallo Matthias,
Ihre Ohren haben Sie nicht getäuscht und Brendel hat auch korrekt nach Beethovens Vorlage gespielt. Beethoven war nicht nur der grimmig dreinblickende, seine Umwelt drangsalierende Zeitgenosse, sondern besaß auch ein starkes Maß an Humor, der sich gerade in der von Ihnen erwähnten Klaviersonate ausdrückt, übrigens nicht nur im Kopfsatz, auch im langsamen Satz (Begleitung der linken Hand) sowie am Ende des Finalsatzes. Auch in anderen Sonatensätzen offenbart sich immer wieder B. Sinn für Humor, ich nenne hier nur die Werke: F-dur op.10 Nr.2 (2.& 3.Satz), Es-dur op.31 Nr.3 (2.Satz), G-dur op.79 (Finale). Auch in den Bagatellen op.33, 119 und 126 kann man fündig werden. Bekannter als die Klaviersonaten sind Stellen aus der Orchestermusik: 4.Sinfonie (Finale), 3.KLavierkonzert (Abschnitte des Rondos). Mit am bekanntesten ist die Einleitung zum Schlusssatz von Beethovens letztem Streichquartett F-dur op.135, vom Komponisten selbst überschrieben als "der schwer gefasste Entschluss".
Grüße B.Stremmel

Veröffentlicht am 13.02.2012 22:16:11 GMT+01:00
Matthias meint:
Ganz herzlichen Dank für diese Hinweise! Ich bin gespannt, die Dinge selbst zu hören!
Einen kleinen (abwegigen?) Hinweis auf die Kombination Beethoven - Humor möchte ich
hier noch anfügen: Gerard Hoffnungs Interpretation der vierten (!) Leonoren-Ouvertüre...
Schönen Abend noch und Gruß vom
Matthias

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2012 00:11:03 GMT+01:00
T. BERGMANN meint:
Ich erlaube mir, Ihnen noch Wilhelm Kempff und Emil Gilels ans Herz zu legen. Beide spielen die Soante auch klasse.

Veröffentlicht am 04.03.2012 10:46:00 GMT+01:00
IP meint:
Gut gespielt vielleicht, aber Humor ist nicht die staerkste Seite von diesen Pianisten.

Veröffentlicht am 04.03.2012 16:57:21 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
@Matthias
Ich kenne diese Sonate schon lange, wie alle Beethovensonaten. Alle habe ich zwar nicht immer gleich präsent, das übersteigt auch menschliches Vermögen. Die von Ihnen genannte Sonate ist - wer sie mal versucht hat wird wissen wovon ich rede - technisch überhaupt nicht einfach, eher sauschwer. Und den von Ihnen detektierten Humor unter dem Motto "einen Witz will er machen" kann ich darin schon gar nicht entdecken.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2012 17:02:37 GMT+01:00
T. BERGMANN meint:
Also den ersten Satz dieser Sonate traue ich mir schon zu, wenn ich die Noten richtig in Erinnerung habe. An die Sätzen 2 und 3 gehe ich nicht ran.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2012 17:19:15 GMT+01:00
Matthias meint:
Guten (Nachmit)Tag!
Meine Bewunderung gilt allen Menschen, die mehr als den Flohwalzer auf ihrem Instrument praktisch ausführen können. Ich kann nocht mal diesen!
Dessenohngeachtet traue ich mir doch einiges Empfinden für die Schön- und eventuell auch die Schrägheiten der Musik zu. Daher bedaure ich, dass sich Ihnen der Witz in dieser Sonate nicht erschließt, von dessen Vorhandensein ich inzwischen fest überzeugt bin. "Witz" meint in diesem Sinne nicht den platten Blondinen- oder von mir aus auch - Musikerwitz, sondern den pointierten Verstand, der bereit und fühig zu echtem Humor ist. Vielleicht ist das Empfinden dafür für den ausübenden Musiker erst nach Überwindung der technischen Probleme möglich,
die sich mir Banausen ja zum Glück gar nicht stellen.
Schöne Grüße von Matthias

Veröffentlicht am 04.03.2012 18:14:12 GMT+01:00
Jakob Balde meint:
@Matthias
Von Haydn und Boccherini kennt man das ja, originelle Ideen in vielfältigen geistreichen, überraschenden auch widersprüchlich erscheinenden Kombinationen. Mehr geistvolle Konversation der Stimmen als Witz oder Komik im herkömmlichen Sinn. Es ist aber immer höhere Komik, nie Spaßmacherei oder Klamauk. In diesem von mir aus E.T.A. Hoffmannschen Sinne kenne ich den "Witz" in der Musik schon. Hier kann ich ihn allerdings nicht ausmachen. Mir erscheint diese Sonate eher als Parodie der eleganten Sonaten der Cramers und Clementis, allerdings bei Übernahme formelhafter Wendungen dieser Herrn sozusagen als Breitseite des Genies mit echtem Geist und musikalischer Erfindung.
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Erster Beitrag:  13.02.2012
Jüngster Beitrag:  04.03.2012

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