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Kriterien für Musikstile?


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1-12 von 12 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.03.2011 08:40:18 GMT+01:00
T. Schäfer meint:
Hin und wieder stelle ich mir die Frage:
Was macht "Metal", "Heavy Metal", "Stoner", "Doom" aus, mit andern Worten: wie muss Musik sich anhören, damit sie das entsprechende "Prädikat" erhält?
Bei "Doom" denke ich als "Eselsbrücke" an Black Sabbath: Düstere, unheimliche Stimmung, gedrückte Atmosphäre.

Damit hört aber die Sicherheit auf: wann ist "Metal", "Stoner" oder NUR "Heard 'n Heavy"? Welches sind Eure Kriterien?

Veröffentlicht am 24.03.2011 18:57:31 GMT+01:00
Wrecker meint:
Stellst du diese Frage, weil du Wissenslücken füllen möchtest? Ich verstehe sie nicht so recht. Wenn ich jetzt hier jedes einzelne Genre erkläre, wird es ein langer Abend...

Und die Kriterien bestimmt nicht der Fan selbst, denn wenn eine Band Thrash Metal spielt, kann ich nicht behaupten, es wäre Black Metal. Dann ist es einfach Thrash. Jede Band sucht sich ihren Stil und daraus ergibt sich zwangsläufig, welchen "Metal" sie spielt. Schon der Promoter und später die Journalisten ordnen es ein. Und wenn nichts so recht passt, wird eben ein neuer Begriff erfunden. Inzwischen gibt es so viele Untergruppen, und deren Definition kann man locker auf Wikipedia nachlesen, dort findet man dann auch genug Beispiele.

Und ich selbst höre keine Band, um sie dann selbst irgendwo einzuordnen. Es sollte umgekehrt laufen. Wenn ich die Beschreibung oder Rezension zu einer neuen CD lese und dort von "Melodic Death Metal" die Rede ist, dann weiß ich, dass ich mich gar nicht weiter damit beschäftigen muss, weil ich sowas grundsätzlich nicht höre. Wenn die Band allerdings als Thrash deklariert wird, dann spitze ich die Ohren.

Jetzt weiß ich immer noch nicht, ob ich am Thema vorbeigeredet habe. Um also die Frage wenigstens teilweise zu beantworten: Wenn du zum Beispiel einen Eunuchen zu flottem Rhythmus singen hörst, dann ist es Power Metal. Oder Judas Priest. :-D

Veröffentlicht am 25.03.2011 00:25:30 GMT+01:00
"Wenn ich die Beschreibung oder Rezension zu einer neuen CD lese und dort von "Melodic Death Metal" die Rede ist, dann weiß ich, dass ich mich gar nicht weiter damit beschäftigen muss, weil ich sowas grundsätzlich nicht höre."

Wenn das mal kein Fehler ist...wie bei jedem Schubladen kann man zwischen Krempel auch mal gute Sachen finden...

Veröffentlicht am 25.03.2011 09:40:05 GMT+01:00
sisobea meint:
Nicht nur, daß man "zwischen Krempel auch mal gute Sachen finden" kann. Manchmal vergreifen sich auch die Rezensenten in der Schublade.
Sicher treffe ich auch eine Vorauswahl auf diese Weise, als grobe Orientierung, geht ja bei der Fülle an Material gar nicht anders, aber ich verlaß mich da nicht drauf.
Ich hätte z. B. Nevermore niemals kennengelernt, weil das dauernd unter Powermetal eingeordnet wird.
Ansonsten kann ich mich Wrecker nur anschließen. Die Definitionen für die eizelnen Genres und Sub-Genres an sich sind klar und kann man nachlesen. Nur läßt sich so manche Band nicht so eindeutig in eine Schublade einsperren.

Veröffentlicht am 26.03.2011 20:08:38 GMT+01:00
Chris Ramone meint:
Gleichzeitig können Bands je nach Epoche/Zeitpunkt unterschiedlichen Genres angehören bzw. ihren Stil wandeln.

Veröffentlicht am 29.03.2011 13:01:51 GMT+02:00
T. Schäfer meint:
Grund für den Thread:
Immer wieder frage ich mich bei CDs: wieso wird die Musik unter Metal geführt, wieso nicht Hardrock? Zwangsläufig führt das zur Frage: Was ist Metal, Rock, HardRock, Hard 'heavy...?
Gibt es allgemein gültige Kriterien , oder eher weitgehend subjektive Einordnungen?

Veröffentlicht am 29.03.2011 15:16:41 GMT+02:00
Wrecker meint:
"Wenn das mal kein Fehler ist...wie bei jedem Schubladen kann man zwischen Krempel auch mal gute Sachen finden..."

Ja, das stimmt natürlich. Ich bin hier auch nur von meiner eigenen Erfahrung ausgegangen, weil es bei mir eigentlich bisher zu 100% zugetroffen hat, dass mir eine Band nicht gefiel, wenn sie einem Stil zugeordnet wurde, den ich für gewöhnlich nicht mag. Das kann auch daran liegen, dass man eine Band kaum objektiv beurteilen kann. Wenn man von den Äußerlichkeiten erst einmal beeinflusst ist, hat man die Entscheidung meist schon getroffen, egal wie die Band dann klingt. Neben der Genre-Einordnung sind das die Designs von Cover und Bandschriftzug, die oft auch schon andeuten, zu welchem Genre die Band gehört. Und sogar das Herkunftsland der Band kann den Ersteindruck schon negativ beeinflussen. Ich selbst habe im Bereich True/Power/Thrash Metal zum Beispiel Vorbehalte gegenüber skandinavischen Bands, da sie dort oft einfach nur schlecht kopieren. Wahrscheinlich sind Hammerfall daran Schuld... :-D Was ich mit all dem sagen will: Am Besten ist es, man hört irgendwo eine Band und denkt sich einfach nur "hey, das klingt geil". Denn darum geht es ja.

Zu den beiden vorherigen Beiträgen kann ich noch sagen: Klar, allgemein gültige Kriterien gibt es auf jeden Fall. Metal ist eben eine Wissenschaft :-) Man geht zwar nicht bis ins kleinste Detail und unterscheidet schon Songs auf ein und derselben Platte, aber man kann eine Band durchaus danach einordnen, wie die meisten ihrer Songs klingen. Eine Speed Metal Band bleibt Speed Metal, auch wenn es bei ihnen vereinzelt langsame Songs gibt. Aber es kommt natürlich vor, dass sich eine Band mit der Zeit wandelt. Judas Priest werden noch immer als Heavy Metal bezeichnet, aber wenn man zuerst das Debüt-Album und danach "Painkiller" hört, müsste man sich eigentlich fragen, was das Eine noch mit dem Anderen zu tun hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.03.2011 18:09:05 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.03.2011 18:26:06 GMT+02:00
sisobea meint:
Hard Rock und Metal sind aus dem Rock enststanden.
Während der Hard Rock eher im Blues, Rock'n'Roll und Folk verankert blieb, orientiert sich der Metal eher an den Strukturen der Klassik.
Hard Rock richtet sich an der Melodie aus, ist aufgebaut mit Strophe, Refrain, Strophe u.s.w. Irgendwo dazwischen ein (Gitarren-)Solo.
Der Metal verläßt die einfachen Bluesstrukturen und wird dissonant und chromatisch, der Tritonus kommt des öfteren zum Einsatz (der Diabolus in Musica - den gab's schon vor Slayer). Die Melodie ist nicht im Mittelpunkt sondern Phrase, Riff, und Tempowechsel, oft auch "odd signatures" (wie heißt das auf deutsch? ungerade Taktarten?)
Dazu dann noch Verzerrung und der Sound ist heavy.
Außerdem sind die lyrischenThemen beim Hardrock eher unbedeutend. Der Metal hat die Dinger die auf den Index kommen. Bei uns heute nicht mehr so, aber nicht umsonst ist der Metal in manchen repressiven Gesellschaften verboten, weil seine Provokationen die bestehende Ordnung bedroht.
Die einzelnen Sub-Genres des Metal kannste aber echt jetzt nachgucken ;-)

Veröffentlicht am 02.04.2011 03:13:31 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.04.2011 03:18:42 GMT+02:00
Schleifstein meint:
Die Frage, welche Band welches Genre spielt ist im Grunde genommen zwar für Liebhaber und Perfektionisten wichtig, aber wenn es um Versandhäuser geht, kann man die Genrebezeichnungen vergessen. Da wird einfach willkürlich drauf los deklariert. Wenn ihr mal bei emp.de die Genrebezeichnungen einiger Bands anschaut, da fragt man sich, wieso jemand mit so wenig Ahnung von Musik in einem großen Versandhaus wie diesem die Bands deklarieren muss. Haben die keinen, der ein bisschen Überblick hat? Slipknot unter Death Metal? Bitte was? Oder macht man es da wie bei Frauenmode, wo die Größen etwas weiter ausfallen als deklariert, damit sich die Kundinnen beim Einkauf nicht so fett vorkommen? Vielleicht fühlen sich Slipknot Fans ja besser, wenn sie in der Schule herum erzählen können, dass sie jetzt Death Metal hören. Wer weiß? Slayer, DIE Thrash Metal Band schlechthin (Liebe Metallica Fans, die Zeiten von Ride the Lightning sind lange vorbei und Death Magnetic ist auch nur ein trauriges Requiem.), wird bei EMP auch unter unter Death Metal geführt... Zusammen mit Slipknot. Das ist Häresie. Kompetenz sieht anders aus. iTunes ist noch besser: Slayer und so manche Death Metal Band wird da unter "Alternative" geführt, also schon meilenweit von Metal entfernt. Kaufentscheidungen von Genrebezeichnungen in Internetshops oder Magazinen abhängig zu machen, kann man also getrost vergessen, wenn es sich nicht wirklich um Experten handelt.

Ich selber bin zwar recht penibel, was die exakte Musikrichtung einer Band oder eines Albums angeht, aber einen typischen Sound für ein Genre zu definieren ist eine Aufgabe für ein Institut für Musiktheorie. Thrash Metal ist ein schönes Beispiel: Verlgeicht doch mal, sagen wir, Reign in Blood (Slayer), Enemy of God (Kreator), The Formation of Damnation (Testament) und M-16 (Sodom). Jedes dieser Alben hat einen anderen Sound, aber alle sind sie Thrash Metal. Auch Unterscheidungen wie Bay Area Thrash Metal (Exodus, Testament), Teutonic Thrash (Kreator, Sodom) oder Brasilianischer Thrash Metal (Sepultura, teilweise Soulfly) helfen da nicht weiter. Der Sound von Enemy of God und M-16, beides Teutonic Thrash Metal Alben, unterscheidet sich doch erheblich. Durch diese vielseitigkeit hat der Thrash Metal auch entsprechend viele unterschiedliche weitere Subgenres mitinspiriert. Bands wie Sodom haben sowohl den Black Metal als auch den Death Metal stark beeinflusst. Und irgendwo verlaufen sich dann auch die Grenzen. Manche Thrash Metal Riffs sind gleichzeitig auch astreine Deathmetal-Riffs. Und wo wir schon beim Death Metal sind: Bolt Thrower spielen langsamen, Bloodbath mittelschnellen und Cannibal Corpse extrem schnellen Death Metal. Ich könnte beim Besten willen allerhöchstens Growls, sehr tief gestimmte Gitarren und eine kräftige Verzerrung als gemeinsames Element ausmachen, aber auch hier gibt es Ausnahmen. (Meshuggah anyone?) Allerdings bin ich auch kein Musikexperte. Jemand mit Ahnung von Musiktheorie könnte da bestimmt mehr zu sagen.

Ich kann ja mal versuchen, ein paar Kriterien derjenigen Genres zusammenzutragen, die ich gerne höre.
Angefangen bei Thrash Metal. Das Hauptkriterium sind hier MEISTENS sauber und schnell gespielte Riffs, schnelle Drums, gerne auch Double Base, Staccato-artige Rhythmen kommen oft vor, früher oft satanische Themen, heutzutage eher politische Themen. Früher fand Thrash Metal auch großen Anklang in weiten Teilen der Skaterszene. Bands aus diesem Milieu wurden/werden vom Rest der Szene aber wegen ihrer nähe zum Punk eher belächelt, vor allem wegen ihrer "unmetallischen" Haltung. Die Band Municipal Waste zum Beispiel hat ein Album namens "The Art Of Partying" veröffentlicht, was natürlich so gar nicht zu einer Szene passt, deren Alben eher Hell Awaits, Agent Orange und Sounds of Violence heißen. Thrash Metal ist technisch sehr anspruchsvoll zu spielen, wer einmal das Solo aus Slayers Song Angel of Death gehört hat, weiß, was ich meine. Die Bands sind offensichtlich Stolz auf ihr können und das spiegelt sich in der Musik wieder. Ganz wichtig sind auch die Soli. Ein Metal Song ohne Solo ist einfach nicht vollständig. Im Solo bündelt sich die Energie des Songs. Es gibt aber auch einige bedeutende Ausnahmen von all diesen Regeln. Sodom zum Beispiel sind um einiges heavier als viele Thrash Metal bands, haben auch einen ungeschliffeneren Sound und spielen auch gerne mal etwas langsamer. Ein weiterer Unterschied zu den ansonsten klaren Vocals ist der kratzige Gesang bei Sodom, mit dem sie glatt zu Pionieren des Black Metals (und angeblich auch des Death Metals) wurden, ohne sich dessen zunächst bewusst zu sein.
Die Bandlogos im Thrash Metal sind allesamt von klaren, scharfen Linien und Kanten geprägt und für gewöhnlich auch gut lesbar. Nur wenige Bandlogos wie die von Exodus und Lazarus A.D. haben einige weichere Linienführungen. Lange Haare sind Pflicht. Die Thrasher-Garderobe besteht zu einem großen Teil aus Bandshirts, denn die Altrocker haben den Trashern früher tatsächlich verboten, die traditionellen Kutten zu tragen. Trash Metal war damals gewissermaßen das, was Metalcore heute ist.

Ich würde jetzt was zum Death Metal schreiben, aber da halbwegs Flächendeckend einen Überblick zu geben wäre noch Zeitaufwändiger als beim Thrash Metal. Darum will ich es bei der Analyse der Lyriks belassen, denn die geht recht schnell: Tod, möglichst brutale Gewalt, viel Blut, Zombies, abstoßende Texte und Mörderballaden. Beliebt ist auch die Kriegsthematik, aber viel tiefsinniger wird es in der Regel auch nicht. Wenn dir jemand erzählt, dass Death Metal nicht nur aus sinnloser Gewalt besteht, sondern auch tiefsinnige Texte haben kann (zum Beispiel über Leute, die durch das Universum reisen, nur um von fliegenden Walen das Fliegen zu lernen -> Gojira), dann hat er einen der Kernpunkte des Genres nicht verstanden. Zum Death Metal gehört, wie auch zu den anderen Metalrichtungen, eine gewisse Identität, die sich bewusst klar vom Mainstream abgrenzt und auch bewusst provoziert. Im Death Metal geht es halt nicht um Picknick mit der Familie oder um die sozioökonomischen Folgen der Entwicklung des europäischen Binnenmarktes in Folge der Aufhebung von Importbeschränkungen auf fernöstliche Elektronikartikel. Wem das nicht passt, der kann ja gerne Slipknot hören und dann der Welt erzählen, er hätte gestern ein Death Metal Album gekauft, während er die Schultische mit "Slipknot 666 KoRn Satan" beschmiert und darüber sinniert, wie finster seine Seele doch ist und wie sehr er die Menschheit hasst und wie hart sein Leben doch ist, weil seine erbärmlichen Eltern sich geschieden haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.04.2011 11:35:06 GMT+02:00
sisobea meint:
Schöner Aufsatz, vielen Dank!
Kann ich voll so unterschreiben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.04.2011 17:50:13 GMT+02:00
Wrecker meint:
Genialer Beitrag, besonders der letzte Absatz. LOL!

Veröffentlicht am 02.04.2011 19:40:43 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 04.05.2013 17:17:31 GMT+02:00]
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Erster Beitrag:  24.03.2011
Jüngster Beitrag:  02.04.2011

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