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Dissoziative Identitätsstörung- am besten philosophisch (FA)


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1-25 von 29 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.12.2010 22:21:40 GMT+01:00
KC meint:
Hi^^
Ich fange demnächst mit meiner Facharbeit an...
Und zwar in Philosophie.
Mein Thema ist Dissoziative Identitätsstörung.
Ich habe mir zwei Themen überlegt
-Ist es vertretbar einzelne Teile der Persönlichkeit zugunsten der anderen Persönlichkeiten zu eliminieren/integrieren? (Bezug auf die Frage nach der Identität an sich und was diese ausmacht)
-Eine eher klassische Frage: Wenn eine Persönlichkeit ein Verbrechen begeht, ist es vertretbar "alle" einzusperren?

Es geht hier halt eher um die Definition des Persönlichkeitsbegriffes und wie dieser sich in solchen Sonderfällen einbringen lässt.
Ich nehme dann das Thema zu welchem ich mehr Material finden kann.
Ich suche also Bücher zum Thema DIS, auch wenn ich nicht glaube dass es da wirklich viel philosophisches gibt
Psychologisch/medizinisch wäre auch gut
Außerdem (auto)biografisch, das gibt ja immer einen guten Einblick
Vielleicht weiß auch jemand von einem Fallbeispiel wo jemand mit DIS verurteilt wurde? Für die zweite Frage halt

Wenn jemand was gutes zum Thema Identität weiß wäre das auch ganz gut... hab halt einige Sachen von Decartes zB gelesen

Hoffe jemand kann mir da helfen^^
Danke schonmal

Veröffentlicht am 21.12.2010 08:54:03 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.12.2010 08:57:57 GMT+01:00
Andreas Matz meint:
Da gibt's m.E. nur einen einzigen kompetenten Philosophen: Hermann Schmitz, Begründer der Neuen Phänomenologie. Zu diesem Thema: System der Philosophie Band IV Die Person erschienen bei Bouvier, als Paperback auch bei Alber (viel billiger!).

Die Verbindung von Persönlichkeit und "Einsperren" wird Ihnen nach der Lektüre als absurd erscheinen. Um Rechtsfragen zu durchdenken empfehle ich aus derselben Reihe Band III/3 Der Rechtsraum, Verlage wie oben.

Da haben Sie viel Arbeit vor sich, aber die Mühe lohnt.

Veröffentlicht am 21.12.2010 11:45:06 GMT+01:00
Wow, ich bin vom Thema beeindruckt. Und das als Facharbeit.
Ums mit Goethe zu sagen: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust ...
Vielleicht als möglicher, bekannterer "Aufhänger" noch der Film "Fight Club" - sowie Brechts Guter Mensch von Sezuan oder Stevensons Jekyll and Hyde. Und als weiche Version der Persönlichkeiten das Kommunikationsmodell des inneren Parlaments (z.B. Schulz von Thun).
Grüße und viel Vergnügen beim Erarbeiten und -forschen!

Veröffentlicht am 21.12.2010 17:35:52 GMT+01:00
KC meint:
Danke erst mal für die Tipps~
Ich habe nach "System der Philosophie" gesucht, aber ich finde es nicht als Paperback...
Nur die Variante zu je 60¤, und so viel kann ich unmöglich aufbringen.
Leider hat unsere Unibibliothek geschlossen...
Aber "Schmitz" habe ich mir notiert, da bleibe ich dran

Das Kommunikationsmodell kenne ich auch, aber es hat ja nicht wirklich was mit der Persönlichkeitsstörung zu tun die Gegenstand der Arbeit sein soll
Jekyll and Hyde könnte ich als Aufhänger vielleicht verwenden, mal sehen...
Es darf auch nicht zu lang werden, außerdem habe ich nicht sonderlich viel Zeit bekommen
Ich muss deshalb versuchen jetzt in den Ferien möglichst viel Literatur zusammen zu kratzen

Übrigens wären auch Vorschläge auf Englisch okay
Nur sollten sich die Kosten für ein Buch so gut im Rahmen halten wie möglich
Es müssen auch nicht unbedingt Buchempfehlungen sein, auch Anreize durch Internetseiten oder wie oben genannt spezielle Philosophen wären schon eine große Hilfe!

Ich habe heute mit "Multiple Persönlichkeiten- Überlebende extremer Gewalt" angefangen, hoffe dass das mir weiter hilft

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.12.2010 18:43:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.12.2010 18:52:13 GMT+01:00
kpoac meint:
Vielleicht hilft dieser Beitrag mit der Liste weiterer Literatur
http://spiritsofsurvival.opfernetz.de/gast3.htm

oder
Wer bin ich und wenn ja, wie viele

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.12.2010 07:29:03 GMT+01:00
irma meint:
Hallo KC,

ein m.E. sehr lesenswertes Buch zum Thema Trauma und Traumafolgen (z.B. DIS) und zudem psychologische und philosophische Betrachtung verknüpfend ist:
"Intimacy and Alienation: memory, trauma and personal being" von Russell Meares. Ein gut lesbares Englisch und regt zum Nachdenken an.
Vielleicht hilft Ihnen das weiter?

M.

Veröffentlicht am 22.12.2010 10:09:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.12.2010 10:12:24 GMT+01:00
Andreas Matz meint:
Hallo KC,

dass es das "System der Philosophie" von Schmitz als Paperback-Studienausgabe bei Alber gäbe, war leider tatsächlich falsch. Diese Ausgabe, im Hardcover, erschien ebenfalls bei Bouvier, ja, für 60 Euro.

Etwas billiger: Stöbern auf der Website der Gesellschaft für Neue Phänomenologie, speziell auf dieser: http://gnp-online.de/Anwendungen.6.0.html . Andrea Moldzio verbindet Psychiatrie und Philosophie. Zwei Aufsätze von ihr finden sich auf dieser Seite. Ganz kostenlos.

Wohlan.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.12.2010 19:46:29 GMT+01:00
Hier zu empfehlen: Hinderk M. Emrich: "Identität als Prozeß", dazu auch Emrich/Gehde: "Auf der Suche nach dem Messeförster". Im erstgenannten Werk sehr gute Verbindungen zwischen Neurowissenschaften und Philosophie, im zweiten besonders interessant der Prozeß der Identitätsklärung im Verlauf einer Psychoanalyse, verbunden mit Traumatherapie.

Veröffentlicht am 26.12.2010 16:33:06 GMT+01:00
KC meint:
Vielen Dank nochmal an alle für die zahlreichen Tipps!
Ist wirklich viel interessantes dabei
Bin gerade dabei die genannten Links und Buchtitel zu durchstöbern
Was mir jetzt noch insbesondere fehlt wäre eine rechtliche Betrachtung...
Wie gesagt, das eine ist leider zu teuer
Aber auch generell bin ich weiterhin dankbar für jede Hilfe~

Veröffentlicht am 27.12.2010 20:45:54 GMT+01:00
David JÃggi meint:
Dem möchte ich nur ergänzend und damit keineswegs normativ hinzufügen:
Unsere Dissoziation besteht, abstrakt betrachtet, überhaupt in der sich durchdringenden Einheit der Allgemeinheit und der Einzelnheit, und hier konkret dem Inhalte nach in der Einheit der objektiven Freiheit d.i. des allgemeinen substantiell-strukturellen Willens und der subjektiven Freiheit unseres Glaubens als des individuellen Wissens um das Sein an sich und seines besondere Zwecke suchenden Willens entsprechend des Sein für sich- und deswegen der Form nach in einem nachgedachten, dh. allgemeinen Gesetzen und Grundsätzen sich bestimmenden Handeln nach den Prinzipien dieses Glaubens.

Veröffentlicht am 29.12.2010 00:44:16 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.12.2010 01:23:57 GMT+01:00
hallo,
dann will ich mal ein bisschen was zu den rechtlichen aspekten schreiben.

verschiedene voneinander abgegrenzte persönlichkeitsanteile in sich zu vereinen, wird in der wissenschaft und im recht als störung/krankheit bezeichnet. das allein ist schonmal was, was man thematisieren sollte.
natürlich kann niemand eine person mit einer sog. "DIS" zwingen, abgespaltene innere anteile/persönlichkeiten zu "integrieren" oder ähnliches. alles, was von rechts wegen getan werden kann ist folgendes: wenn ein persönlichkeitsanteil aus einem system bestimmte (gemeingefährliche) straftaten begeht und die anderen nichts dagegen tun können, kann sie natürlich mit richterlichem beschluss in ein psychiatrisches krankenhaus gebracht und dort verwahrt werden, bis gutachter feststellen, dass von dem gesamten system keine gefahr für das eigene leben oder die allgemeinheit mehr ausgeht. das recht setzt (noch?) physische personen mit identitäten gleich. ein menschlicher körper: eine person. wenn in einem körper (dem empfinden der mit DIS diagnostizierten Person nach) mehrere persönlichkeiten aktiv sind und ein psychiatrischer gerichtsgutachter dies bestätigt (DIS ist eine nach dem hier maßgeblichen ICD-10 anerkannte seelische störung), interpretiert der gesetzgeber das als "krankhafte seelische störung" (§ 20 StGB) und niemand kann bestraft werden. wie gesagt ist aber die zeitweilige oder dauerhafte unterbringung in einem psychiatrischen krankenhaus möglich.

ich denke, du solltest unbedingt beleuchten, dass auch unterschiedliche persönlichkeitsANTEILE teil EINER person sind. es sind keine unterschiedlichen personen -sie teilen sich ja alle EIN unbewusstes und einen physischen körper, also alle informationen über das, was der körper erlebt und getan hat, sind irgendwo im system verfügbar und können u.U. anderen anteilen so verfügbar gemacht werden, dass sie identitätsstiftende auswirkungen haben -bei unterschiedlichen personen wäre das nicht so. bestraft/verwahrt werden nicht identitäten sondern personen. (ich halte mich mit einer wertung des rechtssystems zurück)

zu dem thema:
sicherungsverwahrung (§§ 66ff StGB)
ein ausschnitt aus einer hausarbeit von mir dazu:
Handelt es sich bei dem persönlichen Defizit des Angeklagten jedoch um schwerwiegende seelische Dysfunktionen (§§ 20, 21 StGB), insbesondere Persönlichkeitsstörungen, wird von verminderter Schuldfähigkeit oder Schuldunfähigkeit ausgegangen. In diesem Fall wird zumeist allein die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB, § 5 Abs. 3 JGG) oder kumulativ die Sicherungsverwahrung angeordnet. Stellt sich während der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt heraus, dass durch diese Maßregel keine Resozialisierung des Verurteilten erfolgen kann, oder die Resozialisierung anders besser gefördert werden kann, kann ihn das Gericht in den Vollzug der Sicherungsverwahrung überweisen (§ 67a StGB). Das Gericht muss regelmäßig prüfen, ob die Voraussetzungen für die jeweilige Unterbringung –also Krankenhaus, Entziehungsanstalt oder Sicherungsverwahrung noch gegeben sind.

ethisch interessanter finde ich übrigens die frage, wo schuldfähigkeit anfängt und aufhört (im hinblick auf das kollektiv und das individuum) und ob man überhaupt einzelne menschen einsperren darf, nicht nur welche mit einer DIS -und zwar mit der begründung, dass man straftaten von ihnen erwartet, bzw. sie nur entlassen werden sollen, wenn davon ausgegangen wird, dass sie in zukunft KEINE straftaten mehr begehen werden. wenn man jeden einsperren würde, bei dem man nicht mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit ausschließen kann, dass er irgendwann eine straftat begeht, müsste man ALLE einsperren.

falls du noch fragen hast -gerne.
beste grüße

Veröffentlicht am 29.12.2010 18:40:09 GMT+01:00
KC meint:
undefinable force, vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag!
Ich bin sicher dass mir das in der FA helfen wird.
Was du am Ende ansprichst erinnert mich an ein Modell welches wir mal im Unterricht besprochen haben nach welchem Menschen nicht nach Ausmaß ihrer Tat verurteilt werden sondern nach der Wahrscheinlichkeit eine weitere Straftat zu begehen.
So würde jemand der im Affekt seine Mutter tötet ein geringeres Strafmaß erhalten als jemand der alle zwei Wochen ein Bonbon klaut.
Auch ein interessantes Thema, allerdings habe ich mich mit meiner Betreuungslehrerin nun auf DIS als Hauptthema geeinigt.
Vielleicht denke ich das Thema aber nochmal durch wenn ich mir die konkrete Fragestellung aufschreibe bei welcher ich mir noch immer unsicher bin.

Sollte ich noch Fragen haben würde ich mich gerne melden, du scheinst dich ja auszukennen!
Dürfte ich fragen woher dein Wissen kommt?
Bist du selbst in der Juristik/Psychologie tätig oder hast du dich für deine erwähnte Hausarbeit so darein gehängt?

Veröffentlicht am 02.01.2011 19:02:41 GMT+01:00
Kleine Ergänzung: FMRi-Untersuchungen zeigen inzwischen, dass DIS tatsächlich das Gehirn anders "benutzt" als man es sagen wir mal Ego-States oder Verdrängung kennt: Unterschiedliche Netzwerke sind je nach Zustand alternierend und einander hemmend tätig, was heißt, DIS kann nicht simuliert werden und auch niemandem "eingeredet" werden (erster "hard evidence" zu Argumenten der false-memory-movement). Die Forschungen wurden vorgenommen von der Arbeitsgruppe um Ellert Nijenhuis.
Anteile können auch weder zur Integration gezwungen noch eleminiert werden, die innere Organisation der dissoziativen Seiten eines Menschen "entscheidet" das aus sich heraus. Ein Teil des "hilfreichen Drucks" hin zu einer integrativen Organisation besteht auch darin, dass alle Teile von den Folgen des Tuns auch einzelner Teile betroffen sind. Ohnehin ließe sich nicht willkürlich und beliebig (ohne Mitarbeit im System) ein einzelner Teil ansprechen.
Auch nicht billig, aber im empfehle zur Lektüre dringend "Das verfolgte Selbst" von Ellert Nijenhuis, mindestens die Kenntnis seines Modells der Strukturellen Dissoziation. Seine Forschungen und Modelle (aufbauend auf Janet) werden bereits methodenübergreifend als Meta-Modell von Trauma und Dissoziation gehandelt, zurecht aus meiner Sicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.01.2011 13:17:11 GMT+01:00
books meint:
Also die Facharbeitsthematik ist noch nicht konkret genug. Entweder nur Identität, an dem die pathologischen Identitätsbildungen (Verbrechen, Phobien, psych-Erkrankungen ...) intgriert sind, das halte ich für einfacher, denn da<tzu gibt es gute neue Literaturvon Scherger, Abels, Basis, Identitätsbildungvon: Piaget, Erikson, Zarnow Übergeordnet findest du als Metatheoretische Grundlage hierfür den Interaktionismus aus der philos. Variante Versuche dich mehr zu zentrieren- Viel Glück!!!:)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.01.2011 13:17:12 GMT+01:00
books meint:
Also die Facharbeitsthematik ist noch nicht konkret genug. Entweder nur Identität, an dem die pathologischen Identitätsbildungen (Verbrechen, Phobien, psych-Erkrankungen ...) intgriert sind, das halte ich für einfacher, denn da<tzu gibt es gute neue Literaturvon Scherger, Abels, Basis, Identitätsbildungvon: Piaget, Erikson, Zarnow Übergeordnet findest du als Metatheoretische Grundlage hierfür den Interaktionismus aus der philos. Variante Versuche dich mehr zu zentrieren- Viel Glück!!!:)

Veröffentlicht am 06.01.2011 13:34:53 GMT+01:00
Hey KC,
wenn du mir irgendwie deine mailadresse zukommen lässt, können wir noch weiter darüber reden.
möchte nur hier in der öffentlichkeit nicht so viel preis geben (zb. was ich mache etc.).

LG,
uf

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.01.2011 08:27:55 GMT+01:00
DVDmanic meint:
Hallo uf, die Thematik interessiert mich auch sehr - ich bin mit einer frau befreundet, die durch einen menschen (dessen prozess jetzt bevor steht) ein trauma erlitten hat. auch sie beschäftigt sich natürlich sehr mit dem thema verurteilung sühne wiedergut-
machung (geht wohl überhaupt nur im ideellen sinn) und bestrafung des täters. bitte nehmt mich in euren schriftwechsel mit auf. vielen dank. bbeyer@gmx.net

Veröffentlicht am 08.01.2011 19:11:03 GMT+01:00
R. Bär meint:
Hi,

"Multiple Persönlichkeit" von Ian Hacking gibt einen guten Überblick über die Geschichte der Idee "Multiple Persönlichkeit" bzw. eben DIS, wie es heute heißt. Üppig Material: jede Menge bekannte und weniger bekannte Anekdoten und Schnipsel (z.B. auch über berühmte Gerichtsprozesse), und (in der TB-Ausgabe) ca. 40 Seiten Literaturverzeichnis. Ian Hacking ist Professor für Philosophie in Toronto, paßt also auch vom Fach her. Für das Thema Ihrer Facharbeit wahrscheinlich brauchbarer als Literatur, die eher für Therapeuten oder eher für Betroffene gedacht ist (also Huber, Reddemann, Peichl usw. usf. ).
Grüße & viel Erfolg

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2011 19:33:05 GMT+01:00
hölderlin mein freund,
Ich glaube, ganz ehrlich - versteh micht falsch, aber jetzt mal ohne flax:
ich laube, du verwechselst DIS mit DIS, nämlich die Störung mit deiner Arbeit.
Was ich dir damit - am besten sagen will (philosophisch) - Solltest du dir nicht
lieber einmal eine Grundfrage stellen (rein platonisch): Ist der Diskurs diskussionswürdig?
Dazu entfehle ich "Derrida". Es grüßt dich
Michel Foucault

Veröffentlicht am 09.01.2011 19:44:44 GMT+01:00
Blondeau meint:
MP (Stoerung der Identitaet: doppelleben...) ist Folge von Gewalt auf allen emotionale Ebene...

siehe Prof. Gerald Huether... Hirnforschung und kreativitaet.
oder Henning Koehler... freie Welt durch freie Kinder.
oder die Vortraege von Jesper Juul...
auch Prof. Peter Kruse zu hoeren bei youtube zum thema Mensch und Intelligenz!

Philosophie kann die Grundlage sein fuer ein neues MenschenBild und damit f eine neue Paedagogik.

Veröffentlicht am 15.01.2011 14:13:36 GMT+01:00
~träumerin~ meint:
Hallo.

Ich habe mich auch ausgiebig mit dem Thema DIS beschäftigt und kann diese zwei Bücher empfehlen: Hannah und die anderen - es ist in Romanform geschrieben und veranschaulicht sehr gut wie sich diese Störung zeigt. In diesem Buch Aufschrei: Ein Kind wird jahrelang mißbraucht - und seine Seele zerbricht erzählt ein Psychologe von der Therapie einer DIS, er gibt sehr detailreich Erfolge und Schwierigkeiten wieder, erklärt genau, wie sich die DIS äußert und wodurch sie ausgelöst wird. All diese Bücher sind nicht sehr teuer, also vielleicht bringen sie Ihnen etwas...

An Fachliteratur fand ich dieses Buch Multiple Persönlichkeiten: Überlebende extremer Gewalt. Ein Handbuch sehr gut. Allerdings ist es nichts für schwache Nerven, denn die Erlebnisse der Leidenden sind sehr detailreich und ausführlich geschildert.

Der Film "Identität" ist ein Film über einen Verbrecher mit einer DIS, den könnte man denke ich gut zum Thema Verbrechen und DIS nehmen... bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Lg.

Veröffentlicht am 15.01.2011 15:57:30 GMT+01:00
Vorneweg: @~träumerin~: Ich möchte dir keineswegs auf die Füße treten. :)

Ich würde von den Titeln, die meine Vorposterin nennt, als Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit eher absehen und sie allerhöchstens als kleine Hinführung zum Thema für dich selbst verwenden. (Ich habe alle genannten Bücher gelesen und den Film gesehen.) Romane über DIS sind mit sehr viel Vorsicht zu "genießen", da sie sehr komplexe psychische Prozesse nur stark vereinfacht darstellen können. Sie zeigen häufig das, was der Urheber als idealtypisch für das Krankheitsbild ansieht. Außerdem müssen sie sich nach einem Spannungsbogen richten, damit es eben ein Roman ist, den Leute spannend fnden und dran bleiben. Ich finde alle diese Geschichten nur sehr bedingt aussagekräftig über Grundsätzliches zum Thema DIS. Ich denke, ich kann mir ein gewisses Urteil darüber erlauben, da ich seit Jahren intensive persönliche und fachliche Bezüge zum Thema habe.
Auf gar keinen Fall darfst du so einen Roman als verallgemeinerbar ansehen, was DIS angeht.
Das Buch von Michaela Huber ist das einzige, was ich als Einstiegslektüre empfehlen kann, jedoch beschäftigt es sich wenig mit philosophischen und juristischen Aspekten (wenn juristisch, dann nur im Hinblick auf die Rechte der Opfer von Straftaten).
Die Homepage von Michaela Huber ist jedoch sehr interessant und durchaus empfehlenswert. Google einfach ihren Namen, dann wirst du sie finden. Sie veröffentlicht dort Skripte und Vortragsfolien, die du herunterladen kannst.

Zu dem Film "Identity": Der Film macht DIS zu einer Räuberpistole. Genauso wie "Hide and Seek". Das sind Psychothriller, die dürfen Sensationsgelüste befriedigen. Aber eine Relevanz für eine wissenschaftliche Arbeit hat der Film mit Sicherheit nicht, außer du würdest eine Arbeit über die Darstellung von DIS in den Medien schreiben. Sicher auch ein interessantes Thema ;)

Berichte doch mal, auf welchem Stand du momentan bist. (Und deine E-Mail)

Veröffentlicht am 15.01.2011 17:48:57 GMT+01:00
~träumerin~ meint:
Okay gut... ich habe mich wahrscheinlich einfach falsch ausgedrückt. ^^
Ich finde den Film spannend, aber natürlich wenn man Hintergrundwissen hat nicht sehr fundiert und glaubwürdig. Man könnte ihn nur gut als Vergleich oder Hinführung, Einleitung oder Schlussteil der Facharbeit nehmen, da er doch relativ bekannt ist und voller Vorurteilen und Klischees ist.

Ich weiß ja nicht genau, welche Art von Facharbeit es werden soll, und wie wissenschaftlich wertvoll und anspruchsvoll sie werden soll. Für den Ottonormalverbraucher finde ich die drei Bücher relativ verständlich und doch auch fachlich gut belegt. Wenn du allerdings eine Doktorarbeit schreiben möchtest, dann würde ich dir auch andere Lektüre empfehlen. Wenn du explizit gerichtliche Dokumente, Fallbeispiele oder ähnliches suchst, dann schätze ich wird es eher schwer für dich irgendetwas wirklich aussagekräftiges zu finden, da es doch noch ein weitgehend unerforschtes Feld ist und bei den Gerichten wohl ein Teil der Urteile auf Sicherheitsverwahrung oder geschlossene Psychiatrie hinauslaufen wird, bei der anderen Hälfte der Fälle wird diese Störung nicht erkannt und die Leute werden normal verurteilt. Schätze ich mal.

Eine philosophische Sichtweise stelle ich mir ebenfalls schwierig vor, da es dort wiederum absolut widersprüchliche Ansichten über die Persönlichkeit gibt, sei es einmal, dass der Mensch eine Seele besitzt und diese weiterlebt, auf der anderen Seite wiederum die wissenschaftliche Sichtweise, bei der nur die biochemischen Prozesse im Gehirn betrachtet werden und eine psychische Störung als Annomalien im Stoffwechsel der Neurotransmitter oder bestimmter Gehirnareale definiert werden. Und eine Menge Annahmen die sich irgendwo dazwischen bewegen.

Da die die Wissenschaft einfach noch nicht so weit ist, das ganze genau zu definieren und abzugrenzen, denke ich, es macht wenig Sinn jetzt eine philosophische oder rechtliche Abhandlung über die Sache zu schreiben. Ich würde der Forschung noch ein paar Jahre mehr Zeit geben und mich dann auf aussagekräftige Forschungsergebnisse verlassen, anstatt im Trüben zu fischen und eine Facharbeit voller Vermutungen und unfertigen Studien zu verfassen... Oder eben eine Facharbeit über das zu schreiben, was man bei dieser Störung schon sicher weiß und wozu es auch die dementsprechenden Studien gibt...

Okay, ich fasse es mal kurz... Ich bin auf dem Stand, dass eine DIS eine Spaltung der Persönlichkeit ist, die im frühen Kindesalter erfolgt und durch Erlebnisse ausgelöst wird, die vom Geist nicht verarbeitet und abgespeichert werden können, da sie zu schlimm und schwerwiegend für die Psyche des Kindes sind. Also spaltet es die Erlebnisse ab ("Dissoziation") - mit ganzen Persönlichkeitsanteilen, da das Gehirn in dem Alter ja noch in der Entwicklung ist, und es bilden sich bestimmte Persönlichkeiten, die meistens getrennt auftauchen und von denen jede bestimmte Aufgaben besitzt. Im Laufe eines Lebens können sich so hunderte Persönlichkeiten abspalten und das ganze gerät außer Kontrolle. Die verschiedenen Persönlichkeiten/Persönlichkeitsanteile kommen durch bestimmte "Trigger", wie bei einer PtBS hervor und wechseln sich ab ("switchen"). Die Hauptpersönlichkeit weiß oft nichts von den anderen, und so entstehen Blackouts, in denen andere Persönlichkeiten agieren und von denen die Hauptperson nichts weiß. Sie merkt nur, dass sie sich vielleicht an einem Ort befindet, zu dem sie eigentlich nie gegangen ist, etc. pp. Die Persönlichkeiten haben auch ein Alter, das meistens das Alter ist, in denen sie entstanden sind.

Reicht das erstmal? ^^
Falls ich falsch informiert bin, nehme ich gerne Kritik an... ich finde das Thema sehr interessant und würde mich freuen, mehr zu erfahren.
Wie kann ich hier meine Mail angeben, ohne dass sie alle sehen können?

lg.

Veröffentlicht am 16.01.2011 10:33:36 GMT+01:00
DVDmanic meint:
hallo träumerin - auch ich habe zum thema einiges erlebt - war zwei mal längere zeit mit einer frau zusammen, die traumata erlebt hat und habe diese - zumindest teilweise - mit ihr aufarbeiten können (u. a. natürlich auch mit theoretischer Unterstützung durch therapeuten und fachlektüre). würde mich freuen, wenn Du Dich bei mir meldest - vielleicht können wir irgendwie eine geschlossene gruppe basteln, in der wir unsere theoretischen und praktischen erfahrungen austauschen und ggf. anonymisiert auch dem facharbeitsschreiber zur verfügung stellen können. frage an den fa-schreiber: in welcher Ihr erreicht mich unter bbeyer@gmx.net. Würde mich freuen, wenn ihr Euch meldet !

Freundliche Grüsse

Bernd L. Beyer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.01.2011 16:57:40 GMT+01:00
Hanna Fiedler meint:
Versuchen Sie es mit "Vater unser in der Hölle" beeindruckend und beängstigend zugleich- aber leider stimmig :-( lg - Hanna Fiedler
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