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Buch über Wissenschaft/Wissen Allgemein


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51-75 von 125 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.10.2012 17:57:46 GMT+02:00
Utimaus meint:
@ Jay

;-) oder ich tu' nur so... Nee, irgendwo dazwischen: Physikdiplom 1992, danach bei Siemens, viiiiieeel vergessen =(

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.10.2012 01:15:50 GMT+02:00
@Ulti: Hehe - früher wurde es bei mir auch gerne länger. Heute bin ich etwas müde geworden nach fast einem viertel Jahrhundert Online Diskussionen ;-). Außerdem ist mein physikalisches Wissen irgendwo auf dem Stand Ende der 90ger eingefroren. Wenn überhaupt.

Dennoch: String- und M Theorie schließen die vorhandenen gut belegten Theorien letztlich ein, erklären also bekannte Phänomene mit. Das ist zumindest eine erfüllte Mindestanforderung.

Übrigens gab es gestern - bzw. uhrzeittechnisch vorgestern - eine Diskussion über Religion bei Maischberger im Fernsehen (mein Mittel gegen Schlaflosigkeit). Dort traten ähnliche (übliche) Argumentationslinien auf. Der gute Norbert Blüm versuchte die Gleichwertigkeit von Wissenschaft und Religion ausgerechnet am Welle Teilchen Dualismus festzumachen. Die Wissenschaft könne noch nicht einmal sagen ob Licht Welle oder Teilchen sei. Was solle man da also glauben? Das ist das Niveau, auf dem sich derartige Diskussionen in der Regel in der Öffentlichkeit bewegen, und das jemand immerhin mal was vom Welle Teilchen Dualismus gehört hat ist da trotz allem fast schon ein Highlight. Wie soll man dann über kosmologische Themen, String Theorie, moderne Hochenergie Physik diskutieren, wo selbst Leute mit physikalischer Vorbildung in der Mehrzahl hoffnungslos überfordert (oder/und überholt) sind und der Nichtwissenschaftler mangels Landmarken nicht einmal die Größenordnung seines Wissensabstandes von den führenden Experten erahnen kann? Und dann gilt häufig noch Feynmans Satz (den ich viel zu oft zitiere), sinngemäß, daß man bei einem Publikum aus Laien bestenfalls hoffen kann, die Illusion von Verständnis zu erzeugen...

Ansonsten (back to the topic): theoretisch ist es natürlich legitim, daß ein einsames verkanntes autodidaktisches Genie ein komplettes Fachgebiet neu aufrollt. Ich kenne allerdings aus der Moderne kein Beispiel in der Physik. Es gab zwar Außenseiter - auch Einstein war einer. Oder Tomonaga. Aber das waren immer zumindest gelernte Physiker.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.10.2012 17:27:22 GMT+02:00
Jay meint:
Ja, Blüm @ Maische: grau-en-voll!!! "Wissenschaft ist eine Kette von korrigierten Irrtümern"! Na ja, ist ja auch nur ein "Dr. phil."... oder sollte man auch von Geisteswissenschaftlern ein korrektes Bild der Naturwissenschaft verlangen dürfen?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.10.2012 17:57:24 GMT+02:00
Naja - ich denke Precht etwa hätte sich da differenzierter geäußert. Aus meiner Sicht darf man von jedem Hochschulabsolventen eine gewisse epistemologische Grundausstattung erwarten. Vermutlich ist aber die Relativierung des Wertes der naturwissenschaftlichen Methode einfach nur eine rhetorische Methode mit der andere Bereiche sich aufzuwerten versuchen. Es ist außerdem durchaus eine Frage der Sichtweise. Für den einen ist Wissenschaft eine Kette korrigierter Irrtümer (wobei die Mehrzahl der Irrtümer aus vor- und nichtwissenschaftlichen Bereichen stammen). Der andere sieht eine Kette stetiger Verfeinerungen und aufeinander aufbauende Verbesserungen. Der nächste wiederum sieht gar keine Kette, sondern eine Art vieldimensionales fraktales Puzzle, das feinste Verästelungen in immer entferntere Bereiche der Wirklichkeit ausstreckt und trotzdem nie vollständig ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.10.2012 20:26:58 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.10.2012 20:50:57 GMT+02:00
Utimaus meint:
@ Stefan
@ Jay

Zum Glück habe ich die Diskussionsrunde nicht gesehen, ich finde es immer so schlimm, dass man nicht mitreden darf...

Allerdings finde ich, dass man in solchen Diskussionrunden durchaus mitbekommt, wie die Öffentlichkeit, also der "natürwissenschaftliche Laie" die Naturwissenschaft wahrnimmt. Und da ist es (leider) eine nicht wegzudiskutierende Tatsache, dass die Meinung des Herrn Nobbi Blüm keine Einzelmeinung ist:

Da wäre einerseits der Laie, der - wie Stefan richtig sagt - keine Chance hat, "state of art"-Forschung wirklich zu verstehen. Ihm bleiben also populärwissenschaftliche Bücher, in denen notwendigerweise die mathematischen Zusammenhänge fehlen. Prompt erscheinen die Aussagen der Wissenschaft dem Laien unbegründet, dogmatisch. (Abgesehen davon, dass er aufgrund der Komplexität oft zusätzlich den Eindruck hat, die Naturwissenschaft habe sich heute im Detail verloren, verrannt in viel zu komplizierten Modellen. - Anstatt sich auf "das Wesentliche" zu konzentrieren (nämlich einfache Antworten auf nahezu alle Fragen parat zu haben. Außer natürlich auf Fragen der Weltanschauung...)

Andererseits - und hier sehe ich fast das größere Problem - scheint diese Sicht des Laien von der Sicht der modernen Philosophie gedeckt zu sein.
Wenn beispielsweise Popper argumentiert, Wissenschaften können grundsätzlich nichts beweisen (kritischer Rationalismus), sondern nur falsifizieren.
Wenn Feyerabend schreibt, die Scientific community ist kein ausreichendes Kriterium zur Unterscheidung der Wissenschaft von anderen Aktivitäten, wie z.B. der Theologie. (In "Wider dem Methodenzwang")
Wenn Feyerabend schreibt "In diesem ideologie-neutralen Staat müssen die Menschen in der Lage sein, sich frei aller ideologischer Erstarrung durch das Studium von Ideologien, Märchen, Mythen und Wissenschaften als historische Erscheinungen, ihre eigene Meinung zu bilden."

Kann es wirklich verwundern, wenn Laien hier genau solche Aussagen herauslesen, wie Blüm sie in der Talkrunde macht? Nämlich, dass auch Wissenschaft dogmatisch ist, ein Ersatzreligion, von dieser nicht zu unterscheiden, weil man beides "glauben" müsse? Kann man dem Laien wirklich etwas vorwerfen, wenn er sagt, er habe eben eine andere "Meinung" zur Evolution, zum Urknall,...

Dass es zumindest Popper und andere Wissenschaftstheoretiker _nicht_ so meinen, erscheint da leider oft zweitrangig.
(Bei Feyerabend bleibt die humorvolle Anekdote, dass er z.B. auch schrieb "Und wie oft geschieht es doch, dass das stolze und dünkelhafte Urteil eines Fachmanns von einem Laien zurechtgewiesen wird!" (Wider den Methodenzwang) und später zum Gefangenen seiner eigenen Philosophie wurde, indem er sich von der Erdbebenvorhersage eines Laien terrorisieren ließ...)

So viel zu der Frage, was man von Geisteswissenschaftlern zu erwarten hat: Wissenschaftstheoretiker _sind_ Geisteswissenschaftler. Viele machen ihren Job prima, Popper hatte Recht mit seiner Kritik am Positivismus! Gerhard Vollmer schreibt hervorragende Bücher zu dem Thema. Aber wie bei den Naturwissenschaftlern kommt es darauf an, wie ihre Aussagen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden; aus dem Zusammenhang gerissen, kann Vieles falsch verstanden werden.

In diesem Sinne ist der Satz <<Wissenschaft ist eine Kette von korrigierten Irrtümern>> aus der Diskussion abhängig davon, wie man ihn verstehen will:

- Als Beleg, dass wissenschaftliche Aussagen scheinbar wahllos kommen und gehen.
- Als Beleg, dass Wissenschaft selbstkorrigierend ist, also in der Lage ist, ohne Hinweise von außerhalb des wissenschaftlichen Betriebes, falsche Theorien zu erkennen und zu verwerfen. In diesem Sinne würde ein Naturwissenschaftler den Satz nämlich durchaus unterschreiben!

Harald Lesch hielt z.B. 2011 während eines physikalischen Colloquiums in Bayreuth den Vortrag "Wir irren uns empor", was im Wortlaut gar nicht so verschieden von obigem Satz ist. Wer den Vortrag nicht kennt: ich kann ihn nur empfehlen, wie alles von Lesch sehr informativ und unterhaltsam; es gibt ihn im Netz. Wer Lust hat:

http://www.youtube.com/watch?v=u29--YNGMyg

(Dauer 1,5 Stunden + Fragen, also Knabbersachen bereitstellen)

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2012 12:47:54 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.10.2012 12:48:54 GMT+02:00
Jay meint:
Danke für den Link! (bin eh ein Lesch-Fan).

>> Als Beleg, dass Wissenschaft selbstkorrigierend ist, also in der Lage ist, ohne Hinweise von außerhalb des wissenschaftlichen Betriebes, falsche Theorien zu erkennen und zu verwerfen.<<
und
>> "Theorie" in der Naturwissenschaft = geschlossenes Erklärungsmodell, das durch Experten (also Kollegen, die etwas von den Aussagen der Theorie verstehen) auf denkbar schärfste Weise an der Beobachtung (im Experiment) überprüft wurde - und diesen Test bestanden hat. <<

Vielleicht wäre es hilfreich, wenn jemand ein paar Beispiele von wiss. Erkenntnissen ("Theorien" in o.g. Sinne) nennen würde, die sich wirklich als IRRTUM erwiesen haben. (KEIN Bsp. wären Geozentrismus, Lichtäther, Phlogiston usw., da nie experimentell nachgewiesen, also bloße Hypothesen, Behauptunge, Glaubensinhalte).
Wem fällt da etwas ein?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2012 14:46:59 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.10.2012 15:05:32 GMT+02:00
Utimaus meint:
@ Jay

Ich würde als Beispiel die klassische Mechanik sehen, von der wir ja heute wissen, dass sie bei zu hohen Geschwindigkeiten (SRT) , bzw. in der atomaren Welt (QM) falsche Vorhersagen macht.

Weniger bekannt ist , dass man z.B. auch bei Geschossen keine Wurfparabel rechnen darf. Diese ist nur für kleine "Würfe" eine gültige Näherung. Bei Reichweiten im Kilometerbereich muss man elliptisch rechnen.

Zwar gilt in beiden Fällen, dass die übergeordnete Theorie das Konvergenzprinzip zur älteren erfüllt, trotzdem hat man in neuen Wertebereichen jeweils entdeckt, dass die bisher bestätigten Ergebnisse nicht mehr richtig sind. Verallgemeinerungen von Aussagen sind immer in dieser Weise fehleranfällig.

Grüße

P.S.: Außerdem finde ich, dass der Geozentrismus auch schon gezählt werden müsste, denn im Rahmen des Geozentrismus konnten mit der sogeannten Epizirkeltheorie Planetenbahnen genauer berechnet werden als mit den Kreisen des Kopernikus. Einer der Gründe, warum sich das heliozentrische Weltbild anfangs so schwer tat. (Erst später sah man, dass die Epizirkel eine Art Fouriernährung für Newtons Formel unter Koordinatentransformation waren.)
Und wir müssen auch ganz klar sehen: die ART _kann_ nicht die endgültige Theorie der Schwerkraft sein

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2012 16:14:20 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.10.2012 19:04:39 GMT+02:00
Jay meint:
Hmmm! Na ja! Riecht mir eher nach Anbau statt Abriss + Neubau. Trotzdem... 2 Bsp. sind schon eine erste Erhellung. Wi. = KETTE von Irrtümern ist aber damit Folklore, denn ich schätze: Auch wenn Sie lange graben, kommen Sie nicht auf mehr als 10 (von mir aus 100) --- angesichts der Menge von wi. Entdeckungen (schätze > 10^6) zu vernachlässigen. Oder?

1 Std. und 200 gr. Kekse später: ART enthält Newtonsche Mechanik als Grenzfall. Sehr gut! (speziell die Knüller, manchmal ist Lesch ein bisschen kasperlehaft)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2012 21:17:31 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.10.2012 21:29:57 GMT+02:00
Utimaus meint:
@ Jay

<< ART enthält Newtonsche Mechanik als Grenzfall>>

Richtig.

Aber (jetzt bin ich mal fies...) betrachten wir die Funktion 1/x für x gegen Unendlich. Nicht schwer: der Grenzwert ist Null. Ganz klar. Nur: für jedes endliche x ist 1/x von Null verschieden, nicht wahr?
Wenn die ART also die Newtonsche Mechanik als Grenzfall enthält, dann sind die Werte, die ART und NM (newtonsche Mechanik) für jedes praktische Beispiel trotzdem verschieden. Die Frage ist nur, ob der Unterschied oberhalb oder unterhalb der Messgrenze liegt. Sprich: Mit der Einführung der neueren Theorie _kennen_ wir den Fehler, den wir bei der Verwendung der alten, einfacheren Formeln in Kauf nehmen. Es ist also kein Anbau im eigentlichen Sinne, sondern tatsächlich ein Abriss+Neubau; wir kennen nur den Bereich, wo es weiterhin zulässig/nützlich ist, mit den einfacheren Modellen zu arbeiten.
Auch die ART ist nicht die endgültige Theorie der Gravitation. Wir kennen aber wegen der Anwendungen, die wir mit der ART gut beschreiben können schon die Randbedingungen für die zukünftige Theorie.

Ich argumentiere ja nicht _gegen_ den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt. ;-) (Feyerabend und Kuhn entwerfen da andere Bilder von der Wissenschaftsgeschichte...) Aber das Verwerfen von Dingen, die man durch genauere Messung/Messung in einem anderen Wertebereich als falsch oder zumindest nicht als allgemeingültig erkennt, gehört seit Kepler eben zur wissenschaftlichen Methode dazu.
Tatsächlich ist es vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt her üblich, Naturwissenschaft nicht als Folge von Triumphen darzustellen, sondern als Folge des Auffindens einer _besseren_ Theorie (was impliziert, dass man eine Schwäche der vorherigen erkannt hat).
Für den Naturwissenschaftler ist das nicht frustrierend: Das tägliche Hinterfragen auch der Lehrmeinung gehört dazu. Entscheidend ist aber das, was wir "Konvergenz der Naturwissenschaft" nennen: Der Wertebereich, in dem sich alte und neue Theorien kaum noch unterscheiden wird größer, die Abweichungen durch bessere Messungen (schärfere Tests) kleiner. The trend is our friend :D

Grüße

P.S.: Ich mag am liebsten die Stelle "Warum sind die Außerirdischen grün?"

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2012 22:20:03 GMT+02:00
Jay meint:
Tja, wo er Recht hat, hat er Recht. Wenn ich es richtig verstanden habe: die NT ist deswegen nicht korrekt, weil sie die falsche Formel verwendet, weil darin die ART nicht vorkommt (obwohl das im menschliche Maßstab nur einen unmerklichen Fehler im Bereich 10^winzig verursacht).

NB. Die Anm., dass Außerirdische keinen Virus in ihre Computer gepflanzt bekommen können, weil sie zu intelligent sind, Windows zu verwenden, ist auch sehr hübsch!

Gute Nacht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 01:21:15 GMT+02:00
Die Kette von Irrtümern und Korrekturen sind eher nicht die etablierten Theorien, sondern die vergessenen Versuche von Weiterentwicklungen, die es NICHT in die Lehrbücher geschafft haben. Da sich das meist zudem im Stadium vor einer Publikation abspielt ists nicht so leicht, konkrete Beispiele zu bringen. Aber im angewandten Bereich gibt es das ständig: Feldtests die nicht funktionieren sind Legion. Je nachdem was wir mitrechnen, werden es millionen von Irrtümern und Sackgassen sein. Es gibt ja zudem nicht nur die Physik.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 01:27:57 GMT+02:00
Die Außerirdischen sind natürlich deswegen klein und grün, weil sie auf ihrem Planeten aufgrund exponentiellem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums eine globale Energie- und Nahrungskrise hatten und sich dann aus lauter Verzweiflung mit Hilfe von Gentechnik in kleine Energiesparwesen mit Chlorophylzellen in der Haut verwandelt haben. Leider hat dann das "law of unintended consequences" zugeschlagen, das Planet ging hops und man machte sich auf die Reise zur Erde um Asylantrag zu stellen. Nur so kann es gewesen sein! :-).

(Ich finde das mit dem Kettenkarussel zieht nicht...)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 11:22:59 GMT+02:00
Utimaus meint:
@ Stefan

Richtig: Um das zu entscheiden, müsste man beobachten, ob sie nach dem Aussteigen aus der Untertasse grün bleiben oder nicht. Im letzteren Fall wäre es doch das Kettenkarussel...:D

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 14:32:40 GMT+02:00
Jay meint:
Vorsicht! Vielleicht spricht Stefan von seinen Vorfahren und kennt sich deswegen so gut aus! ;-)

Aber mal zurück zum Zweck dieses Threads: Habe ich schon auf Schöpfung oder Zufall?: Wie Spiritualität und Physik die Welt erklären - Ein Streitgespräch hingewiesen? (siehe Rezis dort).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 18:26:47 GMT+02:00
Tja. Allerdings stoßen Korallenpolypen ihre Algensymbionten (unter Stress) bisweilen auch aus und werden bleich... wie immer ists wieder komplizierter und eine Beobachtung die auf einer falschen Prämisse basiert führt mal wieder in eine Sackgasse. Richtige Antworten auf falsche Fragen geben ein falsches Bild der Wirklichkeit. Womit wir wieder beim Thema wären :-).

Übrigens finde ich Douglas Adams, Kurt Vonnegut oder Philip K. Dick auf ihre Art ebenso philosophisch wie Popper, Gadamer oder Feyerabend.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 18:39:00 GMT+02:00
Tatsächlich! So ist es! Meine Vorfahren haben sich zusammengetan, sich spezialisiert, ausdifferenziert, neue Organismen einbezogen, und voilá: wurden aus vielen Einzelorganismen komplexe Wesen. Meine Vorfahren! Ein paar Chlorophylzellen in die Haut zu integrieren ist dagegen doch ein Klacks!

Chopra: bestimmt ist das Buch interessant, gut geschrieben - und mit Sicherheit beantwortet es die gestellten Fragen nicht. Wissenschaft kann es nicht. Religion kann es ebenso wenig. Religion und Spiritualität können aus meiner Sicht bestenfalls Halt geben im Anblick der endlosen Leere des gewaltigen Universums. Meine Erfahrung ist auch, daß viele Menschen den Blick in den Abgrund zwischen den Galaxien nicht gut aushalten, wenn sie die Ahnung befällt, welche zeitliche und räumliche Größenordnung das alles hat. Aber die Diskussion mit Chopra interessiert mich dennoch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.10.2012 01:05:48 GMT+02:00
Jay meint:
@ Stefan re. Chopra
Ja, darüber könnte man diskutieren. Je nach (voreingestellter) Weltsicht gibt man Chopra oder Mlodinow Recht. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Grundeinstellungen doch sind (auch wenn Chopra grundlegende wiss. Erkenntnisse durchaus anerkennt [selten bei Esos {wenn man ihn mal dort einordnen möchte}])

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.10.2012 13:21:25 GMT+02:00
@Jay - ich habe mir grad einen schnellen Überblick verschafft über Chopra. Offenbar hatte ich eine falsche Wahrnehmung von ihm auf der Basis einiger weniger kurzer Texte, die ich vor längerer Zeit gelesen habe. Da kam er mir eher philosophisch als esoterisch rüber. Ich hatte ihn etwas unscharf als Pop-Philosophen ala Precht oder Mark Rowlands eingeordnet, nur mit einem Schuß kalifornisch-indischem Lokalkolorits. Das war offenbar nicht ganz richtig. Wenn ich allerdings Aussagen von ihm lese (hier zur Bankenkrise) wie “We are totally at this moment looking at it in a reductionist manner. The reductionist manner is a bailout. And somehow that’s supposed to solve the problem, whereas the problem occurred because we were thinking reductively.” Dann gebe ich ihm tendentiell recht. Auch Freeman Dyson forderte lange schon mehr Synthese in der weitgehend auf Analyse fokussierten Wissenschaft. Allerdings ist Chopras "holistic thinking" wohl nicht dasselbe wie Dysons Synthese. Wenn das Wort "holistic" auftaucht, wirds meist schnell ziemlich neblig. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, daß das Universum nicht nur in meinem Kopf existiert.

Vielleicht an dieser Stelle zwei Bücher von Dyson - allerdings auch wieder etwas älter, aber auch Aristoteles wird bis heute gelesen ;-). :

FROM EROS TO GAIA

Infinite in All Directions: Gifford Lectures Given at Aberdeen, Scotland April--November 1985

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2012 12:46:58 GMT+02:00
Jay meint:
@ Stefan "Wenn ich allerdings Aussagen von ihm lese (hier zur Bankenkrise) wie “We are totally at this moment looking at it in a reductionist manner. The reductionist manner is a bailout. And somehow that’s supposed to solve the problem, whereas the problem occurred because we were thinking reductively.” Dann gebe ich ihm tendentiell recht."
Ich finde es immer etwas bedauerlich (weil substanzlos), wenn komplexe Probleme mit (im Wortsinne) Schlag-Wörtern abgetan werden: "reduktionistisch". Ob und wie man holistischem Denken den Schlamassel verhütet hätte, bleibt nachzuweisen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2012 13:19:10 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.10.2012 13:24:41 GMT+02:00
>>Ob und wie man holistischem Denken den Schlamassel verhütet hätte, bleibt nachzuweisen.<<

Ich bin wie gesagt etwas allergisch gegen den Begriff "holistisch". Bei mir stellen sich dann schnell Bilder von Rosenquarzen neben Computern, tanzenden Neu-Druiden und bekifften Wochenend-Philosophen ein die vernebelt "es ist alles eins" hauchen. Habe nichtmal was dagegen, aber derlei ist von Wissenschaft strikt zu trennen. Ich bevorzuge halt den Begriff "Synthese", gemäß Dyson - oder besser noch Bernhard Rensch, ehem. Professor für Biologie an meiner alten uni in Münster, der 1990 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Er war einer der wenigen modernen Naturwissenschaftler die noch versuchen (versucht haben) auf hohem Niveau so etwas wie einen universalen Überblick zu behalten. Rensch ist einer der Begründer der Synthetischen Evolutionstheorie - sozusagen dem Standardmodell der Evolution. Und an dieser Stelle gehört ein wirklich auch heute massiv lesenwertes Buch von ihm erwähnt: "Das universale Weltbild - Evolution und Naturphilosophie". Der Mann hatte ein dermaßen umfassendes Wissen, daß in der Zusammenschau dieses Buch keineswegs veraltet ist. Zugleich schreitet er gewiss auf der dünnen Grenze zwischen Naturwissenschaft und wissenschaftlicher Spekulation entlang - vergleichbar vielleicht mit C.F. von Weizsäcker, der dies als Physiker ebenfalls tat. Siehe Rensch:
Das universale Weltbild
und Weizsäcker, Aufbau der Physik:
Aufbau der Physik.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2012 13:31:47 GMT+02:00
Marita Ducesa meint:
Kein Problem - dann ersetzen wir "holistisch" (von mir eher im Sinne Ken Wilbers Eine kurze Geschichte des Kosmos verstanden) durch "vernetzt", wie Vester es schon vor Jahrzehnten gebraucht hat (Neuland des Denkens).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2012 18:48:38 GMT+02:00
Jay meint:
Ja, man könnte auch "systemisch" sagen. "System" = "Holon": ein Ganzes, das aus Teilen besteht, aber mehr ist als dessen Summe. Schön beschrieben in Beetz' Eine phantastische Reise durch Wissenschaft und Philosophie: Don Quijote und Sancho Pansa im Gespräch Kap. 3 S. 83 (gerade gekauft, flott zu lesen!).

Veröffentlicht am 06.11.2012 16:43:12 GMT+01:00
Max Gawlich meint:
Bücher über Wissenschaft:

Archäologie des Wissens (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Objektivität
The Mangle of Practice: Time, Agency, and Science
Image and Logic: A Material Culture of Microphysics
Laboratory Life: The Construction of Scientific FactsExperimentalsysteme und epistemische Dinge: Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.11.2012 01:07:06 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 25.05.2014 19:51:04 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.11.2012 11:03:17 GMT+01:00
CdB meint:
Außerdem ist Mersch ein bedeutender Wichtigtuer, der zu allem etwas zu sagen hat, auch wenn er keine Ahnung hat.
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