Kunden diskutieren > fachbücher Diskussionsforum

Geschichte preußische Polizei


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.05.2013 17:01:09 GMT+02:00
kohakucour meint:
Hallo,

für ein Projekt durchwühle ich gerade amazon und google seit einigen Stunden und finde nichts gescheites. Daher hoffe ich, dass mit jemand einen oder mehrere Buchtipps geben kann.
Danke schon einmal.

Und zwar suche ich nach Material, Bücher was auch immer zur Ordnungsmacht im Preußen zurzeiten des großen Kurfürsten und die nachfolgenden Generationen.
Ich habe bei Wiki gelesen, dass es dort die gute Polizey gab, aber ansonsten nur Links und Bücher zum 19. Jahrhundert. Wer hat denn vorher für "Recht und Ordnung" (oder was man auch immer früher darunter verstanden hat) gesorgt?

Wenn jemand was für mich hätte, ich wäre so super dankbar.

Danke schon einmal fürs lesen :o)

MfG

Veröffentlicht am 29.05.2013 10:35:41 GMT+02:00
4018 meint:
Hallo Kohakucour, wozu sollte der Große Kurfürst denn "Polizisten" gebrauchen, er hatte doch Soldaten? Die preußische Gendarmerie wurde 1812 geschaffen, kein Wunder, dass vor dem 19. Jahrhundert die Literatur mager ist, denn der Modernisierungsschub kam ja frühestens mit der Franzosenzeit. Voher brauchte es für die lokalen Gerichtsbarkeiten auf dem Land kaum mehr als ein paar starke Knechte, wenn z.B. der preußische Gutsbesitzer einen seiner erbunterthänigen Delinquenten verprügeln lassen wollte. Als Friedrich II. von Preußen einen Berliner Brandstifter auf den Scheiterhaufen bringen ließ, dürfte das Berliner Stadtgericht nicht mehr als ein paar städtische Wachleute gebraucht haben und Militär dann zur Absicherung der Hinrichtung (vermutlich auch ein Grund dafür, dass Todesurteile den Segen des Landesherren brauchten, man sieht das ja meist mehr von der Macht- denn von der Infrastrukturseite). Bis zur Industrialisierung funktionierte auch die nachbarschaftliche Sozialkontrolle so gut, dass ein formalisierter Apparat, z.B. für halbwegs seriöse forensiche Beweise jenseits der Zeugenaussagen noch nicht erforderlich war - im Fall des Berliner Brandstifters (1780er Jahre) gab es, wenn ich mich richtig erinnere, zwischen Untersuchungsrichter und Tatverdächtigen keine mediierende Behörde.

Die Emanzipation der Polizei/Gendarmerie vom Militär hat ja übrigens noch ziemlich gedauert, nicht bloß, weil man sie in den entmilitarisierten Zeiten nach den beiden Weltkriegen zum Armeeaufbau heranzog. In der preußischen Polizei gab es nach dem 1. Weltkrieg nicht wenige, die sich wie kastriert benahmen, weil sie nicht mehr Säbel tragen sollten. Die forensische Methodik kam zudem auch erst Ende des 19. Jahrhunderts auf (Hans Gross, die hochgejazzten Fotografie- und Fingerabdruckexperten des Berliner Polizeipräsidiums, das eigentlich mehr eine global zuständige Ordnungsbehörde war...).

Veröffentlicht am 29.05.2013 21:41:17 GMT+02:00
kohakucour meint:
Vielen Dank für Ihre Erläuterungen.

Das mit den Soldaten habe ich etwa eine Vierteil Stunde nachdem ich den Beitrag geschrieben habe, herausgefunden. Aber in dem Roman von Jan Eik (Die schwarze Dorothea) habe ich von unterschiedlichen Gerichtsbarkeiten gelesen. Der normale Bürger wird allgemein befragt (bzw. der Tortur unterzogen) und irgendwelche Freibürger stehen unter dem Schutz des Kurfürsten.

Vielen Dank für Ihre Hilfe, damit haben Sie mir schon einmal sehr weitergeholfen :o)

Veröffentlicht am 13.06.2013 21:08:38 GMT+02:00
M. Schaefer meint:
Eine recht gute Einführung in das Thema bietet Lisken / Denninger: Handbuch des Polizeirechts, das Standardwerk für jeden, der sich mit Polizeirecht beschäftigt. Primär geht es natürlich um die aktuelle Rechtslage, dem Buch ist aber eine gute historische Abhandlung vorangestellt.
Kaufen lohnt sich dafür natürlich nicht, das Buch dürfte aber in jeder Uni-Bibiothek zu finden sein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.06.2013 22:30:19 GMT+02:00
R. Makufke meint:
Hallo,

stoße gerade zufällig auf diese Anfrage - und erinnere sogleich die instruktive Bearbeitung durch einen Kollegen im Rahmen seiner Dissertation:

http://deposit.fernuni-hagen.de/31/1/Hubert_Schuster_Das_Amt_der_Polizey.pdf

Und wünsche weiter viel Erfolg!

cosispapa

Veröffentlicht am 20.06.2013 05:46:44 GMT+02:00
Hallo, kohakucour,

zur Polizey gehört ja auch die Verbrecherey, deshalb empfehle ich hier den neuen Pitaval, begründet von Willibald Alexis (ursprünglich Jurist) und Eduard Hitzig (Direktor des preußischen Kammergerichts). Zumindest kann ein Blick hinein nicht schaden. Außerdem gibt es hier in Berlin (und in anderen Städten) ein Polizeimuseum, das ist auch hilfreich.

Falls Dich oder Sie aktuelle Entwicklungen interessieren, dann empfehle ich dieses Kindle Buch:
Jonny K. - der Mord am Alexanderplatz (Eine Berliner Chronik)

Das gibt es ab dem 21. Juni für drei Tage kostenlos.
‹ Zurück 1 Weiter ›
[Kommentar hinzufügen]
Schreiben Sie einen Beitrag zu dieser Diskussion
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Eingabe des Log-ins
 


Kürzliche Einträge in fachbücher Diskussionsforum (206 Diskussionen)

ARRAY(0xa718a87c)
 

Zur Diskussion

Teilnehmer:  5
Beiträge insgesamt:  6
Erster Beitrag:  20.05.2013
Jüngster Beitrag:  20.06.2013

Neu! Bei neuen Einträgen eine E-Mail erhalten.
Von 2 Kunden verfolgt

Kundendiskussionen durchsuchen