Kunden diskutieren > fachbücher Diskussionsforum

Rezensionen sammeln?


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Veröffentlicht am 06.05.2013 16:23:39 GMT+02:00
Zur Anfangsfrage (von einem seit jeher eher raschen Leser): ganz entspannt und unbeirrt im eigenen Tempo weiterlesen: "Ich bin beim Lesen und nicht auf der Flucht!".

Was haben die Klappentextabschreiber wirklich davon? Weder das Buch wirklich gelesen und verstanden (was nützt mir dann selbst ein Freiexemplar?), noch das wunde Ego wirklich geheilt. Und wenn es gar bezahlte Schreiberlinge sein sollten, werden die Dreizacke des Höllenfürsten sie durchbohren (und sie im Diesseits immer noch nicht auf einen guten Stundenlohn kommen).

Nebenbei: Sobald ich neulich in die Top-100 trat (ja, ich nehme es zumindest wahr), kamen auf einmal ganz viele negative Bewertungen :-) Vom Jahrmarkt der Eitelkeiten sich fernzuhalten ist anscheinend schwer. Doch jemand mit einem soliden historischen Hintergrund hat da wohl noch am ehesten eine Chance, gar nicht erst zu beginnen, nur Mut & Grüße!

Veröffentlicht am 02.05.2013 09:59:49 GMT+02:00
Für mich ist bei einem Sachbuch schon der Klappentext wichtig. Wenn dort steht "Durch Spiegelneuronen besitzen wir Empathie und das können wir trainieren.", dann ist das eine Falschaussage und das Buch wird nicht gekauft.
Wenn nur inhaltsleere, hochlobende (ein Meisterwerk!) Rezensionen dort stehen, sehr beliebt bei manchen Kindle-Autoren, dann sehe ich mir vielleicht die Leseprobe an. Und daran kann ich dann beurteilen, ob der Stil in Ordnung ist und ob der Autor etwas zu sagen weiß.

Veröffentlicht am 29.04.2013 12:42:45 GMT+02:00
Polystyrol meint:
@pyxis: Es ist natürlich vollkommen richtig, dass man keine wissenschaftliche Rezension erwarten kann, wenn man hier auf Amazon herumstöbert. Das ist allerdings auch gar nicht das, was ich den Leuten ankreide. Ich persönlich finde es einfach interessant, ehrliche Rezensionen - auch von Laien - zu lesen, die sich mit dem jeweiligen Buch dann aber auch wirklich beschäftigt haben. Da kommen bei manchen Leuten wirklich interessante Kritikpunkte zusammen, die man in Fachpublikationen so vielleicht gar nicht hört. Außerdem kann man sich an Rezensenten mit ähnlichem Geschmack orientieren, um interessante Unterhaltungsliteratur zu finden. Man sollte also den Nutzen einer solch "populären" Plattform nicht unterschätzen. Freilich, wenn man eine Rezension zu einem neu erschienen Buch in irgendeinem Akademieverlag sucht, dann findet man meist sowieso keine Rezension auf Amazon, geschweige denn, dass dann etwas Substanzielles von der Rezension zu erwarten wäre. Ich kann mich aber erinnern hier auch schon häufig Rückmeldung von Autoren gelesen zu haben, die sich für treffende Rezensionen bedankten usw.. Und das ist mir sogar schon in Bereichen der Fachliteratur untergekommen.

Mich ärgert einfach, dass solche Plattformen nicht ernsthaft für das genutzt werden, was sie wirklich können: Meinungen ordnen, geschmackliche Gruppen bilden und zwischen Gruppen mit ähnlichem Interesse Querverbindungen erzeugen, um individuell neue Bereich - auch wenn es sich dabei nur um Unterhaltungsliteratur, bzw. Unterhaltungsmedien, handelt - zu erschließen.

Die Fachrezensionen haben natürlich Unterhaltungswert, da stimme ich ihnen zu. Und man erfährt über die jeweiligen Frontenstellungen oftmals mehr über manche Bücher als über die bloße Lektüre jemals feststellbar wäre. Das geht bis zu Cliquentum und Hass. Dazu muss man natürlich garnicht erst den Historikerstreit konsultieren, in dem sich ja eigentlich keiner der Beteiligten mit Ruhm bekleckert hat. Wenn ich mir so anschaue, was Wehler so in der letzten Zeit absondert, dann weiß man auch nicht genau, ob da alle zwischen Populärplattform und Fachpublikum unterscheiden können, was übrigens ein Problem von vielen großen alten Herren ist. Die Lagerung der Medien durch das Internet ist von vielen bereits wahrgenommen, gleichzeitig ist das aber irgendwie nicht ins Verständnis vorgedrungen. Nolte hat ja einen Absturz hingelegt, der für mich manchmal erschütternd ist. Ich habe mir vor kurzem ein neues Buch von ihm angesehen und da wird einem erst bewusst, dass dieser Mann vom halbwegs seriösen Fachbuchmarkt zum Koppverlag gewandert ist. Sprachlich ist er noch immer am Damm aber ich glaube, dass man manche Denkbewegungen Noltes, befänden wir uns im 19. Jahrhundert, mit einem Ausbruch von Wahnsinn erklären würde.

Veröffentlicht am 29.04.2013 01:54:49 GMT+02:00
Ich orientiere mich bei Amazon an den schlechtesten Bewertungen oder den Besten. Klappentexte überfliege ich sowieso - aber das merkt man doch rasch, wenn einfach etwas zusammengeschustert worden ist.

Veröffentlicht am 27.04.2013 21:58:38 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.04.2013 22:28:30 GMT+02:00
pyxis meint:
Ich sehe das pragmatisch: die Plebs kann bei Amazon zusammenschreiben was sie will. Ich gönne ihr die gratis Ware, es hat da wenig Wert sich darüber aufzuregen. Ich verstehe aber, dass die Angelegenheit frustrierend sein kann. Immerhin ist es doch gut zu hören, dass es noch Leute gibt, die sich Mühe geben, auch wenn sie von der Mehrheit nicht entsprechend gewürdigt werden. Das ist ja auch nicht das einzig relevante Publikum für einen Historiker.

Wenn ich eine ernst gemeinte Rezension brauche, gehe ich nicht zu Amazon. Da bin ich bei jstor, h-soz-u-kult und Konsorten schon besser aufgehoben. Meist kennt man ja seine paar Nasen im Fach, die etwas können. Wenn ich wissen will, ob das neue Buch von Rebenich etwas ist und die Rezension von Christian Meier sehe, dann weiss ich, dass das eine brauchbare Adresse ist um Informationen zu bekommen. Andererseits kann ich da auch die Gefahren besser abschätzen. Ich weiss ja ungefähr, wie der alte Filz ungefähr funktionagelt. Gegenseitige Rezensionen etwa sind ja recht schnell zu finden. Im Grunde Prosopographie vom Feinsten, dazu mit einigem Unterhaltungswert, wenn ich das mal so zynisch ausdrücken darf und daher witziger, als abgeschriebene Klapptexte auf Amazon. Die alten Hasen beobachten macht ja immer Freude, erspart einem die falschen Illusionen und man kann erst noch etwas lernen. Nolte wäre ja so ein Beispiel, wie ich vorzugsweise später eher nicht enden möchte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.04.2013 20:47:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.04.2013 20:52:33 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Das ist eine reelle Antwort. Allerdings glaube ich nicht, dass die von mir gemeinten Rezensenten überhaupt lesen, also auch nicht, dass sie die Bücher, in irgendeinem Gegensatz zu Ihnen, schnell lesen. Übrigens kenne ich das Buch von Tarde. Das Buch ist es wert, langsam gelesen zu werden. Als Parallellektüre könnten Sie ja Emile Durkheims Buch zu den elementaren Formen des religiösen Lebens lesen. Da sind nämlich zwei - zumindest zu damaligen Zeit - gegensätzliche Forschungsparadigmen, was die Lektüre - wissenschaftsgeschichtlich betrachtet - noch interessanter macht. Außerdem ist Durkheim - und Sie haben sich ja offensichtlich schon mit anderen Theoretiker aus diesem Gebiet befasst - sowas wie ein Stammvater des Strukturalismus. Tarde ist ja jetzt eher wieder populär, weil Bruno Latour ihn oft erwähnt und deshalb wieder für den populären Mainstream der Kulturwissenschaften interessant gemacht hat.

Veröffentlicht am 21.04.2013 19:24:09 GMT+02:00
Wer viele Bücher rezensiert, bekommt, so habe ich das gehört, Neuexemplare von Amazon zum Rezensieren kostenlos.
Und ich lese Bücher auch langsam, manchmal extrem langsam. Seit drei Jahren nerve ich meine Freunde mit dem Homo Faber, bei dem ich jedes Wort umdrehe und seit einem Jahr auch mit den Gesetzen der Nachahmung (Gabriel Tarde), das ich in jede Richtung durchdenke. Nein, es ist auf jeden Fall richtig, Bücher langsam und gründlich zu lesen.

Ersteintrag: 20.04.2013 13:03:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.04.2013 14:20:11 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Kommt es nur mir so vor, oder ist es auch schon jemandem aufgefallen, dass die Sachbuchrezensionen der meisten Top 100 Rezensenten aus Klappentextinfos bestehen? Egal welches Buch ich aus dem Sachbuchbereich oder aus dem Bestsellerlistenbereich eingebe. Immer finde ich die selben Personen unter den ersten 2 bis 3 Rezensenten, egal ob es sich um 100- oder 1000-seitige Bücher handelt. Da werden täglich 3 bis 4 Rezensionen ausgespuckt für Bücher, mit denen ich mich als Fachmann etwa der Geschichtswissenschaft mindestens ein paar Tage beschäftigen muss.

Bin ich einfach ein langsamer Historiker oder habe ich da irgendwas missverstanden?

Mich würde dahingehend interessieren, was denn diese Rezensionen dem Rezensenten noch einbringen, dass man sich darauf spezialisiert, Bücherrezensionen von Büchern zu sammeln/fabrizieren, die man - meiner Einschätzung nach - garnicht gelesen hat. Lustigerweise sehen diese Rezensionen auf den ersten Blick garnicht kurz oder uninformativ aus. Erst beim Durchlesen merkt man, dass da überhaupt nichts rezipiert wurde. Da gibts regelrechte Rezensionsmaschinen wie Christian-Döring oder lehmann-pape (oder wie auch immer man die schreibt), die eine substanzlose Rezension nach der anderen rauswerfen. Und sie bekommen auch noch positive Klicks dafür. Das ist für mich irgendwie frustrierend und trägt dazu bei, dass ich überhaupt keine Rezensionen schreibe.
‹ Zurück 1 Weiter ›
[Kommentar hinzufügen]
Schreiben Sie einen Beitrag zu dieser Diskussion
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Eingabe des Log-ins
 


 

Zur Diskussion

Teilnehmer:  5
Beiträge insgesamt:  8
Erster Beitrag:  20.04.2013
Jüngster Beitrag:  06.05.2013

Neu! Bei neuen Einträgen eine E-Mail erhalten.
Von 2 Kunden verfolgt

Kundendiskussionen durchsuchen