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"Thy" und "Thou"..?


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1-25 von 55 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.09.2008 16:02:07 GMT+02:00
KC meint:
Hi!
Oft lese ich in englischen Büchern oder höre in englischen Serien die Wörter "thy" und "thou".
Ich weiß, dass das wohl irgendwie Pronomen sind, im Sinne von "du".
Meistens kommen diese Wörter bei Beschwörungen (Bereich Fantasy) vor, oder wenn irgendwie deutlich werden soll, dass jemand eine Art "Altenglisch" benutzt, kann das sein? (Alles Vermutungen...)

Kann mir vielleicht jemand erklären, wann genau, wie genau und warum genau diese Wörter verwendet werden, und was sie exakt bedeuten?
Danke^^

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2008 16:28:50 GMT+02:00
Marc meint:
genau erklären kann ich's nicht, aber Deine Vermutungen gehen schon in die richtige Richtung. thy und thou werden im modernen Englisch nicht benutzt, daher ist die Antwort auf wann genau vor einigen hundert Jahren ;)
Übersetzt werden sie thy = dein (z. B. thy will be done = dein Wille geschehe) und thou = du (z. B. who art thou? = wer bist du?)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2008 16:38:57 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 01.12.2009 00:45:35 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2008 17:54:53 GMT+02:00
Corinna meint:
Es ist eine archaische Form von du, dein, ihr, euch. Schon in den Bibelübersetzungen verwendet fand es vor allem im religiös geprägten Mittelalter seinen Gebrauch. Bis zu welchem Zeitpunkt dieses archaische Englisch genau verwendet wurde, kann ich nicht genau sagen. Zur gleichen Zeit wurden natürlich ebenfalls von der heutigen Lautsprache abweichende Wörter und Grammatik im altenglischen Sprachgebrauch benutzt, so dass man als "Laie" in manchen Texten nicht unbedingt sofort den Sinn entdecken kann. Als Deutscher geht es einem mit altdeutschen Sprachen aber ja genauso.
Für Fantasyautoren birgt die Verwendung von Thy und Thou natürlich ein willkommenes Mittel um eine geheimnisvolle und edle, förmliche Note in die Texte zu bringen, ohne dass - wie bei anderen Redewendungen gleichen Ursprungs - der Inhalt unverständlich für den Durchschnittsleser wird. Gerade die Sprache des Mittelalters, dass ja allgemein schnell mit edlen tapferen Rittern und tugendhaften Damen verbunden wird, passt doch meist zu den Inhalten der enttsprechenden Romane.
Und...der Gebrauch hebt die Texte von anderen ab und macht neugierig, wie man ja sieht... ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2008 18:54:11 GMT+02:00
KC meint:
Okay, danke an alle!
Genaus so wollte ich es erklärt haben^^
Es erinnert mich an das "Ihr", wie "Wie Ihr wollt", anstatt von "Wie Sie wollen", das benutzen ja auch viele Fantasy-Autoren...
Zum Glück kommt das aber nich so oft vor, verwirrend isses ja schon XD

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2008 22:28:48 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.09.2008 22:36:39 GMT+02:00
sista A meint:
"Thou" ist einfach 2. Pers. Singular, also "Du", es war also tatsächlich nicht die respektvolle Anrede. Ist aber auch bei englischen Muttersprachlern eine weit verbreitete Ansicht. Eigentlich redet man sich in Englisch jetzt mit der 2. Pers. Plural an, also "you=Ihr". Für Deutsche ist der richtige Gebrauch fast einfacher als für Muttersprachler, denn hier werden ähnlich klingende Anreden noch immer benutzt: "thou = du", "thy, thine = dein", "thee = dir, dich", komplett mit den entsprechenden Verb-Endungen "Thou thinkest" = "Du denkst". Sorry für die Klugscheißerei, es ist nur so selten, dass tatsächlich mal jemand etwas wissen will, das ich an der Uni gelernt habe. Das interessiert nämlich normalerweise niemanden ;-).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2008 08:19:30 GMT+02:00
KC meint:
Verb-Endungen?
Man, jetz bin ich schon wieder neugierig geworden^^
Gibt es da verschiedene Endungen, oder wird einfach immer wenn man "thou" sagt, ein "est" dran gehangen?

Jah, is wohl wirklich selten, dass jemand sowas fragt XD
Aber Englisch ist mein Lieblingsfach, ich spreche es einfach total gerne.
Und jetzt, wo wir ne neue Lehrerin haben, muss man sich eh so viel wie möglich selbst beibringen, weil die nämlich ziemlich kein Englisch kann...^^°

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2008 14:56:25 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.09.2008 20:49:14 GMT+02:00
sista A meint:
Hi KC,

ja, so ungefähr. Damals war die Rechtschreibung noch nicht so festgelegt. Man findet -est, -st oder 'st, also thou knowest, knowst oder know'st. Eine Ausnahme (von höchstwahrscheinlich vielen) ist "are/were". Das heißt dann "thou art/wert". Wenn man das mal verstanden hat verliert sogar Shakespeare ein bisschen von seinem Schrecken.
"Canst thou, O cruel, say I love thee not?" heißt - na? - "Kannst du, oh Grausame, sagen ich liebe dich nicht?".
Oder "Thou blind fool love, what dost thou to mine eyes?" - "Du blinder Narr Liebe, was tust du mit meinen Augen?" (Keine literarische Übersetzung! Es geht nur um die Grammatik.) Aber hier sieht man auch ganz gut, dass sogar die Satzstellung dem Deutschen noch ähnlicher war. Ich persönlich finde ja sowas spannend ;-).

Das mit dem miesen Englisch-Lehrer kenne ich. Aber wenn man es sich selbst beibringt, weil man es einfach können möchte, ist man hinterher besser. Glaube ich jedenfalls. Ich habe während der Schulzeit ziemlich viel Vokabeln gelernt, indem ich mit meiner Freundin Song-Texte übersetzt habe. Das war lustiger, als die Schulbuch-Texte und man lernt auch mal ein paar Wörter, die sie einem in der Schule nicht beibringen ;-). Also, viel Spaß noch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2008 17:44:43 GMT+02:00
KC meint:
Wow, danke für die "Lehrstunde"^^
So klingt das ganze gar nich mehr Englisch XD
Aber wetten ich bin jetz schlauer als meine Lehrerin?

Songtexte übersetze ich auch sehr viel, fast jeden Tag^^
Und dann lese ich eben englische Bücher oder sehe DVDs auf Englisch...
Alles effektiver als sich zweimal die Woche über den Unterricht zu ärgern, ne?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2008 22:46:13 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.09.2008 20:40:13 GMT+02:00
sista A meint:
Gern geschehen. Ich hoffe, ich habe alles richtig behalten und nicht allzuviele Böcke in die Übersetzungen eingebaut.
Ich muss sagen, dass ich es super finde, dass Du englische Bücher liest und Dvds guckst, aber ich bin auch hochgradig neidisch. Zu meiner (Teenager-) Zeit - also im letzen Jahrhundert *seufz* - gab es Dvds noch nicht und englische Bücher und vor allem Video-Cassetten waren ziemlich schwer zu bekommen und richtig teuer. Genieß es!

Was ich mich aber gerade frage: Was für eine Form ist eigentlich die deutsche Anrede "Sie"? Ich weiß wohl, dass es neben dem bekannten "Ihr" als Ausdruck der Ehrerbietung, auch die Anrede in der dritten Person Singular gab, also "Er" oder "Sie". Das war dann aber eher von einer höhergestellten zu einer niedriger gestellten Person. "Rede Er nicht so laut!" Das scheint's mir dann ja auch nicht zu sein. 3.Pers.Pl?
Gibt es da draußen irgendeinen Germanisten, der das weiß? Darf auch gerne ein Nicht-Germanist sein :-).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.09.2008 21:16:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.09.2008 00:13:34 GMT+02:00
hyperbole meint:
ich stimme sista a in allem zu (auch darin, dass man sich immer gleich auslassen muss, weil interesse ja nicht so häufig vorkommt; man verzeihe mir meinen kommentar also hoffentlich ;-) )

thou / thee / thy (thine vor vokal) verschwindet nach dem frühneuenglischen / early modern english, was so etwa zwischen 1400 und 1650 angesetzt wird, und damit als die sprache shakespeares bezeichnet werden kann.

tatsächlich handelt es sich dabei um so etwas wie duzen. es kann zb eine unterschiedliche machtverteilung ausdrücken (der herr würde den diener mit thee anreden, umgekehrt aber you zu hören kriegen). in gleich gestellten beziehungen können thee & co aber auch emotionale nähe ausdrücken, positiv wie negativ: so zeigt ihre verwendung zwischen liebenden wachsende intimität, zwischen antagonisten aber auch emotionale nähe, wenn man so will, nämlich wut oder aufbrausen.

welche möglichkeiten das spannungsverhältnis zwischen thee und you bietet, um kleinste nuancen in zwischenmenschlichen beziehungen darzustellen, wird bei einem wechsel der personalpronomen deutlich wie zb in der ersten szene von king lear (ich verkürze ein wenig):

lear: [cordelia, what can you say about how much you love me?]
cordelia: “nothing.”
lear: “how, how, cordelia! mend YOUR speech a little, lest it may mar YOUR fortunes.”
cordelia: [I still can only say nothing.]
lear: “but goes THY heart with this?”

indem lear cordelia zu beginn mit you anredet, behandelt er sie äußerst zuvorkommend, was er nicht müsste, da töchter ihren vätern "natürlich" untergeordnet waren. wie zuvorkommend er sie behandelt, zeigt sich übrigens auch in seiner anrede seiner beiden anderen töchter kurz davor: „we make THEE lady“ zu goneril und „to THEE and THINE hereditary ever“ zu regan. das you zu cordelia macht implizit deutlich, wie sehr lear sie ihren schwestern vorzieht. noch.
denn als lear dann aber kurz darauf zu thy auch cordelia gegenüber wechselt, trifft sie das viel härter als ihre schwestern. wie gesagt wäre es einer tochter gegenüber völlig in ordnung, aber allein der WECHSEL dieses kleinen wortes macht bereits jede bühnenanweisung an den schauspieler überflüssig und klar, wie rasant sich lear in seine wut hineinsteigert und wie tief cordelia in lears ansehen fehlt. genial, wie ich finde, und auch irgendwie schade, dass das englische diese ausdrucksmöglichkeit inzwischen verloren hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2008 11:43:57 GMT+02:00
TKr meint:
Allerdings war die Form in Dialekten noch bis weit in das 20. Jahrhundert zu finden. D.H.Lawrence beschreibt die sozialen Gegensätze, die sich an der Verwendung festmachen in "Sons and Lovers" und Dennis Potter lässt Philip's Vater im "Singing Detective" (Forest of Dean) auch thou mit Flexionsendungen verwenden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2008 11:48:55 GMT+02:00
TKr meint:
Das Verschwinden von Thou belegt den französischen Eindruck bei Hofe. Um sich den als Vornehm wahrgenommenen französischen Sitten anzupassen, übernahm man das "vous" zur formellen Anrede, das sich als "You (eigentlich also ein universelles Sie) durchsetzte. In Dialekten hingegen findet sich thou / Thee noch bis weit in das 20. Jahrundert hinein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2008 19:19:21 GMT+02:00
Datendieb meint:
"Thou" und "Thee" können ins Deutsche jeweils mit "du" übersetzt werden, im Altenglischen ist Thou eine Ansprache für Personen, denen Man nahe steht. "Thou" ist immer Nominativ, während "thee" ein Objekt bezeichnet, das heißt, es entspricht dem Akkusativ. Am besten kann das an einem Beispiel gezeigt werden:

I love thee (für: I love you >you ist Akkusativobjek)aber
Thou lovest me (You love me >you ist Subjekt)

Durch das thouh wird auch das verb verändert. In der Regel wird ein (e)st hinter die Stammform gehängt... es gibt allerdings auch Außnahmen wie thou shalt (you shall).

Thy und Thine sind entsprechend Genitiv und Dativ zu "thou" "Hast thou seen it with thy own eyes" ("have you seen it with your own eyes) etc.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.09.2008 11:12:25 GMT+02:00
Matt Hooper meint:
Dazu fällt mir ein anderes Shakespeare-Zitat ein; wenn ich mich recht erinnere, aus dem ersten Akt (1. Szene?) des Julius Cäsar:

"What is thy name, thou knave? Thou naughty knave, what is thy name?"

Hilft vielleicht, sich die Verwendung zu merken; ansonsten klingt es halt schön.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.09.2008 13:14:11 GMT+02:00
Hallo,

eine sehr gute Frage deren Dimension viele nicht begreifen. Es gab im englischen bis ins 9. Jahrhundert nur die form "Du" (und die Verwandten 'Deine', Deinem) - also "Thou" (Verwandte 'thy/thine', 'thee').

Dann kam im Mittelalter die Form "You" auf, die man vorher nur im PLural, also für mehrer Menschen benutzen konnte. Zuerst wurde die sehr höfliche form "You" nur für Adelige benutzt. Wie das unter Menschen aber so ist, wollte man bei Fremden vorsichtig sein (falls sie adelig sind) und hat You immer mehr benutzt - bis man 'thou' dann fast vergessen hat. Die Bibel war aber schon relativ früh übersetzt worden - hier hatte man 'thou' benutzt und es so behalten.

Also, wenn jemand heute 'thou' benutzt drückt er damit aus:
1. Dass er das Frühneuenglisch der Zeit 1400-1700 imitieren will.
2. Dass er klar machen will das der Adressat eine gottähnliche Gestalt ist, ein Geist, etc.
3. Dass er einer Gruppe angehört hat die sich geeinigt hat, 'thou' zu benutzten - z.B. die sogennanten 'Quaker' tun dies noch heute.

Bei noch mehr Interesse - habe da einen Artikel zu geschrieben:

'I'll tell thee thou dost evil': The importance of "You" and "Thou" in Shakespeare's King Lear von Martin Villwock (Broschiert - November 2007)

Viel Spass
Martin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2008 22:10:16 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.10.2008 22:14:00 GMT+02:00
Als Englischspraecher kann ich bestaetigen, dass 'thou' und 'thee' in Dialektsprache insbesonders in Nordengland (Yorkshire, Derbyshire, meine Heimatcounty Nottinghamshire u.a.) sogar heute benutzt werden, auch mit Verkuerzungen, z.B. 'Where'st a bin?', 'What'st a bin doin'?' ('Where have you been?' 'What have you been doing?'), wo 'hast' ist zu ''st' verkuerzt, und 'thou' zu 'a' (klingt wie 'a' in 'a book' z.B.). Sonst waren 'Ye' (Ihr/Sie) und 'thou/thee/thine' (Du/Dich/Dein) sogar bis zu, und nach dem Zweiten Weltkrieg 'poetisch' benutzt, obgleich sie etwas altmodisch klingen. Ich habe selbst, als Teenager (vor 50 Jahren!), in einem Gedicht 'I love thee' geschrieben (nicht als Dialekt, sondern weil ich 'poetisch' schreiben wollte). Heutzutage aber sind die Jungs nicht so romantisch, glaube ich....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.10.2008 18:20:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.10.2008 18:39:01 GMT+02:00
bayerbuar meint:
Jede Sprache wandelt sich - so ging's natürlich auch dem Englischen. Zum Beispiel war auch die Groß-Klein-Schreibung mal exakt wie im Deutschen.
Und auch sonst war das Vokabular und die Grammatik noch viel näher am Deutschen (obwohl man, sofern man einen breiten Wortschatz hat, sowieso unablässig die gemeinsamen Wurzeln von Deutsch und Englisch bemerkt).
Wie du richtig sagst heißt "thou" schlicht und einfach "du". Deutsche lassen sich latent davon verwirren dass "you" und "du" ähnlich klingen, und dass sich Briten und Amerikaner meist mit Vornamen anreden. Man zählt beides zusammen und denkt sich, die duzen sich eben. Mitnichten. Es ist genau umgekehrt, "you" heißt genau genommen "ihr" - also wie man zB auf Deutsch Hoheiten und Könige anredet. Darum kann man eine Gruppe von Leuten aber auch eine Einzelperson mit "you" anreden - es heißt "ihr", ist also sogar noch eine Sprachebene höher als das deutsche "Sie". Dass sich heutzutage Amerikaner und Briten meist mit Vornamen anreden ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts, parallel dazu wurde im Deutschen vermehrt mit dem duzen im Alltag begonnen. Im Deutschen haben wir noch zwei Anredeformen, daher konnten wir hier "abrüsten". Die Briten und Amerikaner haben eben die Moderne des 20. Jahrhundert dadurch ausgedrückt dass sie die Leute mehr mit Vornamen als mit Nachnamen ansprechen, wie eben im Deutschen vom Sie zum du gewechselt wurde. Aber lass dich davon NICHT täuschen, die Sprachebene bleibt die selbe! Ein "Hi John" muss bei einer guten Übersetzung mit "Guten Tag Herr Smith" übersetzt werden! Ebenso wie es mich jedesmal schüttelt wenn in vielen Serien und Filmen die Vorgesetzten im Militär von ihren Untergebenen geduzt werden - bei Star Trek oder so erscheint dass alles immer fast schon freundschaftlich ("..aber Jean-Luc.."). Wer das englische Original kennt weiss dass dort aber auch beim Ton harter militärischer Drill und Disziplin herrscht. Briten und Amerikaner bringen dies eben stärker durch Betonung und Wortwahl rüber als durch duzen oder Siezen. Eine gute Übersetzung würde dass entsprechend herüberbringen und nicht einfach nur Wort für Wort ins Deutsche übertragen. Aber gut, ich will mich nicht zu sehr in Details reinsteigern. Du weisst ja sicher dass die britische Gesellschaft noch heute stärker in Klassen unterteilt ist als alle anderen Länder in Europa - die Klassen sind die moderne Version der alten Stände (Adel, etc.) und die alten monarchischen Traditionen werden ebenso noch gepflegt, technisch ist England ja sogar noch eine Monarchie. In der Zeit als England dereinst zum Empire aufstieg wollte jeder zumindest zum "gentry" (so eine Art niederer Adel, heute würde man "Yuppie" sagen) gehören. Dazu wurde die Sprache des Hofes kopiert, wurden gepuderte Perücken getragen und dergleichen mehr. Und so kam es dass "thou" (du) bald als so eine Art von Gossensprache der Unterschicht galt, parallel dazu wurden immer mehr Wörter aus dem Französischen übernommen, nach dem alles Französische in Europa lange Zeit als äußerst schick und nobel galt (früher hieß zB das Englische "nein" nicht "no" sondern "nay"; "no" wurde aus dem Französischen entlehnt). So verschwand "thou" (du) aus dem aktiven Wortschatz, freilich ist die Bibelübersetzung bereits einiges älter als diese Entwicklung - dort findet man deshalb "thou" noch. Da englische Muttersprachler dieses "thou" und ähnliches nur noch aus der Bibel und von Shakespeare kennen hat es paradoxerweise einen respektvolleren Beiklang als die höfische Anrede mit "ihr" (you). Darum wird's gerne in Fantasyfilmen usw. verwendet, wenn besondere Ehfurcht oder sowas ausgedrückt werden soll. Die meisten englischen Muttersprachler, zumindest solche mit Hochschulreife, wissen dies alles natürlich schon - für die ist "thou" einfach nur eine Sache aus grauer Vorzeit und allein darum schon faszinierend, hat darum den Beiklang von Märchen und der alten Zeit von Rittern und Eroberern.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.10.2008 19:27:18 GMT+02:00
David Elliott meint:
Thee, thy und thou, thine usw sind die englische "Du" bzw "Ihr" form gewesen. Sie werden noch im norden Englands angewendet (als normales "You"). Wir Engländer haben aber jetzt nur noch den "Sie" Form. Ist sehr verwirrend da Thee=Du und You=Sie, vom klang her wurde man denken es sei andersherum. Aber so sind wir Inselaffen nun :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2008 01:06:04 GMT+02:00
Steffi meint:
War das nicht eigentlich andersrum, dass "thou" im normalen Umgang verwendet wurde und "you" als höfliche Anrede? Man wollte dann irgendwann dieses Klassendenken entfernen - hat dann aber ironischerweise die höfliche Anrede übernommen, anstatt die Normale.

Im Übrigen gab es damals auch für die 3. Plural eine Endung und zwar "-eth" anstatt "-s". Also "he walketh". Ausnahmen sind hier "doth" und "hath", die auch in religiösen Texten vorkommen.

Geregelt war das übrigens zu Shakespeares Zeit sehr wohl, "know'st" ist lediglich aufgrund des poetischen "metre" von "knowest" gekürzt worden. Was in der Tat nicht geregelt war, waren Betonung und Aussprache. So konnte man "grace" zB wie "greese" aussprechen: "I'm not much into the kitchen maid but she's all greese'. Das damalige Publikum, das die vielen Dialekte in und um London kannte, hätte die Doppeldeutigkeit erkannt. Zudem hatte man so weitaus mehr dichterische Freiheiten als heute.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2008 09:41:50 GMT+02:00
@ Steffi: Du meinst '3. Person Singular', nicht 'Plural' (he walketh). Im übrigen glaube ich nicht, dass der Wegfall von 'thou' etc. das Ergebnis eines bewussten Spracheingriffs oder ein Produkt der Bekämpfung des Klassendenkens ist. Diese Entwicklung ist nicht motiviert, es ist einfach passiert.

@ Sista A: das deutsche 'Sie' als Anrede ist in der Tat 3. Person Plural. Eine Zeitlang war die 2. Person Plural Mode ('Ihr').

Englisch ist eine germanische Sprache und hat sich als Sprache der Angeln, Sachsen und Jüten in GB ab ca. 450 u.Z. getrennt weiter entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt war die Sprache grammatisch in den Flektionsformen genau so komplex, wie das Deutsche es heute noch ist. Ab 800 zogen aber neue dänische Invasoren nach, die zwar ähnliche Vokabeln, aber eine abweichende Grammatik hatten; als der kriegerische Umgang miteinander nachließ, musste man sich irgendwie verständigen, und dabei ist viel grammatische Flektion (also Endungen, Verbformen usw.) verloren gegangen. Dann kamen ab dem 11. Jahrhundert die französischen Normannen hinzu und brachten eine Menge Vokabeln mit. Das Englische hat sich während seiner gesamten Geschichte überall fleißig bedient, wenn es darum ging, Vokabeln zu importieren, hat dabei aber nur wenige Vokabeln verloren. Deshalb heißt das Tier z.B. plötzlich anders, wenn es auf dem Teller liegt: der angelsächsische Bauer hütet die cow, der normannische Adlige isst das beef.

Und zu thou etc.: ich hatte mal ein kleines Lehrbuch des Englischen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem dieses Pronominalsystem noch als Standard gelehrt wurde. Schon damals hinkten die Lehrwerke der Realität also hinterher.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2008 20:33:26 GMT+02:00
zyx meint:
Das liegt daran, dass alle Engländer und Amerikaner sich heute siezen (mit der Form "Ihr" und "Euch", denn nichts anderes ist "you").
Nur mit dem lieben Gott sind sie noch per du ("Dear father, thou art in heaven..." - Vater unser, der du bist im Himmel.)
Tja, ganz so locker sind die Amis wohl doch nicht drauf, da sie das duzen eliminiert haben...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2008 09:17:07 GMT+02:00
elphabaness meint:
I think 'Thy' means your. As in What is your name??
I think 'Thou' means you. As in You are beautiful.
Does this help???

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2008 16:35:05 GMT+02:00
Varnhagen meint:
Inzwischen reicht die Anrede "you" den Schotten zumindest auch nicht mehr, seit den späten 90er Jahren habe ich in Glassgow die Form"yous" gehört, wenn mehrere Leute direkt angesprochen wurden: are yous coming?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.10.2008 00:35:52 GMT+02:00
S. Knepper meint:
Zumindest wird die deutsche höfliche Sie-Form exakt wie die dritte Person Plural konjugiert.
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