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Gedichte mit Geschichte

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1-25 von 95 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.04.2012 07:27:16 GMT+02:00
AnLaJa meint:
Ich suche für meine Schüler (Erwachsene ohne Schulabschluss) Gedichte, die eine Geschichte beinhalten, wie zum Beispiel "Der Handschuh" von Schiller, "Das verhexte Telefon" von Erich Kästner usw. Gedichte mit Naturbeschreibung u.ä. sind leider nicht so gefragt :-)

Veröffentlicht am 18.04.2012 09:04:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.04.2012 09:07:39 GMT+02:00
Hallo,
eigentlich muesstest Du bei Heinz Erhardt , z.B.Noch'n Gedicht oder Das große Heinz Erhardt Buch fuendig werden.

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Erhardt

Er bekannte sich auch immer zu Vorbildern wie Erich Kaestner, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz.
All diese Dichter nahmen sich oft ein bestimmtes Objekt vor.
Vor allem gehen all diese Gedichte (meist) in die mehr heitere Richtung...:)

Schau halt 'mal.

LG MIKI

PS eines zum Einstimmen: Urlaub im Urwald

Ich geh' im Urwald für mich hin...
Wie schön, daß ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, daß man ihn hat!

Heinz Erhardt

Veröffentlicht am 18.04.2012 09:37:23 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.04.2012 10:06:55 GMT+02:00
Hier etwas von J.-W. Von Goethe, 1770, Objekt: Roeslein

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: „Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!“
Röslein sprach: „Ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.“
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
S Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Link mit Interpretation: http://de.wikipedia.org/wiki/Heider%C3%B6slein

Du siehst, Gedichte, die eine Geschichte erzaehlen, haben eigentlich alle grossen Dichter geschrieben :)

Auch der Erlkoenig von Goethe erzaehlt eine Geschichte...
Oder John Maynard und Die Bruecke am Tay, beide von Th. Fontane

Veröffentlicht am 18.04.2012 09:58:48 GMT+02:00
lolarennt meint:
Balladen haben eine Geschichte dabei...
Hier ist eine Seite dazu:
http://www.handmann.phantasus.de/balladen.html

Veröffentlicht am 18.04.2012 10:32:19 GMT+02:00
Hallo, lolarennt,

Dein Link ist ja super!
Die Haelfte der Balladen haben wir noch im Gymnasium auswendig lernen muessen.
Die Buergschaft von Schiller: Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich! - Kartoffeln
schaelen, verstehst Du mich?

Genau, Balladen nennen sich die "Gedichte mit Geschichte"...

Danke!
LG MIKI

Veröffentlicht am 18.04.2012 12:24:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.04.2012 12:27:00 GMT+02:00
AnLaJa meint:
Weil sich meine Schüler meistens die Gedichtarten, wie zum Beispiel Sonette, Balladen etc. sowieso nicht merken, heißen bei mir die Balladen "Gedichte mit Geschichte". Wenn ich von Balladen anfange, denken die meisten, es handelt sich um kuschlige Lieder :-))))

"John Maynard" und "Der Handschuh" sind die beliebtesten, aber langsam kann ich sie nicht mehr hören... mit "Die Kraniche des Ibykus" von Schiller war ich nicht so erfolgreich

@ lolarennt

Der Link ist spitze!!!

Heinz Ehrhardt ist ein guter Tipp, da werde ich auf jeden Fall mal nachschauen. Ich möchte nicht immer den typischen Schulstoff vermitteln - den haben die meisten schon irgendwann mal gehört und für uninteressant befunden :-)

LG AnLaJa

Veröffentlicht am 18.04.2012 12:30:49 GMT+02:00
Uli meint:
Goethe: Der Zauberlehrling

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2012 15:24:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.04.2012 15:25:38 GMT+02:00
R. Gnoss meint:
Gedichte mit Geschichte, eine tolle Idee, das so zu nennen. Wenn ich bei meinen Nachhilfeschülern junge Erwachsene habe, die nicht gut laut lesen können, arbeite ich auch mit Balladen. Einige kommen tatsächlich ganz gut an, nämlich diese:
Ludwig Uhland: Des Sängers Fluch
Johann Gottfried Seume: Der Wilde
Schiller: die Bürgschaft
Fontane: Gorm Grymme
C.F. Meyer: Die Füße im Feuer

und nach so viel Tragik noch eine heitere Geschichte:
Gottfried August Bürger: Der Kaiser und der Abt

Vielleicht ist ja etwas für dich dabei.

Veröffentlicht am 18.04.2012 16:16:45 GMT+02:00
Sinaida meint:
Eine unerschöpfliche Liste deutscher Balladen bietet auch Wikipedia an:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Balladen

Man kann die meisten Balladen zwar nicht direkt anklicken, aber es sind Anfangszeilen angegeben, mit denen man dann leicht die entsprechenden Gedichte finden kann.

Veröffentlicht am 18.04.2012 17:17:34 GMT+02:00
Breumel meint:
Da fällt mir meine Grundschulzeit ein:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Veröffentlicht am 18.04.2012 17:22:53 GMT+02:00
Breumel meint:
Christian Morgenstern mag ich auch gerne, hier was für den Frühjahrsputz:

Zäzilie

Zäzille soll die Fenster putzen,
sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen.

"Durch meine Fenster muss man", spricht die Frau,
"so durchsehn können, dass man nicht genau
erkennen kann, ob dieser Fenster Glas
Glas oder bloße Luft ist. Merk dir das."

Zäzille ringt mit allen Menschen-Waffen...
Doch Ähnlichkeit mit Luft ist nicht zu schaffen.
Zuletzt ermannt sie sich mit einem Schrei -
und schlägt die Fenster allesamt entzwei!

Dann säubert sie die Rahmen von den Resten,
und ohne Zweifel ist es so am besten.
Sogar die Dame spricht zunächst verdutzt:
"So hat Zäzilie ja noch nie geputzt."

Doch alsobald ersieht man, was geschehn,
und sagt einstimmig: "Diese Magd muss gehn."

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.04.2012 11:40:28 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.04.2012 11:41:13 GMT+02:00
Tante Li meint:
Meine Lieblings-Ballade:

Der Taucher

"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf ich hinab,
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."

Der König spricht es und wirft von der Höh
Der Klippe, die schroff und steil
Hinaushängt in die unendliche See,
Den Becher in der Charybde Geheul.
"Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"

Und die Ritter, die Knappen um ihn her
Vernehmen's und schweigen still,
Sehen hinab in das wilde Meer,
Und keiner den Becher gewinnen will.
Und der König zum drittenmal wieder fraget:
"Ist keiner, der sich hinunter waget?"

Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,
Und ein Edelknecht, sanft und keck,
Tritt aus der Knappen zagendem Chor,
Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,
Und alle die Männer umher und Frauen
Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.

Und wie er tritt an des Felsen Hang
Und blickt in den Schlund hinab,
Die Wasser, die sie hinunterschlang,
Die Charybde jetzt brüllend wiedergab,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzen sie schäumend dem finstern Schoße.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Flut auf Flut sich ohn' Ende drängt,
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.

Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,
Und schwarz aus dem weißen Schaum
Klafft hinunter ein gähnender Spalt,
Grundlos, als ging's in den Höllenraum,
Und reißend sieht man die brandenden Wogen
Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.

Jetzt schnell, eh die Brandung wiederkehrt,
Der Jüngling sich Gott befiehlt,
Und - ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,
Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült,
Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer
Schließt sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.

Und stille wird's über dem Wasserschlund,
In der Tiefe nur brauset es hohl,
Und bebend hört man von Mund zu Mund:
"Hochherziger Jüngling, fahre wohl!"
Und hohler und hohler hört man's heulen,
Und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem Weilen.

Und wärfst du die Krone selber hinein
Uns sprächst: Wer mir bringet die Kron,
Er soll sie tragen und König sein -
Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.
Was die heulende Tiefe da unter verhehle,
Das erzählt keine lebende glückliche Seele.

Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefasst,
Schoss jäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast,
Hervor aus dem alles verschlingenden Grab. -
Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,
Hört man's näher und immer näher brausen.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well auf Well sich ohn Ende drängt,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzt es brüllend dem finstern Schoße.

Und sieh! aus dem finster flutenden Schoß,
Da hebet sich's schwanenweiß,
Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß,
Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiß,
Und er ist's, und hoch in seiner Linken
Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.

Und atmete lang und atmete tief
Und begrüßte das himmlische Licht.
Mit Frohlocken es einer dem andern rief:
"Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!
Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle
Hat der Brave gerettet die lebende Seele."

Und er kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,
Zu des Königs Füßen er sinkt,
Den Becher reicht er ihm kniend dar,
Und der König der lieblichen Tochter winkt,
Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,
Und der Jüngling sich also zum König wandte:

"Lange lebe der König! Es freue sich,
Wer da atmet im rosigten Licht!
Da unten aber ist's fürchterlich,
Und der Mensch versuche die Götter nicht
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedeckten mit Nacht und Grauen.

Es riss mich hinunter blitzesschnell -
Da stürzt mir aus felsigtem Schacht
Wildflutend entgegen ein reißender Quell:
Mich packte des Doppelstroms wütende macht,
Und wie einen Kreisel mit schwindendelm Drehen
Trieb mich's um, ich konnte nicht widerstehen.

Da zeigte mir Gott, zu dem ich rief
In der höchsten schrecklichen Not,
Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,
Das erfasst ich behänd und entrann dem Tod -
Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,
Sonst wär er ins Bodenlose gefallen.

Denn unter mir lag's noch, bergetief,
In purpurner Finsternis da,
Und ob's hier dem Ohre gleich ewig schlief,
Das Auge mit Schaudern hinuntersah,
Wie's von Salamandern und Molchen und Drachen
Sich regt' in dem furchtbaren Höllenrachen.

Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,
Zu scheußlichen Klumpen geballt,
Der stachligte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.

Und da hing ich und war's mit Grausen bewusst
Von der menschlichen Hilfe so weit,
Unter Larven die einzige fühlende Brust,
Allein in der grässlichen Einsamkeit,
Tief unter dem Schall der menschlichen Rede
Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.

Und schaudernd dacht ich's, da kroch's heran,
Regte hundert Gelenke zugleich,
Will schnappen nach mir - in des Schreckens Wahn
Lass ich los der Koralle umklammerten Zweig;
Gleich fasst mich der Strudel mit rasendem Toben,
Doch es war mir zum Heil, er riss mich nach oben."

Der König darob sich verwundert schier
Und spricht: "Der Becher ist dein,
Und diesen Ring noch bestimm ich dir,
Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,
Versuchst du's noch einmal und bringst mir Kunde,
Was du sahst auf des Meeres tiefunterstem Grunde."

Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,
Und mit schmeichelndem Munde sie fleht:
"Lasst, Vater, genug sein das grausame Spiel!
Er hat Euch bestanden, was keiner besteht,
Und könnt Ihr des Herzens Gelüsten nicht zähmen,
So mögen die Ritter den Knappen beschämen."

Drauf der König greift nach dem Becher schnell,
In den Strudel ihn schleudert hinein:
"Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell,
So sollst du der trefflichste Ritter mir sein
Und sollst sie als Ehegemahl heut noch umarmen,
Die jetzt für dich bittet mit zartem Erbarmen."

Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,
Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,
Und er siehet erröten die schöne Gestalt
Und sieht sie erbleichen und sinken hin -
Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,
Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben.

Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,
Sie verkündigt der donnernde Schall -
Da bückt sich's hinunter mit liebendem Blick:
Es kommen, es kommen die Wasser all,
Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,
Den Jüngling bringt keines wieder.

Friedrich Schiller
(1797)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.04.2012 12:04:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.04.2012 12:04:39 GMT+02:00
Sinaida meint:
Tante Li,
seinerzeit im Stenographieunterricht habe ich die Kurzform Deiner Lieblingsballade kennengelernt:

Der Taucher

König Zecher
wirft Becher
ins Meer,
Knappe her!
Knappe munter
springt runter.
Kommt wieder ans Land
mit Becher in der Hand.

König sagt,
wer's nochmals wagt
und springt rein,
darf Tochter frein.
Knappe voll Liebessinn
springt gleich wieder rin.
Knappe blieb verschwunden,
Becher nicht wiedergefunden.

Schiller Gedicht geschrieben,
Tochter alte Jungfer geblieben.

LG (=^___^=)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.04.2012 12:14:49 GMT+02:00
Tante Li meint:
;-D)
Ja, das ist wohl der Inhalt in Kurzform.
(für alle, die keinen Spaß an der Sprache haben)

Veröffentlicht am 19.04.2012 13:14:18 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.04.2012 13:14:47 GMT+02:00
lolarennt meint:
Dann gehört hier unbedingt noch die Heinz Erhart-Version dazu...vergleichende Literaturstudien ;

Der Tauchenichts (frei nach Schillers "Taucher")

"Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt,
zu schlunden in diesen Tauch?
Einen güldenen Becher hab ich mit,
den werf' ich jetzt in des Meeres Bauch !
Wer ihn mir bringt, ihr Mannen und Knaben,
der soll meine Tochter zum Weibe haben

Der Becher flog.
Der Strudel zog
ihn hinab ins greuliche Tief.
Die Männer schauten,
weil sie sich grauten,
weg. - Und abermals der König rief:

"Wer wagt es, Knippersmann oder Ritt
zu schlauchen in diesen Tund?
Wer's wagt - das erklär ich an Eides Statt -
darf küssen meins Töchterleins Mund !
Darf heiraten sie, darf mein Land verwalten ! -
Und auch den Becher darf er behalten !"

Da schlichen die Mannen
und Knappen von dannen.
Bald waren sie alle verschwunden ---
Sie wußten verläßlich:
Die Tochter ist gräßlich ! -
Der Becher liegt heute noch unten...

Veröffentlicht am 19.04.2012 13:31:08 GMT+02:00
Tedesca meint:
:-) Ich hab die Schiller'schen Balladen in der Schule gehasst und kann ihnen auch jetzt nichts abgewinnen, Heinz Erhardt muss es wohl ähnlich ergangen sein, hihi...

Veröffentlicht am 19.04.2012 18:56:33 GMT+02:00
AnLaJa meint:
@ alle:

Ihr seid echt grandios - eigentlich kenne ich (fast) alle von euch genannten Gedichte, aber irgendwie wird man mit der Zeit betriebsblind und nimmt die, die man immer genommen hat :-)

Vielen, vielen Dank

Für weitere Anregungen und "Erinnerungsauffrischer" bin ich immer wieder dankbar - lasst also nicht nach :-)

Veröffentlicht am 20.04.2012 07:32:41 GMT+02:00
lolarennt meint:
Hier noch eine Ballade, die zu meinen frühen Kindheitserinnerungen gehört - von Vater jedesmal zitiert, wenn wir dort Urlaub machten:
August Graf von Platen

Das Grab im Busento.

Nächtlich am Busento lispeln, bei Cosenza, dumpfe Lieder,
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder!

Und den Fluß hinauf, hinunter, zieh'n die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette,
Um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.

In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Rüstung, auf dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe,
Daß die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen:
Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern: Schlaf' in deinen Heldenehren!
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!

Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere;
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!

Veröffentlicht am 20.04.2012 10:19:50 GMT+02:00
AnLaJa meint:
Hier noch ein Gedicht, das ich auch gerne nehme - es entlockt den Schülern immer viele "OOhhhs" und "Aahhs" ;-)

Von Katzen
Theodor Storm

Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!

Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.

Ich half ihr heim! - Der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,
Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.

Ich aber, wie ich sie so wachsen sehe,
Ich preis mich selbst und meine Menschlichkeit.

Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitag ist's! - Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!

Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!

Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die Alte gar - nein, es ist unaussprechlich,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!

Und jede, von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzem Schwänzchen!

Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!

Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon -
O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen!?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2012 10:53:14 GMT+02:00
Sinaida meint:
Ach, Katzengeschichten sind immer gut! Hier ist noch eine - allerdings eine etwas brutale, und sprachlich etwas altmodische:

Rote Pantoffeln

Gar böse Katze, so alt und grau,
Sie sagte, sie sei eine Schusterfrau;
Auch stand vor ihrem Fenster ein Lädchen,
Worin Pantoffeln für junge Mädchen,
Pantöffelchen von Maroquin,
Von Saffian und von Satin,
Von Samt, mit goldnen Borden garniert
Und buntgeblümten Bändern verziert.
Am lieblichsten dort zu schauen war
Ein scharlachrotes Pantöffelchenpaar;
Es hat mit seiner Farbenpracht
Gar manchem Dirnchen ins Herz gelacht.

Eine junge weiße Edelmaus,
Die ging vorbei dem Schusterhaus,
Kehrt' wieder um, dann blieb sie stehn,
Tät nochmals durch das Fenster sehn -
Sprach endlich: Ich grüß Euch, Frau Kitze, Frau Katze,
Gar schöne rote Pantöffelchen hat Sie;
Sind sie nicht teuer, ich kauf sie Euch ab,
Sagt mir wie viel ich zu zahlen hab.

Die Katze rief: Mein Jüngferlein,
Ich bitte gehorsamst, treten Sie ein,
Geruhen Sie mein Haus zu beehren
Mit Dero Gegenwart; es verkehren
Mit mir die allerschönsten Madel
Und Herzoginnen, der höchste Adel -
Die Töffelchen will ich wohlfeil lassen -
Doch laßt uns sehn, ob sie Euch passen -
Ach, treten Sie ein und nehmen Sie Platz -

So flötet die boshaft listige Katz,
Und das weiße, unerfahrene Ding
In die Mördergrub, in die Falle ging -
Auf eine Bank setzt sich die Maus
Und streckt ihr kleines Beinchen aus,
Um anzuprobieren die roten Schuhe -
Sie war ein Bild von Unschuld und Ruhe -
Da packt sie plötzlich die böse Katze
Und würgt sie mit der grimmigen Tatze,
Und beißt ihr ab das arme Köpfchen,
Und spricht: Mein liebes, weißes Geschöpfchen,
Mein Mäuschen, du bist mausetot!
Jedoch die Pantöffelchen scharlachrot,
Die will ich stellen auf deine Gruft;
Und wenn die Weltposaune ruft
Zum jüngsten Tanz, o weiße Maus,
Aus deinem Grab steigst du heraus,
Ganz wie die andern, und sodann
Ziehst du die roten Pantöffeichen an.

Moral

Ihr weißen Mäuschen, nehmt Euch in acht,
Laßt Euch nicht ködern von weltlicher Pracht!
Ich rat Euch, lieber barfuß zu laufen
Als bei der Katze Pantoffeln zu kaufen.

Heinrich Heine

Veröffentlicht am 20.04.2012 14:46:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.04.2012 14:46:36 GMT+02:00
Hallo, 'mal etwas Duesteres:

von Anette von Droste-Huelshoff

Der Knabe im Moor.

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Haiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt –
O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor’,
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran, als woll’ es ihn holen;
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“
Der Knabe springt wie ein wundes Reh,
Wär’ nicht Schutzengel in seiner Näh’,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwehle.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimathlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief athmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich,
O, schaurig war’s in der Haide!

Veröffentlicht am 20.04.2012 15:04:24 GMT+02:00
Dies ist eine Gedicht - erzaehlt mehr als eine Geschichte...

Lieber Gott, die Linden blühn!
Lieber Gott, was hab' ich getan,
dass ich in Mauern wohnen muss?
Draußen im Land deine Bäume sind grün,
hier hängt alles voll Ruß.

Ich kaufte mir eine Rose um Geld -
Rosen sind besser als Brot.
Ich habe sie neben mein Kissen gestellt,
sie blüht und duftet sich tot.

Lieber Gott, in mein Zimmer
Scheint jetzt der Mond -
ach, warum hab' ich immer,
immer in Städten gewohnt?

Ina Seidel
(1885 - 1974)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2012 15:50:22 GMT+02:00
R. Gnoss meint:
Meine Mutter hatte einen schweren Hang zur Theatralik und zitierte am Waschtag oft dieses hier:
Adelbert von Chamisso: Die alte Waschfrau

Du siehst geschäftig bei den Linnen
Die Alte dort in weißen Haar,
Im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets in saurem Schweiß
Ihr Brot in Ehr und Zucht gegessen
Und ausgefüllt mit treuem Fleiß
Den Kreis, den Gott ihr zugemessen.

Sie hat in ihren jungen Tagen
Geliebt, gehofft und sich vermählt,
Sie hat des Weibes Los gezogen,
Die Sorgen haben nicht gefehlt.
Sie hat den kranken Mann gepflegt,
Sie hat drei Kinder ihm geboren,
Sie hat ihn in das Grab gelegt
Und Glaub und Hoffnung nicht verloren.

Da gilts die Kinder zu ernähren,
Sie griff es an mit heitrem Mut.
Sie zog sie auf in Zucht und Ehren,
Der Fleiß, die Ordnung sind ihr Gut.
Zu suchen ihren Unterhalt,
Entließ sie segnend ihre Lieben.
So stand sie nun allein und alt,
Ihr war ihr heitrer Mut geblieben.

Sie hat gespart und hat gesonnen
Und Flachs gekauft und Nachts gewacht.
Den Flachs zu feinem Garn gesponnen,
Das Garn dem Weber hingebracht.
Der hats gemacht zu Leinewand,
Die Schere brauchte sie, die Nadel,
Und nähte sich mit eigner Hand
Ihr Sterbehemde sonder Tadel.

Ihr Hemd, ihr Sterbehemd, sie schätzt es,
Verwahrts im Schrein am Ehrenplatz.
Es ist ihr Erstes und ihr Letztes,
Ihr Kleinod, ihr ersparter Schatz.
Sie legt es an, des Herren Wort
Am Sonntag früh sich einzuprägen.
Dann legt sies wohlgefällig fort,
Bis sie drin zur Ruh sie legen.

Und ich, an meinem Abend, wollte,
Ich hätte, diesem Weibe gleich,
Erfüllt, was ich erfüllen sollte
In meinen Grenzen und Bereich.
Ich wollt, ich hätte so gewußt,
Am Kelch des Lebens mich zu laben
Und könnt am Ende gleiche Lust
an meinem Sterbehemde haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2012 16:11:29 GMT+02:00
MMMichael meint:
Ja Wahnsinn!

"Ich wollt, ich hätte so gewußt,
Am Kelch des Lebens mich zu laben
Und könnt am Ende gleiche Lust
an meinem Sterbehemde haben."

Das ist doch mal 'ne Ansage. Soviel Pathos erinnert mich an Paul Otto Vossenberg:

"Das andere Leben

Unter des Himmels blauer Plane,
unter der heißen Sonne Pein,
zieht sie vorbei die Karawane
ins staubumwehte Iasd hinein.

Es ist der Gang der Dromedare,
stoßendes Schaukeln, Senken, Heben.
Es ist das Unberechenbare;
Sinnbild auf mein ruh'los Leben.

In meinem Herzen diese Sehnsucht,
nach einer Hand, die mich befreit,
nach allumhüllend, milder Zuflucht,
einer Oase in der Zeit.

Und da erscheint sie vor den Mauern
hoch droben auf dem Dromedar.
Ihr Anblick lässt mich heiß erschauern,
so fürchterlich, so wunderbar.

Mein Herz, es richtet eine Feier,
mein Schicksal, es nimmt seinen Lauf:
mit zager Hand hebt sie den Schleier,
und dann schlägt sie die Augen auf.

Ihr Blick will mir die Sinne rauben,
zeigt mir mein Leben bis zum Grab.
In einen Mahlstrom schwarzer Augen
zieht mich ein süßer Sog hinab.

Und wäre es die letzte Stunde,
ich wäre jetzt und hier bereit,
denn ich erkenne sie im Grunde,
meine Gefährtin durch die Zeit.

Der Schleier fällt, sie ziehen weiter,
doch die Gewissheit dämpft mein Leid:
wir werden wieder uns begegnen
in andrem Leben, andrer Zeit."

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2012 16:12:24 GMT+02:00
R. Gnoss meint:
Als kleines Mädchen hatte ich eine Schwäche für ländliches Idyll und mochte dieses:
Adelbert von Chamisso: Das Riesenspielzeug

Burg Niedeck ist im Elsaß der Sage wohl bekannt,
die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;
sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,
und fragest du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Einst kam das Riesenfräulein aus jener Burg hervor,
erging sich sonder Wartung und spielend vor dem Tor
und stieg hinab den Abhang bis in das Tal hinein,
neugierig zu erkunden, wies unten möchte sein.

Mit wenigen raschen Schritten durchkreuzte sie den Wald,
erreichte gegen Haslach das Land der Menschen bald,
und Städte dort und Dörfer und das bestellte Feld
erschienen ihren Augen gar eine fremde Welt.

Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut,
bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;
es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,
es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.

"Ei! artig Spielding!" ruft sie, "das nehm ich mit nach Haus!"
Sie knieet nieder, spreitet behend ihr Tüchlein aus
und feget mit den Händen, was sich da alles regt,
zu Haufen in das Tüchlein, das sie zusammenschlägt,

und eilt mit freudigen Sprüngen, man weiß, wie Kinder sind,
zur Burg hinan und suchet den Vater auf geschwind:
"Ei Vater, lieber Vater, ein Spielzeug wunderschön!
So allerliebstes sah ich noch nie auf unsren Höhn."

Der Alte saß am Tische und trank den kühlen Wein,
er schaut sie an behaglich, er fragt das Töchterlein:
"Was Zappeliges bringst du in deinem Tuch herbei?
du hüpfest ja vor Freuden; laß sehen, was es sei."

Sie spreitet aus das Tüchlein und fängt behutsam an,
den Bauer aufzustellen, den Pflug und das Gespann;
wie alles auf dem Tische sie zierlich aufgebaut,
so klatscht sie in die Hände und springt und jubelt laut.

Der Alte wird gar ernsthaft und wieget sein Haupt und spricht:
"Was hast du angerichtet? Das ist kein Spielzeug nicht!
Wo du es hergenommen, da trag es wieder hin,
der Bauer ist kein Speilzeug, was kommt dir in den Sinn?

Sollst gleich und ohne Murren erfüllen mein Gebot;
denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot;
es sprießt der Stamm der Riesen aus Bauernmark hervor,
der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor.

Burg Niedeck ist im Elsaß der Sage wohl bekannt,
die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;
sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,
und fragest du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.
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