Wasser auf die Mühlen ...


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1-25 von 33 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.03.2012 10:49:49 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.03.2012 10:53:57 GMT+01:00
Tante Li meint:
... der Phantasie

zum Beispiel: Gedichte

Wasser.
Wasser trägt im Ozeane
Tröstend fernhin den Betrübten,
Spült im Fluss auf leichtem Kahne
Den Geliebten zur Geliebten.

Wasser rauscht aus Felsenklüften
Als Gesang herab zum Tale,
Perlt als Tau aus Morgenlüften
In der Blumen Duftpokale.

Wasser träuft, als milder Regen,
Kühlend in die trockne Erde,
Wasser labt als Quell an Wegen
Wand'rer, Hirten, Wild und Herde.

Ohne dass es Wasser sauge,
Stürb` auf Erden alles Schöne,
Ach! und nur im Menschenauge
Ist das Wasser - eine T r ä n e !

Karl Egon Ebert

Karl Egon Ebert (* 5. Juni(?) 1801 in Prag; + 24. Oktober 1882 in Smichow bei Prag) war ein deutsch-böhmischer Dichter.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Egon_Ebert
Antwort auf den Eintrag von Tante Li:
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Veröffentlicht am 23.03.2012 13:00:06 GMT+01:00
cschö meint:
Ein Tropfen perlt vom Buchenblatt,
Die Quelle zeugt ein Rinnsal nur,
Kein Drängen, Wälzen findet statt,
Ein Muldenbächlein dient als Spur.

Zwei Wässerchen vermählten sich,
Es treffen viele Gäste ein.
Ein Sturzbach wagt den ersten Stich
Ins Bett aus härtestem Gestein.

Bald toben die Wässer in Strudeln und Gischten,
Sie graben sich Bette zu Klammen und Schluchten.
Welch Urkraft der Tropfen, die einst sich vermischten,
Gemeinsam den Weg jedes Regenkinds suchten.

Ingo Baumgarten

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.03.2012 13:12:45 GMT+01:00
Erlend meint:
Auf der ganzen Welt
gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich.
Es kann durch nichts verändert werden.

Daß Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiß jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln.

(Laotse: Tao te king)

Veröffentlicht am 23.03.2012 18:34:21 GMT+01:00
ako meint:
„Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.“ :;)

Oscar Wilde

Veröffentlicht am 24.03.2012 13:18:10 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.03.2012 13:19:36 GMT+01:00
Tante Li meint:
Es lächelt der See, er ladet zum Bade (aus Wilhelm Tell)

Fischerknabe:

Es lächelt der See, er ladet zum Bade,
Der Knabe schlief ein am grünen Gestade,
Da hört er ein Klingen,
Wie Flöten so süß,
Wie Stimmen der Engel
Im Paradies.
Und wie er erwachet in seliger Lust,
Da spülen die Wasser ihm um die Brust,
Und es ruft aus den Tiefen:
Lieb Knabe, bist mein!
Ich locke den Schläfer,
Ich zieh ihn herein.

...

Friedrich von Schiller, 1803

Veröffentlicht am 08.04.2012 10:15:05 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.04.2012 10:18:17 GMT+02:00
Tante Li meint:
Vom Eise befreit
(Monolog des Faust, Osterspaziergang)

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit' und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
(Faust I, Vers 903 bis 940)

Veröffentlicht am 17.04.2012 09:59:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.04.2012 10:01:17 GMT+02:00
Tante Li meint:
Heiterer Frühling

Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,
Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.
Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,
Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.
An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,
Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.
Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,
Ein Kind steht in Konturen weich und lind.
Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,
Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.
Hell Grünes blüht und anderes verwest
Und Kröten schliefen durch den grünen Lauch.

Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.
Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.
Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;
Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.
In Gärten sinken Glocken lang und leis
Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.
Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt
Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.
Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!
In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.
Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl
Und Knospen knistern heiter dann und wann.

Wie scheint doch alles Werdende so krank!
Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;
Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist
Und öffnet das Gemüte weit und bang.
Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht
Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh.
Die Liebenden blühn ihren Sternen zu
Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.
So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;
Und leise rührt dich an ein alter Stein:
Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.
O Mund! der durch die Silberweide bebt.

Georg Trakl
(* 3. Februar 1887 in Salzburg; + 3. November 1914 in Krakau, Galizien)

Veröffentlicht am 17.04.2012 10:31:37 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 17.04.2012 10:38:14 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 17.04.2012 10:37:48 GMT+02:00
cschö meint:
Wie`s Wasser
Wie's Wasser stürzt vom Berg ins Tal
so rennt auch unsere Zeit,
dort springt es über Felsenwand,
dann läuft es wieder breit.

Grad schöner wäre unser Leben,
wenn ruhig, ohne Sorg und Zank
es fließen würde und daneben
mit Harmonie ein Leben lang.

© Franz Christian Hörschläger

Veröffentlicht am 17.04.2012 16:28:19 GMT+02:00
Wassergedichte habe ich auch nicht. Aber ich benutze Wasser gerne,
um in Erzählungen etwas zu verdeutlichen.
So in etwa:

.“ Sie macht eine Handbewegung über der Kristallplatte des Tisches und schon erscheint darauf eine Landschaft mit Bergen, Tälern, Pflanzen und Flüssen. Sogar eine Wüste und das Meer ist zu sehen.
„Das, mein Kind, ist die die Karte des Lebens. Die Flüsse und Bäche sind die Lebensströme der Menschen. Darin fliessen ihre Seelen dahin.
Wenn du genau hinsiehst, erkennst du bei einigen dieser Flüsse und Bäche Hindernisse. Sie werden gestaut oder verschwinden plötzlich unter der Erde oder versickern, wie dieser hier in der Wüste. All diese Hindernisse symbolisieren die Punkte, an denen wir den Tod verkünden können.“ Sie zeigt auf einen kleinen Fluss.
„Was würdest du bei diesem Lebensfluss machen, Aodnait?“
Niamh schaut genau hin. Ein Baum ist über den Fluss gefallen und droht ihn zu stauen. „Ich würde den Baum entfernen!“
Ihre Mutter nickt zustimmend und zeigt auf einen anderen Fluss. „Und bei diesem hier?“
Niamh betrachtet den Fluss eine ganze Weile. „Ich weiß nicht...da sind so viele Hindernisse.“
„Genau hier beginnt die Verantwortung einer Banshee, Aodnait. Diese Hindernisse können Krankheiten bedeuten. Wenn die Banshee jetzt eines wegräumt, folgt kurz darauf das nächste. Das bedeutet für den Menschen unter Umständen unsägliches Leiden. Eine Banshee muss auch entscheiden können, wann der Tod eine Erlösung ist.“

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.04.2012 17:57:49 GMT+02:00
Tante Li meint:
@ Fianna
Das klingt gut!
:-)

Veröffentlicht am 17.04.2012 18:15:09 GMT+02:00
Mit Hilfe von Wasser kann man viel erklären.
Wasser ist irgendwie alles: Leben, Tod, wild, beruhigend.
Ich glaube fest daran, dass Wasser der Ursprung alles Lebens ist.

Veröffentlicht am 17.04.2012 23:06:03 GMT+02:00
Marismeno meint:
Weil in der Stille eines Tempelgartens
Wasser aus dem Mund eines bronzenen Drachens fällt,
vergeht Zeit.

(verflixt, und ich weiß nicht mehr, woher ich dieses japanische Gedicht habe, kann sein, aus dem Musashi, ...)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2012 09:32:08 GMT+02:00
Tante Li meint:
@ Danke, Marimeno
Die japanische Denkweise ist auch interessant.
Da scheint Ursache und Wirkung vertauscht.

Veröffentlicht am 18.04.2012 11:23:36 GMT+02:00
cschö meint:
Das Wasser James Krüss



Vom Himmel fällt der Regen,

und macht die Erde naß,

die Steine auf den Wegen,

die Blumen und das Gras.



Die Sonne macht die Runde

in altgewohntem Lauf

und saugt mit ihrem Munde

das Wasser wieder auf.



Das Wasser steigt zum Himmel

und wallt dort hin und her,

da gibt es ein Gewimmel

von Wolken grau und schwer.



Die Wolken werden nasser

und brechen auseinander

und wieder fällt das Wasser

als Regen auf das Land.



Der Regen fällt ins Freie

und wieder saugt das Licht.

Die Wolke wächst aufs neue

bis daß sie wieder bricht.



So geht des Wassers Weise:

es fällt, es steigt, es sinkt

in ewig gleichem Kreise

Veröffentlicht am 19.04.2012 11:43:27 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.04.2012 11:43:52 GMT+02:00
Tante Li meint:
Der Taucher

"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf ich hinab,
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."

Der König spricht es und wirft von der Höh
Der Klippe, die schroff und steil
Hinaushängt in die unendliche See,
Den Becher in der Charybde Geheul.
"Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"

Und die Ritter, die Knappen um ihn her
Vernehmen's und schweigen still,
Sehen hinab in das wilde Meer,
Und keiner den Becher gewinnen will.
Und der König zum drittenmal wieder fraget:
"Ist keiner, der sich hinunter waget?"

Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,
Und ein Edelknecht, sanft und keck,
Tritt aus der Knappen zagendem Chor,
Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,
Und alle die Männer umher und Frauen
Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.

Und wie er tritt an des Felsen Hang
Und blickt in den Schlund hinab,
Die Wasser, die sie hinunterschlang,
Die Charybde jetzt brüllend wiedergab,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzen sie schäumend dem finstern Schoße.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Flut auf Flut sich ohn' Ende drängt,
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.

Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,
Und schwarz aus dem weißen Schaum
Klafft hinunter ein gähnender Spalt,
Grundlos, als ging's in den Höllenraum,
Und reißend sieht man die brandenden Wogen
Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.

Jetzt schnell, eh die Brandung wiederkehrt,
Der Jüngling sich Gott befiehlt,
Und - ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,
Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült,
Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer
Schließt sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.

Und stille wird's über dem Wasserschlund,
In der Tiefe nur brauset es hohl,
Und bebend hört man von Mund zu Mund:
"Hochherziger Jüngling, fahre wohl!"
Und hohler und hohler hört man's heulen,
Und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem Weilen.

Und wärfst du die Krone selber hinein
Uns sprächst: Wer mir bringet die Kron,
Er soll sie tragen und König sein -
Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.
Was die heulende Tiefe da unter verhehle,
Das erzählt keine lebende glückliche Seele.

Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefasst,
Schoss jäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast,
Hervor aus dem alles verschlingenden Grab. -
Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,
Hört man's näher und immer näher brausen.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well auf Well sich ohn Ende drängt,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzt es brüllend dem finstern Schoße.

Und sieh! aus dem finster flutenden Schoß,
Da hebet sich's schwanenweiß,
Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß,
Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiß,
Und er ist's, und hoch in seiner Linken
Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.

Und atmete lang und atmete tief
Und begrüßte das himmlische Licht.
Mit Frohlocken es einer dem andern rief:
"Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!
Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle
Hat der Brave gerettet die lebende Seele."

Und er kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,
Zu des Königs Füßen er sinkt,
Den Becher reicht er ihm kniend dar,
Und der König der lieblichen Tochter winkt,
Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,
Und der Jüngling sich also zum König wandte:

"Lange lebe der König! Es freue sich,
Wer da atmet im rosigten Licht!
Da unten aber ist's fürchterlich,
Und der Mensch versuche die Götter nicht
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedeckten mit Nacht und Grauen.

Es riss mich hinunter blitzesschnell -
Da stürzt mir aus felsigtem Schacht
Wildflutend entgegen ein reißender Quell:
Mich packte des Doppelstroms wütende macht,
Und wie einen Kreisel mit schwindendelm Drehen
Trieb mich's um, ich konnte nicht widerstehen.

Da zeigte mir Gott, zu dem ich rief
In der höchsten schrecklichen Not,
Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,
Das erfasst ich behänd und entrann dem Tod -
Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,
Sonst wär er ins Bodenlose gefallen.

Denn unter mir lag's noch, bergetief,
In purpurner Finsternis da,
Und ob's hier dem Ohre gleich ewig schlief,
Das Auge mit Schaudern hinuntersah,
Wie's von Salamandern und Molchen und Drachen
Sich regt' in dem furchtbaren Höllenrachen.

Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,
Zu scheußlichen Klumpen geballt,
Der stachligte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.

Und da hing ich und war's mit Grausen bewusst
Von der menschlichen Hilfe so weit,
Unter Larven die einzige fühlende Brust,
Allein in der grässlichen Einsamkeit,
Tief unter dem Schall der menschlichen Rede
Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.

Und schaudernd dacht ich's, da kroch's heran,
Regte hundert Gelenke zugleich,
Will schnappen nach mir - in des Schreckens Wahn
Lass ich los der Koralle umklammerten Zweig;
Gleich fasst mich der Strudel mit rasendem Toben,
Doch es war mir zum Heil, er riss mich nach oben."

Der König darob sich verwundert schier
Und spricht: "Der Becher ist dein,
Und diesen Ring noch bestimm ich dir,
Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,
Versuchst du's noch einmal und bringst mir Kunde,
Was du sahst auf des Meeres tiefunterstem Grunde."

Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,
Und mit schmeichelndem Munde sie fleht:
"Lasst, Vater, genug sein das grausame Spiel!
Er hat Euch bestanden, was keiner besteht,
Und könnt Ihr des Herzens Gelüsten nicht zähmen,
So mögen die Ritter den Knappen beschämen."

Drauf der König greift nach dem Becher schnell,
In den Strudel ihn schleudert hinein:
"Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell,
So sollst du der trefflichste Ritter mir sein
Und sollst sie als Ehegemahl heut noch umarmen,
Die jetzt für dich bittet mit zartem Erbarmen."

Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,
Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,
Und er siehet erröten die schöne Gestalt
Und sieht sie erbleichen und sinken hin -
Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,
Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben.

Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,
Sie verkündigt der donnernde Schall -
Da bückt sich's hinunter mit liebendem Blick:
Es kommen, es kommen die Wasser all,
Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,
Den Jüngling bringt keines wieder.

Friedrich Schiller
(1797)

Veröffentlicht am 20.04.2012 08:59:25 GMT+02:00
Frida meint:
@Tante Li,

mein Lieblingsgedicht aus Jugendtagen :-). Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, diese Ballade abzutippen.

Lg
Daniela

Veröffentlicht am 20.04.2012 09:34:58 GMT+02:00
cschö meint:
Een Boot is noch buten! 1)
»Ahoi! Klas Nielsen und Peter Jehann!
Kiekt nach, ob wi noch nich to Mus sind!
Ji hewt doch gesehn den Klabautermann?
Gottlob, dat wi wedder to Hus sind!«
Die Fischer riefen's und stießen ans Land
und zogen die Kiele bis hoch auf den Strand,
dumpf an rollten die Fluten;
Han Jochen aber rechnete nach
und schüttelte finster sein Haupt und sprach:
»Een Boot is noch buten!«

Und ernster keuchte die braune Schar
dem Dorf zu über die Dünen;
schon grüßten von fern mit zerwehtem Haar
die Frau'n an den Gräbern der Hünen.
Und »Korl!« hieß es und »Leiw Marie!«
»'t is doch man schön, dat ji wedder hie!«
Dumpf an rollten die Fluten -
»Un Hinrich, min Hinrich? Wo is denn dee?!«
Und Jochen wies in die brüllende See:
»Een Boot is noch buten!«

Am Ufer dräute der Möwenstein,
drauf stand ein verrufnes Gemäuer,
dort schleppten sie Werg und Strandholz hinein
und gossen Öl in das Feuer.
Das leuchtete weit in die Nacht hinaus
und sollte rufen: O komm nach Haus!
Dumpf an rollten die Fluten -
Hier steht dein Weib in Nacht und Wind
und jammert laut auf und küsst dein Kind:
»Een Boot is noch buten!«

Doch die Nacht verrann, und die See ward still,
und die Sonne schien in die Flammen,
da schluchzte die Ärmste: »As Gott will!«
und bewusstlos brach sie zusammen!
Sie trugen sie heim auf schmalem Brett,
dort liegt sie nun fiebernd im Krankenbett,
und draußen plätschern die Fluten;
dort spielt ihr Kind, ihr »lütting Jehann«,
und lallt wie träumend dann und wann:
»Een Boot is noch buten!« -

Arno Holz

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.04.2012 18:37:31 GMT+02:00
Tante Li meint:
@ Daniela
Ist ja schmeichelhaft, dass Du mir diesen Aufwand für diesen Thread zutraust, aber ich muss zugeben, dass ich das Gedicht als Ganzes einfach hierher kopiert habe.
LG
Li

Veröffentlicht am 21.04.2012 18:45:16 GMT+02:00
Tante Li meint:
Fontane Theodor

Die Brücke am Tay

When shall we three meet again?
Macbeth

"Wann treffen wir drei wieder zusamm?"
"Um die siebente Stund',am Brückendamm."
"Am Mittelpfeiler."
"Ich lösche die Flamm."
"Ich mit."
"Ich komme vom Norden her."
"Und ich vom Süden."
"Und ich vom Meer."
"Hei das gibt ein Ringelreihn,
und die Brücke muß in den Grund hinein."
"Und der Zug, der in die Brücke tritt
um die siebente Stund'?"
"Ei der muß mit."
"Muß mit"
"Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand!"

Auf der Norderseite, das Brückenhaus-
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut'ohne Rast und Ruh'
und in Bangen sehen nach Süden zu,
sehen und warten, ob nicht ein Licht
übers Wasser hin "Ich komme" spricht,
"ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
ich, der Edinburger Zug."

Und der Brückner jetzt: "Ich seh einen Schein
am anderen Ufer. Das muß er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
unser Johnie kommt und will seinen Baum,
und was noch am Baume von Lichtern ist,
zünd alles an wie zum heiligen Christ,
der will heuer zweimal mit uns sein -
und in elf Minuten ist er herein."

Und es war der Zug. Am Süderturm
keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
und Johnie spricht: "Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
die bleiben Sieger in solchem Kampf.
Und wie's auch rast und ringt und rennt,
wir kriegen es unter, das Element.

Und unser Stolz ist unsre Brück';
ich lache, denk' ich an früher zurück,
an all den Jammer und all die Not
mit dem elend alten Schifferboot;
wie manche liebe Christfestnacht
hab'ich im Fährhaus zugebracht
und sah unsrer Fenster lichten Schein
und zählte und konnte nicht drüben sein."

Auf der Norderseite, das Brückenhaus -
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh'
und in Bangen sehen nach Süden zu;
denn wütender wurde der Winde Spiel,
und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel,
erglüht es in niederschießender Pracht
überm Wasser unten...Und wieder ist Nacht.

"Wann treffen wir drei wieder zusamm?"
"Um Mitternacht am Bergeskamm."
"Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm."
"Ich komme"
"Ich mit."
"Ich nenn'euch die Zahl.
"Und ich die Namen."
Und ich die Qual."
"Hei:
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei."
"Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand."

28. Dezember 1879

Veröffentlicht am 22.04.2012 09:49:48 GMT+02:00
Frida meint:
@Tante Li,

wie ich es gesendet hab, hab ich mir genau so was gedacht :-). Trotzdem, danke. Ich mag den Taucher einfach so besonders gern.

Lg
Daniela

Veröffentlicht am 22.04.2012 10:02:27 GMT+02:00
Frida meint:
Inschrift

Sag
in was
schneide ich
deinen Namen?
In den Himmel?
Der ist zu hoch
In die Wolken?
Die sind zu flüchtig
In den Baum
der gefällt und verbrannt wird?
Ins Wasser
das alles fortschwemmt?
In die Erde
die man zertritt
und in der nur
die Toten liegen?
Sag
in was
schneide ich
deinen Namen?
In mich
und in mich
und immer tiefer
in mich

Erich Fried

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.04.2012 13:29:58 GMT+02:00
Tante Li meint:
@ Daniela
:-)
Ja, ich auch!
:-)

Wobei mich interessieren würde, warum eigentlich?
8-?

Veröffentlicht am 22.04.2012 13:41:01 GMT+02:00
Rein in die Stiefel, Kapuze auf
Wir machen einen Regenlauf.
Dort ist eine Pfütze ...Hinüber ...nicht ganz
Ich steh mittendrin, vollführeinen Tanz.
Kinder schaun zu, sie sind entzückt
Erwachsene aber halten uns für verrückt.
Vollkommen durchnässt, bis auf die Haut
Laufen wir Hand in Hand und lachen laut.
Den Weg durch den Keller müssen wir nutzen
sonst heißt es heute Hausflur putzen.
Noch unter der Dusche müssen wir lachen
DAS werden wir bald wieder machen!

TJK (c)

Veröffentlicht am 22.04.2012 15:51:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.04.2012 15:52:48 GMT+02:00
Frida meint:
@Tante Li,

das Meer und seine Bewohner haben mich immer schon interessiert. Ich mag seine bunte Vielfalt in den Küstengewässern und seine noch weitgehend unerforschten Tiefen. Gerade diese bergen für mich die letzten Abenteuer auf unserem so umfassend erschlossenen Planeten. Mir gefällt die weltweite Verbundenheit der Meere, mich faszinieren ihre ungeheuren Dimensionen, ihre vielgestaltigen Geschöpfe, die das uns so fremde Element Wasser bewohnen, dem wir doch alle entstammen.

Und bei dir?
Lg
Daniela

P.S. Ich habe natürlich sobald ich es durfte (mit 12 Jahren) den Tauchschein gemacht und bin bis heute begeisterte Taucherin
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