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1-25 von 41 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.03.2012 20:38:28 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2012 21:00:41 GMT+01:00
JeanneDark meint:
In diesem Thread können alle Autoren und Geschichtenerzähler, die sich Kritik wünschen, aber zu schüchtern sind, um eine eigene Diskussion zu starten, Auszüge und Links zu ihren Werken posten. Ich setzte einen höflichen und respektvollen Umgang miteinander voraus und hoffe auf viel hilfreiche Kritik und Freude am Lesen. Es wäre schön, wenn jeder, der hier seinen Text reinstellt, auch etwas zu dem ein oder anderen "Kollegen" sagen würde.

Das ist mein Text, ein Auszug aus meinem Ebook Lima Lima, es ist nicht der Anfang, sondern ein Part aus dem ersten Kapitel. Ich wünsche mir besonders Tipps wie ich meinen Stil verbessern kann:
_____________________________________________________

Der 20 Juni 1995 war mit Abstand der heißeste Tag im Jahr. Die Sonne brannte so erbarmungslos, dass die Luft zu flimmern begann, ein eher untypisches Phänomen in der ungastlichen Arbeitergegend von Halifax. In der schier unerträglichen Hitze stieg ein furchtbarer Dunst auf, der allein vom halb ausgedörrten Hebbele kommen musste. Alte Konserven und Mülltüten schmorten auf verbrannter Erde und sogar die Bäume sahen irgendwie krank aus. Aleister fühlte sich mit jeder verstreichenden Minuten zunehmend erschöpfter.
Seine Beine baumelten kraftlos von einem viel zu hohen Stuhl herunter, während er sich bemühte, das Brennen in seinen Augen zu ignorieren. Hin und wieder verscheuchte er die Fliegen, die sich hartnäckig in ihrer kleinen Küche eingenistet hatten. Es war seit Tagen kontinuierlich immer heißer geworden und nun war die Luft in Bane Road Nr. 26 so dick, das er glaubte, sie unmöglich einatmen zu können. Seine Lungen schmerzten sogar wieder ein wenig. Er litt seit seinem dritten Lebensjahr an Asthma, das jährlich schlimmer wurde. Vor allem im Sommer, wenn besonders viel Rauch aus den Schornsteinen der Industrien am Ende des Bane Road qualmten. Fahrig wischte er sich eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn. Abgesehen von der Wärme war die kontinuierliche Langeweile mörderisch.
Lustlos stocherte er in seinem Rührei herum. Das würde ein weiterer, ereignisloser Tag werden. Andererseits, und jetzt huschten seine Augen flüchtig über den Tisch, auf manche Ereignisse konnte er durchaus verzichten. „Was starrst du so?“ Eine gereizte Stimme holte ihn unsanft aus seinen Gedanken und er zuckte nervös zusammen. John Doe war fast immer gereizt, jedenfalls so weit sich Aleister erinnern konnte. Mit eingefallenen Augen starrte er über den Rand der Zeitung hinweg. Der Hals des Jungen wurde unwillkürlich trocken und er warf einen Blick zu der hageren Frau, die ein wenig linkisch an ihrer Kaffeetasse nippte. Ihre Hände zitterten kaum merklich.
„Darf ich noch etwas Saft haben?“ Aleister freute sich, dass seine Stimme nicht halb so unsicher geklungen hatte, wie er sich fühlte. Doch seine Finger hatten unwillkürlich begonnen, ein Papiertaschentuch in seiner Hose zu zerfleddern. Abigal lächelte matt und sah damit sogar noch erschöpfter aus. „Natürlich, Schatz.“ Zögerlich füllte sie das halb volle Glas des Jungen nach. John schwieg, überhaupt wurde nach diesem kurzen Wortwechsel nicht mehr gesprochen. Und Aleister konnte nicht behaupten, dass ihn die andauernde Stille störte. Manchmal war Schweigen tatsächlich Gold, dann konnte man besser auf die kleinen Geräusche achten, die über einen guten oder schlechten Tag entscheiden würden.
Wenn alles ruhig blieb, würde es ein guter Tag werden, wenn jedoch zum Beispiel das Telefon klingeln würde, könnte der Tag ereignisreicher werden, als er es sich wünschte. Aleister schaute verstohlen auf die alte überaus hässliche Uhr an der Wand: 7 Uhr 17. In seinem Bauch begann es zu kribbeln und er stopfte sich nervös eine Gabel Rührei in den Mund. 7 Uhr 18 Abigal stellte ihre Tasse zurück, Porzellan klirrte auf Porzellan, er erschrak. 7 Uhr 19 die Zeitung raschelte und sein Herz schien auszusetzen. Und dann, endlich 7 Uhr 20. Ein Stuhl schabte über den Holzfußboden. Er wagte nicht aufzusehen, aber das brauchte er auch gar nicht. Das war der beste Moment des Tages, jedes Tages. Sein Vater war vom Tisch aufgestanden, in wenigen Augenblicken würde Aleister Schritte hören, die sich von der Küche entfernten, dann eine Tür die ins Schloss fiel. Und wenn er ganz genau aufpasste, ganz genau, dann konnte er manchmal sogar noch wahrnehmen, wie die Bremsen der Buslinie 576 quietschten in den John jeden Morgen einstieg.
„Noch etwas Saft?“ Seine Mutter hatte zu einem entspannten Tonfall zurückgefunden und ihre Hände hatten aufgehört zu zittern. Aleister hob den Kopf und ein paar rabenschwarze Haarsträhnen fielen ihm fast bis in die Augen. Seine Mutter sah wie üblich unglaublich müde und ausgelaugt aus und obwohl sie ihn so freundlich anlächelte, wie es für eine Abigal Doe überhaupt möglich war, wirkte sie überaus unglücklich.

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vielen Dank an Li, für die gute Idee mit der Diskussionsüberschrift.
Antwort auf den Eintrag von JeanneDark:
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Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.03.2012 21:23:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2012 23:53:28 GMT+01:00
Tante Li meint:
Vielen Dank, JeanneDark, für diese Gelegenheit.

Ich bin kein Profi in diesen Dingen und kann meist auch nicht erklären, was mich an einem Text stört - so wie es eine echte Lektorin könnte.
Ich kann nur von meinem Sprachgefühl ausgehen und hoffen, dass meine Anmerkungen irgendwie hilfreich sind.

Im ersten Absatz sind einige Dinge, die meinen Lesefluss behindern:

- >>Der 20 Juni 1995 war mit Abstand der heißeste Tag im Jahr. <<
Das Jahr kommt zweimal vor. Ich würde den Satz verändern in: "Der 20. Juni war mit Abstand der heißeste Tag des Jahres. / von 1995."
Dann sieht es auch nicht ganz so nach "Büro(kraten)-Datum" aus.

- >>Die Sonne brannte so erbarmungslos, dass die Luft zu flimmern begann, ein eher untypisches Phänomen in der ungastlichen Arbeitergegend von Halifax.<<
Hier stört mich am meisten das wiederholte "un-" (besonders weil es im nächsten Satz schon wieder auftaucht) - außerdem klingt das "ungastlich" wie ein Vorurteil gegen jegliche Arbeiter. Es wird nicht erklärt, warum die Gegend ungastlich ist. Dieses Adjektiv ist eines, das man sich hier lieber sparen und an geeigneter Stelle ausführlich erläutern (besser noch durch Handlung zeigen) sollte.
(das "erbarmungslos" finde ich auch als überflüssiges Adjektiv)

- >>Aleister fühlte sich mit jeder verstreichenden Minuten zunehmend erschöpfter.<<
Übererklärt! "jede verstreichende Minute" und "zunehmend" meinen das selbe.

Zur Logik in diesem Bereich:
Du schreibst, es wäre der heißeste Tag und untypisch für die Gegend, dass es so heiß ist. Warum ist dann die Gegend schon so ausgedorrt, als hätte es schon seit Wochen nicht mehr geregnet?
Ein Fluss trocknet nicht so schnell aus (das Wasser kommt aus anderen Gegenden), wenn es nur ein paar warme und einen besonders heißen Tag gibt.

Soweit erstmal.
LG
Li

Veröffentlicht am 14.03.2012 21:43:08 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2012 21:49:33 GMT+01:00
Tante Li meint:
Weiteres:

- >>... Fliegen, die sich hartnäckig in ihrer kleinen Küche eingenistet hatten<<
"hartnäckig" ist überflüssig - jeder weiß, dass Fliegen lästig sind und das zeigst Du ja auch schon durch die Handlung "verscheuchen"
"ihrer" ist missverständlich - man könnte meinen, Aleister gehöre nicht zum Haushalt und fragt sich, wer mit "ihrer" gemeint sein könnte - besser einfach den Artikel nehmen, also "in der kleinen Küche"

...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.03.2012 21:49:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2012 21:51:06 GMT+01:00
b meint:
Die Szene beschreibt den frühen Morgen von drei Personen, ein Kind dessen Vater und eine Frau, von der unklar ist, ob sie die Mutter des Kindes ist. Die Verwandtschaftsbeziehungen könnten klarer sein, (ihre Küche, wessen?). Das Kind ist noch so klein, dass seine Füße vom Stuhl aus den Boden nicht erreichen, es kann aber schon die Uhr lesen. Ist Alleister ein Zwerg o. ä.? Die Stimmung wirkt unheimlich, weil Kind und Frau erleichtert sind, als der Mann, den das Kind auch John Doe nennt, das Haus verlässt. Wer spricht und wen A. beobacht ist mir unklar. Sind da zwei Personen?

Die Atmosphäre macht mich neugierig darauf, wie die Geschichte weiter geht.

Beim Wort Phänomen habe ich mich gefragt: wer erzählt für wen, handelt es sich bei den Protas um bessere Leute und wie verträgt sich das mit der düsteren Arbeitergegend?

Furchtbar, irgendwie, überaus können als Füllwörter entfallen oder griffiger formuliert sein.

Was sind Industrien? Fabriken?

Warum ist die Langeweile kontinuierlich? Was empfindet er/sie dabei?

Veröffentlicht am 14.03.2012 21:59:21 GMT+01:00
JeanneDark meint:
Danke für die Kritik, so habe ich das noch nie betrachtet.
Das mit dem Fluss habe ich wahrscheinlich einfach nur sehr umständlich erklärt. Halifax liegt in England, also einer vom Klischee her eher feuchten Zone. Aber dieser Sommer ist besonders heiß und trocken und hat seinen Höhepunkt an eben diesem Junitag. Es hat also tatsächlich schon mehrere Wochen nicht geregnet. Ich bin mir nicht sicher, ob ich bei der Beschreibung der Gegend noch mehr Details hätte einfügen sollen, da ich in der Geschichte nicht auf die ganzen sozio-politischen Hintergründe eingehe. Es ist eine arme, heruntergekommene Gegend in der finanziell schlecht gestellte Menschen leben, daher ungastlich. Aber ich werde auf jeden Fall in mich gehen und darüber nachdenken. Ich freue mich wirklich sehr über deine Worte, es kann mir schließlich nur helfen. Noch mal danke für deine Zeit.

Veröffentlicht am 14.03.2012 22:13:25 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2012 22:14:31 GMT+01:00
Tante Li meint:
>>Seine Lungen schmerzten sogar wieder ein wenig.<<
Zuviel der Worte hier. Effektvoller einfach: "Seine Lungen schmerzten."

>>wenn besonders viel Rauch aus den Schornsteinen der Industrien am Ende des Bane Road qualmten.<<
evtl. "besonders viel" vereinfachen in "der"
"der Industrien" - so denkt ein Kind nicht (und wir sind hier bei der Perspektive des Kindes) - Aleister weiß vielleicht, was in der Fabrik hergestellt wird - dann ist es die Knopf/Schuhcreme/.../-Fabrik oder er weiß etwas anderes darüber: die Fabrik, wo Onkel Herbert arbeitet - dergleichen kann persönlicher gestaltet werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.03.2012 22:20:36 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2012 22:31:30 GMT+01:00
Tante Li meint:
Liebe JeanneDark,
in diesem Fall wäre ein kleiner erklärender Zusatz schon hilfreich, wie eben, dass der ganze Sommer unüblich trocken war oder dass es seit Wochen nicht geregnet hat.

Mit "ungastlich" wird der Blick nach außen gelenkt - auf einen Gast, der die Gegend als abweisend empfindet. Aber hier geht es doch zuerst um die Leute, die dort leben und für die diese Gegend gewohnter Alltag ist.
Achte auf die Perspektive. Von welcher Sicht aus sieht der Leser, was Du beschreibst?
Der Junge hat bestimmt kein "ungastliches" Gefühl beim Blick auf seine Heimat.

Veröffentlicht am 15.03.2012 01:15:41 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.03.2012 01:25:40 GMT+01:00
JeanneDark meint:
Danke für eure Anmerkungen. Ich sollte vielleicht etwas zu Aleister sagen: er ist kein gewöhnliches Kind und hat einen eher untypischen Sprach/Denkstil, der sich von seinem Umfeld unterscheidet.
Er kann auch bereits die Uhr lesen und kennt Worte wie Phänomen, weiß was eine Industrie ist und was dort gemacht wird (allerdings gefällt mir die Idee mit dem persönlicher gestalten). Auf all diese Punkte geht die Geschichte später ausführlich ein, womit sich das ein oder andere vielleicht besser erklärt. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich es nicht noch optimieren kann.

Trotzdem finde ich eure Kritik sehr inspirierend und lehrreich. Daraus kann ich eine Menge lernen. Ich nehme es mir auf jeden Fall zu Herzen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2012 07:35:06 GMT+01:00
b meint:
@ JeanneDark
Das erste Kapitel ist dein Empfangszimmer, in dem sich deine Leser wohlfühlen sollen, damit sie das Buch nicht gleich abbrechen. Du musst dich in jedem Kapitel für eine Erzählperspektive entscheiden. Es musss deutlich sein, ob das Phänomen z. B. von Alisteir stammt oder vom allwissenden Beobachter und Erzähler. Alisteir kennt vielleicht gar keine anderen Orte, darum wird er seine Heimatstadt schwer für den fremden Leser beschreiben können. Würde einem Kind auffallen, dass die Mutter schlecht aussieht, wenn sie so aussieht wie immer? Ist das nicht wieder ein Erzählerwechsel?

Die Armut der Leute kannst du viel konsequenter herausstellen. Das Frühstück könnte sparsam oder langweilig sein, hätten sie wirklich Telefon?

Veröffentlicht am 15.03.2012 09:42:23 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.03.2012 10:35:54 GMT+01:00
Tante Li meint:
>>Aleister schaute verstohlen auf die alte überaus hässliche Uhr an der Wand: 7 Uhr 17. In seinem Bauch begann es zu kribbeln und er stopfte sich nervös eine Gabel Rührei in den Mund. 7 Uhr 18 Abigal stellte ihre Tasse zurück, Porzellan klirrte auf Porzellan, er erschrak. 7 Uhr 19 die Zeitung raschelte und sein Herz schien auszusetzen. Und dann, endlich 7 Uhr 20.<<

- das "überaus hässliche" würde ich weglassen. Der Junge kennt diese Uhr wahrscheinlich seit seiner Geburt und bewertet sie nicht weiter. Das "alt" genügt. Dagegen würde ich die Wand ein wenig näher beschreiben. Ist es eine nackte Kalkwand, eine angeschimmelte Tapete, eine Holzwand mit Branntflecken?

z.B.: "Aleister schaute verstohlen auf die alte Uhr, die an der Kalkwand hing, die neben den grauen Schmutzflecken die deutlichen Zeichen des letzten Streits trug. Es hätte Tomatensoße zu den Spaghetti geben sollen. Zu wenig blieb für ihn in dem Topf, der an die Wand gekracht war. Den Rest musste Mum für Dad herauskratzen, als der sich so weit beruhigt hatte, dass er zum Essen bereit war."

- Die Zeit-Darstellung würde ich untereinander schreiben, wie in einem Notizbuch:
"7 Uhr 17. In seinem Bauch begann es zu kribbeln und er stopfte sich nervös eine Gabel Rührei in den Mund.
7 Uhr 18: Mutter/Mama stellte ihre Tasse zurück, Porzellan klirrte auf Porzellan, er erschrak.
7 Uhr 19: die Zeitung raschelte und sein Herz setzte kurz aus. Er hielt den Atem an.
7 Uhr 20. Endlich!
..."

Veröffentlicht am 15.03.2012 11:09:40 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.03.2012 11:12:26 GMT+01:00
Tante Li meint:
Hallo an alle, die sich auch mal einen meiner Texte anschauen möchten.
Hier ein Kapitel, mit dem ich noch nicht zufrieden bin:

*
17. Kapitel

Ich liebe ihn nicht, dachte Gerard. Und doch habe ich mich noch nie so wohl gefühlt - danach. Es war gut. Alles war gut - jede Einzelheit, jede Kleinigkeit. Die Sicherheit, die er ausströmt, dieses Wissen, wie es mir im Innersten geht. Warum kann ich nicht bleiben? Einfach jede Verpflichtung vergessen - nur noch mit ihm sein bis ans Ende aller Tage?

Er lag nun ruhig. Zärtlichkeiten, Hitze, Sex - dann leichte Schlummer und wieder das lustvolle Aufflammen der nahen Körper. Bedenkenlos!

Jetzt fiel ihm Ben ein und das schlechte Gewissen meldete sich. Während er sich hier vergnügte kroch Ben wahrscheinlich gerade in der eisigen Berghütte mit seinen Klassenkameraden unter eine Decke.
Hoffentlich machen sie es sich auch ein wenig gemütlich miteinander, dachte Gerard. Wie auch immer, Ben wird maßlos enttäuscht sein, wenn er von seinem Ausflug zurückkommt und merkt, dass ich nicht mehr da bin. Ein mageres Schreiben mit ein paar flüchtigen Worten ist alles, was ihm bleibt.

*

Helft Ihr mir damit weiter?
LG
Li

Veröffentlicht am 15.03.2012 13:41:03 GMT+01:00
Marah Woolf meint:
Hallo Li, ich habe mich mal dran versucht. Da man hier nicht farblich oder kursiv die Änderungen absetzen kann, habe ich jetzt den Text verändert. Ist nur eine schnelle Idee. Ich glaube, die Zeitform bei Gerards Gedanken an Ben stimmt irgendwie nicht. Das liegt ja in der Zukunft. Bin aber keine Germanistin ist nur ein Gefühl. Ist ja auch schwierig, einen Text, der so aus dem Zusammenhang ist zu durchschauen. Lg Marah

Ich liebe ihn nicht, dachte Gerard. Doch es ist mir egal. Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt - danach. Es war gut. Alles war gut - jede Berührung, jeder Kuss.
Er lag nun ruhig neben ihm.
Er genoß es immer noch. Die Zärtlichkeiten, die Hitze, den Sex - dann leichte Schlummer und wieder das lustvolle Aufflammen ihres Begehrens. Bedenkenlos! Bedingungslos!

Er dachte an Ben. Sein schlechtes Gewissen meldete sich. Während er sich hier vergnügte, kroch Ben gerade in einer eisigen Berghütte, mit seinen Klassenkameraden unter eine Decke.
Hoffentlich fror er nicht zu stark, dachte Gerard.
Eines war sicher: Ben würde enttäuscht sein, wenn er von dem Ausflug zurückkam und merkte, dass er nicht mehr da war.
Ein inhaltsloses Schreiben mit ein paar flüchtigen Worten war alles, was Ben bleiben würde.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2012 14:01:22 GMT+01:00
Überaus glücklich, überaus hässlich, unglaublich müde usw. - manchmal ist weniger mehr.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2012 14:03:04 GMT+01:00
Tante Li meint:
Danke, Marah, für Deinen Vorschlag.
Ja, die Zeitform im letzten Satz hat mich auch ins Schleudern gebracht.
LG
Li

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2012 16:11:38 GMT+01:00
Erlend meint:
Hallo JeanneDark und Tante Li,

ich hoffe es stört euch nicht wenn ein mehr "Leser" als "Schreiber" etwas zu euren Texten sagt.
JeanneDark, Deine "Küchenszene" kann man sich sofort gut vorstellen und die unangenehme Stimmung bringst du auch gut rüber. Mich persönlich stören Füllworte überhaupt nicht, sie sind Bestandteil unserer Sprache, und verdeutlichen manche Situation. Du solltest Wortwiederholungen vermeiden wie z.b. kontinuierlich.

TanteLi, bei Dir ist es noch schwieriger etwas zu sagen, da die Szene sehr kurz ist. Vielleicht erzählst du noch etwas über Ben und Gerard?

Auf jeden Fall drücke ich euch die Daumen!

LG Erlend

Veröffentlicht am 15.03.2012 17:34:13 GMT+01:00
Tante Li meint:
Hallo Erlend,
danke für Deinen Kommentar. Ich bin auch nicht gegen jegliches Füllwort.

Ja, meine Szene ist recht kurz und ich würde sie ganz gern zu Kapitellänge aufstocken. Allerdings passen nähere Einzelheiten irgendwie nicht da rein. Über Ben und Gerard habe ich in meinen ersten Kapiteln einiges erzählt und sie kommen (geplant) erst wieder in den letzten Kapiteln zusammen. Hauptsächlich geht es jetzt mit Gerard alleine weiter. Er kommt in ganz neue Situationen und lernt neue Leute kennen, die ihn nachhaltig beschäftigen werden.
Vielleicht wäre das auch eine Szene, die mir ein professioneller Lektor ganz streichen würde, weil sie eigentlich nicht viel bringt.

:-?

Veröffentlicht am 15.03.2012 21:56:58 GMT+01:00
JeanneDark meint:
Hallo Li,
ich finde deinen Text schon sehr gelungen umgesetzt. Mir gefällt deine interessante Mischung
aus Moderne und Poesie. Du hast die ambivalenten Gefühle deines Charakers schön und punktgenau
zur Geltung gebracht ohne dabei melodramatisch zu sein. Das empfinde ich als besondere Stärke deines Textes.

Von meinem Lesegefühl her finde ich die Worte Einzelheit, Kleinigkeit, Sicherheit in der kurzen Abfolge
nicht so fliessend. Vielleicht kannst du ja Einzelheit oder Kleinigkeit entweder in z.B. Detail ändern oder
gar darauf verzichten? Im Grunde sagt beides doch das Selbe aus.

Zum Beispiel: "Alles war gut- jede Kleinigkeit, jedes Detail...

Der Satz "Er lag nun ruhig" trifft nicht ganz meinen Geschmack. Mir war so eine Ausdrucksweise
bisher nicht geläufig, ich persönlich erwarte nach "ruhig" irgendwie noch etwas wie "da" oder "auf dem Rücken" etc.

Kriecht Ben zeitgleich mit den Klassenkameraden unter die Decke, oder kriechen sie alle zusammen unter eine Decke?
Für mich ist das auf den ersten Blick schwierig zu erkennen.

@Erlend, danke für die Kritik.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2012 22:50:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.03.2012 22:51:00 GMT+01:00
Tante Li meint:
Hallo JeanneDark,
vielen Dank für Deine Anmerkungen. Das mit den drei -eit-Nomen ist vielleicht der Knackpunkt. Da muss ich noch einmal drüber meditieren. Mal sehen, ob ich nicht doch ein Detail näher beschreibe.

"Er lag nun ruhig." gefällt mir irgendwie. Die Betonung ist so mehr auf dem Liegen als auf einem Daliegen oder auf dem Rücken, wenn er auf dem Rücken liegt. Aber Du könntest auch recht haben und es wirkt doch zu abgehackt. Das angehängte "da" könnte es weicher wirken lassen. Mal sehen.

Ben ist mit drei Kameraden auf seiner Strafexpedition unterwegs (wobei die Strafe die Anstrengung und die Kälte ist - und dass sie das Wochenende nicht gemütlich mit ihren Liebsten verbringen können). In der Berghütte, wo die vier übernachten sind zwei breite Schlafstellen. Ben weiß bis kurz vor dem Schlafengehen nicht, mit wem er unter die Decke kriechen wird. Es ist ihm auch ziemlich egal. Er wird Gerard schon von Anfang an vermissen.

LG
Li

Veröffentlicht am 17.03.2012 21:00:12 GMT+01:00
Ich liebe ihn nicht, dachte Gerard bedauernd. Und doch habe ich mich noch nie so wohl gefühlt - danach. Es war gut. Jede Einzelheit, jede Berührung - alles. Die Sicherheit, die er ausströmt, die Geborgenheit, die er gibt, dieses Wissen, wie es in meinem Innersten aussieht... Warum kann ich nicht bleiben? Einfach jede Verpflichtung vergessen - nur noch mit ihm zusammen, bis ans Ende aller Tage?

Er lag nun ruhig. Zärtlichkeiten, Sex, Hitze - dann leichte Schlummer und wieder das lustvolle Aufflammen der heißen Körper. Bedenkenlos! Bedingungslos! Hemmungslos!

Jetzt fiel ihm Ben ein Komma! und das schlechte Gewissen klopfte an seine Tür. Während er sich hier vergnügte Komma! kroch Ben wahrscheinlich gerade in der eisigen Berghütte mit seinen Klassenkameraden unter eine Decke.
Hoffentlich haben sie es ein wenig gemütlich, sinnierte Gerard. Wie auch immer, Ben wird maßlos enttäuscht sein, wenn er von seinem Ausflug zurückkommt und ich nicht mehr da bin. Ein Zettel (Brief) mit ein paar flüchtigen Worten, mehr wird ihm nicht bleiben. Dies zur Gedankenanregung.

Sätze mit dass sind unbeholfen und Satze mit 2 mal dass sind Unfähigkeit, sagte mir mal ne Lektorin. (Nur zur Info)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.03.2012 09:36:19 GMT+01:00
Tante Li meint:
:-)
Danke Heiko!
Das klingt wirklich runder so.
Sehr gut!
LG
Li

Veröffentlicht am 18.03.2012 09:37:39 GMT+01:00
freut mich

Veröffentlicht am 24.04.2012 13:05:35 GMT+02:00
Tante Li meint:
*schubs*

Veröffentlicht am 24.04.2012 18:33:54 GMT+02:00
na dann, wer will? Bist du nun zufrieden, Tante?

Veröffentlicht am 26.04.2012 11:15:08 GMT+02:00
Rin meint:
danke fürs schubsen Tante Li! (-:

Also das ganze ist jetzt etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber eigentlich ist die Gesamthandlung für diese Textstelle nicht so wichtig. Das Mädchen hat soeben Berthold kennengelernt, nachdem sie aus einem Kinderheim geflohen ist.

Sie ging wieder nach oben in die Stube und setzte sich bewaffnet mit Schere, Nadel und Faden auf den Boden vor den Kamin. Seit Jahren hatte sie ihre Anzüge selbst hergestellt und besonders heute waren die Bedingungen ideal. Schneiderte man seinen Anzug in ei-ner klaren Vollmondnacht, sollte er besondere Kräfte besitzen. Alexia begann zu arbeiten, maß ihren Körper aus und bereitete anschließend den Stoff vor, während Berthold mit ihren Waffen zurückkam, sie einige Zeit beobachtete und sich dann selbst an die Arbeit machte.

Es dämmerte schon, als Alexia ihren Anzug fertiggestellt hatte, sodass sie langsam in Pa-nik geriet, ob sie es noch früh genug aus der Stadt schaffen würde. Sie wusste nicht, ob man nach ihr suchen würde, schließlich war sie die erste, die den Ausbruch aus dem Waisenhaus unverletzt überstanden hatte. Andererseits war das Haus so überfüllt, dass sich die jüngeren Kinder ihre Betten teilen mussten, so gesehen war ihr Verschwinden eher eine Erleichterung als eine Sache um die man viel Aufheben machen musste. Einer weniger bedeutete mehr Essen für den einzelnen, aber niemand wusste wie lange. Der Strom von neuen Waisen, die in die Stadt gebracht wurden, brach nicht ab.
Berthold war vor einigen Stunden eingeschlafen und auch Nuri hob nur kurz den Kopf, als Alexia mit dem Anzug und dem restlichen Stoff im Geschäftsraum des Hauses ver-schwand. Dort zog sie sich den hautengen Anzug an, machte einige Dehnübungen um ihn zu testen und steckte das Schwert in zwei Laschen, die sie extra dafür am Rücken ange-näht hatte. Anschließend band sie sich ein schwarzes Tuch so um den Hals, dass es bis zur Brust ging, dann kleidete sie sich wieder mit dem Blümchenkleid und machte wieder den Anschein eines normalen Mädchens. Als letztes waren ihre Haare an der Reihe, mit der rechten Hand griff sie sie, während sie die Schere in die linke nahm und den Schopf dann abschnitt. Ihr schwarzes Haar, das vorher locker bis zur Hüfte fiel, ging ihr jetzt nur noch bis zum Kinn. Mit einem Band zwang sie sie in einen Pferdeschwanz zusammen. An-schließend kehrte sie in den Wohnraum der Hütte zurück.

Veröffentlicht am 26.04.2012 11:31:46 GMT+02:00
cschö meint:
@Rin
das liest sich doch prima, ich weiß gar nicht was Du hast?!
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