Vorab ein (nachträgliches) Fazit nach 3 Monaten: Der msr x ist im Flugverhalten drinnen wie draußen völlig konkurrenzlos und absolut genial! Allein braucht es eine deutliche Eingewöhnungszeit, die anfangs knifflig ist.
Ich vergleiche zunächst mal den Blade msr x mit dem alten Blade msr, der stellvertretend für den Typ mit Paddelstange steht. (Der msr x ist das direkte überarbeitete Nachfolgemodell des msr). Bei beiden wurde filigranes Plastik zusammengestöpselt, Schrauben sucht man größtenteils vergebens. Dies ist Geschmacksache, ich selbst mag es lieber verschraubt statt gestöpselt. Der Fuß ist wie beim Vorgängermodell aus filigranen Plastikstreben, allerdings nun weit genug vom Hauptzahnrad weg, zudem, so scheint mir, etwas weniger bruchanfällig. (Dies war ein Schwachpunkt beim msr). Dass die Servos, die die Taumelscheibe ansteuern, beim msr x grauenhaft quietschen ist nicht schön, aber wahrscheinlich kein Hindernis. Die Zeit wirds zeigen. (Nachtrag: Das ist kein Problem)
Zeitgemäß (es wird immer mehr eingespart) liegt nunmehr nur noch ein Akku bei, statt zwei wie beim alten msr. Der Akkulader lässt sich nunmehr beim msr x nur noch mit Batterien (statt mit Netzteil) betreiben, zumindest liegt kein Netzteil bei, jenes muss extra zugekauft werden (12-14 EUR). Das finde ich sehr mager. (Ich selbst hab zum Glück einen extra LiPo-Akkulader).
Jetzt zum Flugverhalten an sich: Der alte msr hat sich, wie die ganzen anderen kleinen Single-Rotor-Hubis, durch die Paddelstange ständig stabilisiert, d.h. eine kleine Bewegung an der Fernsteuerung in irgendeine Richtung führte zunächst zu einem Schub des Hubis in die angegebene Richtung und anschließend zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Gegenbewegung, sofern der Impuls an der Fernsteuerung zurückgenommen wurde. Dadurch liegt der Hubschrauber leicht in den Fingern (der Fernsteuerung), weil ein Impuls in eine bestimmte Richtung auch dazu führt, dass der Heli auch in diese Richtung fliegt. Vorhergehende Impulse werden gleich wieder aufgehoben, wenn man den Steuerhebel in die Neutrale tut. Dies alles ist beim neuen msr x nicht so. Ein kleiner Impuls an der Fernsteuerung (der sofort wieder zurückgenommen wird) lässt den Hubschrauber immer weiter in die angegebene Richtung driften. Nur ein aktiver Gegenimpuls exakt (!) in die entgegengesetzte Richtung hebt die Bewegung auf. Dise finde ich gewöhnungsbedürftig, der msr x ist nichts für Anfänger, auch nicht der "ideale Umsteigerheli". So wird auch die Werbung klar: "Flybarless, wie auf Schienen...) Genau! Der Flug erinnert an ein Vektordiagramm. Der Hubschauber bewegt sich nicht in die Richtung in die man steuert, sondern in die Resultierende aus allen vorherigen Impulsen. Saubere Kurven sind ausgesprochen knifflig zu fliegen, weil bei einem Drehimpuls an der Fernsteuerung diffuse weitere Bewegungsimpulse entstehen, die exakt in der entgegengesetzten Richtung kompensiert werden müssen. (Nachtrag: Die Finger an der Fernsteuerung müssen ständig (!) in Bewegung sein und ausgleichen, ist dies denn mal Gewohnheit, so stresst das aber nicht). Man muss wie gesagt jede angefangene Bewegung aktiv stoppen, das erfordert (zumindest bei mir) eine gewisse Umgewöhnung. Phantastisch finde ich, wie ruhig und schwebend das Flugbild des msr x ist. So ein schönes, weich schwebendes Flugbild hab ich bisher nur noch beim DH Shark 9070 gesehen, der allerdings schon lang nicht mehr gebaut wird und keinen Gyro hatte. Sehr unschön am msr x finde ich auch, dass der Hauptrotor nur schnell anlaufen kann. Der ästhetische Genuss bei der Betrachtung von langsam anlaufenden Rotorblättern (wie beim "richtigen" Hubi) fehlt völlig. Schade!
Ein abschließendes kurzes Fazit, natürlich subjektiv: Der msr x ist in der Klasse der wirklich kleinen Hubschrauber derzeitig m.E. konkurrenzlos, d.h. überall in seiner Leistung besser als alle anderen Modelle. Drei Ausnahmen: Mit dem mcp x kann man auch Loopings, Rollen und Rückenflug praktizieren. Mit dem msr (und ähnlichen Modellen mit Paddelstange) kann man im Kleinen im Zimmer exakter manövrieren, damit meine ich z.B. Treppenhausfliegen oder Landungen auf dem Regal mit 20 cm Abstand zur Decke... Mit dem Keevee von Revell kann man sich einfach zur Entspannung an einem schönen Hubschrauber freuen, der super reagiert, gut klingt und ein geniales Flugbild hat.
Nachtrag nach 2 Wochen: Mittlerweile läuft der Hauptmotor nicht mehr von selbst an, sondern muss zum Anlaufen angeschubst (!) werden. Zudem hat die Motorleistung sehr nachgelassen. Beides ist offensichtlich nicht nur bei mir so, wie meine Internetrecherche dazu ergab.
Ich hab meinen msr x dann vor Kurzem auch im Sumpf (Wasser) versenkt, das hat ihm aber nicht geschadet (!), dem Akku auch nicht.
Zweiter Nachtrag nach einem Monat: Der Motor wurde ausgetauscht (Garantie). Mittlerweile kann ich den msr x fliegen ohne zu überlegen, die Steuerung geht quasi automatisch durch vieles Üben. So (nach der überwundenen Gewöhnungsphase) macht der msr x im Zimmer Spaß, auch Hindernissfliegen (unter dem Tisch durch, durchs Treppenhaus etc geht), und in der Halle erst recht! Da zieht er richtig ab und verkuddelt sich auch bei harten Stopps oder harten Richtungsänderungen nie, das ist schlicht genial, und er steht damit in erfreulichem Gegensatz zum alten msr mit Paddelstange. Man kann den msr x richtig in der Halle herumreißen, aber natürlich auch kontrollierte und auch schnelle Achter etc. fliegen! Die in der RTF-Version beiliegende Original- Fernbedienung ist übrigens ausgezeichnet, allemal handlicher als die riesigen schweren Spektrum DX-Anlagen. Wenn man nicht viele kompatible Flugmodelle mit einer Bedienung fliegen will, ergibt sich z.B. mit der DX6i kein Vorteil. Die DX6i hat nicht mal eine digitale Kontrolle zum exakten Ablesen der Knüppelstellung, was zur Kontrolle der verbleibenden Akkuleistung ganz hilfreich sein kann. Außerdem schaltet man die Originalfunke ein und fliegt (hat Spaß...), während man mit den Spektrum- Anlagen erst mal einen Abend sitzt und die Gebrauchsanweisung studiert, anschließend herumtippt und programmiert, bevor irgendetwas tut.
Dritter Nachtrag nach zwei Monaten: Mittlerweile hab ich mir noch den mcp x zugelegt. Der mcp x gilt als extrem schwer zu fliegen. Und was musste ich feststellen: Der mcp x fliegt sich ganz genau gleich (!) wie der msr x (wenn man nicht auf dem Rücken fliegen will). Wer den einen Hubschrauber fliegen kann, kann sofort den anderen auch fliegen. Zwei kleine Unterschiede gibt es: Der mcp x steigt etwas kräftiger, das liegt natürlich am anderen System. Zweitens ist der mcp x schwerer und daher träger als der msr x, außerdem fühlt er sich beim Schwebeflug "schwabbelig" an im Vergleich mit dem viel quirligeren msr x. Mir macht im Vergleich der mcp x weniger Freude, denn hier gehen unvermeidbare Crashs ins Geld, der Rotorkopf ist viel empfindlicher und insbesonderer als Ersatzteil eben teurer, zudem sirren die Servos ständig im Strand. Auch ist das Hauptzahnrad beim mcp x ein nerviger Schwachpunkt, beim msr x hab ich solche Probleme nicht.
(100¤ Ersatzteilkosten im Vierteljahr sind beim mcp x locker drin). Die ganzen kleinen Horizon Blade- Helicopter fliegen wirklich schön, der msr x sogar absolut super, aber vom optischen und haptischen Gesichtspunkt sind sie mangelhaft, ohne Liebe im Detail hergestellt. Da lobe ich mir den Keevee von Revell!