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Der fernste Ort (suhrkamp taschenbuch)
 
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Der fernste Ort (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Daniel Kehlmann
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 148 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 8 (26. Juli 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351845627X
  • ISBN-13: 978-3518456279
  • Größe und/oder Gewicht: 17,2 x 10,8 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 15.999 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Daniel Kehlmann
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.at-Redaktion

Ultima Thule, der fernste Ort, fasziniert Julian, den Helden des Romans, seit seiner Kindheit. Und seine (bewusst/unbewusste) Suche nach diesem Ort bedingt eine ständige Flucht -- einen ständigen Versuch, seiner Umgebung zu entfliehen, sein mittelmäßiges, bürgerliches Leben hinter sich zu lassen. Ein inszenierter Schwimmunfall scheint ihm die ultimative Lösung für ein völliges Verschwinden, für einen Neubeginn.

Dieser Ausgangspunkt birgt Reminiszenzen an seine Kindheit, seine Jugend. Seltsam fern wie durch einen Schleier scheint Julian sein jüngeres Selbst zu sehen. Die Erinnerung an seine Eltern, an seinen hoch begabten Bruder, in dessen Schatten er immer stand, an eine "normale", bürgerliche, einengende Welt, der er schon als Kind zu entfliehen suchte. Erinnerungen an seine Mutter, die Selbstmord beging, an seinen Vater, der die Familie verlassen hatte -- all diese Ereignisse muten in der Rückschau wie Begebenheiten unter Wasser an, verlangsamt, verzerrt. Julian selbst wirkt wie ein hilfloser Schwimmer, der sich von den Wogen des Lebens passiv hierhin und dorthin treiben lässt. Weder glücklich noch wirklich unglücklich, eher unzufrieden, ein "Mann ohne Eigenschaften", trifft er im Grunde immer nur eine Entscheidung: zu fliehen.

Daniel Kehlmann versteht es, den Leser in einen Sog zu ziehen, in ein Spiel mit Fiktion und Realität, das immer undurchsichtiger und undurchschaubarer wird. Je näher Julian seiner letzten Flucht kommt, desto mehr Ereignisse aus der Vergangenheit nehmen in der Gegenwart Gestalt an, scheinen ihm wieder zu begegnen.

Und so bleibt die Antwort auf die Frage, ob Julian seinem alltäglichen Dasein wirklich entfliehen kann, oder ob es nur die Fiktion einer Flucht ist, die er erlebt, letztlich dem Leser überlassen. --Lisbeth Legat -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Ist der Ausbruch aus einem in vermeintlich festen Bahnen verlaufenden Leben in eine ganz andere Wirklichkeit möglich? Kann eine bereits bestehende Identität einfach verlassen, gelöscht und eine völlig neue kreiert werden? Dies alles in eine spannende und sprachlich äußerste präzise Form gebracht zu haben - besonders hervorgehoben sei die beeindruckende Schilderung des Badeunfalls zu Erzählbeginn -, ist das nicht geringe Verdienst der erst sechsundzwanzigjährigen Autors. Ein gutes Buch, ein sehr gutes sogar.« (Nicole Katja Streitler Der Standard, Wien )

»Der junge Daniel Kehlmann, 26, entspinnt die Fabel eines Alltagsflüchtlings, den es jenem besagten fernsten Ort entgegentreibt, weil ihm seine Existenz als Angestellter einer Versicherungsgesellschaft nicht länger lebbar erscheint. Kurz entschlossen nutzt der mehr gelangweilte denn frustrierte Schreibtischhocker Julian einen Badeunfall, um sich aus den alten Zusammenhängen davonzustehlen. Getrieben von seinem Verlangen nach Veränderung, wandelt er fortan entlang der Rückseiten seines alten Lebens - auf Tritt und Schritt verfolgt von seinen ihn immer mächtiger erfassenden Erinnerungen. Doch weil das Neue immer auch dem Alten geschuldet ist, entwickelt sich Kehlmanns Novelle einer versuchten Selbstauflösung alsbald zu einem wunderbaren Balanceakt zwischen Dekonstruktion, Rückschau und Neuwerdung. Und so wird, was eben noch entfremdet schien, urplötzlich wieder faszinierend und geheimnisvoll: das eigene kleine Leben. Kehlmann macht uns zu staunenden Zeugen dieses Umkehrungsprozesses - und er tut es mit der Verve des geborenen Erzählers.«
(Peter Henning Die Weltwoche )

»Kehlmann macht aus diesem kleinen Leben mit sicherer [...] Hand eine große lesenswerte Geschichte. [...] Wie Kehlmann diesen gespenstischen Totentanz kunstvoll erzählt, gehört schlicht in die Kategorie Pflichtlektüre.« (Wolfgang Paterno Profil )

»Es ist schwer zu sagen, worin die größte Stärke dieses voll ausgebildeten Erzählers liegt: In seiner scharfsichtigen (Alltags-) Beobachtungsgabe, seinem subtil beißenden Humor, seinem Hang zur philosophischen Anreicherung der eigenen Prosa? Die Gleichzeitigkeit dieser Qualitäten, ihre einnehmende Melange in einem lakonisch-melancholischen Erzählton, machen auch den Reiz von Kehlmanns neuer Erzählung aus, in der der Autor verblüffend formvollendet mit der Frage nach einem zweiten Anfang experimentiert.« (Oliver Stenzel Kieler Nachrichten )

»›Der fernste Ort‹ wird mit leiser Stimme erzählt, aber in einer bildkräftigen Sprache. Diese Erzählung, ebenso fein wie genau ›gearbeitet‹, mit vielen versteckten Bezügen, häufig verdeckten Verweisen und sanft gleitenden Übergängen, läßt den unmerklichen Schwund an Realität kaum erkennen. Julian verliert sich am Ende und holt so den Anfang wieder ein. ›Die Flocken fielen aus dem Himmel, unzählbar viele, das Weiß schien makellos. Für einen Moment, aus Gewohnheit noch, wunderte er sich, daß er nicht fror.‹ Diese Verwirrung erweist sich als Zauberwort, in ihr verbirgt sich die ganze Kunstfertigkeit des Erzählers Daniel Kehlmann.«

(Martin Lüdke Die Zeit )

»Der fernste Ort ist Kehlmanns konsequentester und bester Roman. Wahrscheinlich haben die Romane des Autors deshalb so prompten Erfolg, weil das Aufgeben der Wirklichkeit eine Art letztes Traum- und Freiheitsversprechen enthält. Der Autor führt weniger den Psychofall eines Wirklichkeitsverlustes vor, als daß er seine erzählerischen Mittel am Ernstfall erprobt. Das gelingt ihm so gut, daß es schon fast wieder frivol ist.« (Helmut Gollner Falter, Wien )

»Ein fabelhaftes Vexierspiel, gespenstisch und irritierend.« (Elmar Krekeler Die Welt )

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ultima Thule, 1. November 2007
Von 
marielan - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der fernste Ort (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich sollte Julian bei einer Tagung seines Arbeitgebers, einer Versicherungsgesellschaft, ein Referat halten, doch einige Stunden vorher hat er immer noch nichts vorbereitet und geht lieber schwimmen. Er wird von einer Strömung erfasst und kann sich mit Mühe ans Ufer retten. Ihm kommt die Idee, seinen Tod vorzutäuschen, um seinem bisherigen Leben zu entfliehen.

Bis dahin wirkt alles klar und real, auch Julians anschließende Abfahrt und seine Überlegungen, was er beachten und organisieren muss, um einerseits für tot erklärt zu werden, andererseits weiterzuleben. Dann aber vermischt sich Reales mit Traumsequenzen und Erinnerungsbildern an seine Kindheit und Jugend, die er im Schatten seines älteren hochbegabten Bruders Paul verbrachte, dem alle Wege offenstanden, während Julian, gescheitert in Schule und Studium, quasi in die Versicherungsbranche abgeschoben wurde. Der Vater verließ die Familie, die Mutter beging Selbstmord, aber immer wieder begegnet Julian den Toten, spricht mit ihnen und sitzt in Zügen ohne das Ziel zu kennen. Paul, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt hatte, taucht auf und scheint wie ein vertrauter Freund.

Das Verweben von Handlung und Gedanken, von Gegenwart und Vergangenheit, von Erlebtem und Erträumtem macht das Buch vielschichtig und jede eindeutige Interpretation unmöglich. Sind es die Abschiede vom alten, fremdbestimmten Leben, die in Einzelheiten ausgedrückt sind? Ist es all das, was noch abgehakt werden muss, ehe Julian frei für ein neues Leben ist? Oder sind es die bruchstückhaften Bilder seines Lebens, die ihn im Augenblick des Sterbens überfallen?

Klarheit liefert auch der abrupte Schluss nicht. Doch er drückt aus, dass der Autor nun alles erzählt hat, was zu erzählen war. Der Rest bleibt dem Leser überlassen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen verschachtelt, 2. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Der fernste Ort (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der Versicherungsangestellte Julian geht während einer Tagung im Ausland schwimmen und kann sich nur mit Mühe aus der Strömung retten. Er nutzt den Vorfall, um, seinen Tod vortäuschend, aus seinem tristen Leben auszusteigen und einen Neuanfang zu wagen.

Der Autor erzählt verschachtelt als Vorschau, Rückblick und Momentbeschreibung des Überlebenskampfes. Wir erfahren, wie Julian seit früher Jugend ein kaum selbstbestimmtes Leben führt und z.B. auch akademischen Titel und Arbeitsstelle ohne eigenes Engagement erwirbt. Gleichzeitig führt uns der Autor vor Augen, wie der Ausstieg aus diesem Leben vonstatten gehen könnte.

Ein nettes, flüssig zu lesendes, aber nie triviales kleines Büchlein, das den Leser durch die verschiedenen Erzählschichten am Ende etwas verwirrt und nachdenklich zurückläßt. Insgesamt allerdings unspektakulär, daher fehlt der fünfte Stern.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen sollte einzug in deutsche klassenzimmer halten, 6. Oktober 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der fernste Ort (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Mein dritter Kehlmann (nach der "Vermessung der Welt" und "Kaminski und Ich") und zum dritten Mal stelle ich fest, dass Herr Kehlmann einfach gute Bücher schreiben kann.

Der mehr oder weniger minderbemittelte Versicherungsangestellte Julian nutzt einen Badeunfall, um seinen Tod vorzutäuschen und ein neues Leben zu beginnen. Er begibt sich auf eine Reise zu seinen Wurzeln, die sowohl in der Realität (Zugfahrt in seine Heimatstadt) als auch in seinem Kopf (Rückblick auf Julians Werdegang) stattfindet. Nach und nach fallen dem Leser aber Ungereimtheiten in Julians Erlebnissen auf und er muss sich unweigerlich fragen, was Realität ist, und was sich allein in Julians Kopf abspielt.

Die Antwort auf diese Frage liefert vielleicht der (fiktive) Gelehrte Vetering, über den Julian seine Doktorarbeit geschrieben hatte...

Die Frage, soviel sei verraten, bleibt bis zum Schluss ungeklärt, was dem Leser ermöglicht, sich sein eigenes Urteil über die Situation zu machen.

Allein die Szene, in der Julian zu Beginn des Buches ertrinkt (oder eben nicht) ist brillant erzählt. Spannend ist auch Verwenung der immer wiederkehrenden Motive Spiegel, Brille und Zug und deren Interpretation.

Wäre ich Deutschlehrer, würde ich dieses Buch sicher von meinen Schülern lesen lassen.
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