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Ein Ort fernab der Welt
 
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Ein Ort fernab der Welt [Gebundene Ausgabe]

Jean-Marie Gustave Le Clézio
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Februar 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462028863
  • ISBN-13: 978-3462028867
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,8 x 5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 843.907 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jean-Marie G. Le Clézio
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

In paradiesischer Quarantäne

J. M. G. Le Clézio, fernab der Welt

Seit seinem viel beachteten ersten Roman «Le Procès-verbal» (1963) hat sich der britisch-französische Romancier J. M. G. Le Clézio immer wieder der Hässlichkeit der Städte sowie der psychischen Verstörungen und Kommunikationsdefizite ihrer Bewohner angenommen. Gerade die europäischen Metropolen dienten ihm dabei als Hintergrund seiner Zivilisationskritik und gleichzeitig als Vorlage eines ausgeprägten Evasionsimpulses. Spätestens seit den Romanen der achtziger Jahre («Der Goldsucher», «Wüste», «Onitsha» usw.) verschränkte sich der idiosynkratisch antiurbane Reflex mit einer vermehrten Suche nach Ursprünglichkeit in intakter Natur. Die Suche nach sich selbst führte die Protagonisten nach Afrika, Mexiko oder in die Südsee. Exotik war diesen Romanen dabei eher umständehalber eingeschrieben, ein Element, das ganz nebenbei die traurigen Sehnsüchte der irgendwie stets im Regen und in der Kälte dastehenden Leser bediente.

In seinem neuen Roman, «Ein Ort fernab der Welt», verfolgt Le Clézio die autobiographisch aufgeworfene Linie konsequent als Recherche über die eigenen Grosseltern. Der Grossvater Jacques Archambau, ein Arzt, der am Ende des 19. Jahrhunderts im trüben Paris lebt, diese Stadt einfach über hat und weg will, begibt sich zusammen mit seinem Bruder Léon (dem späteren Ich-Erzähler) auf die Überfahrt nach Mauritius, denn mit der Insel im Indischen Ozean ist zugleich die Heimat der Familie Archambau benannt.

Der Hauptteil des Romans schildert, wie die einzelnen Figuren eine endlos lange Quarantänezeit auf der Mauritius vorgelagerten Ile Plate verbringen müssen. Eine Vielzahl retardierender Momente komprimiert die Erzählung zu einer einzigen epischen Verzögerung. Wir erkennen die beiden Brüder, die trotz der gefährlichen, man sollte meinen: solidaritätsfördernden Pockenepidemie eine denkwürdige Distanz zueinander wahren. Der Grund ist freilich banal – mit ihnen sind ideologische Grundpositionen bzw. divergente Welten benannt. Während Jacques seinen Pflichten als Arzt nachkommt und die Infizierten auf den Stationen betreut, favorisiert Léon, unverkennbar Le Clézios Alter Ego, das Leben eines müssiggängerischen Hobby-Botanikers vor einer Südseekulisse mit Kokospalmen, Tropenvögeln und blauen Lagunen. Es mag dahingestellt sein, ob Jacques, der mit seinem Altruismus und einem sehr an der Realität orientierten (in der Logik seines Bruders wohl aber denaturierten) Denken dem Leser letztlich nicht näher ist als gerade der vom Autor unterstützte Schöngeist Léon. – Diese Quarantäne, Inbegriff einer langen Zeit passiver Erwartung, bildet den umfangreichen, man darf bereits sagen: weitschweifigen Hauptteil des Romans. Dass ein versierter, stilistisch oftmals hervorragender Autor wie Le Clézio, einer, der in den sechziger und siebziger Jahren zur literarischen Avantgarde Frankreichs zählte, sich heute keineswegs scheut, triefenden romantischen Kitsch in sein Erzählwerk einfliessen zu lassen, irritiert bei allem Zugeständnis an die Sogkraft tropischer Bilder.

Selbst dies könnte man noch verzeihen, ginge es in diesem Südseeparadies nicht bis zur Schmerzgrenze beschaulich und handlungsarm zu. Erst als die ersten Toten der Epidemie verbrannt werden, scheinen die auf der Insel Festsitzenden ein wenig aus der aufgezwungenen Lethargie zu erwachen. Es kommt zu Krawallen, als es um die erste Verschiffung nach Mauritius geht, doch dies kommentiert der Erzähler bereits aus sicherer Distanz. Sein Blick wendet sich ohnehin immer wieder gern vom schwach ausgeprägten Geschehen ab und nimmt entweder die Inselschönheit Suryavati in Augenschein oder die Horizontlinie mit der wie ein Versprechen daliegenden Insel Mauritius («Mein Reich ist so nah. Warum bin ich im Exil?»).

Alles läuft auf ein Detail hinaus, das schliesslich nur noch im zuvor aufgeworfenen, autobiographischen Kontext relevant erscheint: Léon wird mit Suryavati nach Ende der Quarantänezeit auf Mauritius eine Familie gründen. Danach aber, und so viel deutete schon das erste Kapitel an, bleibt er für immer verschollen. Ein anderer Léon wird sich Generationen später aufmachen, die letzten Spuren dieses Pärchens ausfindig zu machen – der Kreis schliesst sich.

Es ist auffallend und gehört vermutlich zu den Eigentümlichkeiten Le Clézios, dass die Flucht seiner Protagonisten nunmehr vor allem ein Ankommen in der Familie meint, ein Sichtbarmachen der eigenen Wurzeln. Die einstige Zivilisationskritik jedenfalls ist Schnee von gestern, und dieser hat in der Südsee ohnehin nichts verloren. Möglicherweise hat der Mann ja sein Ithaka gefunden. Odysseus wollte angeblich auch immer nur nach Hause.

Thomas Laux

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Rundschau, 20.05.2000
Als "Roman fernab des Literaturbetriebes", dessen Romane zwar unsere "Anteilnahme beanspruchten", aber "die Phantasie darben" ließen, bejubelt Fritz Rudolf Fries dieses Buch. Dabei weiß er gar nicht, mit welchen Größen der Literaturgeschichte er Le Clezio zuerst vergleichen soll. Mit Rimbaud, ohne den der Roman "nicht die Unruhe des Traums hätte"? Oder besser mit Joseph Conrad, wegen des brüchigen Kolonialkolorits? Romanfigur Susanne liest Baudelaires und Tennysons Gedichte, "mit ihrer Verklärung der blauen Ferne". Und die Liebesgeschichte "unter Palmen", mit der man es hier auch zu tun hat, könnte "leicht zum Dramolett à la Colette werden". So richtig kann Fries auch nicht rüberbringen, warum dies für ihn "ein großer Roman" ist. Und - womit eigentlich das Buch seine Fantasie so sehr beflügelt hat: unübersichtliche Schilderung einer eher unkomplizierten Geschichte. Für die unbeteiligte Leserin klingt sie außerdem ein wenig epigonal.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Edelkitsch 11. September 2010
Format:Taschenbuch
Ich kaufte das Buch, weil ein geschätzter Freund von mir, ebenfalls ein Vielleser, von einem anderen Werk des Autors in den höchsten Tönen schwärmte. Ich Vollpfosten musste mir natürlich sofort einen Wälzer vornehmen. Und das ist dieses Buch wahrlich. Gefühlte 2000 Seiten stark. Aber der Reihe nach: für Rimbaud-Fans beginnt dieses Buch verheißungsvoll. Die erste Szene, ja die ersten zwanzig, dreißig Seiten gehören dem Autor des "trunkenen Schiffs". Eine leise Spannung baut sich auf (obschon man weiß, wann, wo und wie Rimbaud gestorben ist). Genauso stirbt diese Spannung, denn der Dichter taucht die nächsten 500 Seiten nicht mehr auf. Was wird aus ihm? Wir erfahren es nicht. Stattdessen nimmt die "Familiensaga" ihren zähen Lauf. Man wird auf einer Insel vor Mauritius quarantänisiert. Das Fieber greift um sich. Die einen sterben, die anderen nicht. Zwei Brüder auf dem Weg nach Mauritius. Auch das könnte interessant sein, ist es aber nicht. Der eine ist Arzt und verbrennt die vom Fieber Dahingerafften, der andere verliebt sich - in eine Frau namens Surya. Das Ganze ist trotz des Fiebers von erschreckender Langsamkeit, und die eingestreuten botanischen Betrachtungen heben die Spannung auch nicht sonderlich. Landschaftsbeschreibung, die anfangs ganz nett zu lesen sind, wiederholen sich unendlich. Kaum zu zählen, wie oft die "Tropikvögel" mit ihrem "roten Schweif" über den Quarantänisierten kreisen und wie oft Suryas "schlanke Gestalt" in der Lagune auftaucht. Nein, ich habe nichts gegen schlanke Frauengestalten und jungen Brüsten, die sich gegen den dünnen Stoff drücken, im Gegenteil, aber muss man das auf jeder Seite lesen?? Dazwischen wird in eher unbeholfenen Rückblenden die Geschichte von Suryas Großmutter und Mutter erzählt. Sehr episch. Das Ganze ist - man wagt es bei einem Nobelpreisträger kaum zu sagen - nicht besonders anspruchsvoll. Ambivalente Charaktere sucht man hier vergeblich. Ach ja, Rimbaud taucht auf Seite 500-dingsbums nochmal auf, weil der aktuell noch Lebende der Sippe durch Marseille flaniert....Wenn ich den Autor dieses Buches nicht gekannt hätte: ich hätte mich nicht gewundert, wenn ich die hundertste Familiensaga einer Trivialautorin (oder ihres männlichen Pendants, um gerecht zu sein) gelesen hätte.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Le Clezios Familiensaga unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Familiensagen, wie sie tausendfach auf dem Markt sind. Er dürfte wohl für Frankreich das sein, was Barbara Wood für die USA ist. Daran ändert auch sein poetischer Stil nicht, der vielfach sogar überzeichnet wirkt. Man müsste einmal zählen, wie oft der Morgentau, die Stille der Lagune oder der traurige Blick der Parias geschildert wird. Das Buch wird auch nicht dadurch literarischer, dass der Autor immer wieder Gedichte von Baudelaire, Longfellow oder Rimbaud, den er sogar zur Nebenfigur macht, zitieren lässt. Letztlich ist die Erzählung eine klassische Liebesgeschichte mit offenem Ausgang, bei der natürlich die bildhübsche Fremde den pockenkranken Helden durch ihre Liebe rettet. Der Titel "Ein Ort fernab der Welt" wurde vom Verlag wohl gewählt, um potentielle Mauritiusurlauberinnen zu ködern. Pocken sind ja auch schon lange out. Wie würde der Verkauf wohl laufen, wenn man den Originaltitel "Die Quarantäne" gewählt hätte und die Personen an Aids erkrankt wären?! Die Zeit hätte ich literarisch besser nutzen können. Da bleibt nur noch abzuwarten, was RR im "Literarischen Quartett" sagt.
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10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Was passieren kann 5. Februar 2004
Format:Taschenbuch
Ich mag das Buch. Mir ist die Vielfalt der Sprach nicht wichtig. Unwichtig finde ich auch, dass die Geschichte vielleicht nichts anderes als eine exotische "Romanze" ist, oder Kitsch auftaucht. Ich mochte die Bilder sehr, die sich in meinem Kopf abzeichneten während des Lesens des Buches. Sie waren schön und angenehm.
Ich mag ebenso den so genannten Kitsch, weil er für mich nie peinlich war im Sinne von Scham.
Ich glaube es geht in dem Buch einfach darum, dass Menschen etwas passiert, ihnen eine Richtung geben kann, oder sie bremst in ihrer Lebensrichtung.
Wissen zu wollen was den Menschen bewegt, der dieser Erfahrung macht,ist spannend, kommt auch bei diesem Buch zum Vorschein.
Nebenbei sehe ich in der Liebesgeschichte den Kern. Liebe ist ein Anker im Leben und benötigt keiner Rechtfertigung, keineer Erklärung.
Irgendwelches literarisches "Geschwafel" über Gefühle, wie sie darzustellen wären, wie sie auszusehen haben, also eine Stil-Kodex- halte ich für dämlich und auf eine gewissen Art und Weise findet das in diesem Buch nicht vorkommt
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