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Ich fang mich selbst ein. Mein Leben
 
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Ich fang mich selbst ein. Mein Leben [Gebundene Ausgabe]

Angelica Domröse , Kerstin Decker
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 420 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 7 (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785721161
  • ISBN-13: 978-3785721162
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 330.463 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Angelica Domröse ist zweifellos die prominenteste Schauspielerin der früheren DDR, ein Publikumsliebling. Nach ihrer Ausbildung am legendären "Berliner Ensemble" unter den Fittichen von Helene Weigel feierte sie im Film und auf der Bühne große Erfolge. Der Höhepunkt ihrer Karriere war die Rolle der "Paula" in der Plenzdorf-Verfilmung "Die Legende von Paul und Paula" von Heiner Carow. Nach ihrer Übersiedlung in den Westen spielte sie Theater, u.a. am Burgtheater in Wien. Diese Biografie schildert lebendig und anschaulich das Leben einer außergewöhnlichen Schauspielerin im Brennpunkt zwischen Kultur und Politik.

Der Verlag über das Buch

Die Schauspielerin Angelica Domröse hat ihrer Autobiographie ein Gedicht von Sarah Kirsch vorangestellt, das mit den Worten beginnt: „Ich bin ein Tiger im Regen ... “ Und nichts könnte besser beschreiben, was das Leben und den Charakter dieser ungewöhnlichen Frau ausmacht. Von der ersten bis zur letzten Zeile vermittelt dieses bemerkenswerte Buch den Eindruck, hier seien Kraft, Selbstgewissheit, Geschmeidigkeit und Anmut in eine Welt geraten, die dem Tiger fast zwangsläufig die Rolle des Fremden, Exotischen zuweist. Und der Tiger selbst begreift mit jedem seiner Schritte mehr: Zu Hause bin ich hier nicht, aber „ich meine, es müsste hier noch andere Tiger geben“. Schon die Ankunft in dieser Welt – Angelica Domröse ist 1941 in Berlin-Weißensee geboren – war unangemessen. Die Geburtsstätte: ein „Heim für gefallene Mädchen“. Die Geburtsurkunde: verbrannt. Stattdessen: eine „angebliche Geburtsurkunde“. Das Geburtsdatum: mehr oder weniger eine Vermutung. Der Vater, den das Kind nie gesehen hat: ein südfranzösisch-jüdischer Fremdarbeiter. Wie soll einer da auf „normale“ Weise ins Leben starten? Angelica Domröse schreibt über die Grundperspektive ihres Lebens: „Kein Zweifel, ich stand unter einer höheren Beweislast. Ich musste zeigen, dass es mich nicht nur angeblich, sondern dass es mich wirklich gibt.“ Und so geht das weiter. Die Mutter heiratet, um die Existenz des Kindes zu „legalisieren“ den Hilfs-schlosser Rudolf Otto Domröse. Der Stiefvater wird für das Kind zur Hölle. Seiner Frau geistig und verbal unterlegen, lässt er die Frustrationen an dem Kind aus. Schläge, Strafen, Missachtung bestimmen den Alltag. Das Mädchen flüchtet in die Welt der Märchen und schließlich – schicksalsbestimmend – des Kinos. So macht Angelica Domröse eine der Grunderfahrungen ihres Lebens: Die Heimat ist außen, und das Zuhause ist Fremdheit. Die Straße, in der die Familie wohnt, liegt unmittelbar an der Sektorengrenze, Vordereingang Ost, Hintereingang West. Und das ist ein weiterer Markierungspunkt ihres Lebens. Was sind Grenzen? Wo ist mein Zuhause? Was ist Wirklichkeit? Was ist Fiktion? Die Beschreibung dieser Umwelt, dieses Tanzes zwischen den Systemen, dieses Multi-Kulti-Charakters der Vier-Sektorenstadt Berlin macht einen weiteren Glanzpunkt der Autobiographie von Angelica Domröse aus. Neben dem persönlichen Schicksal entsteht ein Stück Zeitgeschichte, wie es fesselnder kaum dargestellt werden kann. Allein die Beschreibung des Kinos in den vier Sektoren ist die Lektüre wert. Vom zweifelnden Existenzialismus der Franzosen über Hollywoods ausschweifende Träume bis zur Märchenwelt der Russen reicht das Panorama der Kinoerlebnisse des heranwachsenden Mädchens. Und so ist auch die „zweite Geburt“, wie Angelica Domröse ihre erfolgreiche Bewerbung als 17-Jährige beim Film nennt, wiederum mehr als die Beschreibung eines Karriereschrittes. Das junge Mädchen, inzwischen als Stenotypistin in einer DDR-Import-Exportfirma beschäftigt, bewirbt sich mit 1500 Kon-kurrentinnen um eine Hauptrolle in dem Film „Verwirrung der Liebe“ von Slatan Dudow, dem „Erfinder des proletarischen Kinos“. Sie bekommt die Rolle und macht wiederum eine Erfahrung, die ihr bisheriges Dasein bestätigt: was die Welt behauptet, ist noch lange nicht das, was sie tut. Die Proletarier, die das System im Visier hat, wollen etwas ganz anderes als das, was man für sie bereithält. Die Filmkarriere der Angelica Domröse – über 50 DEFA-Filme hat sie gedreht – verschafft ihr eine Popularität, die vor allem darauf beruht, dass ihr Gesicht, ihre Gesten, ihre Sprache den Zwiespalt zwischen Traum und Wirklichkeit spiegeln. Die Stationen ihres Lebens von ihrer Zeit beim Berliner Ensemble über ihre Auseinandersetzungen mit der Stasi, ihre Ausreise aus der DDR bis hin zu den Triumphen im Westen sind gekennzeichnet von einer geradezu natürlichen Fremdheit gegenüber Ideologien, Behauptungen, großen Worten. Am Berliner Ensemble entdeckt sie für sich, dass der Verfremdungseffekt bei Bert Brecht einer der „größten Irrtümer der Theatergeschichte“ ist: „Spontaneität ist auch Freiheit gegenüber der Figur. Langeweile dagegen beginnt, wenn es nicht anfängt zu glühen, wenn man nicht bis an den Punkt der Verwandlung kommt.“ An der Berliner Volksbühne unter Benno Besson erlebt sie das Gegenteil zu Bert Brecht. Hatte man am BE die Devise vertreten, „Du sollst keine Götter haben neben mir“, so baut Benno Besson ein ganzes Götterreich auf. Angelica Domröse kann endlich formulieren, was sie am Theater bewegt: „Diese neue Sinnlichkeit des Theaters ging auf mich über. Ich meinte, unendliche Kraft zu haben, wie ein Tier, das alle Muskeln spannt und Anlauf nimmt.“ Der Tiger im Regen spannt die Muskeln zum Sprung, aber er findet selten ein Ziel, das den Sprung wert ist. Angelica Domröse, die beinahe jede Rolle haben könnte, die sie sich wünscht, ist wählerischer geworden, als es den Zuschauerwünschen entspricht. Vor allem gegenüber dem Fernsehen. Sie hat zum Beispiel eine Kommissarin in der Krimiserie „Polizeiruf 110“ gespielt. Aber sie bemerkt dazu: „Das heutige Fernsehen ist ein „Windgenerator-Medium, das unaufhörlich Wellen macht, aber vor nichts so sehr Angst hat wie vor Seegang. Oberstes Gesetz: Beim Wellenmachen darf keine Welle entstehen! Fernsehen ist das Medium, in dem ständig Neues passiert, das zugleich das Uralte ist. Darum fürchtet es sich, dass einmal wirklich etwas Neues entstehen könnte.“ Angelica Domröses Buch ist eben mehr als eine Autobiographie. Es ist spannend, ehrlich, mutig und aufschlussreich. Und es ist zugleich ein Buch, das Hoffnung vermittelt. So leicht gibt ein Tiger nicht auf. Die Aufklärung, die Herrschaft der Besserwisser hat er hinter sich gelassen. Angelica Domröse würde in Zukunft gern Opern inszenieren. Denn: „Die Aufklärung ist nie bei der Oper angekommen.“

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Rückblick auf ein "gelebtes " Leben, 12. Juni 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ich fang mich selbst ein. Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Endlich mal eine Autobiografie geschrieben von einer Person, die älter als 30 Jahre ist. Endlich mal ein Rückblick auf ein Leben, in welchem tatsächlich Platz für "Rückblick" besteht.
Kein Effenberg, der "es allen gezeigt hat", kein Küblböck der auf satte 17 jahre zurücksieht
angelica Domröse erzählt, nach ihrer Aussage zum ersten mal, von ihrer Kindheit in der DDR, geprägt von einem angsteinflößenden Stiefvater, dem Mauerbau (sie wohnte nah nah an der erbauten Mauer, von einer Mutter , die die wirkliche Wärme nicht geben konnte.
Aus diesem Fundament erwuchs eine Stärke, auf der eine Schauspielkarriere im Theater und Fernsehen aufgebaut wurde.
Aus den vielen Steinen , die ihr in den Weg gelegt wurden, baute sie sich eine Treppe.
Aber sie erzählt auch von den vielen Zweifeln und Unsicherheiten. Sie verläßt die DDR und erkennt doch die Ambivalenz im "neuen" Land.
In diesem Buch gibt es aber kein böses Abrechnen mit Weggefährten, sog. Freunden. Dies auch nicht nach dem Lesen der Stasiakten..
Sie verfällt für geraume Zeit dem Alkohol, stellt sich auch diesem Thema knapp und sachlich .
Eine Autobiografie, mit einem Schuß Ironie!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Bravo, Frau Domröse!, 23. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Ich fang mich selbst ein. Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Die Motivation diese Autobiographie zu lesen, kam als sich mein Vater dieses Buch zum Geburtstag wünschte. Domröse war mir bis dahin „nur" als Paula aus "Die Legende von Paul und Paula" (worin ich sie einfach zauberhaft fand) und aus „Der Lord vom Alexanderplatz" bekannt. Mein Interesse hielt sich soweit in Grenzen. Aber dann packte mich doch die Neugier und ich begann die ersten Zeilen zu lesen. Fazit: Ich las es bis zum Ende.

Obwohl es am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig für mich gewesen ist keinen strengen chronologischen Ablauf ihres Lebens vorzufinden, stellte es sich bald als gerade das Reizvolle heraus. Es gibt kein Inhaltsverzeichnis, keine Kapitel wie etwa „Meine Kindheit", „Meine Jugend" etc. Vielmehr gliedert sich das Buch in Episoden, ja Anekdoten über die unterschiedlichsten Themen auf. Dabei schreibt sie sehr diskret. Sie gewährt Einblicke in ihr Berufs- und Privatleben. Sie versteht viele unterhaltsame und interessante Geschichten über sich und ihr Umfeld zu erzählen. Letztendlich verrät sie aber nicht viel. In der heutigen Medienlandschaft eher ein Einzelfall, verdient sie dadurch meine ganze Hochachtung. Um herauszufinden, wer Angelica Domröse ist, muss man vielmehr zwischen ihren Zeilen lesen. Ich habe sie als sympathischen, bodenständigen Menschen kennen gelernt, der viel hinterfragt und selbstkritisch analysiert und dennoch oft - besonders von Journalisten - missverstanden wurde.
Als Berlinerin redet sie nicht lange um den heißen Brei herum, sondern kommt nach preußischer Art sofort zur Sache und lässt es dabei nicht an einer gesunden Portion Humor fehlen. Besonders beeindruckt haben mich ihre Versuche die widersprüchlichen Gefühle gegenüber dem DDR- sowie BRD-Regime zu erklären. Aber auch ihre Philosophie über den Menschen im allgemeinen, über das Älterwerden und vieles andere mehr hat mich fasziniert und gefesselt. Mein Glückwunsch und Dankeschön, für eine solche geschmackvolle Autobiographie!!!

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Unterhaltung, aber mit geistiger Tiefe., 13. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Ich fang mich selbst ein. Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Glückwunsch an Angelica Domröse - und Kerstin Decker - zu dieser schönen Autobiographie! Sie ist Klasse zu lesen, weil der Inhalt sehr interessant ist und das Buch auch in einem sehr angenehmen Stil geschrieben ist.

Welch ein erfülltes Leben mit manchen Tiefen aber vor allem vielen Höhen! Wie der Titel es sagt: Nach jedem Tief fängt sich die Domröse immer wieder selbst ein. Das Gute ist nämlich - dank ihres "ersten", dialektisch geschulten Lebens in der DDR und natürlich auch aufgrund persönlicher Eigenschaften lässt sie sich nicht vereinnahmen, hat sie einen eisernen Willen und behält sehr wohl ihren Gerechtigkeitssinn, wenn es zu der heutzutage weit verbreiteten Verteuflung der DDR kommt. Ist das nicht eine schöne dialektische Ironie, dass die "Ausgereiste" wie unter Zwang die DDR immer wieder gegen pauschale Hetze verteidigt? Auch wenn ich es schade fand, dass sie wie viele Künstler und Intellektuelle die DDR verlassen haben (deshalb ein Stern weniger!) - diese Differenzierung und dieses ehrliche Nachdenken über Vergangenes macht vieles wieder wett. Ihre Sicht auf die Dinge, und auch die Domröse selbst als Person, ist mir tausendmal lieber und sympathischer als der "drittgrößte Antiquitätenhändler der DDR" oder ein gewisser "Mann der Biere".
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