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Gut... wenn Sie jetzt viele bunte Bilder sehen und viele ebensolche Töne hören haben Sie vermutlich genug Fantasie, um sich ungefähr vorstellen zu können wie die Musik des aus der Bretagne stammenden Yann Tiersen klingt. Richtig bekannt geworden durch diesen Soundtrack, der nicht, wie oft angenommen, extra für Jean-Pierre Jeunets Film komponiert worden ist, sondern lediglich (in Anführungszeichen) einen groben Einblick in die ersten Jahre von Tiersens Schaffen darstellt. Es gab zwar eine solche Anfrage, jedoch hatte er zum Zeitpunkt des Drehs wegen Arbeiten an seinem Album „L'Absente" keine Zeit zu neuem Kompositionen, Jeunet schien jedoch derart euphorisch über diese Musik, dass er sie unbedingt in seinen Film mit einbauen musste, nun eben auf diese Art.
Die auf der CD enthaltenen Lieder fügen sich, obgleich eben nicht einmal für den Film komponiert, einfach wunderbar zu den Bildern, die uns selbiger liefert. Jeunets Vorstellungen eines karikierten Paris scheinen auf derselben malerischen Ebene zu liegen wie Tiersens impressionistisch-nostalgische Interpretation bretonischer Folklore, und so wird nicht nur der Film nahezu perfekt musikalisch untermalt, es wird uns auch eine ganz wunderbare CD beschert, die ihre eigenen Bilder malt, ohne dass man den Film zwingend gesehen haben muss. Sei es nun im fulminanten Einstieg „J'y jamais suis allé", in dem kindlich das Glockenspiel mit den Geigen tönt, den „jours tristes", dem „valse d'amélie" (besonders ans Herz zu legen ist hier die orchestrale Version mit wunderbar tragenden Streichern) oder dem wirklich bezaubernden Klavierstück „comptine d'un autre été: l'après-midí", welches noch am ehesten an Erik Satie erinnert: Tiersens mal lebensfrohe, mal melancholische, jedoch immer sehr menschliche Musik lässt den Alltag vergessen und zaubert eine ganz eigene Welt um den Hörer herum, lässt die Sonne scheinen und liefert verschwommene Bilder eines sonnigen Montmartre im regen Pariser Treiben. Und so kann man natürlich lange darüber spekulieren, ob die Bilder aus „Amélie" wirklich genau so farbenfroh und leuchtend wären, hätte Jean Pierre Jeunet nie die Musik Yann Tiersens gehört. Vielleicht sind diese Lieder die wahre Stütze und Inspiration für diesen Film, und nicht letztendlich bloß der unscheinbare Hintergrund. Ein Muss für weltoffene Menschen mit Fantasie.
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