Die jüngsten Ereignisse in der Finanz- und Wirtschaftswelt haben nicht nur das Ansehen der Manager geschmälert, sondern auch das ihrer Berater. Viele so genannte Vordenker sind verstummt oder damit beschäftigt, ihre eigenen Geschichten und Theorien umzudeuten. Das müsste Peter F. Drucker nicht, wenn er heute noch lebte. Denn der 2005 verstorbene Pionier der Management-Theorie verfiel nie dem totalen Machbarkeitswahn. Das heißt nicht, er hätte mit seinen Thesen immer Recht gehabt. Aber wenn er irrte, stand er ein wenig zurück und schaute genau hin, was nun zu korrigieren sei. In den Büchern von Peter F. Drucker fand ich mich wahrscheinlich auch deshalb, weil er sich intensiv mit dem Management von Nonprofit Organisationen beschäftigte und auch in diesem Bereich zu den Pionieren gehörte.
Dieses kleine schwarze Büchlein im Moleskine-Look ist eine Mischung zwischen seriöser Nachlassverwaltung, gewitztem Marketingprodukt und sinnvollem Ratgeber. Wer eine Ausgabe von "The Five Most Important Questions You Will Ever Ask About Your Nonprofit Organization" hat, kann auf diese aufgepeppte Neuversion aber auch verzichten. Zwar werden die fünf Fragen auch von Autoren mit großen Namen beantwortet, aber viel Neues haben diese den Gedanken von Peter F. Drucker nicht hinzuzufügen. Das ist auch wenig erstaunlich, wenn man bereits Bücher von Drucker gelesen hat. Denn seine besten Werken zeichnen sich dadurch aus, dass er Komplexes verdichten kann und die Darstellung detaillierter Vorgehensweisen den Hochschul-Professoren und ihrer Entourage überlässt.
Zum Inhalt: Nachdem Peter F. Drucker und sein Ansatz den Leser vorgestellt wurde, kommt Drucker einige Antworten zur Frage, warum Selbsteinschätzung wichtig ist, selber zu Wort. Dann folgen die fünf Fragen: Was ist unsere Mission? - Wer ist unser Kunde? - Worauf legt der Kunde Wert? - Was sind unsere Ergebnisse? - Was ist unser Plan? Gut möglich, dass diese Fragen für heutige Leser geradezu banal klingen. Doch als Drucker vor dreißig Jahren in Krankenhäusern das Wort Kunde in den Mund nahm, fielen nicht die Patienten, sondern die Oberärzte in Ohnmacht. Und Hand aufs Herz, so banal können Druckers Fragen auch heute nicht sein, wenn man sich in Unternehmen und Organisationen ein wenig umschaut. Im Gegenteil, vor lauter Organisations-, Führungs-, Verkaufs- und Werbepsychologie vergessen wir allzu gerne, Antworten auf grundlegende Fragen zu suchen. Ich meine denn auch, dass allein diese Botschaft Druckers den Wiley Verlag dazu legitimiert, ein solches Büchlein zu produzieren.
Mein Fazit: Eine Art Nachlassverwertung, die ich nur deshalb empfehle, weil das Büchlein wichtige Gedanken des verstorbenen Peter F. Drucker neu ins Gedächtnis ruft und einer jüngeren Leserschaft bekannt macht. Die Autoren, die vom Verlag zur Mitarbeit angefragt wurden, stehen in der Tradition ihres Vorbilds und sind der Gefahr glücklicherweise nicht erlegen, sich durch verbale Abgrenzungen profilieren zu müssen. Fünf wichtige Fragen und viele nützliche Antworten in einer bibliophilen Aufmachung.