Sie ist kein deutsches Supermodel á la Claudia Schiffer oder
Heidi Klum, sie ist auch kein Fräuleinwunder wie einst Elke Sommer.
Dennoch hat sie nach Deutschland auch die USA im Handstreich eingenommen:
Franka Potente. Dabei ist
Lola Rennt, der
Film, dem sie ihren Erfolg zu verdanken hat, kein konventionelles Werk, sondern
fast ein Experimentalfilm. Dreimal erzählt er die gleiche Geschichte. Um
ihrem Freund, der sich mit Gangstern eingelassen hat, zu helfen, versucht Lola
100.000 Mark aufzutreiben. Sie rennt - und nun erlebt der Zuschauer, wie sich
eine Geschichte verändern kann, wenn man im Verlauf der Handlung eine
klitzekleine Kleinigkeit verändert.

In den USA, Großbritannien
und vielen anderen Ländern wurde der Film ein Überraschungserfolg und
Franka Potente ein Star. Star-Allüren sind der am 22. Juli 1974 geborenen
Schauspielerin jedoch fremd. Sitzt man ihr im Interview gegenüber, wirkt
sie wie das nette Mädchen von nebenan. Sie antwortet spontan, sie liebt es
zu lachen und am Ende eines Gespräches gibt sie geduldig Autogramme. Sie
ist auf dem Boden geblieben und genießt die Möglichkeiten, die ihr
der Erfolg von
Lola Rennt
beschert hat. "Seither habe ich eine viel größere Freiheit, aus all
den Rollen, die nun angeboten werden, die schönsten auszuwählen." Wie
jene in ihrem ersten US-Film
Blow
, der Geschichte eines
Kleingangsters, der im Laufe der Jahre zum Drogenbaron aufsteigt. Produziert
von New Line Cinema, spielt Johnny Depp die Hauptrolle, Franka Potente wird in
der Rolle seiner ersten Freundin Barbara zu sehen sein.


Franka Potente stammt aus
Düren in Westfalen, einer Region, in der die Menschen für ihre
Bodenständigkeit bekannt sind. Bereits während ihrer Schulzeit
verbrachte sie ein Jahr an einer amerikanischen High School, nach ihrer
Schauspielausbildung an der etablierten deutschen Otto-Falkenberg-Schule in
München (die sie allerdings vor ihrem offiziellen Ende abgebrochen hat),
besuchte sie auch das New Yorker Lee Strasberg Theater Institute. "Ich bin
einfach für drei Monate nach New York gegangen, obwohl ich dort niemanden
kannte. Hinterher dachte ich: super, dass Du das gemacht hast." Auf eine
internationale Karriere aber, erklärt sie, habe sie niemals hingearbeitet.
Ursprünglich wollte sie auch viel mehr Theater spielen. Doch es kam
vollkommen anders. Nach einem Studentenfilm 1995, erhielt sie das Angebot, eine
Hauptrolle in der Komödie
Nach Fünf im
Urwald zu spielen. In diesem Film ist sie in der Rolle der
17-jährigen Anna zu sehen, die nach einem etwas entgleisten Fest im
elterlichen Haus von ihrem Vater Hausarrest bekommt. Als sie nun nach
München abhaut, machen sich ihre Eltern nicht nur Sorgen, sie denken auch
daran zurück, wie sie als Jugendliche gewesen sind und lassen diese Zeit
wieder aufleben - um festzustellen, dass Anna gegen sie - als sie noch
Jugendliche waren - eigentlich ein Engel ist.


Der Film wurde in Deutschland ein
Überraschungshit und Franka Potente erhielt den Bayerischen Filmpreis als
beste Nachwuchsdarstellerin, eine in Deutschland für Schauspieler
bedeutende Auszeichnung. Eine Karriere habe sie nie geplant, erklärt sie.
Doch ihr Auftauchen in der deutschen Filmlandschaft machte es ihr fast
unmöglich, keine Karriere zu machen. Seit Jahren gibt es in Deutschland
kaum mehr als eine Handvoll von Schauspielerinnen, die sich als Stars auf dem
deutschen Markt haben etablieren können. Erstaunlicherweise sind nur
wenige von ihnen unter 30. Mit Franka Potente, ihrer Natürlichkeit und
ihrem schauspielerischen Können, erschien eine junge Frau auf der
Bildfläche, auf die das Kino in gewisser Weise gewartet hatte - auch wenn
auf
Nach Fünf im
Urwald keinesfalls nur Hits folgten. Mit
Drei Mädels
von der Tankstelle
, einer platten Komödie, landete sie einen
Katastrophal-Flopp (fast zwei Jahre lag der 1996 gedrehte Film im Archiv). In
dem 1998 gedrehten Film
Bin ich
schön? von Doris Dörrie (
Männer
)
wurde sie zwar für ihre schauspielerische Leistung gelobt, der Film aber
blieb hinter den gesteckten Erwartungen zurück.
Ihren Status als eine der interessantesten Darstellerinnen des deutschen
Films, konnte sie dennoch bereits im Jahr 1997 unterstreichen, als sie für
den deutsch/österreichischen Fernsehzweiteiler
Opernball vor
die Kamera trat. In der Geschichte eines Anschlages auf den traditionellen
Wieder Opernball, bei dem Tausende von Menschen sterben, ist sie in der Rolle
einer jungen, zu Beginn der Geschichte wenig sympathische Jungjournalistin zu
sehen, die glaubt, mit einer Enthüllungsgeschichte über den Anschlag
Karriere machen zu können, ohne die Gefahr für ihr eigenes Leben zu
erkennen.
1998 erhielt Franka Potente, die übrigens fließend Englisch
und Französisch spricht, für diese Rolle den Bayerischen
Fernsehpreis, dem Pendant zum Kinopreis, womit ihr künstlerisch
endgültig der Durchbruch gelungen war. Im gleichen Jahr kam
schließlich
Lola Rennt in
die Kinos. In die Geschichte war sie sofort verliebt: "So ein Drehbuch hatte
ich noch nie gelesen. Die ganzen visuellen Effekte standen schon drin, damit
konnte ich zunächst gar nicht so viel anfangen. Ich fand das ziemlich
aufregend. Ich habe es in vierzig Minuten gelesen. Da war erst einmal dieser
Grundgedanke: eine Liebe, für die man kämpft, für die man sich
mit Konsequenz entscheidet. Und die Lola gewinnt als Figur fast etwas
Heldenhaftes. Ich hatte sofort sehr viele Fragen zu der Figur, was immer ein
gutes Zeichen ist." Erfolg hatte sie mit diesem Film übrigens auf ganzer
Linie, denn als Sängerin des Titelstückes landete sie in Deutschland
auch in den Music-Charts einen Hit.
Dass selbst ein Megahit wie
Lola Rennt kein
Garant für dauerhaften Erfolg ist, musste sie Ende des Jahres 1999
feststellen, als das Action-Drama Schlaraffenland
, in dem sie
als Wachfrau in einem Mega-Einkaufszentrum zu sehen ist, gerade einmal 35.000
Besucher in die deutschen Kinos lockte. Schaden hat ihr Ruf dadurch nicht
genommen, denn mit
Anatomie , einer
Art deutschem
Scream vor der
Kulisse Heidelbergs, hat sie in einem in Deutschland bislang fast unbekannten
Genre, dem Slasher-Film, einen bodenständigen Hit gelandet. Und Spaß
hat ihr der Film darüber hinaus auch noch gemacht: "Ich hätte mir
noch mehr Splatter-Elemente gewünscht. Aber dann hätte
Anatomie
bestimmt Probleme mit der Freigabe bekommen. Und die Leute, die `reingehen
sollen, müssten vorm Kino stehen bleiben."
Franka Potente lebt mit ihrem Lebensgefährten Tom Tykwer, dem
Regisseur von
Lola Rennt, in
Berlin. Unter seiner Regie hat sie unlängst das Drama Der Krieger
und die Kaiserin
abgedreht.