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Rezensionen verfasst von
Prof Eike Uhlich
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Medizin hinter Gittern: Das Stasi-Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen
Medizin hinter Gittern: Das Stasi-Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen
von Tobias Voigt
  Broschiert
Preis: EUR 12,00
Verfügbarkeit: Auf Lager.

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen ...das geheimste Krankenhaus der DDR war am Ende..., 13. Dezember 2011
Der tröstlichste Satz dieses schmalen und informativen Büchleins steht auf der letzten Seite, er lautet: "Der eben noch gefürchtete Minister für Staatssicherheit Erich Mielke wurde Gefangener im ehemaligen Stasi-Gefängnis und Patient des HKH (...) das er fast auf den Tag genau 30 Jahre zuvor gegründet hatte". Tröstlich, weil dieses aus einer Wäscherei entstandene 25-Betten"krankenhaus" im Stasigefängnis Berlin- Hohenschönhausen ebenso wie der dazugehörige Staat aufgehört haben, zu existieren. Vergessen aber sollten und wollen wir diese Zeit nicht. Und genau das - nämlich die Erinnerung wach zu halten an den deutschen Teilstaat hinter der Mauer - sind das große Verdienst von Dr. Knabe (dem Leiter der Gedenkstätte und Verfasser des Vorwortes) sowie der beiden Autoren Voigt und Erler.

Nach wohl mühsamer Vor- und Kleinarbeit, dann mit sachlicher Akribie und schließlich bei gebremster Emotionalität wird hier eine Art Dokument vorgelegt über das Gebäude und die Pläne dessen, was man nur mit gutem Willen als Krankenhaus bezeichnen kann. Wir lesen über das Schicksal einiger Inhaftierer (nicht: "Patienten"), verfolgen die z.T. erstaunlichen Lebensläufe und Verhaltensmuster der (Chef)Ärzte, der Schwestern oder auch der Aufseher. Das Ganze wird unterlegt mit Bildern, Schriftstücken und weiteren Zeugnissen der zurückliegenden Ereignisse. Man erfährt, dass es etwa 3.000 Patienten dort gegeben habe (vorwiegend Männer), dass pro Jahr anfangs etwa 100, später 200 Patienten stationär aufgenommen worden seien und dass es einen Operationsraum und ein Röntgengerät gegeben habe, alles in allem also ein eher sehr kleines Krankenhaus.

Als Mediziner würde man - kleiner Kritikpunkt - gern noch einige Daten mehr (falls überhaupt auffindbar) über die durchschnittliche "Liegedauer", über das "Diagnosespektrum" oder die damals dort mögliche "Diagnostik" lesen, also auch über das, was die Häftlinge aus den Zellen des Gefängnisses in die Zellen der Klinik gebracht hat. Insgesamt ein weiteres wichtiges Mosaiksteinchen gegen das Vergessen eines bedrückenden aber wichtigen Stückchens deutscher Geschichte; dafür den Autoren ein Dankeschön!

Entrissen: Der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm
Entrissen: Der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm
von Katrin Behr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99
Verfügbarkeit: Auf Lager.

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen ein wenig zwiespältig, 14. Oktober 2011
ja, ein wenig zwiespältig ist mein Eindruck bei der Lektüre dieser Lebensgeschichte. Doch zunächst einmal das, was mich mit allen anderen Lesern und Rezensenten eint: Es ist das Entsetzen, die Wut und der Abscheu über das, was jener Unrechtsstaat - genannt DDR - über einen Teil des deutschen Volkes gebracht hat. Über das Unheil, das bis heute nachwirkt und das in allen seinen Auswüchsen bis in unsere Zeit hinein kaum bekannt ist.
Daher ist dieser Bericht wichtig, notwendig und unverzichtbar: keine Diskussion darüber! Und dafür gebührt Katrin Behr große Anerkennung. Übrigens auch für Ihre Arbeit und ihren Einsatz zu dieser Problematik der Zwangsadoption.
Etwas anders sieht es meiner Meinung nach mit Art und Stil dieser "Dokumentation" aus. Erkennbar hat ein Journalist am Schreibtisch gesessen und formuliert. Wohl sachkundig (es gibt vom Co-autor Peter Hartl mit "...Kinderschicksale..." bereits ein Buch zu vergleichbarer Thematik), liest sich sein Text gelegentlich ein wenig zu glatt und manchmal auch etwas zu elegant ausformuliert. Deutlich erkennbar ein Zweipersonenbuch.
Zudem fällt es (bei manchen Details aus der frühesten Zeit nach der gewaltsamen Trennung von der Mutter) schwer, an das phänomenale Gedächtnis des verlassenen Kleinkindes zu glauben. Dichterische Freiheit oder Unschärfe der Erinnerung? Auf beides würde ich hier verzichten, die Tatsache als solche (nämlich das, was freundlich als Adoption bezeichnet wird, in Wirklichkeit aber eher ein Kindesraub ist) hätte dies nicht nötig.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 24, 2011 4:02 PM MEST


Eingegrenzt - Ausgegrenzt: Bildende Kunst und Parteiherrschaft in der DDR 1961-1989
Eingegrenzt - Ausgegrenzt: Bildende Kunst und Parteiherrschaft in der DDR 1961-1989
von Hannelore Offner
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,80
Verfügbarkeit: Auf Lager.

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen akribische Chronik der Stasi-Kunst-Spitzel, 12. Januar 2011
Diese hervorragend recherchierte Chronik ist nichts für ein großes Publikum. Es geht um das dümmlich-schreckliche, charakterlos-miese Spitzelnetz, das sich über das gesamte DDR-Gebiet ausgebreitet hatte. Und zwar hier schwerpunktmäßig über seine besonderen Aspekte im Bereich der bildenden Kunst.
Wer (so wie ich) Klarheit haben will oder Quellen und Belege zu dieser Thematik sucht, der wird hier fündig. Bei der Lektüre erschrecke ich immer wieder von Neuem über drei Dinge. Nämlich, wie umfassend die Stasi alles registriert hat (und damit schlimme Repressionen aufbaute), wie zerstörend sie (etwa in den geschilderten Beispielen der betroffenen Künstler) tätig gewesen ist und schließlich, ja, wie banal doch das Böse dieses Verräter- und Überwachunssystem ist. Bleibt, dem exzellenten und sachlich-ruhig berichtenden Autorenteam ganz herzlich zu danken und, sich zu freuen, dass jene schreckliche Zeit der Vergangenheit angehört!

Im Reich von Isis und Osiris: Eine Nilreise von Abu Simbel bis Alexandria
Im Reich von Isis und Osiris: Eine Nilreise von Abu Simbel bis Alexandria
von Carmen Rohrbach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95
Verfügbarkeit: Auf Lager.

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Für Reiselustige, Abenteurer und Geschichtsinteressierte..., 18. Juli 2010
Eine Nilreise" : Man liest das Buch als einen Reisebericht per Boot, im Auto, zu Fuss oder in Gesellschaft eines Esels und durchlebt die Landschaft und den Nil zu allen Tages- und Nachtzeiten. Man staunt über Tempelbauten aus vorchristlicher Zeit und erlebt die Pyramiden einmal nicht aus der üblichen Touristenperspektive. Die Autorin führt uns durch das Leben der Einheimischen, zuhause und auf den Märkten. Dies alles nicht zuletzt, weil sie gut arabisch spricht und es versteht, rasch Kontakte zu knüpfen.

Man bekommt Lust, das alles selbst einmal anzuschauen. Carmen Rohrbach eröffnet uns sozusagen ganz nebenbei auch einen tiefen Einblick in die Mythologie des Landes, seine Geschichte und Entwicklung. All dies beruht sicher auf einer umfassenden und intensiven Vorbereitung ihrer Reise und dem spürbaren persönlichen Interesse für Land und Leute.

Und schließlich ist da noch der Stil. Kein wissenschaftlicher Höhenflug schreckt uns ab, sondern sie schreibt lebensnah beobachtend, gelegentlich humorvoll - so dass man glaubt, bei ihr ein leichtes Augenzwinkern zu sehen.

Insgesamt, so denke ich, ein unerlässliches Buch als Begleiter für Reiselustige, Abenteurer und Geschichtsinteressierte.
(I.Uhlich)

Wie wollen wir sterben?: Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin
Wie wollen wir sterben?: Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin
von Michael de Ridder
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95
Verfügbarkeit: Auf Lager.

57 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ein ebenso kompetenter wie authentischer Beitrag, 6. Mai 2010
Warum eigentlich sind alle Beurteilungen so voll des Lobes und begeistert über das aktuelle Buch von Michael de Ridder, das ja von schwierigen, oft verdrängten Erfahrungen sowie von Leid und belastenden Erlebnissen berichtet - nämlich dem Sterben? Vielleicht, weil uns diese Thematik zutiefst berührt; und weil sie einfühlsam und hochkompetent dargestellt ist. Sicher auch, weil die Krankengeschichten und Sterbeschicksale den Autor selbst spürbar bewegen. Offensichtlich im Gegensatz zu den vielen "medizintechnischen Handwerkern", die (wie etwa jener wiederholt zitierte Herzchirurg) nie verstanden haben, was Arzt-sein im Kern bedeutet. Und noch etwas scheint mir vorbildlich an diesem Buch: Wir erleben, wie sich de Ridder auch gegen den (erschreckend häufigen) Widerstand seiner Kollegen für die Würde der sterbenden Patienten einsetzt, ihm selbst die letzte Entscheidung überläßt, sich nicht hinter juristischen Spitzfindigen versteckt. Es ist ja im Prinzip so einfach: der Kranke und allein sein Wille sind Maßstab ärztlichen Handelns, nichts sonst. Letzter Punkt: Die Gedanken und Handlungsprinzipien dieses Arztes bei seinen kritisch kranken und sterbenden Patienten werden klar dargestellt, logisch entwickelt, auch hier und da juristisch gesichert. Als Laie kann man sich freuen über dieses Buch, als Arzt bleibt lediglich, dem Kollegen zu danken.

Dilip. 'Wir sterben doch nicht der Reihe nach'
Dilip. 'Wir sterben doch nicht der Reihe nach'
von Anna Patell
  Gebundene Ausgabe
Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar.

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen schwierig nachvollziehbar, 1. April 2009
"Nicht nachvollziehbar" sollte es eigentlich heißen. Denn ich beziehe mich hierbei auf das grausame Geschehen, das Unvorstellbare, das schlechterdings nicht Akzeptable, nämlich den Tod des eigenen (jungen) Kindes. Genau das ist eben nicht nachvollziehbar, nicht zu begreifen, nicht zu verstehen. Und genau darüber versucht eine Mutter, nämlich die Autorin Anna Patell, uns zu berichten, indem sie bruchstückhaft den Unfalltod ihres Sohnes Dilip während einer Klassenfahrt ins Gebirge schildert.
"Schwierig nachvollziehbar" bezieht sich dann aber auf die vorliegende Publikation und die hier geschilderten Reaktionen, Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen.
Dieses Buch ist also zunächst einmal nichts anderes als die minutiöse Selbstdarstellung des Versuches dieser Mutter (gelegentlich auch der "Rest-Familie" mit Vater und zwei jüngeren Söhnen), den Tod dieses Schülers in irgend einer Weise zu verarbeiten. Dabei scheint sie allerdings alle zu überfordern: sich selbst, besonders aber die Mitschüler und die Lehrer, die immer wieder befragt werden, deren Hilflosigkeit nicht erkannt wird oder deren Schweigen nicht auch als eine mögliche Trauerreaktion akzeptiert werden kann. Ich kann also beispielsweise in dem, was ich gelesen habe, nichts erkennen, was man mit einigem Recht als "würdelose Umstände der Aufklärung" bezeichnen könnte.
Und noch etwas: Die Autorin will nicht akzeptieren, dass die eigene existentielle Katastrophe ("das Leben mit Dilip und das Leben nach Dilip") eben nicht die gleiche Dimension auch für die Mitschüler oder Lehrer haben kann. Mir fehlt die Erkenntnis und das Verstehen für die unterschiedliche Nähe, die der Tod von Dilip hat, einmal für die Mutter, dann für die Geschwister oder für Mitschüler und Lehrer und schließlich für den Leser dieses Buches. Und mir fehlt der Hinweis auf die daraus resultierenden natürlich ganz unterschiedlichen Reaktionen.
Vielleicht ist es "Trauerarbeit", dass man möglichst exakt alle letzten Handlungen oder Worte oder Äußerungen des verlorenen Kindes wissen zu müssen glaubt; aber unablässig und immer wieder die Klassenkameraden oder Lehrer danach auszufragen und so einen immensen Druck aufzubauen, bleibt mir nicht nachvollziehbar. Ich bin weit entfernt davon, dies als egozentrisch in der Trauer zu bezeichnen, dennoch bleibt bei mir, dem vergleichsweise unbeteiligten Leser, an dieser Stelle eine Spur von Unbehagen.
Aber vielleicht würden heute manche Passagen von der Autorin auch ein klein wenig anders formuliert werden, nachdem sie sich ja sehr verdienstvoll mit psychologischem Beistand bei vergleichbaren Katastrophen - etwa in Schulen - einsetzt.

Kompaktwissen Arzthaftungsrecht: Aktuelle Rechtsprechung und Entwicklungen in der Praxis
Kompaktwissen Arzthaftungsrecht: Aktuelle Rechtsprechung und Entwicklungen in der Praxis
von Markus Gehrlein
  Broschiert
Preis: EUR 29,00
Verfügbarkeit: Auf Lager.

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen bemerkenswert unmfassende und prägnante Übersicht, 27. Februar 2009
Natürlich sollte man (als Arzt!) all das wissen und bedenken, was der im Arzthaftungsrecht höchst erfahrene Jurist Prof.Dr.Markus Gehrlein in diesem kleinen Kompendium zusammengetragen hat. Da dem aber nicht so ist, wird man - wie auch immer in solchen Fragen involviert - zugreifen müssen und sich sehr rasch im fein aufgegliederten Inhaltsverzeichnis (das ein Register überflüssig erscheinen läßt) zu den entscheidenden Aussagen hintasten. Und die sind dann glasklar formuliert und geben eindeutig Auskunft oder auch eine sichere Handlungsanweisung. Jede Feststellung ist natürlich (in der Fußnote) belegt und kann dort weiter nachgelesen werden. Und noch etwas nicht ganz Unwichtiges: Auch der juristische Laie versteht, was der Autor sagen will. Und das ist keineswegs selbstverständlich. Vielen Dank!

DUMONT Richtig Reisen Oman: Mit Reiseatlas und Routenkarten / Individuell reisen
DUMONT Richtig Reisen Oman: Mit Reiseatlas und Routenkarten / Individuell reisen
von Gerhard Heck
  Broschiert
Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar.

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ein echter, großartiger "richtig-reisen-Dumont", 27. Februar 2009
In aller Regel wird man in einer "geführten Gruppe" in den Oman reisen und dann sind die meisten Probleme gelöst (Route, Sehenswürdigkeiten, Unterkunft, Besichtigungen etc.etc.). Dennoch gibt es ergänzende Fragen zu Geschichte und Kunst, Natur und Wirtschaft, zu Besonderheiten ("Themen" heißt das im Dumont!) oder weitergehenden Informationen, die man etwa bei den detaillierten Landkarten oder Stadtplänen im Buch, bei den Angaben über Hotels oder besonders attraktiven Routen findet. Das Bildmaterial ist gut zusammengestellt (übrigens auch das Inhaltsverzeichnis). Kurz: Dieses kleine Land Oman mit dem menschlichen Gesicht, seiner Toleranz und - alles in allem - großen Bescheidenheit sowie seinen überaus freundlichen, selbstbewußten und sympathischen Bewohnern findet in dem vorliegenden Reiseführer einen kongenialen "Türöffner". Vielen Dank!

Nebenwirkung Tod. Korruption in der Pharma-Industrie. Ein Ex-Manager packt aus
Nebenwirkung Tod. Korruption in der Pharma-Industrie. Ein Ex-Manager packt aus
von John Virapen
  Broschiert
Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar.

54 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen erschreckende "Lebensbeichte", offene Fragen, 8. Januar 2009
Wir alle, die wir im "Gesundheitssystem" arbeiten, kennen (fast) alles, was der ehemalige Hauptgeschäftsführer eines Pharmagiganten uns da sozusagen aus erster Hand berichtet. Und wir lernen erneut, dass immer und überall Gier, Egoismus, Brutalität, Lug und Betrug entscheidende Triebfedern unseres Handelns sind: bei der Politik ebenso wie in der Industrie, bei geistiger oder körperlicher Arbeit, auf allen beruflichen Ebenen, in Ost wie in West, in der ersten und in der sog. dritten Welt. Natürlich auch in der Medizin. Dort ist es besonders schäbig.
Zusammenfassend also eine gute Sache, dies authentisch geboten zu bekommen in dem Lebensbericht des geborenen Inders aus Südamerika, der uns schildert, wie er es vom skrupellosen Zeitungswerber mit Fleiß, Ideenreichtum, einigen Studienjahren und etwas Glück zu einer hohen, gut dotierten Position in der Pharmaindustrie geschafft hat. Die hat ihn schließlich fallen lassen. Vielleicht, weil seine Hautfarbe doch nicht in diese hohen Etagen paßte, die "Verkaufsmethoden" (Bestechungen) trotz bester Erfolge wohl doch zu gefährlich schienen oder warum auch immer.
Irgendwann viel später (das ist mein erster Punkt der Kritik) ist dem Autor dann eingefallen, wie schäbig das System (und mit ihm er selbst) handelt und hat mit diesem Buch einen Aufklärungsfeldzug begonnen. "Warum erst jetzt?" fragt man sich, ist das Schäbige, was er beschreibt, nicht schon von Anfang an so schäbig gewesen?
Der zweite Punkt meiner Kritik: Das Buch ist ein wenig flapsig geschrieben. Nun gut, vielleicht ist das sein besonderer Stil. Nur: für eine ernsthafte Diskussion fehlen exakte Zahlen. Alles ist zwar sehr schlüssig vorgetragen, ein wenig im Stil der "Bildzeitung" oder des "Stern", aber meine eigenen Recherchen bestätigen die behaupteten Daten keineswegs so eindeutig. Will sagen: von einer einigermaßen wissenschaftlich hieb- und stichfesten Argumentation sind wir weit entfernt. Aber genau das wäre dringend nötig.
Und schließlich: Drucktechnisch ist das Buch schlampig gemacht (Ziffern für die Lit.hinweise, Unterbrechungen im Druck, Schreibfehler etc.). Aber vielleicht war es schwer, einen wirklich guten Verlag mit ordentlichem Lektor zu finden, bei dieser heißen Thematik. Die, um das zum Schluß nochmals ganz klar zu sagen, es wert ist, immer wieder betont zu werden, dafür dem Autor Dank!
PS: Ein Stern mehr!! Ein langes Telefonat mit dem Autor verbesserte meinen Informationsstand: Der lange Zeitraum zwischen der Tätigkeit bei jener Pharmaindustrie und diesem Buch findet seine Erklärung in so etwas wie einer "Schweigeverpflichtung" nach seinem Austritt aus der Firma. Und die dürftige drucktechnische Darstellung geht wohl auf Probleme mit dem Verlag (Insolvenz etc.) zurück. Immerhin habe ich noch erfahren, dass an einem weiteren Werk gearbeitet wird: man darf gespannt sein! E.U.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 7, 2009 4:56 PM CET


Reite Schritt, Schnitter Tod!: Leben und Sterben im Speziallager Nr. 1 des NKWD Mühlberg /Elbe
Reite Schritt, Schnitter Tod!: Leben und Sterben im Speziallager Nr. 1 des NKWD Mühlberg /Elbe
von Joachim Gauck
  Unbekannter Einband
Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar.

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ein erschütterndes Dokument unserer jüngsten Nachkriegs-Geschichte, 29. November 2008
Die Autorin hat bewegende Beiträge gesammelt von Menschen, die nach dem Krieg (schuldlos!) verhaftet und in "Mühlberg", dem Speziallager des russischen NKWD, unter unvorstellbaren Bedingungen festgehalten worden sind. Jeder Dritte dieser etwa 22.000 Gefangenen ist - wie auch der Vater von Elisabeth Schuster - dort verstorben. Ihrem Gedenken ist dieses Buch gewidmet ebenso wie der Information unserer Kinder über jene schlimme Zeit.
In vielen Einzelabschnitten wird das Grauen des Lagerlebens deutlich, denn es sind ausnahmslos authentische Berichte von Überlebenden. Sie beschreiben etwa die Verhaftung, Kameradschaft und Freundschaft, den Hunger und die Überlebensstrategien, Kontakte nach draußen und Fluchtgedanken, Weihnachten, Krankheit und Tod.
Zwei persönliche Anmerkungen zum Schluß: Es ist tröstlich und macht Mut, festzustellen, dass den Gefangenen und dort Verstorbenen hiermit ein Denkmal geschaffen wurde. Und schließlich: ich bin der Autorin besonders dankbar, weil dort auch mein Vater begraben ist.

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