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Beiträge von Christoph Neumann
Top Rezensenten Ränge: 80.318
Hilfreiche Bewertungen:
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Rezensionen verfasst von Christoph Neumann (Tokyo Japan)
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5.0 von 5 Sternen
Gigantischer Wurf eines Universalgenies, 25. November 2011
- Das Buch ist ein lupenreiner Science-Fiction-Thriller, der gleichzeitig in der nahen Zukunft und per Zeitreise in der fernen Vergangenheit angesiedelt ist. - Das Buch hebt den Historienroman auf eine andere Ebene. Historienromane sind oft betulich, weil sie eben in alten Zeiten spielen, in denen die meisten Leute geistig viel weniger frei zu sein scheinen als heute. Hier bereist und vor allem kommentiert ein moderner, gebildeter und witziger Bewohner des 21. Jahrhunderts das alte Maya-Reich. Die Erklärungen und, mehr noch, die humorvollen Vergleiche mit unserer Gegenwart, machen diese fremde Kultur, in der Menschenopfer, Götter und Ahnen absolut zum Alltag gehören, erst richtig interessant - ich habe neben der Buchlektüre immer wieder die Wikipedia zu diesem und jenem Maya-Thema konsultiert. - Das Konzept der Zeitreise, das der Autor hier entwickelt, ist zwar immer noch Science-Fiction, aber absolut schlüssig und konsequent. Er zieht nicht irgendein Wunderkaninchen aus dem Hut und lässt mal eben Menschen durch die Zeit reisen, um sie in einem anderen Jahrhundert platzieren zu können, sondern sein wahnsinnig cooles Konzept der Zeitreise wird zum integralen Teil der Geschichte. - Der Autor ist unheimlich gebildet oder zumindest belesen und weltgewandt. Welcher US-Thriller-Autor zitiert sonst noch Goethe oder Dante? Die Figuren sprechen so oft Spanisch, dass manche Textpassagen fast schon unverständlich werden, und er schafft es, den Leser an die Maya-Fachbegriffe, die er in großer Zahl einführt, so zu gewöhnen, dass man sie "lernt". Und dann hat er das Buch auch noch selbst mit diesen esoterischen Maya-Zeichnungen illustriert! Kann ein einzelner Mensch überhaupt so "breitgefächert" sein? - Man merkt, dass der Autor die Welt bereist hat, und die Menschen kennt, dass er gehurt, gesoffen, gekifft und gelebt hat. Der Protagonist Jed ist wohl sein Alter Ego, ein unheimlich lebendiger, schillernder Typ. - Das Opferspiel der Mayas ist tatsächlich ein Spiel mit Brett und Figuren, aber es ist viel mehr, wie das Buch herausstellt. Die Idee, die Zukunft durch ein Spiel vorherzusagen, scheint weit hergeholt, und die Stellen, in denen nicht nur gespielt wird, sondern der Spielverlauft auch minutiös beschrieben wird, waren für mich zunächst am lästigsten und unverständlichsten. Wenn man sich aber auf die Gedanken des Autors einlässt, der anscheinend auch noch ein Go-Spiel-Experte ist, versteht man, dass Spielen an sich einem einen neuen Blick auf "Probleme" eröffnen kann. Man spielt eine Runde, und die Möglichkeiten, Strategien und Lösungswege, die sich dem Bewußtsein im Spiel eröffnen, kann das Bewußtsein auch zur Lösung von Problemen ausserhalb des Spiels verwenden. - Die eigentliche Auflösung der Maya-Vorhersage, die der Autor erst im letzten Absatz des Buches mitteilt, ist unheimlich befriedigend, sie hebt das Buch endgültig weg von einem Action-Thriller auf die philosophische Ebene. - Die Übersetzung schliesslich ist unheimlich gut gelungen, die Autoren kleben nicht am Text, sondern erzeugen mit den für das Deutsche typischen Sprachmitteln die gleiche schnodderige, witzige, spannende Atmosphäre, die der Autor wohl ursprünglich im Sinn hat.
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Kryptum: Roman
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von Agustín Sánchez Vidal Taschenbuch |
| Preis: EUR 16,50 |
| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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2.0 von 5 Sternen
Historienroman, kein SF oder Thriller, 2. Januar 2009
Man wartet das ganze Buch auf den großen Knall, die tolle "Aha"-Auflösung, und schleppt sich so durch die ganzen 700 Seiten, ohne das Buch vorher weglegen zu wollen: Was bedeutet/bewirkt nun das geheimnisvolle babylonische Gebabbel? Warum vermischen sich Raum und Zeit? Wie funktioniert das geheime NSA-Forschungsprojekt? Was hat die Universalsprache mit dem spanischen König zu tun? Lauter interessante Ideen, die der Autor aber überhaupt nicht erklärt oder in den Kontext setzt. Im Nachwort gibt der Autor zu, dass er all seine spannenden Ideen irgendwo abgekupfert hat - kein Wunder, dass er sie nicht wirklich erklären kann. Er begründet das aber damit, dass man das Buch ohnehin eher im Stil einer Abenteuergeschichte à la "Indiana Jones" lesen soll, in der exakte wissenschaftliche Erklärungen ebenso ausbleiben. In der Tat ist die Beschreibung der Irrfahrt des Protagonisten durch die farbenprächtige Welt des Mittelmeers im 16. Jahrhundert schön zu lesen. Der Autor malt auch mit Liebe zum Detail die Planung einer spanischen Renaissance-Stadt nach (Vorbild: Toledo?). Ausserdem liest sich der Text flüsssig und leicht, sicher auch dank der guten Übersetzerin, die sich gerade bei den architektologischen und religiösen Fachausdrücken um punktgenaue Übertragung bemüht und selbst Gedichte und Versmaße im Deutschen nachgebildet hat.
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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein Mensch schreibt über die Suche nach Gott und sich selbst, 9. Januar 2008
= Kerkeling = Das Buch beschreibt ihn besser, als es die beste Biografie je können wird (gibts überhaupt schon welche? jetzt bestimmt!) Kerkeling wirkt und empfindet sich als offen und cool. Aber es ist auffällig, dass er sich auf der Wanderung nur mit Ausländern (=nicht-Deutschsprachigen) und nur mit Frauen gut versteht. Über die Deutschsprachigen zieht er samt und sonders her (obwohl er sein eigenes "Deutschtum" mehrmals bejaht), und mit mitwandernden Männern (alles anscheinend Heteros) kann er, der Schwule, auch nicht gut umgehen. Er ist aber genau das, von dem er sich distanziert: Er ist Deutscher und er ist Mann. Insofern distanziert er sich von seinen eigenen dunklen Seiten, indem er sie auf die, die ihm ähnlich sind, projiziert und sich von diesen Leuten abwendet. Er flüchtet sich also ein bisschen vor sich selbst in die pflegeleichten Kontakte mit ausländischen Frauen, weil die ihn weder sexuell noch sonst wie in seinem Inneren wirklich in Frage stellen könnten. Und ist also doch nicht wirklich offen. Andererseits ist er natürlich absolut kein Dünnbrettbohrer. Wieviel Stars, wieviel Reiche würden eine solche Mühe auf sich nehmen? Aber vielleicht zeigt das nur wieder eins: Geld und Ruhm machen alleine nicht glücklich; auch ein Weltstar hat als Mensch die gleiche Last zu tragen bzw die gleiche Chance zu nutzen, nämlich die, sich selbst zu finden. Trotzdem ist natürlich alles ziemlicher Luxus. Schon die normalen Pilger können (oder wollen) sich keine Hotels während der Pilgerreise leisten und quälen sich in schrecklich schmutzigen Massen-Schlafsälen. Wieviele Menschen auf diesem Planeten sind mit der Sicherung des täglichen Brotes so beschäftigt, dass sie nie ihre eigene Spiritualität spüren, geschweige denn sich auf die Suche nach ihr machen können? Die Armen. So macht Kerkeling die Reise auch stellvertretend für viele andere mit... = Spiritualität = Spiritualität (Gott, die Suche nach Gott, nach dem Sinn des Lebens) ist nicht unmodern. Das selbst mag wie eine unmoderne Phrase klingen, aber es stimmt. Die Spiritualität ist ein essentielles Bedürfnis des Menschen, so wie Essen, Trinken oder Sex. Kerkeling ist nicht umsonst so ein brillianter Künstler geworden. Er hat einen großen Geist, den er nicht beschränkt, und der sich mannigfaltig äußert ' in seinen großen Kunstwerken (=Stücke, schauspielerische Leistung), aber eben auch in der Spiritualität. Ich hab ihn schon früher für seinen Mut (Beatrix-Posse) bewundert; jetzt weiss ich, dass dieser Mut kein Zufall war. Bei anderen Entertainern kann man sich nicht vorstellen, dass sie so rund und so groß sind. Zum Beispiel bei Günther Jauch, mit dem Kerkeling die preisgekrönte Wer-wird-Millionär-Posse aufgeführt hat. Jauch wirkt gerade neben Kerkeling immer gehemmt; er wirkt ständig, als müsste er einer Erwartungshaltung (der Zuschauer) entsprechen, obwohl er doch so souverän und unabhängig als Mensch ist und sein kann wie nur wenige in Deutschland. Das Buch bewegt mich (und die anderen Millionen Leser) ohne Zweifel gerade deswegen so stark, weil wir seine Gefühle punktgenau mitempfinden können. Alle Menschen sind sich so ähnlich. Dann ist der Aufbau der angeblich so inviduellen menschlichen Psyche also gleich - wir sind alle verschiedene Ausgaben des gleichen Modells Roboter?! = Gott = Kerkeling schildert zwei tolle Allegorien über Gott. Die erste ist von ihm selbst. Gott ist wie ein superbombastischer Hollywood-Film, den man am besten in einem hypermodernen Riesenkino mit Surround und allem technischen Pipapo geniesst. Die Amtskirche aber zeigt uns Gott in einem heruntergekommenen Vorstadtkino, wo der Film auf einer vergilbten Leinwand zu sehen ist und ständig reißt. Das heißt: Die Amtskirche ist nicht der Königsweg zu Gott. Aber auch sie bemüht sich, Gott zu zeigen, auch hinter der Kirche steht Gott. Das ist eine tolle und sehr versöhnliche Beschreibung der Amtskirche. Die zweite Parabel ist von einer Mitwanderin: Gott formte sich irgendwann aus dem Nichts und dehnte sich aus, bis irgendwann auch wir Menschen als Teil seiner entstanden. Wir leben seine Göttlichkeit in uns aus. Irgendwann hat sich Gott genug ausgelebt, und dann wird er wieder zu nichts, bis er wieder von neuem erwacht. Im Buch ist es natürlich eloquenter beschrieben, aber er gibt auf jeden Fall eine recht befriedigende und elegante Erklärung der Grund-Frage unseres Seins: Warum ist nicht nichts? = Tagebuchschreiben = Vielleicht ist es gar nicht die Reise, vor allem nicht die auf einem bestimmten Weg wie dem Jakobsweg, sondern eher das Schreiben über die Reise und das bewusste Schreiben über das Leben, das einen näher an sich (und Gott) heranbringt. Ich merke (als Tagebuchschreiber) ganz deutlich, dass er das Tagebuch am Anfang, wo er besonders spirituell ist, wirklich nur für sich selbst schreibt, als Spiegel seiner Suche, und erst in der Mitte an eine Veröffentlichung denkt. Das gibt dem Buch doppelten Wert; er hat es für sich geschrieben und nicht für ein Publikum. Die kurze Zusammenfassung seines Werdegangs als Künstler im Anfangsteil hat er meiner Meinung nach danach eingefügt; sie wirkt so materialistisch im Vergleich zu dem umgebenden Text. = Sex? = Schliesslich noch eine Frage: Er verweigert die Auskünfte zu den intimen Gesprächen mit seinen Mitwanderern (die vielleicht in der Originalversion des Tagebuchs stehen); aber was man gerne wüsste, ist, wie er sich über die 40 oder 50 Tage ohne Sex durchgeschlagen hat. Er ist ja schliesslich ein Mann, und er gönnt sich ja auch andere kleine fleischliche Schwächen wie ein gemütliches Zimmer, Ruhepausen, gutes Essen, Rotwein. Hat er dauernd onaniert, oder gab es da doch einige unerwähnte Geschichten? Die Frage ist nicht voyeuristisch; eine Antwort darauf würde das Gesamtbild noch runder machen.
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Der Nobelpreis
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von Andreas Eschbach Gebundene Ausgabe |
| Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar. |
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Shyamalan würde es verfilmen, 29. Juni 2006
Das riesige Geheimnis, das gegen Ende aufgedeckt wird, ist eins der Art, die der "Sixth-Sense" und "The Village"-Regisseur M. Night Shyamalan sofort zu einem Film machen würde: es stellt die ganze Geschichte auf den Kopf, lässt den Leser nochmal jede gelesene Einzelheit im neuen Licht Revue passieren. Der Autor Eschbach hat ein riesiges Weltwissen, Technikverständnis und Menschenkenntnis - wie wenige versteht er, diese Begabung in den Lauf einer atemberaubend spannenden Geschichte hineinzuweben (F. Schätzling kennt dagegen nur entweder Spannung oder Belehrung). Er stellt plausibel Verschwörungstheorien dar (warum bekommen eigentlich Leute den Nobelpreis) und macht sich gleichzeitig über die Anhänger dieser Theorien lustig. Ein grosser Geist, der Eschbach.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
bitte ins Englisch übersetzen - Australien wird dankbar sein!, 27. Mai 2006
Manuela Martini ist mit ihrem ersten Buch ein ganz grosser Roman gelungen: Die Geschichte ist spannend, bis zum Schluss weiss man nicht, wer der Mörder ist (oder sind es doch mehrere Mörder?). 20,30 Hauptpersonen treten auf, und doch alle verschieden, glaubhaft menschlich, glaubhaft interagierend. Immer ist die Geschichte komplex genug, um das Spannungslevel hochzuhalten, aber nie ist so kompliziert, dass man den Faden verliert. Die Faszination der Leere des australischen Outback fängt sie plastisch ein. Das Verhältnis der Aborigines und weissen Australier, zwischen Küstenaustraliern und abgebrühten Buschbewohnern schimmert immer durch, man versteht alle Seiten. Ich wünsche der Autorin, dass das Buch ins Englische übersetzt wird. Kein Australien-Reiseführer oder selbst Bill Bryans Down Under fängt die Faszination des Landes besser ein, erklärt die Zusammenhänge verständlicher als diese spannende Kriminalgeschichte im australischen Busch.
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
die Nichtigkeit von Krieg und Buch, 14. März 2006
Kriege entstehen nicht zwischen abstrakten Einheiten wie Völkern oder Religionen - alles, was zwischen Menschen passiert, wird von der Lust, dem Frust, der Gier und der Liebe einzelner Menschen bestimmt, auch eben Kriege. Diese Erkenntnis vermittelt Juli Zeh mit dieser Reportage. Sie taucht einfach ein in das Nachkriegsbosnien, lässt sich treiben mit den Menschen in Sarajewo, Srebrenica, Tuzla. Sie zeigt, dass ein Krieg nicht ein Naturereignis ist, dass plötzlich über uns kommt, sondern eine vage Idee, die immer mehr an Fahrt gewinnt, und Leute mitreisst, bis alle plötzlich erschrocken sind, dass es zu spät ist. Nicht nur mit den (Ex)Jugoslawen selbst, auch mit den UN-Soldaten, den Aufbauhelfern, den westlichen Reportern spricht Zeh, freundet sich an und zeigt, dass auch die Ausländer nicht ins NachkriegsBosnien kamen, um zu helfen, sondern in erster Linie für sich selbst - um Kohle oder Karriere zu machen, um einen reisserischen Artikel zu schreiben. Zeh zerpflückt den Krieg so sehr (und die Logik ihrer Geschichten gebietet das Zerpflücken), dass nichts mehr übrigbleibt, dass er wirklich absolut überflüssig erscheint. Sobald der Leser dann anfängt, sich von Zehs Ansicht überzeugen zu lassen, beginnt das Buch selbst irgendwie überflüssig zu wirken, alles wiederholt sich, alle Städte wirken gleich, man versteht wirklich nicht, was der grosse Unterschied zwischen Serben und Kroaten und Bosnier denn sein soll, oder zwischen Jugoslawien und irgendeinem anderen ärmeren Balkanland, und dann wirkt die ganze Geschichte plötzlich langweilig.
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43 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Diät ist toll - aber Buch ist schlecht, 26. Juli 2005
Die Diät verdient fünf Sterne, denn sie wirkt. Aber das Buch - und das steht hier schliesslich zur Bewertung - ist unstrukturiert, langatmig und teils schwer leserlich geschrieben. Der Autor ist Arzt, und wie in einer Sprechstunde, in der der Arzt mangelndes Einfühlungsvermögen für den Patienten allein durch die Länge der Sitzung wettmacht, fühlt sich der Leser. Der pseudo-joviale Ton wechselt unpassend immer wieder mit medizinischem Fachgerede ab; die zentrale und eigentlich einzige These ("Nie Kohlenhydrate und Fette zusammen essen") muss man sich zusammenklauben unter unnützen Detailinformationen, die teilweise lächerlich wirken. Zu meinen Negativ-"Favoriten" gehören die Tipps, lieber einen Burgunder als einen Bordeaux zu trinken oder der Geheimtipp, den Eistee, falls er nicht kalt genug ist, durch Zugabe von Eiswürfeln kälter zu machen. Die Rezeptideen im zweiten Teil sind relativ lieblos zusammengestellt, Vorschläge für die groß propagierten Zwischenmahlzeiten beschränken sich praktisch nur auf Rohgemüse und Gemüsesäfte. Wer auf die zugehörige Internetseite geht, findet schliesslich nur weiterführende und kostenpflichtige Angebote zu Kursen; weder werden ergänzende Rezepte noch (was ich gesucht habe) ausführlichere Ernährungstabellen angeboten. Vielleicht liegt der Stil ja Arzt-erprobten Laien; ich hätte einen klar strukturierten Ratgeber mit gutem Layout, der professionell lektoriert wurde, bevorzugt. Aber abgenommen mit Genuss (wie auf dem Titel versprochen), das hab schliesslich auch ich!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
die Japan-Exotik treibt die Spannung voran, 28. März 2005
Kein Japaner steht so über den Dingen wie Ken Hamada. Der läuft durch Tokio und scheint in einem fort über japanische Sitten und Denkweisen zu jammern, selbst noch im Kugelhagel hat er die Muße, über den Charakter der Japaner zu reflektieren. Da hat sich Gert Anhalt in seinem Helden ein alter ego geschaffen, das doch eher an den ausländischen Fernsehreporter Anhalt (ZDF) denn an einen echten japanischen Privatdetektiv erinnert. Das verzeiht man ihm gern. Das Tolle an diesem Buch ist, dass der Fortgang der Geschichte und die Spannungsmomentedramaturgie sich zwingend aus japanischen Eigenheiten und Schrulligkeiten ergeben. Der Detektiv schafft es, Kontakt zu der mysteriösen Millionärsgatin aufzunehmen, indem er als Gigolo in einem Hostclub anheuert. Wie erreicht man solche Frauen im Westen? Mehrmals hilft ihm nur noch die blinde Kaisertreue konservativer Japaner, zu überleben oder sein Ziel zu erreichen. In Europa wäre er da schon längst tot. In "echten" japanischen Krimis von Edogawa Rampo bis Keigo Higashino ist der Held oft ein einsamer Wolf, der durch eine diffuse Welt zieht. Das Faszinierende an Japan muss sich der westliche Leser eher mühsam aus Brocken in Nebensätzen zusammenklauben. Günter Zorns Krimis, ebenfalls ein Deutscher, der seine Krimis in Japan spielen lässt, lesen sich dagegen wie ein Japan-Reiseführer, über den zufällig ein hölzerner Krimi verstreut ist, der überall spielen könnte (und überall Gähnen hervorruft). In diesem Buch kommt Japan dagegen vor, wenn es der Krimi braucht. Dies war mein erster "Hamada" - ich freue mich schon auf den anderen Band.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Greifbar wie eine Zeitreise, 23. November 2004
Wie in "Being John Malkovich" springt der Leser hinter die Augen des jungen Arztes Röschlaub, und mit ihm in die Welt des Jahres 1780. Entfernungen sind plötzlich endlos, weil einen nur die holpernde Postkutsche mit Schrittgeschwindigkeit hinbringt. Nach dem zweistündigen Ritt von Nürnberg freut man sich, dass das heruntergekommene Schwabach dem erschöpften Reisenden ein Gasthaus bietet. Mit Röschlaub betritt man eine Buchhandlung in Königsberg, wo wie überall Bücher aus Fässern heraus verkauft werden. Hier sind Bücher spottbillig, im Vergleich zum heimischen Nürnberg, da will man gleich selbst ein paar mitnehmen. Nach dem mysteriösen, hinterwäldlerischen Franken ist Leipzig grell und aufdringlich, Königsberg kalt und unnahbar. Genau wie der Arzt fühlt man sich zu der geheimnisvollen schwarzhaarigen Patientin magisch hingezogen, und entdeckt so ein neues Rätsel. Gleichzeitig schafft es Fleischhauer, jenes Heilige Römische Reich Deutscher Nation vor 200 Jahren wie die Beschreibung eines grossen Reiches in einem Fantasy-Roman klingen zu lassen. Der Kaiser in der fernen Hauptstadt schickt mysteriöse Agenten in prächtigen, vierspännigen Kutschen. Ein Graf experimentiert auf seiner Burg mit geheimnisvollen Geräten, um Sternenstaub einzufangen. In einem verlassenen Herrschaftssitz sucht man nach magischen Beweisen und wird dabei von Soldaten in Phantasieuniformen überrascht. Allein dieses prächtige, plastische Eintauchen in das Buch ist ein Leseerlebnis. Gleichzeitig aber beginnt man unmerklich und ohne jede Anstrengung, Interesse an der philosophischen Kerndiskussion zu finden. Ganz kunstvoll ist sie mit der Geschichte verwoben. Und daneben noch Spannung, Mystik und Unheimliches zuhauf.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein echter Begleiter während des ganzen Lebens, 22. März 2004
Dieses Buch zu lesen macht einen glücklich und innerlich rein, und mehr noch, gibt einem Lust aufs Leben, nimmt einem die Angst vor dem Unbekannten. Es steckt soviel Wahrheit darin, und ich habe doch sicher erst einen Teil davon entdeckt. Das erste Mal habe ich das Buch mit 18 gelesen, seitdem immer wieder im Abstand von einigen Jahren, und fühle mich immer in meiner jeweiligen Lebensphase angesprochen. Ich habe auch kein Buch öfter verschenkt.
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