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Rezensionen verfasst von
FrizzText "frizz" (Wuppertal)
(TOP 50 REVIEWER)   

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You Are Not a Gadget: A Manifesto
You Are Not a Gadget: A Manifesto
von Jaron Lanier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen In der Hektik die Würde behalten ..., 30. Januar 2010
Ja, Facebook oder Twitter sind meistenteils zu flach, youtube klaut den Musikern den Profit, in Foren tummelt sich manchmal eine miese Meute, höhnisch die Anonymität ausnutzend. Aber das Web 2.0 hat auch seine guten Seiten. Das weiß auch sein Mitbegründer Jaron Lanier. Zunächst hat es uns aus der Passivität des Fernseh-Konsums befreit. Mit Wikipedia ist ein sehr brauchbares Gemeinschaftswerk entstanden: Allerdings zeigt so ein digitaler Lexikon-Klotz nicht gerade die persönliche Handschrift eines Literaten oder Philosophen. So betont Lanier, dass es charakteristisch für kreative Menschen ist, sich einmal eine Weile zurückzuziehen, um in der gewonnenen Konzentration neue Projekte zu ersinnen. Sie können sich also nicht hetzen lassen von Quantitäts-Anforderungen oder von der ständig geforderten Präsenz, die den Platzerhalt sichert auf den vorderen Seiten von google oder ähnlichen Suchmaschinen. Da hat er mal wieder recht. Die zur Zeit bestehende Technologie ermöglicht anonyme Lynchjustiz in Foren (andere aber haben mittlerweile Moderatoren eingebaut, die das begrenzen). Das Prinzip, dass der jeweils neueste Eintrag zählt, verführt zur verflachenden Überproduktion. Es gibt aber auch Webseiten-Programmierungen, die den Vorrang der Chronologie aushebeln und nach anderen Kriterien sortieren. Es geht also darum, die Würde des schöpferischen, individuellen Menschen nicht unter die Räder der geschaffenen Betriebsamkeit kommen zu lassen. Was als epochale Chance begann, soll die Gesellschaften nicht in die Verdummung zerren. Ich denke, das kriegen wir schon hin, es sind genügend im Web 2.0 unterwegs, die mit Nachdenklichkeit zu Werke gehen - und sich zum Beispiel dieses Buch zu Herzen nehmen.


You Are Not a Gadget: A Manifesto
You Are Not a Gadget: A Manifesto
von Jaron Lanier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Aufforderung zur Nachdenklichkeit, 30. Januar 2010
Ja, Facebook oder Twitter sind meistenteils zu flach, youtube klaut den Musikern den Profit, in Foren tummelt sich manchmal eine miese Meute, höhnisch die Anonymität ausnutzend. Aber das Web 2.0 hat auch seine guten Seiten. Das weiß auch sein Mitbegründer Jaron Lanier. Zunächst hat es uns aus der Passivität des Fernseh-Konsums befreit. Mit Wikipedia ist ein sehr brauchbares Gemeinschaftswerk entstanden: Allerdings zeigt so ein digitaler Lexikon-Klotz nicht gerade die persönliche Handschrift eines Literaten oder Philosophen. So betont Lanier, dass es charakteristisch für kreative Menschen ist, sich einmal eine Weile zurückzuziehen, um in der gewonnenen Konzentration neue Projekte zu ersinnen. Sie können sich also nicht hetzen lassen von Quantitäts-Anforderungen oder von der ständig geforderten Präsenz, die den Platzerhalt sichert auf den vorderen Seiten von google oder ähnlichen Suchmaschinen. Da hat er mal wieder recht. Die zur Zeit bestehende Technologie ermöglicht anonyme Lynchjustiz in Foren (andere aber haben mittlerweile Moderatoren eingebaut, die das begrenzen). Das Prinzip, dass der jeweils neueste Eintrag zählt, verführt zur verflachenden Überproduktion. Es gibt aber auch Webseiten-Programmierungen, die den Vorrang der Chronologie aushebeln und nach anderen Kriterien sortieren. Es geht also darum, die Würde des schöpferischen, individuellen Menschen nicht unter die Räder der geschaffenen Betriebsamkeit kommen zu lassen. Was als epochale Chance begann, soll die Gesellschaften nicht in die Verdummung zerren. Ich denke, das kriegen wir schon hin, es sind genügend im Web 2.0 unterwegs, die mit Nachdenklichkeit zu Werke gehen - und sich zum Beispiel dieses Buch zu Herzen nehmen.


Das Leben der Anderen
Das Leben der Anderen
DVD ~ Martina Gedeck
Preis: EUR 9,99
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Fragment zur Intellektuellen-Verfolgung in Deutschland, 25. Januar 2010
Man braucht diese DVD im eigenen Regal, um bloß nicht zu vergessen, worüber Deutsche ernsthaft nachzudenken hätten: Über Bespitzelung und Verrat an die Polizei, was des Verratens nicht wert wäre, hätte man Achtung vor Meinungsfreiheit. Was die Gestapo in der Hitlerzeit trieb, lebte als Stasi weiter in der DDR. Als deutsche Mentalität, mit nicht so ganz ausgefeilter Pedanterie und Technik, gab es dergleichen übrigens auch in Westdeutschland: Berufsverbote und die dazugehörigen Behördenflure und Einschüchterungen, endlose pedantischen Beobachtungen und höhnisch-hämische Schriftsätze. "Das Leben der anderen", das Leben der Intellektuellen und Künstler, wurde von den Nazis gehasst und den Kommunisten - und soziale Schichtungen mit den üblichen Hass-Reaktionen gibt es auch in der BRD (und der ganzen restlichen Welt). Ein Film also nicht nur für "Ossis", sondern über anthropologische Grundtatbestände. Die Uniformen mögen von Land zu Land anders aussehen. "Die Sonate vom Guten Menschen", ein unterlegter Songtitel und wesentlicher Kern der Message dieses Filmes, könnte einen glatt wütend werden lassen: Wahrscheinlich gab es keinen einzigen IM, der seinen Opfern wirklich aus der Patsche geholfen hätte. Das ist das ärgerlich Illusionäre an diesem Film, der Gesten des Verzeihens ans "Happy" End stellt, wo eigentlich Wut und Rache hingehören. Beim Songtitel "IM Martha" (Christa-Maria Sieland, im Film dargestellt von Martina Gedeck, der Hauptdarstellerin unlängst im fröhlichen Kinowerk "Bella Martha") - für sie stülpt sich zwar sicherlich das Herz um, für die anderen aber, die "tausend Augen" der "unsichtbaren Front", für sie bricht dieser Film herein wie ein Justizverfahren, das es in Deutschland leider nie gegeben hat. Weder nach dem Ende der Nazi-Diktatur noch nach dem Abgesang des Honecker-Staates - noch nach dem Ausklingen der Berufsverbote in Westdeutschland. Der Staat klagt seine Helfershelfer und Paladine niemals an. Es ist nötig, dass wir uns noch viel genauer auseinandersetzen mit Typen wie Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) oder dessen direkten Vorgesetzten, dem Leiter der Abteilung Kultur bei der Staatssicherheit Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) oder gar dem "hohen Tier" Minister Bruno Hempf (Thomas Thieme). Das schleimige Verzeihen, das Schauspieler Sebastian Koch schon im Albert-Speer-Film zu mimen hatte, das praktiziert er auch als bespitzelter DDR-Künstler Georg Dreyman. Die bedrohlich kriechende Musik ist die passende Mayonnaise zu dieser Welt, die man so weit zurückdrängen sollte wie möglich: Denn ihre Überreste bedrohen immer noch unsere geistige Freiheit, wenn auch nicht mehr in diesem perfekten, durchschlagenden Maße.


Ungeheurer Alltag
Ungeheurer Alltag
von Marie-Luise Scherer
  Broschiert
Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar.

 
4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die schärfste Beschreiberin, 25. Januar 2010
Auf Marie-Luise Scherer wurde ich aufmerksam durch viele im SPIEGEL von ihr veröffentlichte Essays. Am erschütterndsten war für mich ihre Serie über die HUNDEGRENZE, die Schäferhund-Soldaten der D.D.R. - besonders wie sie beschrieb, dass die an die Laufleine geketteten Tiere, die auf einem zugefrorenen See ihren Dienst taten, erbärmlich ertranken, als das Eis schmolz - und die flehentlichen Bitten der Beobachter im Behörden-Dschungel der D.D.R.-Bonzen ungehört versickerten. Im SPIEGEL schrieb ich selbst damals (Februar 1994): "Die Grenz-Hunde bekommen in der Beschreibung Marie-Luise Scherers die Würde von Menschen; die DDR-Menschen geben das Bild von Hunden ab. Aber man muss deutlich hinzufügen: Auch im Westen gibt es diesen untertänigen, zu jeder Schlechtigkeit bereiten Menschentyp, nur dass er gar nicht dieser unglaublichen Erpressung ausgesetzt ist, so zu sein." Marie-Luise Scherer schreibt mit dem soziologischen Brot-Messer in der Hand als wäre es das eiskalte Skalpell eines Gerichts-Pathologen. Deswegen habe ich mir auch ihr Buch über den ungeheuren Alltag gekauft. Sigmund Freud, vielleicht auch ein Hitchcock oder Polanski, - sie hätten Freude an ihr gehabt. Es müsste sich ein Hieronymus Bosch unserer Tage finden, der ihre Berichte visualisiert, damit man sie noch besser im Gedächtnis verwahrt ...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2010 6:24 PM CET



Roman Polanski: Odd Man Out
Roman Polanski: Odd Man Out
von Denis Meikle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,99
Verfügbarkeit: Gewöhnlich versandfertig in 1 bis 4 Wochen.

 
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lebenslang traumatisiert ..., 25. Januar 2010
Roman Polanski, geboren am 18. August 1933, - er ist ein Sünder und gleichzeitig unbestreitbar ein Genie. Er ist erschreckend chaotisch und leidenschaftlich, er gebärdet sich als Macho und ist gleichzeitig so extrem und tief verwundet, dass in seinen Filmen oft nur eine auswegslose Atmosphäre von Bedrohlichkeit herrscht. Er überlebte im zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder das von den Nazis besetzte Polen: Während sowohl seine Mutter als auch sein Vater in KZs abtransportiert wurden, schaffte er sich immer wieder zu verstecken, irgendwo unauffindbar unterzukriechen. Resilienz nennen Psychologen diese Widerstandskraft, die bestimmten Menschen immer wieder ermöglicht, sich aus der Asche zu erheben und den Staub von den Kleidern zu schlagen. Polanski verlor seine Frau Sharon Tate (und ein ungeborenes Baby) beim Helter-Skelter-Massaker der Manson Kommune. Aus der Bahn geworfen geriet er ins Netz einer 13-jährigen, die ihm anschließend geldgierig einen Prozess wegen Verführung Minderjähriger um den Hals hing. Die Behandlung durch die amerikanische Justiz veranlasste Polanski dazu, die USA zu verlassen und in Paris heimisch zu werden. Dort lebt er (70 jährig) nun mit seiner erheblich jüngeren Frau Emmanuelle Seigner (Hauptrolle in seinem Film "Bitter Moon"). Polanski war optimistisch und ängstlich, arrogant und leichtsinnig, ironisch und traumatisiert. Die Erfahrungen seiner frühen Jugend halfen ihm bei seinem neuesten Kinowerk, jenem über die traurige Kindheitssituation im England des Charles Dickens. Einmal bemerkte Polanski: "Die Linie zwischen Phantasie und Realität ist hoffnungslos verwischt..." - in der Tat, Polanski beschreibt sich indirekt durch die Film-Themen, die er wählt: Somit haben wir vor uns eine hybride Charakter-Mischung aus einem Robin Hood gemixt mit einem Mac Beth, einem unverschämten Idi Amin gemixt mit einer an Opfern reichen Mutter Theresa. Das Buch von F. X. Feeney über Polanski zeigt uns eine Welt hinter den Vorhängen der zu kurz geratenen keep-smiling-Interviews, es enthüllt etwas von den Tricks, die einem dabei helfen mögen, Niederlagen und Tragödien zu überstehen, Einkesselungen durch Befreiungsschläge zu entmachten, Abstürze durch Kletterkunststücke wieder aufzuheben. Dieses Buch ist fast interessanter als die von Polanski zur Verfügung stehenden Filme ...
Tags des Rezensenten: biographie, frizztext, polanski, roman polanski, trauma


Was Sie immer schon über Lacan wissen wollten und Hitchcock nie zu fragen wagten
Was Sie immer schon über Lacan wissen wollten und Hitchcock nie zu fragen wagten
von Slavoj Zizek
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Psychoanalyse + Krimi-Schreiberei, 24. Januar 2010
Je häufiger man Krimis im TV oder im Kino sieht, je öfter man Krimis sich lesend einverleibt, umso mehr gelangt man zu der Einsicht, dass Krimi-Autoren und Drehbuchschreiber Psychologie studiert haben müssen und daraufhin ihre Einsichten anwenden wollten, bei der Herstellung von Erzählflächen, die sich mit dem Unbewussten ausgiebiger beschäftigen. Dazu haben Psychiater selbst meist keine Zeit. Lacan widmete sich zum Beispiel als niedergelassener Neurologe bevorzugt der Behandlung akut Suizid-Gefährdeter, fand daneben aber dennoch genügend Zeit, psychoanalytische Gesellschaften zu gründen und sich anschließend mit deren Mitgliedern herumzuzanken, sowie auch Vorlesungen zu halten über Phänomene wie zum Beispiel Hitchcock. In PSYCHO greift Hitchcock denn nun auch wirklich voll in die Arsenale psychiatrischen Wissens, von der Mutter-Fixierung über verhängnisvoll hohe intrapsychische Aggressionspotentiale bis hin zum Phänomen der Persönlichkeitsspaltung, bei der die eine Hälfte nicht weiß, was die andere tut. Seit Hitchcock haben hunderte, vielleicht tausende Kreative versucht, Drehbücher dem Publikum vorzusetzen, die in die Abgründe der menschlichen Seele führen (und zum Mord, ohne den scheinbar heutzutage kein Film mehr auskommt). Von Kafka bis Chagall, von Dali bis Edgar A. Poe, von Hitchcock bis David Lynch, vom Grimmschen Märchen bis zu den Breughelschen Höllen ließen sich noch viele Ausspähungsbrücken zwischen Kunst und psychoanalytischer Wissenschaft installieren. Lacan ist geistesgeschichtlich, so sehr er auch attackiert wurde, wichtig, weil er in der Diskussion hielt, was seit Sigmund Freud nicht mehr wegzuwischen ist aus der Geschichte des Nachdenkens, sich selbst Verstehens, auch derjenigen der Kunst sowie der Unterhaltungsindustrie ...
Kommentar Anmerkungen (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 25, 2010 11:57 AM CET



Kamikaze: Todesbefehl für Japans Jugend. Überlebende berichten
Kamikaze: Todesbefehl für Japans Jugend. Überlebende berichten
von Klaus Scherer
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das Problem aller Soldaten, 23. Januar 2010
Immer wenn ich mich mit dem Thema Kamikaze beschäftige, und dieses Buch von Scherer und sein Film, den ich gestern wieder im TV sah, ist das eindrücklichste, dann denke ich an die deutschen Soldaten in den beiden Weltkriegen, die ja auch verheizt wurden von einer geisteskranken Führerschaft und deren Lakaien und deren geistloser Bürokratie und unmenschlicher Justiz, die keine Auswege erlaubte. Die Unterschiebung, und klammheimlich versuchte Motivierung für weiteren Kadavergehorsam, bei Kamikaze handele es sich um heroische Selbstaufopferung, von der man sich eine Scheibe abschneiden könne, so nirgends expliziert aber leider sublim vorhanden, diese Unterschiebung ist das schlimmste an nachträglicher Selbstbeweihräucherung der Pathetischen! "Die größten Bestien sind nicht einzelne Menschen, die größten Bestien sind die Staaten", bemerkte Nietzsche einmal in seinen Momenten kurzer Klarheit. Die jovialen Reden der Befehlshaber vor den deprimiert dastehenden jungen Männern, die keinerlei Ausweg sahen, denn Rechte hatten sie nicht (wie kein Soldat dieser Welt, auch heute nicht), die jovialen Reden, die im Film vorkommen sowie in den im Buch wiedergegebenen Tiefen-Interviews, die jovialen Reden sind das erschütternde, auf das wir blicken sollten, nicht auf einen angeblichen heroischen, vorbildlichen Tod, den es nicht gab, sondern nur die erbärmliche Ausweglosigkeit des Verschickten. Dass es sich hier um ein Problem aller Soldaten, nicht nur der japanischen, handelt, wird noch zu wenig entdeckt. Dass staatliche Systeme mit höhnischer Anwendung ihrer juristischen Einkesselungen immer wieder die Wehr- und Recht-losigkeit oder zumindest naive Verführbarkeit junger Männer ausnutzen können, das ist das eigentliche Problem. Die Selbstmord-Attentäter, mit dem Sprengstoff-Gürtel um den Bauch, sind nur ein weiterer Beweis, dass das Thema Kamikaze nicht auf ein Land oder eine Zeit beschränkt war. Etwas über den Tellerrand von 1944-1945 sollte man durch dieses Buch hinausgucken lernen. Das Buch gibt die Chance dazu!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 23, 2010 1:14 PM CET



zeitenwenden: 20 Jahre im Leben eines Menschen
zeitenwenden: 20 Jahre im Leben eines Menschen
von Bernd Lasdin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Über das Sich-Verändern, 21. Januar 2010
Die erste Fotoserie 1986, die zweite 1998, die dritte 2008: eine einmalige Chance für eine soziologische Langzeitstudie: Bernd Lasdin hat sie wahrgenommen. Die bewegende Frage ist natürlich: Hat die Umstülpung der DDR in "neue Bundesländer", hat jene von den DDR-Bürgern in Gang gebrachte "unblutige Revolution des Jahres 1989", hat das Verlassen alter Befehlsketten die Menschen verändert, welches sind lebensbestimmende Faktoren stattdessen geworden, Beeinflussungs-Netze, die eventuell stärker als die verlassene Welt des auf-oktroyierten Staats-Sozialismus sind? Für eine Rentnerin, die von LASDIN vorgestellt wird, hat sich nicht mehr verändert, als dass ihre Katze gestorben ist; der querschnittsgelähmte Palästinenser Sadim liegt betrüblicherweise seit 10 Jahren unverändert im selben Krankenhaus: jedoch LASDIN entdeckte auch Mutgebendes: Aus einem Maschinenbau-Ingenieur wurde ein Konfliktforscher, viele private Rückzugs-Räume wurden ästhetischer: Den Soziologen war schon seit Längerem aufgefallen, dass quer zum alten drei Schichten-Modell es allerorten auf der Welt Menschen gibt, die sich individuell definieren durch ihre private, in ihrer Wohnung verwirklichten Ästhetik! Somit wären die Einflüsse der wechselnden politischen Systeme gar nicht so überwältigend, wie eigentlich zu befürchten. Dem einen bleiben die protzigen Geweihe an der Wand zwar eine alle politischen Lenkungs-Versuche abschmetternde Lebenskonstanz, dem anderen aber der große Tisch, um welchen sich die Familie immer versammelt. Hochinteressant wird das Buch Lasdins auch dadurch, dass die Portraitierten kleine Texte unter ihre Fotos bugsieren durften, so schrieb z.B. Rudolf Krug: "Das alte System war auf Lüge gegründet. Das neue System ist auf Betrug gegründet." Also: nicht nur ein Fotobuch, sondern ein zutiefst menschliches, philosophisches, spöttisch trendforscherisches, auch hoch politisches, das sehr zum Nachdenken anregt!



Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens: 30 vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR
Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens: 30 vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR
von Mark Scheppert
  Broschiert
Preis: EUR 14,90
Verfügbarkeit: Auf Lager.

 
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein kleiner, aber feiner und lustiger DDR-Rückblick ..., 21. Januar 2010
"Man kann sich leicht eine Sprache vorstellen, die nur aus Befehlen und Meldungen in der Schlacht besteht, oder eine Sprache, die nur aus Fragen besteht und einem Ausdruck der Bejahung und Verneinung. Und unzählige andere. Eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen..." schrieb der Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889-1951). Ein auffälliges Phänomen bezüglich der zusammen wachsenden Teile Deutschlands (für Sprachphilosophen) ist das Abdriften der Beschreibungssysteme in kuriose Gewässer mit Untiefen. Von den Selbstbeweihräucherungen des Kanzlers der Einheit und den Parolen auf den Straßen in Leipzig 1989, von den Merkel'schen Tricks, "Deutungshoheit" zu erlangen bis zu den Tandem-Tänzen von Gysi und Lafontaine, vom Lamentieren der "Zonenkinder" bis hin zur Kaltschnäuzigkeit der Ex-Treuhand-Chefin: mancher Leser (und Denker) muss sich (Ideologie-argwöhnisch) fragen, wo denn eigentlich die Wirklichkeit nun festzumachen sei. Mark Scheppert demonstriert mit seinem Buch MAUERGEWINNER eine Eulenspiegelhafte Variante dieses scheinbar närrischen deutsch-deutschen Wetteiferns. Im Horizont der von ihm beschriebenen 18 Jahre VOR dem Mauerfall kommt wenig Schorlemmerei vor, schon gar nicht ein sich im Westen abmühender Udo Lindenberg (Sonderzug nach Pankow), nicht einmal Willy Brandt - allerdings Schalck-Golodkowsky, Jan Ullrich, Franziska von Almsick: Zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Tor aufgewachsen, beschreibt Mark Scheppert Kindheits- und Jugend-Erlebnisse, wie ich sie, parallel im Westen aufgewachsen, auch berichten könnte: Ärger über die Beschränktheiten der eigenen Familie, klammheimliche Schadenfreude beim Erinnern manch jugendlicher Risikobereitschaft, Ernüchtertsein beim Beschreiben bestimmter, trauriger Berufssituationen: die besondere Leistung: Den Autor verlässt in allen seinen 30 Anekdoten, Glossen, Possen-Spielchen niemals der Grundton fröhlichen Spotts. Keiner, der mit dem Kopf blindlings durch die Mauer hätte rennen wollen! Eher einer, der einen riesigen Ost-Berliner Bären aus einem Warenhaus klaut und ihn spöttisch in einen S-Bahn-Zug Richtung Westen setzt, damit er mal was erleben kann - oder der jenen Todesstreifen-Überquerungs-Möwen einen Zettel an den Flügel hakt mit der Aufschrift: "Ich bin aus Ost-Berlin. Bitte helfen Sie mir!" Das wussten die Philosophen von Sokrates über Kierkegaard bis Adorno allerdings auch immer schon: Ironie ist eine sehr ertragreiche Methode - und bei allen Machthabern, egal in welcher Partei, immer höchst verdächtig...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 22, 2010 3:15 PM CET



The Right to Life in Japan (Nissan Institute Routledge Japanese Studies Series)
The Right to Life in Japan (Nissan Institute Routledge Japanese Studies Series)
von Noel Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 97,99
Verfügbarkeit: Auf Lager. Versand kann bis zu 2 zusätzliche Tage in Anspruch nehmen.

 
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Karoshi - sicher bald auch bei uns ..., 21. Januar 2010
Angesichts des immer unbarmherziger werdenden Kampfes am Arbeitsplatz, der häufig ein chronischer, subtiler Kampf UM den Arbeitsplatz geworden ist, muss man nicht hellseherisch veranlagt sein, um das japanische Karoshi-Syndrom als auch bald bei uns auftauchend zu prophezeien. Einerseits wird auch bei uns vom Arbeitnehmer immer mehr ein Einsatz verlangt, der an die Aufopferung für die eigene Familie heranreicht (der man auch höflicherweise keine Überstunden anrechnen würde), andererseits wird man kaltlächelnd gekündigt, wenn irgendwelche Zahlenkolonnen der Firma einen Sparkurs verordnen. Obwohl meist an anderer Stelle der Firma verschuldet, wird durch Entlassungen kuriert, was Management-Fehler im Börsenbereich oft waren. Japan: morgens früh von den U-Bahnen aus den Trabantenstädten angesaugt, tagsüber in den Zentren der Cities auf Trab gehalten, dass kein wirkliches Nachdenken mehr möglich ist, abends wie menschlicher Müll wieder vor den Haustüren der Vorstädte ausgespuckt: ob Tokio oder Frankfurt, Hiroshima oder München, Nagasaki oder Berlin: der Unterschied schwindet. Die Kälte des Neo-Kapitalismus ist global gemeinsamer Besitz geworden. Für die Opfer, die auf der Strecke dieser erbarmungslos gewordenen Arbeits-Mühlräder zugrunde gehen, sei es durch Herzinfarkt, Gehirnschlag oder Selbstmord - für die Opfer muss auch einheitliches RECHT geschaffen werden. In Japan versuchen hinterbliebene Frauen Renten und Entschädigungen einzuklagen, wenn ihre Männer kaltherzig von einer Firma zerrieben wurden. Nicht leicht in einem Land, das viel Routine mit der Verdrängung, mit der aalglatten Maske des Lächelns und Nicht-Beantwortens hat. Es ist allerdings bei uns nicht viel besser. Es ist mir der Fall eines in den Selbstmord getriebenen OPEL-Mitarbeiters im Gedächtnis, dessen Frau bei gerichtlichen Schadensersatz-Forderungen scheiterte. In Schweden immerhin wurde Mobbing justitiabel gemacht (bei uns noch nicht; in Japan reicht Mobbing nicht aus, da muss schon der Tod als finale Beweislage her). In England erreichte über den Klageweg eine Mitarbeiterin der Deutschen Bank eine Entschädigungszahlung wegen Mobbens. Global ist das Problem. Die Gegenwehr-Möglichkeiten müssten zunehmend auch global verglichen werden. Dieses Buch über Japan wäre eine gute Hilfe dabei!

Seite 71: "social value of death Karoshi (death from overwork) and suicide from psychological and physical pressures are current problems inside direct profit-making organizations ... "


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