Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Ein Buch, dessen Ambition in jedem Absatz spürbar ist - eingelöst wird sie leider nicht, 24. August 2009
Niklas Kalf ist ein renommierter Biograph, der am Beginn des Romans zusammen mit seiner Frau Liz in den USA für eine Biographie über den jüdischen Wissenschaftler Eugen Meerkatz. Das ist das Einstiegsszenario.
Als Niklas Kalf eines Morgens in seinem Hotelzimmer in New York erwacht, ist seine Frau Liz entführt, und die Entführer verlangen vom armen Kalf hochbrisantes Material aus dem wissenschaftlichen Nachlass des besagten Meerkatz, von dem der Biograph aber keine Ahnung hat. Das ist der Plot.
Auf der Suche nach der verschwundenen Gattin beginnt der Autor eine transamerikanische Reise, die ihn von New York über Marfa in Texas bis nach Kalifornien führt. Das ist die Handlung.
Schlecht hört sich das nicht an, denn diese Reise bietet genug Gelegenheit, die USA mit den Augen eines europäischen Intellektuellen darzustellen, und außerdem möchte man auch noch wissen, was aus der verschwundenen Ehefrau geworden ist.
So habe ich das Buch mit großen Erwartungen in die Hand genommen - und wurde enttäuscht. Denn zunächst entfaltet die Handlungsführung, insofern man sie als eine Kriminalgeschichte liest, keinerlei Spannungsbogen. Reichlich behäbig bewegt sich der verlassene Niklas auf der Suche nach seiner verlorenen Frau durch die Weiten der USA. Und dass der Entführungsplot irgendetwas mit Raketentreibstoff und nordischem Rassismus zu tun haben würde, ahnt ein Blinder mit Krückstock bereits lange vor dem merkwürdig begriffsstutzigen Protagonisten.
Wie aber verhält es sich mit der Sprache? Sehr uneinheitlich. Über weite Passagen wird geradezu unbeholfen erzählt - mehr noch: manche der Schachtelsätze kamen mir vor wie ein Schlag auf die Augen. Dann überrascht der Autor aber auch mit starken Passagen über Landschaften, Personen oder Erinnerungen - etwa, wenn der Protagonist in der texanischen Nacht dem "Schreien der Züge" lauscht und Töne vernimmt, "als schöben sie die Zeit vor sich her"(S.74 ). Schließlich werden an den verschiedensten Stellen des Romans dem Text urplötzlich poetische Edelwendungen wie Kalendersprüche aufgepfropft, ohne dass sie sich zwingend aus dem Kontext ergäben. So ist Liz noch gar nicht verschunden, da liest man: "Es ist eine Illusion zu glauben, wir wüssten, wann eine Geschichte zuende ist. Spüren wir es doch kaum, wenn eine beginnt."(S.21). Aha. Als Liz dann partout nicht wieder auftauchen will, da heißt es: "Er spürte jetzt oft den Sog jener Ausweglosigkeit, mit der sich der Horizont zu schließen beginnt." (S. 109). Ein Buch mit derart unterschiedlichen sprachlichen Mitteln zu lesen, ist anstrengend, in jedem Augenblick kann einen die Seichtigkeit einlullen, ein starker sprachlicher Zugriff packen oder ein Kalenderspruch verblüffen.
Schließlich ist dem Buch in jedem Kapitel seine Ambition anzumerken, was nicht nur stört sondern auch noch bedauerlich ist, weil sie insgesamt nicht erfüllt wird. Es handelt sich weder eine gute Kriminalgeschichte, noch um ein überzeugendes USA-Portrait und schon gar nicht um eine Standortbestimmung Europas im Verhältnis zum Rest der Welt. Aber immerhin das Cover der gebundenen Ausgabe ist klasse.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Ein Möchtegern-Cowboy im wilden Westen, 12. September 2008
Eines sei vorausgeschickt. Thomas Hetche kann schreiben, sogar verdammt gut. Die Amerika-Schilderungen in diesem Buch sind durchweg überdurchschnittlich gut, oft sogar atemberaubend poetisch. Egal ob Stadtlandschaft (New York), texanische Einöde oder Plastikdschungel Los Angeles, die sprachlichen Bilder sitzen, und man möchte als Leser gern (auch über hunderte von Seiten hinweg) diese fantasie- und kraftvolle Prosa in sich hineinsaugen. Irgendjemand scheint aber diesem Autor erklärt zu haben, dass es auch noch eine Handlungsschiene in diesem Roman geben muss. Und da beginnt das Desaster.
Was hat Hetche sich ausgedacht?
Der Autor einer Biografie reist mit seiner schwangeren Frau aus Recherchegründen nach New York. Dort trifft er einige Verlagsmenschen und nach wenigen Tagen wird seine Frau entführt. Der Autor erhält einige ominöse Anrufe und Besuche, wodurch er erfährt, dass man von ihm Informationen haben will, die er aber leider nicht besitzt. Er solle im Übrigen auf keinen Fall zur Polizei gehen. Das tut er dann auch nicht. Vielmehr hält er sich noch Wochen mehr oder weniger grundlos in New York auf, reist dann nach Texas, um einer Spur zu folgen, die sich sofort zerlegt, was ihn aber nicht davon abbringt, erst mal kräftig in der Provinz zu versumpfen, ein Verhältnis zu beginnen etc., etc. Währenddessen wird seine schwangere Frau gefoltert, wie er anhand von Fotos erkennen kann. Unternimmt er etwas? Nein. Geht er jetzt endlich zur Polizei? Damit keine Missverständnisse entstehen: Er will seine Frau nicht loswerden, er behauptet, sie zu lieben, sich auf das Kind zu freuen, das sie inzwischen doch bald gebären müsste - oder vielleicht auch schon geboren hat. So genau kann er sich nicht mehr erinnern. Macht auch nix. Denn jetzt muss er erst einmal einen Mord begehen, wie sich das für einen echten Cowboy schickt. Dann muss er die Konfrontation mit einem sattelfesten, schießwütigen Filmproduzenten überstehen, fast in aller Einsamkeit an einer Blutvergiftung zugrunde gehen und schließlich das Geheimnis, um dessentwillen man seine Frau festhält, eher durch Zufall aufdecken. Natürlich ist das Geheimnis ziemlich banal und hat mit finsteren 2.Weltkriegs-Machenschaften zu tun, wie es sich für ein echtes B-Movie gehört.
Ach ja, am Ende ist die Frau wieder da und das Kind ist es auch. Aber wie es dazu gekommen ist, wird nicht verraten. Von mir nicht und von Thomas Hetche auch nicht.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
ich versteh's nicht, 13. November 2006
sprachlich angenehm, flüssig zu lesen. Packende Beschreibungen von einsamen Tankstellen und Motels an staubigen Highways.
Als Roman im Sinne von Eintauchen in eine andere Welt, Verstehen von menschlichen Reaktionen, konnte ich das Buch jedoch nicht lesen. Nicht daß es mir so fremd wäre wie vielleicht die Beschreibung einer anderen kulturellen Haltung zu vielen Dingen - dann sähe ich von einer Bewertung ab. Aber daß ein Mann, dem seine schwangere junge Frau abhanden kommt (die er liebt und nicht loswerden wollte) monatelang mit obskuren Personen neue Bekanntschaften schließt, nach dem Erhalt von Photos, aus denen hervorgeht, daß es seiner Frau nicht unbedingt gut geht, ein bißchen durch die Gegend fährt und Beef Enchiladas bestellt sowie weitere neue Bekanntschaften schließt und eine Affäre abspult, kann ich schlecht nachvollziehen. Noch nicht mal psychosomatische Beschwerden, etwa Schlafstörungen oder Magenbeschwerden treten auf. Das ist mir eine Klasse zu surreal, und so wird es wohl auch gemeint sein. Wahrscheinlich muß man wirklich das meiste in diesem Roman literarisch-analytisch lesen, wie eine Art Parabel, was ja auch einige Rezensenten schon andeuteten.
Leider gehöre ich wohl nicht zur Zielgruppe dieser Art Literatur. Ich fand's überwiegend anstrengend und mühsam zu lesen, aus obengenannten Gründen. Zweifellos ist Hettche ein hervorragender "Schreiber", und es ist ja allemal interessant, welch unterschiedliche Reaktionen dies Werk provoziert.
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